Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officlelte AussteKungs-Nachrichten. 9
Specialist ans dem Gebiet der Damenarbeiteft bat er eine Anzahl
moderner und älterer Frisuren ausgestellt, die in ihrer Vollendung
als treffliche Studienobjecte gelten können. Ausserdem finden wir
prächtig decorirte Büsten, Scheitelfrissets und Stirnlocken, die nicht
minderes Lob verdienen.
Noch erübrigt uns, dreier Einzelaussteller zu gedenken. August
Boltz, der frühe Oberfriseur der Königlichen Theater und jetzige
Redacteur der Fachzeitung der Innung, führt eine Anzahl Haar*
collectionen und Fabrikationshilfsmittel in sehr schöner Ausführung
vor. Pommerschat stellt einige recht geschmackvoll frisirte Büsten
aus und Georg Anton bewährt sich mit seinen hübsch decorirten Aus
stellungsobjecten als vorzüglicher Specialist auf dem Gebiet der
Theaterperrücken. Schon vielfach preisgekrönt, gilt dieser Aus
steller in seinem Genre als Autorität, und seine prächtigen Charakter
köpfe (Oberst Buttler, Königslieutenant u. A.) beweisen, dass er
sich dieses Rufes mit Recht erfreut.
Alles in Allem können die Berliner Haarkünstler mit berech
tigter Befriedigung auf ihre Abstellung blicken. Sie haben durch
dieselbe bewiesen, dass auch auf diesem Gebiet die deutsche
Reichshauptstadt jeder Concurrenz erfolgreich begegnen kann.
Fr. Br.
Das Afrika-Haus in der Kolonial-Ausstellung.
[Abdruck untersagt.]
In der wissenschaftlichen Abtheilung der Kolonial-Ausstellung
erhebt sich, im zanzibaritisehen Stil erbaut, das sogenannte
Afrika-Haus, welches nicht weniger als das Gouvernements-
Gebäude das lebhafteste Interesse nicht nur aller Kolonialfreunde,
sondern auch der grossen Allgemeinheit zu beanspruchen berechtigt
ist. Dasselbe umfasst eine Collectiv - Ausstellung verschiedener
Firmen, die sich in der Absicht, durch gemeinsame Kraft etwas
Grösseres und Anschaulicheres zu leisten, als es der Einzelne im
Stande ist, znsammengethan haben.
Das Hauptgebäude ist aus Kunst-Tuffstein von der Firma
Theodor Müller, Schönebeck a. Elbe, erbaut, einem Material,
welches einen wirksamen Schutz gegen die tropischen Insecten
abgiebt und als schlechter Wärmeleiter kühl bleibende Räume
schafft; endlich zeichnet es sich durch grosse Leichtigkeit aus und
kann an Ort nnd Stelle hergestellt werden.
Das Haus ruht auf Cement - Erd-Ankern, von der Firma Drenk-
hahn & Sudhop in Braunschweig geliefert. Durch die Ver
wendung dieses Materials kann man derartige Gebäude, ohne einen
Baugrund auszuschachten, ausserordentlich fest, gewissermnassen mit
dem Erdboden verankern. Eine eingegossene eiserne Stange ragt
über der auf dem Fussboden liegenden Cementschwelle, welche die
Erdanker aneinander schliesst, heraus und verbindet ihrerseits
wiederum das auf dieser Schwelle errichtete Gebäude fest mit dem
Eidanker.
Im Innern des Hauses, welches panoramaartig hergestellt ist,
hat die Firma von Tippelskirch & Co., Berlin, Neustädtische
Kirchstrasse 15, in einer als plastisches Bild dargestellten
lagernden Karawane ihre Tropen-Ausrüstungen zur Anschauung ge
bracht. Sie liefert bekanntlich als die einzige Firma complete Aus
rüstungen für unsere Kolonieen in Afrika und anderen tropischen
Ländern und hat alle grossen und kleinen Expeditionen ausgerüstet,
die bis jetzt in die Kolonieen gegangen sind.
Das aufgestellte Zelt, die Tische und Stühle, die Eisenblech-
koffer, die Menagengeräthe zeigen, wie unsere deutschen Landsleute
sich für derartige Expeditionen ausrüsten. Das bekannte Institut
Castan’s Panoptieum lieferte die Wachsfiguren, welche von
v. Tippelskirch & Co. mit Tropenanzügen bekleidet sind; die zur
Belebung des Bildes aufgestellten künstlichen Taimen und Schling
gewächse sind von der auf diesem Gebiete altbewährten Firma
Brest rieh & Co., Berlin, Jägerstrasse 22, aufgestellt.
Der Anbau ist aus Fischer’scher patentirter Falz-Baupappc aus
der Falz - Baupappen - Fabrik in Rawitsch, angefertigt und
stellt ebenfalls ein Material dar, das in nicht allzu ferner Zeit in den
Tropen eine hervorragende Verwendung finden und deren mannich-
fache Verwendung im Innern dieses Anbaues zur Darstellung ge
bracht wird.
