Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Üfficieife Ausstellungs - Nachrichten.
11
y 2 7 Uhr erschienen: Prinz und Prinzessin Reuss, Prinz und
Prinzessin Hohenlohe, Prinzessin Ratibor und Freifrau von Reischach.
«
Der Ausstellungs - Sammler. Einer unserer Mitarbeiter
schreibt uns: Eine stereotype Erscheinung jeder grösseren Ausstellung
ist der Sammler, der alle irgendwie erreichbaren Erinnerungsobjecte
entweder durch Kaut oder geschenkweise erwirbt, sie zu einer
Sammlung vereinigt und so der Nachwelt einen wichtigen Beitrag
zur Geschichte der Ausstellungen übermittelt. Auch die Berliner
Gewerbe-Ausstellung wird eine grosse Anzahl solcher Sammlungen
zuWege bringen, Der Anfang dazu ist bereits gemacht, und allem
Anschein nach wird es eine recht ansehnliche Sammlung werden,
die nach 25 bis 50 Jahren einen grossen historischen Werth besitzen dürfte.
Ich habe Sammlungen gesehen, die so verständnissvoll und sorgfältig
angelegt sind, dass sie in verschiedene Unterabtheilungen zerfallen. Da
giebt es eine Specialsammlung von allen möglichen, auf die Ausstellung,
ihre Gruppen und Abzweigungen bezüglichen Placaten, natürlich an
fangend mit dem Hammerplacat, und nur unter Berücksichtigung
aller künstlerischen Entwürfe. Eine andere Unterabtheilung
ist die Sammlung von Adresskarten, die am leichtesten zu erlangen
sind, indem man auf einem Rundgang durch das Hauptindustrie-
Gebäude von den ausliegenden Empfehlungen ein Exemplar an
sich nimmt. Weiter werden, die verschiedenartigen Postkarten mit
Ansicht, einige auch mit dem Poststempel der Berliner Gewerbe-
Ausstellung, gesammelt; in diese Kategorie fallen ; auch
die auf die Ausstellung bezüglichen Marken, Stempel, etc,;
Drucksachen, wie Tageszeitungen, illustrirte Journale, Concert-
Programme etc., dürfen in einer Ausstellungs-Sammlung nicht
fehlen. Aber mancher Sammler geht noch weiter; er kauft Malereien
auf Porzellan oder Glas, sowie irgend andere Artikel der Kurz
um! Galanteriewaaren-Brancke, wenn sie nur ein Wort oder ein
Bild, welches der Ausstellung erwähnt, enthalten, und kann
somit ein ganz hübsches Stückchen Geld für seine Aus
stellungs - Sammlung los werden. Der enragirte Sammler ist
beständig auf Jagd nach neuen Raritäten; mit einer dickleibigen
Packet-Eolle sieht man ihn durch die Ausstellungshallen schweifen.
Wo er noch irgend etwas Neues vermuthet, da stürmt er hin, und
in froher Stimmung trägt er Abends seine Schätze heim. Nur ein
Gedanke beseelt ihn: welchen Werth einst diese Sammlung nach
Ablauf eines halben Jahrhunderts erlangen wird, vielleicht nicht mehr
für ihn, aber doch für seine Nachkommen! Und das ist die ideale
Seite in der leidenschaftlichen Thätigkeit des Ausstellungs-Sammlers.
Es geht so manches verloren, was unbedeutend erscheint
und werthlos, und was doch auch seinen Beitrag liefert
zur Culturgeschichte der Menschheit — wenn es nur richtig
erkannt und aus seiner Verborgenheit emporgehoben wird, wie
es der Ausstellungs-Sammler thut mit den tausenderlei anscheinend
nichtigen Dingen, die in seiner Sammelmappe zu einem Beitrag
der Culturgeschichte heranreifen. Auch nach dieser Richtung hin
steht die 1896er Ausstellung allen ähnlichen Veranstaltungen in
Berlin voran; ja, ich muss sagen, meine eigene Ausstellungs-Sammlung
von 1879 kommt mir wie ein Kinderspiel vor im Vergleich zu
den vielseitigen Schätzen, die man in diesem. Jahr erwerben kann
für eine »Berliner Ausstellungs-Sammlung von 1896.«
V
Von der Sport - Ausstellung. Die Gruppe XXI
hat nicht nur die Aufgabe, die gewerbliche Seite des Sports
zu berücksichtigen. Nicht nur auf eine Ausstellung der industriellen
Erzeugnisse auf diesem Gebiete kommt es an, sondern sie
will den Sport selbst in hervorragender Weise dem deutschen
Volke näher bringen, sie will die Ablehnung, die heute leider
noch weite Kreise dem Sport gegenüber zeigen, beseitigen helfen,
indem sie die Schönheiten und Vorzüge des Sports dem Publikum
in ihren einzelnen Untergruppen vor Augen führt. Und es ist
die höchste Zeit, dass auch wir in Deutschland uns mehr, als es
