Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
durch Worte zwar seiner Theilnahme, aber auch seinen Zweifeln
Ausdruck zu verleihen,
„Wirst man sehen, was draußen in Treptow los ist", war
am letzten Sonntag die Parole der Berliner. Die Sonne
leuchtete, r ie an einem hoffnungsfrohen Frühlingstag, und lockte
hinaus in's Freie, als lebten wir nicht in der Zeit der Winter-
stürme, sondern in den Tagen des Wonnemonds, da Alles hin
pilgert zu den von der Natur geschaffenen und geweihten Statten.
Zu Fuß und zn Wagen zogen sic hinaus nach dem Ort,
an dein bisher die Natur geherrscht hatte und nunmehr ein Reich
errichtet wird, in dem die Schaffenskraft des Menschen regieren
soll. Weder die Stadtbahn noch die Ringbahn, weder die Omni
busse noch die Pferdebahnen konnten den Bcrkehr bewältigen, und
namentlich in den Nachmittagsstunden, da die Meisten heimkehren
wollten, war der Andrang geradezu beängstigend. Die Perrons
waren gedrängt voll, die Wagen der abgehenden Züge wurden
l förmlich erstürmt, die einzelnen Coupcctheilc waren so überfüllt,
u daß man glauben konnte, heute sei nicht Februar, hier nicht
l, Treptow, sondern heute sei Juli, hier Wannsec oder Schlachtensee,
und alle die Tausende kehrten von einer gemüthlichen Landpartie
zurück und ließen sich nun, eingepfercht in der üblichen Weise,
per Bahn befördern. Der letzte Sonntag war eine bezeichnende
Probe auf das Exempel, er deutete an, wie sich einst der Verkehr
nach und von Treptow gestalten wird, und welch' eine bedeut
same und verantwortungsvolle Aufgabe für die Bewältigung des
Masscnvcrkchrs ganz besonders unseren Bahnbehörden zufällt.
Ein fröhliches, bewegtes Bild entrollte sich auf dem Aus
stellungsterrain. lieber Balken und Sandhaufen, durch Dick und
Dünn wurde muthvoll geklettert, ja selbst vornehm gekleidete
Damen scheuten sich nicht, die eleganten Röckchcn etwas zu heben
und mit ihren zierlichen Füßchen durch Lehm und Morast zu
waten. Das Gros der Besucher bestand hauptsächlich ans Ge
werbetreibenden, lluteruchincrn und Handwerkern, die mit der
Ausstellung irgendwie in Verbindung stehen und sich die
Erlaubniß verschafft hatten, auch ihre Angehörigen und
Freunde mitzubringen. Von erhöhter Stelle, von irgend
einem Gerüst aus versuchten sie die ganze Herrlichkeit zu
überschauen und blickten hin und tvicder mit einer leisen
Schadenfreude und einem gewissen Selbstbewußtsein hinaus zu
den Zchntanscndcn, die extra niuios weiten mußten, in das
Innere nicht eindrängen dursten und nur aus weiter Ferne die
Wunder ahnen konnten, deren Spuren nach außen hin sichtbar
wurden. In den Cantincn herrschte ein Verkehr, der da bewies,
daß, wenn cs sich um Hunger und Durst handelt, alle Menschen
gleich sind. In den schmucklosen Zimnicru der lcichtgefügtcn
Holzbudcn saßen sie da an dem von feinem Tuch in ihren Reizen
verhüllten Tischen, die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer, die
großen Fabrikanten und die kleinen Handwerker, die Damen in
eleganten und die Franc» in schlichten Kleidern: die Weiße
moussirte, als ob sie Ehampagncr wäre, nnd der ff. Cognac
ä 20 Pfg. das Glas schmeckte so, als ob er aus einer mit drei
Kreuzen gekennzeichneten Hcnnessh-Flaschc käme. Und die
Stimmung war fröhlicher und ungcztvungcner als bei einem Diner
mit elf Gängen und elf Weinsortcu, und unsere Damen und Herren
tranken mit Behagen den Cognac des kleinen Mannes und die
schäumende Weiße des echten Berliners. Man nahm
keine Serviette und kein Blatt vor den Mund, man >var lustig
und gemüthlich, man vergaß alle Standes- und Gelddiffcrenzen,
mau fühlte sich harmonisch verbunden durch einen Gedanken und
einen Wunsch. Die Ausstellung beherrschte Alle, ihr galt das
Interesse, das Alles vereinte. Aus dem Gesehenen zog man
Schlüsse auf das Fertige, ans der Gegenwart entwarf man das
Bild der Zukunft. Mau war erfreut über den rapiden Fort
schritt der Arbeiten, welche durch die Energie und Umsicht der
Leiter und durch das überaus günstige Wetter in glücklichster
Weise gefördert tvurden, man war erstaunt über die entstehende
Wunderwclt, für die bereits der vorletzte Schöpfungstag ange
brochen zu sein schien. Der imposante Charakter des Haupt
gebäudes, das schließlich Kern nnd Wesen der Ausstellung in
sich birgt, erscheint bereits als abgeschlossen, und auch die anderen
zur eigentlichen Ausstellunq gehörigen Bauten, wie z. B. die
grünbedachten Gebäude der Fischerei-Ausstellung, sind schon so
ivcit vorgeschritten, daß an ihrer rechtzeitigen Vollendung nicht zu
zweifeln ist. Alt-Berlin gewährt bereits einen interessanten Blick
in die Vergangenheit, rind Kairo mit seinen breiten Palästen und
schlanken Minarets zeigt jetzt schon in architektonischer Hinsicht
die fesselnde Eigenart des Orients. Der Berliner hat vor der
mit Intelligenz gepaarten Arbeit einen ungeheuren Respect, darum
vergaß er hier an den Stätten, an denen Arbeit und Intelligenz
sich zum Ruhme Berlins vereinen, seinen Skepticismus, war er
ganz Antheilnahmc für das, was bisher geschaffen und geleistet
wurde, was er sehen nnd bewundern konnte.