In einem Abschlag des Hauptgebäudes wird die Firma
Th. Müller ausserdem noch die versdiiedenartigstenVerwendungen des
von ihr hergestellten Isolirungsmaterials zur Anschauung bringen.
Der äussere Gesammteindruck des Hauses soll eine Bauart
veranschaulichen, wie sie praktisch in den Tropen Verwendung
finden könnte, und zwar, indem das Erdgeschoss als Magazin
benutzt werden soll, während in dem ersten Geschoss die Europäer
ihre Wohnung haben.
Dass ein Gebäude wie das Afrika-Haus ein gut Stück
afrikanischen Lebens und Treibens veranschaulicht, hegt auf der
Hand, und so werden diese Hinweise gewiss verfehlen, zum Besuch
und zum Studium des bis ins Kleinste interessanten Hauses an
zuregen. Georg Zimmermann.
Ein sonderbares Wiedersehen.
Von K. Geissler.
[Abdruck untersagt!
Wer berufsmässig grosse Ausstellungen besucht, der bekommt
bald einen schärferen Blick nicht blos für Gegenstände, sondern
auch für gewisse Scenen und Menschen, wie sie häufig in hervor
stechender Weise gerade die Ausstellungen zeigen. Trotz des sinn
verwirrenden Getriebes einer Weltausstellung, wie die von 1867 in
Paris, trotz der ungeheuren Ströme von Menschen aller Art, die
vor dem Auge des Beobachters daliinfluthen, könnte ich noch ganz
gut eine Menge von einzelnen Erlebnissen und Persönlichkeiten an
führen, die ich vorübergehend daselbst kennen lernte. So mag es
kommen, dass auf unserer schönen Berliner Ausstellung plötzlich
eine Erinnerung in mir wach wurde, die lange geschlummert hatte.
Ich schlenderte durch die Hallen, wo die elektro-dynamischen
Maschinen nebst ihren Dampfinaschinen mit ungeheurem Getöse
ihre lichtspendende Arbeit verrichteten. Da sah ich eine höchst
auffällige Erscheinung vor mir, sehr lebhaft zu einem grossen
IIciTen sprechend, der durch einen starken, schwarzen Knebelbart
auffiel, stand da eine blasse, schlanke Dame mit auffallend rothem
Haare, welches aufgelöst auf die Schultern herunterfiel. Sie konnte
nicht mehr jung sein, aber es war schwer, bei der Lebhaftigkeit
ihrer Züge, der grossen Beweglichkeit ihrer dunklen Augen und
der Formenweichheit ihrer Nase und ihres Mundes ihr wahres Alter
anzugeben.
Diese Person musste ich schon gesehen haben, das wurde mir
immer klarer, je länger ich sie betrachtete, und ich sann und sann,
unbemerkt die Beiden beobachtend.
Richtig, jetzt hatte ich’s. Es war auf der Pariser Ausstellung
vor nun fast 30 Jahren in dem äusseren Ringe des strahlenartig
gebauten Ausstellungsgebäudes, als ich dieselbe Erscheinung vor
ähnlichen Maschinen kennen lernte. Freilich vom elektro-dynamischen
Principe, von der vollkommenen Umwandlung der Drehbewegung
in glänzende Strahlen, wie sie uns heute hier bei uns mit Erstaunen
erfüllen, war damals noch keine Rede; aber es befand sich dort
bereits ein höchst primitiver Anfang einer elektrischen Lichtmaschine,
eine sogenannte elektromagnetische Maschine von Brevete, welche
natürlich grosses Interesse erregte, und vor dieser Maschine be
obachtete ich damals eine eigenthümliche Gruppe. Dieselbe schlanke •
Damenerscheinung mit rothem aufgelösten Haar, dunklen Augen
und lebhaften Mienen, nur um ein Beträchtliches jünger, dieselbe
Art auf die Maschinen zu deuten und zu fragen und —
derselbe Gefragte. Wenigstens erinnerte der grosse Herr mit
hoher Stirn und dem schwarzen Franzosenbart ganz ausserordentlich
an den Begleiter, den sie unterfasste. Damals freilich waren noch
einige andere Personen bei der Groppe. Der schwarzbärtige Herr,
beträchtlich magerer als jetzt und sehr jugendlich, frug einen langen
Candidatenroek, während die rothaarige Dame geführt wurde von
einem älteren Herrn mit graumelirtem Vollbart, ausserdem sprangen
ein paar Kinder, ein etwa elfjähriges Mädchen und ein etwas
jüngerer Knabe, munter in der Nähe umher.
Ich hatte mich damals in Paris nicht getäuscht, als ich in der
Dame und dem älteren Herrn ein reiches englisches Ehepaar, und
in dem schwarzen jungen Mann den Hauslehrer der Familie vermuthete.
Der Letztere vermochte offenbar nicht recht die Maschine der fragenden
Dame zu erklären, ich trat deshalb heran und meine Auseinandersetzung
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