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Volume Nr. 25, 12. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Officieüe Äusstellungs - Nachrichten. 
in einen Siedekessel, wie dies schon oft vorgekommen ist, auf 
sinnreiche Art verhindert. 
Interessant ist schliesslich die Collection der Steinbruch-Berufs 
genossenschaft, in welcher die Gefahren für die Arbeiter besonders 
gross sind. Da finden wir die verschiedenartigste Construction der 
Schutzmasken und Brillen, welche das Auge gegen umherfliegende 
Steinstücke sichern soll. In erläuterndem Text ist neben den 
16 Modellen auf die Vorzüge und Nachtheile der einzelnen Con- 
structioneu hingewiesen, so dass wir uns eingehend über diese Gegen 
stände informiren können. Ferner sind die Respiratoren erwähnens- 
werth, welche, vor den Athmungsorganen befestigt, dazu dienen, die in 
der Luft enthaltenen Staubtheilehen und schädlichen Bestandtheile zu 
entfernen und die Luft so für dieLungenthätigkeit brauchbar zu machen. 
Schliesslich sei noch eines Ladestockes für Sprengarbeiten gedacht, 
welcher vermöge seines Kupferschuhes die Reibung des Eisenstabes 
an den Wänden des Bohrloches vermeidet und dadurch ein vor 
zeitiges Explodiren der Sprengladung durch ein Funkenreissen ver 
hütet. Ausserdem ist durch verschiedene Signirung der Stock- 
Enden eine irrthümliche Benutzung ausgeschlossen. 
Aus der gesummten Ausstellung erhalten wir einen vollen 
Eindruck von der Sorgfalt, mit welcher das Reichs-Versicherungsamt 
und die einzelnen Berufsgenossenschaften für den Schutz und die 
Wohlfahrt der Arbeiter einzutreten bemüht sind. Mögen sich die 
segensreichen Wirkungen dieser Körperschaften noch immer weiter 
ausdehnen! G. J. 
Die Ausstellung der Berliner Barbiere, Friseure 
und Perrückenmacher. 
[Abdruck untersagt'] 
Die Kunst der Friseure ist eine sehr alte, ihre Spuren führen 
in das graueste Alterthum zurück. Schon zur Zeit des gewaltigen 
Berserreiches, bei den Assyrern und Medern war die Perrücke im 
Gebrauch, weniger freilich, um den Haarmangel zu verdecken, wohl 
aber als Schmuckstück. Die Helden und Krieger tragen es, um 
sich ein imponirenderes Ansehen zu geben oder sich ein schrecken 
erregenderes Aeussere zu verleihen. Zu letzterem Zweck bedienten 
sich auch, noch bis in die neuere Zeit, vorwiegend wildere Völker 
stämme der Perrücken, die allerdings meistens sehr primitiv aus 
Thierhaaren, Gläsern und Pflanzenfasern hergestellt waren. Die 
Damen des alten Rom trieben mit falschem Haarschmuck grossen 
Luxus, bei ihnen war die Perrücke zur stetig wechselnden Mode- 
sache geworden und ganz besonders begehrt war bei ihnen das 
goldblonde Haar der deutschen Frauen, das die römischen Le 
gionäre nach der damaligen Hauptstadt der Welt importirten. 
Während aber die Frisuren der klassischen Periode im Allge 
meinen von einem hohen und geläuterten Geschmack zeugten, kam 
in späteren Jahrhunderten eine Unnatur in Aufnahme, die sich über 
fine lange Zeitdauer erhielt und ihren Höhepunkt erreichte, als 
.670 die geschmacklose Allonge- und Staatsperrücke in Aufnahme 
iäin, welche nach und nach Dimensionen annahm, die in’s Un 
geheuerliche gingen. Nebenbei figarirten die groteskesten und 
zomplicirtesten Frisuren, die allerdings eine hohe Kunstfertigkeit der 
Haarkünstler bedingten. Heute hat auf dem Gebiete des 
Frisirens eine weit grössere Einfachheit Platz gegriffen, während 
die Technik der Perrückenmacherei eine unendlich vervollkomm- 
netere geworden ist, seit die Perrücke nur noch als Ersatz 
für das geschwundene Haupthaar dient Die erste zunft- 
mässige Vereinigung der Perrückenmacher wurde bereits 1673 in 
Paris gegründet, während dies in Berlin erst 1716 ge 
schah, nachdem das Tragen dieser Hauptzierde allerdings schon 
40 Jahre früher sich eingebürgert hatte. Dabei möge als Curiosum 
bemerkt werden, dass unter Kurfürst Friedrich Wilhelm, 1701, eine 
Ferrückensteuer erhoben wurde. Lange Zeit galten die französischen 
Perrücken als die vortrefflichsten, heute aber stehen die Berliner 
Erzeugnisse denen der Franzosen in Nichts nach. 
Was nun die, von etwa 70 Ausstellern beschickte Ausstellung 
betrifft, so zerfällt sie in drei Gruppen: Die Collectiv-Ausstellung 
der Berliner Barbier-, Friseur- und Perrückenmacher- 
Innnng, die der Friseur- und Perrückenmacher- 
Iüflung für die Provinz Brandenburg und 
die einiger Einzelaussteller. Nehmen wir zunächst die erste Gruppe 
in Augenschein, so fallen uns neben manchen weniger bemerkens- 
werthen Arbeiten auch eine grosse Anzahl solcher angenehm auf 
welche besondere Beachtung verdienen. Zunächst gilt dies 
von den sehr sauberen Leistungen von II. Brasch, unter denen 
ganz besondere eine schön gearbeitete, hellblonde. Perrücke in die 
Augen fällt M. Hüttner erweist sich als tüchtiger Specialist in 
Damenfrisuren und seine vorzüglich gearbeitete Loreley-Perrücke, 
sowie die nicht minder lobenswerthen Damenfrissets und Scheitel 
dürften die volle Anerkennung von Laien und Fachmännern finden. 
