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Volume Nr. 7, 14. März 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

8 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
Tropen in den meisten ihrer Arten, die Arbeiten der Menschen, 
ihre Waffen, ihre Kunstproducte und zahllose andere Dinge, die 
durch ihre Anschaulichkeit in kürzester Zeit unser Wissen von 
den Kolonieen ausserordentlich bereichern. 
Und immer mehr erweitert sich unsere Anschauung von dem 
Wesen der Kolonieen, wenn wir uns den anderen Bauten zuwenden 
und auch nur flüchtige Blicke auf die imposante Menge der Dinge 
werfen, die hier, nach bestimmten commerciellen und wissenschaft 
lichen Fächern geordnet, ausgestellt sind. Und wahrlich nicht 
zu allerletzt besuchten wir das elegante und zugleich imposante, 
auf niedrigen Pfählen stehende Tropenhaus, das, wie bereits 
an dieser Stelle geschildert, als ein wahres Juwel der Kolonial- 
Ausstellung bezeichnet werden kann. 
Wir haben nur eine rasche, flüchtige Wanderung durch die 
Ausstellung gemacht. Zahlreiche, interessante Momente fesselten 
auf dem Wege unser Interesse. Da sahen wir eine Truppe von 
Eingeborenen aus Kamerun, dort hörten wir den Gesang einer 
Schaar kriegerischer Massai und an einer anderen Stelle 
führten die Eingeborenen der Suaheliküste dem neugierigen 
Publikum ostafrikanische Tänze vor. Und selbst das in Europa 
bisher noch nie Gesehene, eine kleine Truppe von Papuas, stellt 
sich den Besuchern der Ausstellung vor. 
Alles in Allem zeigt die Deutsche Kolonial-Ausstellung eine 
Reihe von neuen, glänzenden Bildern, in einer Reichhaltigkeit, wie 
man sie in Deutschland bisher noch nie gesehen hat. 
Gerhard Stein. 
Gaskoch-Apparate. 
[Abdruck untersagt.] 
In den modernen Kücheneinrichtungen hat sich mehr und 
mehr das Bedürfniss geltend gemacht, die lästige, nicht immer mit 
Sauberkeit verbundene Kohlen- und Holzfeuerung durch eine andere 
Heizart zu ersetzen, welche weniger Zeit in Anspruch nimmt und 
ohne grosse Vorbereitungen stets in Benutzung genommen werden 
kann. Hierzu schienen sich besonders Gas und Elektricität zu 
eignen. Hat die Elektricität auch den Vortheil ohne offene Flamme 
und somit bei verringerter Feuersgefahr das Kochen zu ermöglichen, 
so bringt das Gas doch gegenwärtig noch billigere Anschaffungs 
und Unterhaltungskosten mit sich, da der Anschluss an das überall 
vorhandene Gasrohrnetz mit weniger Schwierigkeiten und Geld 
opfern verbunden ist als der Anschluss an eine elektrische Strom 
anlage. 
Hiernach schien es ganz natürlich, dass eine grössere An 
zahl bewährter Firmen sich mit der steten Vervollkommnung 
der zum »Kochen mit Gas« zu verwendenden Apparate eingehend 
beschäftigte. Die. anfänglich in den Handel gebrachten Apparate 
hatten die verschiedenartigsten Mängel, welche den. Berliner Haus 
frauen deren Einführung von vornherein verleideten. War auch 
das unangenehme Kohlenanlegen etc. vermieden, so brachten die 
Gasfeuerungen doch einen äusserst intensiven Gasgeruch mit sich, 
welcher bisweilen sogar den zubereiteten Speisen einen unangenehmen 
Nachgeschmack Verlieh und selbst in den Kleidern haften blieb. 
Ferner war die Menge des verbrauchten Gases eine zu grosse, so 
dass sich die Unterhaltungskosten, da auch die Gasanstalten einen 
Vorzugspreis hierfür noch nicht eingeführt hatten, gegen die Kohlen 
feuerung unverhältnissmässig höher stellten. 
Seitdem sind die Kochapparate in jeder Hinsicht bedeutend ver 
vollkommnet worden. Insbesondere hat man die Regulir-Vomchtungen 
derartig verbessert, dass jeder unnöthige Gasverbrauch vollkommen ver 
mieden wird, d. h. es tritt in den verbesserten Apparaten nur soviel 
Gas aus dem Brennrohre aus, wie thatsächlich verbrennen kann. Hier 
durch wird jeder Nebengeruch vermieden und ausserdem an sich schon 
eine nicht zu unterschätzende Gasersparniss erzielt. Ferner wird nicht 
mehr die Flamme direct mit dem Kochgefäss in Berührung gebracht, 
sondern die Erwärmung der Speisen der Einwirkung der durch 
Luftzuführung erheblich gesteigerten Hitze, welche von den Brennern 
ausgeht, überlassen. Da die Gefässe also nicht vom Feuer berührt 
werden, wird die Glasur (Email) derselben geschont, und auch der 
Bussansatz bleibt fort, der gar oft das Leiden der Hausfrau bildete. 
