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Volume Nr. 26, 13. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielle ÄussteKungs - Nachrichten. 
lö 
renommirten Gartenlokals eifrige Bewunderer finden. Dicht dabei 
liegt das grosse Sachse’sclie Wellenbad, aus dem wir das monotone 
Geräusch der Wellenmaschine vernehmen. Am anderen Ufer 
der Bucht dehnt sich der früher durch seinen Reichthum an 
Pennbrüdern ausgezeichnete Schlesische Busch aus; jetzt haben diese 
Bassermann’schen Gestalten dem mächtig vordringenden Weltstadt 
getriebe Platz gemacht und sich mehr nach den Gefilden von Rix- 
dorf hinübergewandt. Ueberhaupt, wer seit einigen Jahren nicht 
mehr in diese Gegend gekommen ist, wird sich kaum noch zurecht 
finden, so rapide ist hier ein neuer Stadttheil aus dem Boden ge 
wachsen. Die Villenbesitzer, welche auf dem hier beginnenden 
Treptower Gebiet sich am Spreeufer angebaut haben, um von dem 
nervenzerrüttenden Grossstadtleben in feierlicher Stille und frischer 
Luft sich zu erholen, werden es jetzt in dieser Beziehung wohl 
bei dem frommen Wunsche bewenden lassen müssen; denn die 
idyllische Ruhe des Treptower Parks ist, für diesen Sommer wenig 
stens, unwiderruflich dahin, und auch von »Grossstadtluft« weht der 
Wind ihnen von den benachbarten Fabriken etc. mehr, als sie wollen, 
unter die Nase. 
Doch wir sind nahe am Ziel. Schon passirt der Dampfer die 
mächtige, jetzt auf das Doppelte verbreiterte Eisenbahnbrücke, über 
welche die Züge des Südrings den Verkehr nach der Ausstellung 
vermitteln; und da erheben sich auch schon die in der Sonne 
leuchtenden Metalldächer der Riesenbauten. Vorbei geht es an 
dem Städtischen Pflasterstein-Depot, wir werfen noch einen Blick 
auf das zu unserer Linken sich längs der Spree erstreckende, alte 
Fischerdorf Stralau mit seiner romantisch gelegenen Dorfkirche,' und 
rüsten uns dann zum Aussteigen. Die Maschine giebt Contredampf, 
der Schiffsjunge schlägt den Enterhaken in das Pfahlwerk der An 
legestelle, der Uebergangssteg. fällt auf unseren Dampfer nieder und 
wir betreten den Nordpark der Berliner Gewerbe-Ausstellung. 
Geht es dann Abends wieder auf demselben Wege heim, so 
bietet sich uns ein völlig neues, eigenartiges, märchenschönes Bild. 
Die Ufer des Stromes erstrahlen im hellen Schein des elektrischen 
Bogenlichtes, an uns vorüber huschen, Backbord und Steuerbord 
erleuchtet, die dunklen Körper anderer Schiffe, Musik tönt aus den 
Ufergärten, in der Ferne schimmert eine farbige Sternen weit, das 
Lichtermeer des Bahnkörpers; gleich feurigen Schlangen winden 
sich die Stadtbahnzüge vorwärts, aus den Schornsteinen der Gas- 
Anstalten schlägt die Funkenlohe empor, über die Brücken wälzt 
sich in unablässigem Wogen und Treiben der Verkehr der Gross 
stadt — ein Bild von gewaltiger Wirkung, das sich dem Gedächt- 
niss dessen, der es einmal erfasst hat, unauslöschlich einprägen muss. 
Arthur Süssmann. 
Auf dem Thurme des Hauptgebäudes. Im rechten 
Thurme des Hauptindustriegebäudes, wo die Pulsometer für den 
Fontainenbetrieb aufgestellt sind, führt eine Treppe zur Höhe. Ein 
Aufstieg zur Kuppel des Thurmes gehört zu den interessan 
testen Genüssen der Ausstellung, ist aber dem Publikum 
nicht gestattet. Auf schwankender Holztreppe steigt man empor. 