bisher geschehen, der Körperpflege und den sportlichen Uebungen
zuzuwenden beginnen, dass wir aufhören, eng zusammengerückt um
den Stammtisch mit weiser Miene unklare politische Ideen im
Bierdunst und Tabaksqualm zum Besten zu geben. Nur im Freien
weitet sich der Blick, und der Sport, gleichgiltig welcher Art,
führt uns zurück ins Freie, zurück zur schönen Gottesnatur, wo
auch der engherzigste Philister seinen kleinlichen Egoismus ver
gisst und im Anblick des gewaltigen All ihn ein Ahnen durchzieht
von erhabeneren, schöneren Zielen. In ganz hervorragender Weise nun
eignet sich die Sport-Ausstellung dazu, den zahlreichen Besuchern
auf eine bequeme und doch zugleich eindringliche Art den Sport in
seinen verschiedenen Disciplinen in Erinnerung zu bringen. Denn
stets wird eine anschauliche Darstellung intensiver wirken und einen
bleibenderen Eindruck zurücklassen, als das gesprochene Wort
oder der geschriebene Buchstabe, und da dieser Erfolg gleich
zeitig auch den einzig möglichen Vortheil für die Aussteller in sich
fasst, so liegt in der That wohl kein Grund vor, der Sport-
Ausstellung einen anderen Charakter beizulegen, als ihr Namen
andeutet. Am meisten wird von den Untergruppen anregend wirken
können, weil ihre Ansprüche an die Börse des Liebhabers wohl die
bescheidensten sind, die Gruppe für Radfahrsport. Zahlreich sind
die Vortheile, die der Radfahrer von seiner Maschine hat, und es
ist wohl der staatlichen Unterstützung werth, dass das Radfahren
Gemeingut Aller würde. Freilich nur dann würde das Zweirad,
und zwar das niedrige, von diesem allein sprechen wir augenblicklich,
seine segensreichen Wirkungen äussem können, wenn in seiner
Benutzung das goldene Maass nicht überschritten wird, wenn sein
einziger Zweck nicht darin erkannt wird, mit keuchendem Athem
und fliegendem Puls den Vordermann zu überholen. Das Rad ist
nicht dazu da, in überhastetem Dahinrasen möglichst schnell ein
Ziel zu erreichen, und der wird es bitter büssen, der die Lehren
der Gesundheit verachtet und in unsinniger Wettfahrt, fast wagerecht
über die Lenkstange gebeugt, seine Brust zusammenpresst und sein
Herz zu einer Leistung zwingt, der es nicht gewachsen ist. Wer
dagegen in dem Rad ein Mittel sucht, seine Gesundheit zu wahren
und zu stärken, und wer in vernünftigen Grenzen diesem Ziele
nachstrebt, wird seine Absicht nicht nur voll und ganz erreichen,
sondern er wird in dem fröhlichen „All Heil“ auch oft die Freude
wiederfinden an Gottes schöner Welt.
3
Die Schüler Berliner Fortbildungsschulen be
suchten unter Führung ihrer Lehrer am gestrigen Dienstag die
Ausstellungsräume; die jugendlichen Vertreter des Handwerker
standes folgten mit grossem Interesse den Erläuterungen der
Lehrer. Wie wir übrigens hören, haben sich die Schulvor
stände an den Ausschuss mit der Bitte um Preisermässigung für
Schüler gewendet, wenn diese in Stärke einer Klasse die Aus
stellung besuchen wollen.
V
Ein zusammenlegbares Kriegsfahrrad ist gegen
wärtig in der Sport gruppe ausgestellt. Die Maschine hat nur
15 Zoll hohe Räder, doppelte Uebersetzung, einer Höhe von 96 Zoll
gleichkommend, und ist an der verlängerten Vorderradgabel, Lenk
stange und dem Hinterradgestell zusammenlegbar. Die Maschine ist
bereits dem Kriegsministerium vorgeführt worden.
*
In der Unfallstation wurden gestern fünf leichtere Fälle
behandelt. In der Sanitätswache würde gegen Abend ein Mann
eingebracht, der sich durch Absturz im' Hauptgebäude einen' Arm
bruch zugezogen' hatte.
V
Zwei Vogelfänger wurden in der Ausstellung am
Montag in früher Morgenstunde von der wachthabenden Gendarmerie
auf frischer That erwischt, und sofort zur Haft gebracht.
a) In der Ausstellung.
Die Vorträge in der Ausstellung.
Die Glasindustrie.
[Abdruck untersagt'.
Die Eröffnung des Hörsaals im Chemie-Gebäude — über die
wir gestern in einer Notiz berichteten — war mit einem kurzer,
feierlichen Akt verbunden, der dem Vortrage des Herrn Professors
Witt voranging. Der Präsident des Reichs-Versicherungsamtes
Herr Dr. Bödiker vollzog in seiner Eigenschaft als Vorsitzender
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