Eine weitere Kosten erspare iss, welche die Gaskoch-Apparate 
mit sich bringen, besteht darin, dass es nicht nöthig, ist, das Feuer 
dauernd zu unterhalten oder jedesmal beim Frischanzünden erst 
alle möglichen Hilfsmittel zur Hand zu nehmen. Soll etwas gekocht 
oder zubereitet werden, so ist in wenigen Secunden der Gaskocher 
in Thätigkeit gesetzt. Verbrennungen, wie sie durch das Zugiessen 
von Petroleum u. s. w. häufig genug vorkommen, sind, wenn nicht 
gerade eine tölpelhafte Ungeschicklichkeit vorliegt, so gut wie aus 
geschlossen. Ausserdem ist noch zu berücksichtigen, dass sogar an 
den Hauskleidern erspart werden kann, da bei der peinlichen Sauber 
keit des Gaskochens die ganze Küche so blitzsauber gehalten werden 
kann, dass ein Beschmutzen, wie es für Kohlenfeuerung fast un 
vermeidlich ist, kaum vorkommt. 
Für alle einzelnen Fälle, wie sie auch in der Küche vor 
kommen mögen, sind Gaskoeh-Apparate eonstruirt. Am gewöhnlichsten 
ist der einfache runde Herd, welcher aus einem spiralförmig ge 
bogenen, auf einem Eisengestell ruhenden Brennrohre besteht, der 
mit vielen kleinen Dehnungen zum Ausströmen des Verbrauchsgases 
versehen ist. Dieser kann in jeder vorhandenen gewöhnlichen 
Kochmaschine in die Feueröffnung eingesetzt werden, wodurch die 
Kochmaschine ihren äusseren Anblick nicht im Geringsten verliert. 
Selbst Kochtöpfe und Pfannen brauchen nicht verändert werden. 
Weiter lässt sich das Gas auch zum Braten am Spiess, 
Rösten u. s. w. verwenden. Es hat hier den Vortheil, dass die 
Hitze stets gleichmässig bleibt, was, wie jede Hausfrau weiss, un- 
1 entbehrlich ist, um das Fleisch saftig und schmackhaft zu erhalten. 
Zu diesem Zwecke werden die Brennrohre in Form eines 
langgezogenen Rechtecks angeordnet; die Spiessvorrichtung befindet 
sich in einem Kasten von Eisenblech, wodurch der Apparat das 
Aussehen eines Spindes erhält. 
Allgemein im Gebrauch und bekannt sind die Gaseinrichtungen 
für Restaurationsküchen, welche natürlich in grossem Maassstabe an 
gelegt sind und sich bisher sehr gut bewährt haben. Hier kommt 
noch ein Wärmeschrank in Betracht, in welchem die hergestellten 
Speisen durch Gaserwärmung lange Zeit warm und schmackhaft 
erhalten werden können. 
Dies ist im Allgemeinen über die Gaskoeh-Apparate zu sagen, 
welche auch in der Gruppe III des Haupt-Industriegebäudes (Bau- 
und Ingenieurwesen) zahlreich vertreten sind. 
Verlassen wir jetzt das Gebiet der Kochapparate und 
wenden wir uns zu den Gasöfen zum Erwärmen der 
Zimmer. Diese Apparate beruhen im Ganzen auf dem 
selben Princip wie die Kochapparate, nur ist hier die 
Anordnung der Brennröhren mit grösserem Raffinement 
unter Rücksichtnahme auf grösste Wärme-Ausnutzung zu nehmen. 
In den meisten Fällen bestehen die Heizkörper aus mehreren 
Röhrenregistern, welche zwar viele, nur kleine Flammen aufweisen, 
dafür aber eine desto intensivere Heizkraft entwickeln. Auch bei 
ihnen ist durch Regulirvorrichtungen dafür gesorgt, dass bei mög 
lichst geringem Gasverbrauch der grösste Nutzeffect erzielt wird, 
wodurch die Oefen in grösseren Zimmern den Vorzug haben. Fenier 
ist auch hier der zweite Factor die peinlichste Sauberkeit. Das 
Herausnehmen von Asche, das Qualmen bei entgegenstehendem 
Winddruck oder Oberhitze im Schornstein fällt vollkommen fort, 
ebenso wie das Heranschaffen der bisweilen ziemlich enormen 
Kohlenmengen Auch das oft sehr störende »Ausgehen« des Ofen 
feuers und das damit verbundene Wiederanzünden mit all’ seinen 
Schmutzereien verschwindet dadurch von der Bildfläche. 
Die Heizkörper werden in allen Formen geliefert. Theihveise 
als einfacher, schmuckloser Säulenofen für Arbeitsräume u. s. w., 
theilweise mehr künstlerisch verziert in Eisenausführung, eignen sie 
sich vorzüglich für das geschäftliche und industrielle Leben. An 
dererseits werden die Apparate in vorhandenen Kachel-Oefen und 
Kaminen angebracht, in welchen dann der eigentliche Feuerungs- 
raum mit einer blankpolirten Spiegelkupferplatte versehen wird, welche 
den Schein der Gasflämmchen reflectirt. Auch in altdeutschen Ka 
mineinrichtungen mit hängenden Kohlenkörben lassen sieh die Gas 
heizapparate verwenden. Die Gasrohre werden hier in künstliche, 
aus Thon hergestellte Kohlen, welche von natürlichen kaum zu 
unterscheiden sind, geleitet und lassen die Flammen durch Spalt 
öffnungen, wie dies bei richtigem Kohlenfeuer der Fall ist, empor- 
flackem. 
Schliesslich sind noch neben der allgemein bekannten Ein 
richtung der zum Erwärmen von Badewasser dienenden Gasöfen die 
■ Plättapparate zu erwähnen. Es sind dies kleinere Gestelle, in deren
	        
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