Wie der liebevolle Beobachter am Keimen und Sprossen
einer Blume seine reine Freude findet, so haben all' die Tausende,
die am Sonntag das Werden der Ausstellung staunend beob
achteten, das Werdende mit hingebendem Interesse, mit aufrichtiger
Genugthuung verfolgt. Der Tag, der in seiner Milde und Klar
heit wie ein Ausschnitt des sonnigen Frühlings erschien, war so
recht dazu angethan, um frohe Hoffnungen nnd warme Wünsche
zu wecken. Hoffnuugsfrvh verließen die Massen die Stätten, an
denen sich in nicht allzu ferner Zeit tausendfältiges Leben
entfalten, das große Werk in seiner Reife nnd Vollendung aus
breiten wird. Alles schied, beseelt von der festen Zuversicht, daß
hier durch rastlosen Fleiß, durch dcw»ndcrnswerthe Energie nicht
allein etwas Macht- und Kraftvolles geschaffen wird, sondern
auch, daß die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, diese mächtige
Größe, die Höflichkeit aller Großen innehalten nnd — ein Unicum
der modernen Ausstellungsgeschichte — pünklich am 1. Mai fertig
dastehen wird.
Die Gaspreife für die Attsstellmig.
Am Donnerstag Abend hat sich die Berliner Stadt.
vcrordnetcn-Versammlung mit der Berliner Gewerbe-Aus
stellung beschäftigt, da der Stadtverordnete Herbig folgenden
dringlichen Antrag gestellt hatte: „Die Versammlung ersucht
den Magistrat um Auskunft darüber, ob ihm bekannt ist, daß der
geschüstsführende Ausschuß der Gewerbe-Ausstellung Gas zum
Preise von 15 bczw. 20 Psg. pro Kubikmeter an die Aussteller
ablassen will, obgleich ihm der Bezug des Gases seitens der
Stadt zu einem Einheitspreise von 10 Pfg. pro Kubikmeter
bewilligt worden ist."
Stadtv H e r b i g: Es sei von dem geschäftssührenden Ausschüsse
der Ausstellung an die Consumenten ein Circular erlassen worden, daß
das Leuchtgas 20 Pfennige, dasjenige zu technischen Zwecken
15 Pfennige pro Kubikmeter kosten solle. Die Versammlung habe doch
in dem Glauben den Einheitspreis von 10 Pfennige pro Kubikmeter
festgesetzt, daß die Aussteller den Vortheil an dieser Vergünstigung
haben sollen; man könne es nicht dulden, daß der geschästssührende
Ausschuß nun eine derartige Erhöhung des Gaspreises fordere, um
dadurch die Kosten der Rohrleitung bis zur Ausstellung herauszuschlagen.
Stadtrath Ramsla » erwähnt hierzu, daß der Magistrat natür
lich nichts dagegen thun könne, wen» der geschäftsführende Ausschuß
den Gaspreis für seine Abnehmer erhöhe. Es sei unter der Berück
sichtigung, daß die Anlage, die schon »ach einem halben Jahre nutzlos
werde, 116 000 Mark koste, von den Gemeindebehörden der billige Ein
heitspreis von lOPfg. pro Kubikmeter bewilligt worden. Es sei nun zuerst
Absicht des Ausschusses gewesen, die Aussteller je nach der Quantität
des Gasverbrauches zu den Unkosten der Anlage heranzuziehen; da
dies aber große Unzufriedenheit erregt habe, sei mau jetzt dazu ge
kommen, die Unkosten durch einen geringen Preisaufschlag einbringen
zn wollen. Der Magistrat wolle und könne sich in einer derartigen
Sache nicht zum Schiedsrichter auswerfen, wie dies ja in anderen
Fällen genügend von der Versammlung betont worden sei. (Beifall.)
Stadtv. Hugo Sachs meint, die Ausführungen des Stadtv.
Herbig seien unzutreffend, denn der Ausschuß wäre auch in dem Falle,
daß der Einheitspreis nicht auf 10 Pfennige erniedrigt worden wäre,
genöthigt gewesen, einen Aufschlag von mindestens 5 Pf. pro Kubik
meter zu nehmen; es würde dann eben das Gas 21 resp. 25 Pf. für
die "Aussteller gekostet haben. Von den 90 bis 05 Consumenten hätten
sich 85 mit den Bedingungen einverstanden erklärt, sodaß nur ein
geringer Theil Unzufriedener vorhanden sei. Es lasse sich bei einem
Verbrauch von 100 Kubikmetern Gas zur Beleuchtung und 600 Kubik
metern zu Jndustriezwecken pro Stunde leicht herausrechnen, daß dem
Ausschüsse trotz der Erhöhung des Gaspreises immer noch 34 000 Mk.
Unkosten für die Rohrlegung verbleiben.
Stadtv. Herbig meint, der Stadtv. Hugo Sachs sei als Mitglied
des Vorstandes der Berliner Gewerbe-Ausstellung nicht die geeignete
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