Als interessantes Object bat der Aussteller seinen Arbeiten einen 
Haarstrang von der aussergewöhnliclieii Eilige von etwa zwei 
Metern beigefügt, der bei mancher Dame das stille Sehnen 
nach dessen Besitz wachrufen dürfte. Wilhelm Willner 
bringt neben anderen lobenswerthen Arbeiten, unter 
welchen sich eine sehr geschmackvoll decorirte Büste 
befindet, ebenfalls eine interessante Curjosität, eine auf 
Haar gearbeitete Tresse, die zwar weniger praktischen Werth bat, 
aber für die Geschicklichkeit ihres Verfertigers ein schönes Zeugniss 
ablegt. Eduard Gommoll stellt neben anderen anerkenneiis- 
wertlien Objecten, eine vorzüglich frisirte Roeocoperrüeke aus, und 
auch Franz Wpllschläger führt eine solche aus der zweiten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts vor — eine Arbeit, die durchaus brillant 
ist Auf dem Gebiet der Herrenperrücken ist Max Pattky mit 
drei Arbeiten vertreten, die als eine hohe Zierde dieser Collectiv- 
Ausstellung bezeichnet werden können. Ausser zwei sauberen 
Miuiaturblisten stellt er drei Perrücken aus, von denen zwei, eine 
Malcontent- und eine braune Perrücke auf Carreau olme Untergrund 
gearbeitet, namentlich was die erstere, schwierige Arbeit betrifft, ganz 
hervorragende Leistungen sind, während die dritte, eine auf Gaze 
geknüpfte, blonde Vollperrücke, nur 25 Gramm wiegend, sich als Meister 
stück präsentirt. Reimami ist mit einer hübschen Lohengrin- undLoreley- 
Perrüeke, Carl Rauscher mit guten Damenarbeiten vertreten, in 
denen auch Hermann Hermel Tüchtiges leistet. Von Obermeister* 
Fritz Wollschläger finden wir eine ausgezeichnet frisirte Büste. 
In der zweiten Collection, der der Friseur und Perrücken 
macher-Innung für die Provinz Brandenburg, begegnen 
wir zunächst sehr guten Arbeiten von W. Schmidt, die Fleiss und 
Verständniss ihres Verfertigers bekunden. Hermann Schulz stellt 
ausserordentlich saubere Damen- und auch einige kleine Herren 
arbeiten aus, unter denen die schönen Toupets namentlich angenehm 
auffallen. P. Lanckow bringt neben sehr beachtenswerthen Damen 
arbeiten und kleineren Herrensachen, zwei höchst geschmackvoll 
decorirte Büsten, unter denen ganz besonders eine, wenn wir nicht 
irren, eine Personifieation der Advocatur vorstellend, meisterlich 
behandelt ist. Louis Meinecke liefert ausgezeichnete Haarfüll 
arbeiten für Herren, und macht unter den von ihm aus 
gestellten Büsten namentlich die Portraitbüste des Grafen 
Tolstoi, an welcher Haar und Bart vorzüglich gearbeitet 
sind, einen durchaus lebenswahren Eindruck. Richard Arft führt 
eine trefflich ausgeführte Damen-Roeocofrisur vor, deren kolossale 
Höhe an die Dimensionen des Kölner Dom’s erinnert. Der Gedanke 
dieses Riesenstück tragen zu müssen — und es wurde ja derlei 
getragen — kann heute jeder nur einigennaassen sensitiven Dame 
Kopfschmerz verursachen. Eine ganz eigenartige Specialität pflegt 
mit grossem Geschick J. Reimer, die der Artistenperrücken. Unter 
den Ausstellungs-Arbeiten von Paul Schubert fällt eine hübsche 
Arbeit auf. Der fleissige Haarkünstler bat das originelle Placat 
der Ausstellung mit der hammerbewehrten Faust in den Boden 
einer Herrenperrücke eingeknüpft, freilich nur eine Spielerei, immer 
hin aber ein beredtes Zeugniss für das Können des Ausstellers ab 
legend. Unter den sehr guten Damenarbeiten von Ch. Schüler ist 
besonders eine prächtige Gretchenperrücke lobend zu erwähnen, 
während Carl Hübscher viel Gutes an Knüpfarbeiten auf Gaze 
bietet. E. Metzentiu hat einen Damenseheitel in zwei getrennten 
Thailen, eine sehr anerkennenswerthe Arbeit, ausgestellt, ausserdem 
drei recht hübsch decorirte Büsten und Franz Kegel bringt neben 
sehr guten Damen-Vollperrücken ein Prachtstück — eine trefflich 
gearbeitete braune Herrenperrücke, die jedenfalls zu dem Besten 
zählt, was die Sammlung aufweist. 
Als Glanzpunkt nicht nur dieser Collectiv-, sondern auch der 
ganzen Friseur-Ausstellung müssen die Arbeiten des Königlichen 
Hoffriseurs Albert Knöffler bezeichnet werden. Als ausgezeichneter
	        
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