Das Eisengerippe des Baues, umhüllt von dem Drahtnetz, welches 
den Kalkputz trägt, ist deutlich sichtbar. Von Zeit zu Zeit fällt 
das Licht und saust der Wind durch die Turmluken, die 
einen Ausblick in weite Ferne bieten: Sonnenschein, 
blauer Himmel und ein kleines Landschaftsbild, in bläulichen 
Duft gehüllt. Die grosse Galerie, welche die beiden Thürme 
verbindet, ist erreicht, der Sturm umbraust den Neugierigen und 
will durchaus die Kopfbedeckung zum Spielball seiner Laune 
machen — also Hut fest! — Wie ein herrlicher Lustgarten mit 
Pavillons, Lusttempeln, und. sauberen Wegen liegt die Aus 
stellung vor uns. Jenseits des Sees erhebt sich, ein getreuer 
Eckehardt, gehüllt in schneeigen Mantel, der Wasserthurm, und 
an seinem Fuss breiten sich die Terrassen aus. von deren Musik 
pavillons lustige Weisen bis zu uns' heraustönen. Auf dem See 
fahren Gondeln, Kähne, Motorbote hin und her, an den 
Ufern, in den Alleeen sieht man das Gewimmel der Menge 
in hellfarbigen Sommertoiletten, ein buntes Durcheinander, 
das in seinem beständigen Wechsel der Gruppen den Be 
schauer aus der Höhe ganz eigenartig anmuthet. Aus dem Grün 
der Bäume tauchen die Umrisse, die Spitzen und Wimpel, di» 
Essen, Kuppeln und Thürme der Ausstellungsbauten auf, recht* 
die Thurmfacade des Gebäudes für Unterricht und Wohlfahrt, 
links der hellfarbige, vornehme Pavillon des »Lokal-Anzeiger» 
weiter drüben der Spandauer Thurm von Alt-Berlin, zu dessen 
Steinmassen die schlanken Minarets von Kairo in scharfem Contrast 
stehen. Nördlich werden das Marineschiff und das Nutzholzhaus 
sichtbar, dazwischen ragt der Eisenthurm von der elektrischen 
Thunnbahn im Vergnügungspark in die Lüste. Die Spree, welche 
das Nordgelände bespült, ist verdeckt durch das Laub. Von der 
Galerie führen Thüren zu dem inneren Rundbalcon der grossen Kuppel, 
auf welchem die Sänger während der Eröffnungsfeier standen. Das 
Kuppelgemälde verliert auch beim Anblick aus nächster Nähe nichts 
von seiner grossartigen Wirkung. Die Schaar der goldigen Engel, 
welche die Brüstung schmückt, ist jedoch von rückwärts so unschuldig 
weiss, wie es einer Engelschaar eigentlich zukommt, und sie schwebt 
auf sehr luftigen Stützen von Stuck und Holz, so dass man un 
willkürlich einen Schritt zurücktritt, um den etwaigen Herabflug der 
Engelchen nicht mitmachen zu müssen. An der Rückwand der 
Kuppel, von unten nicht sichtbar, sind grosse Bogenlampen in 
Abständen von je fünf Metern angebracht, welche bei Be 
leuchtung ein magisches Licht auf das Kuppelbild werfen werden. 
Weiter geht es die schmale Holztreppe hinauf bis zur Thurmgalerie, 
die etwa 45 Meter über dem Erdboden liegt. Das Panorama von 
hier aus zeigt ausser den Herrlichkeiten der Ausstellung, den 
Thürmen und Bauwerken von Berlin in graunebeliger Feme 
Coepenick, Rummelsburg und die Vororte, die sich rings um das 
Koloss der Weltstadt gruppiren. In noch grössere Ferne verliert 
sich der Blick, wenn man aus den Fenstern der Thurmspitze, zu der 
eine eiserne Wendeltreppe führt, hinausschaut. Am Tage bei hellem 
Sonnenglanz ist das Bild überwältigend schön, aber noch grandioser 
dürfte das Rundgemälde am Abend sein, wenn Berlin im Lichter 
glanz erstrahlt und eine Festbeleuchtung die Ausstellung in ein 
blitzendes Zaubergewand hüllt. 
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In der Kolonial-Ausstellung wurden gestern, Dienstag 
Nachmittag, die Vertreter der Presse durch den Herrn Grafen 
Schweinitz geführt und insfruirt. Die verschiedenen Neger 
gruppen aus Togo, Kamerun, die Massai, Suaheli boten ihr 
Bestes im Wettrudern, Tanzen, Singen und Musiciren. Ebenso 
wurden eingehend sämmtliche Gebäude besichtigt und die Aus 
stellungsobjecte erklärt. Ueber die Sehenswürdigkeiten der Kolonial- 
Ausstelhuig unterrichten wir unsere Leser durch den Leitartikel 
unserer heutigen Nummer. 
0 
Das Interesse für den Pavillon des „Berliner 
Lokal-Anzeiger“ nimmt täglich zu und dringt bereits in Schichten, 
in denen es sich kaum vermuthen lässt. Gestern besuchten Damen 
des Harems aus dem Vergnügungspark die Gewerbe-Ausstellung; 
sie waren aber nicht eher zubewegen, die Rückreise in dieHeimath 
mit ihrem Cicerone anzutreten, als bis sie die »grosse Maschine« 
gesehen hatten. Mit ihren schwarzen Gluthaugen, die das Einzige 
sind, was bei den echten Araberinnen vom Gesicht zu sehen ist, 
staunten sie das in voller Thätigkeit befindliche Räderwerk wie ein 
Weltwunder an, zunächst in stummer Bewunderung, dann aber 
liessen sie ihren Gedanken freien Lauf und zollten namentlich 
dem »Auswerfer« ihre lebhafteste Anerkennung. Auch dem Setzer 
saal statteten sie ihren Besuch ab und auch hier zeigten sie er 
staunliches Interesse an der Arbeit, — Unseren Pavillon besuchten 
am gestrigen Dienstag u. A.: Graf und Gräfin Königsmark, die Ge 
mahlin des Oberstallmeisters Grafen Wedel, Generallieutenant 
Freiherr von Dincklage mit Gemahlin, der bekannte Schriftsteller 
Generalmajor von Dine klage, GeneralHerwarth vonBittenfcld mit 
Gemahlin, der Regierungspräsident von Horn aus Danzig, der Com 
mandeur des erstenGardc-Fcldartillcrie-Rcgiments von Sluytcrma nn, 
der Commandant der türkischen Torpedo-Flotte, Capitän zur See 
Halil Bcv. der türkische Militair-Attache, Oberst Sami Bey. Um
	        
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