Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
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bildet die Vcstibulekuppcl, hinter der sich dann die mächtige
Hauptkuppel mit einem Durchmesser von 34 m erhebt,
zu bereit beiden Seiten das stolze Wahrzeichen des Mittelpunktes
der Ausstellung, zwei schlanke, 60 m hohe Thürme, emporragt.
ES ist unstreitig die schönste Stelle der Ausstellung, an der sich
das Hauptgebäude mit der Wandelhalle befindet. Man genießt
von ihr den herrlichsten Ausblick! Plätschernde Springbrunnen,
prächtige Fontaiucn und Cascade«, von Künstlerhand entworfen
und ausgeführt, die ihre Strahlen ununterbrochen in die Luft
cmporsenden, nehmen den Platz vor dem Hauptgebäude ein ; in
der Mitte sieht man die mächtige Riesen-Fontaine, ein Meister
werk der Kunst, die allabendlich in tausendfachem Glanze blendender
Lichtfülle erstrahlen wird. Weiter wird der Blick gefesselt durch
den großen, neu angelegten See, auf dem sich durch die mannich-
fachen Boote und Barken aller Art, die sich dort tummeln werden,
das reichste Leben entfalten wird. Der großartige Baumbestand
des Treptower Parkes, der das Hauptgebäude und besonders den
See umgiebt, erhöht de.c malerischen Reiz und die landschaftliche
Schönheit des Bildes nicht wenig. Von deut nahen Haupt-
Orchester der Ausstellung wird rauschende Musik der Künstler-
Kapellen Zur Wandelhalle hinübertönen und so dem Besucher zu
dein Genuß des Auges auch einen solchen des Ohres verschaffen.
Die gewaltige Breite der Halle ermöglicht es, sie in drei halb
kreisförmige Parallclstreifen zu theilen. Ter nach anßen liegende
ist von vornherein für Kafscchauszweckc bestimmt worden. Das
Cafü Bauer, welches diesen Platz gepachtet hat, stattet ihn auf
das Eleganteste und Coinfortahelste aus und hat ganz
besonders für eine feenhafte abendliche Beleuchtung Sorge
getragen. Ter mittlere Streifen ist als Promenade gedacht:
hier können — auch bei schlechtem Wetter — sich diejenigen
aufhalten, die kein Verlangen darnach tragen, sich in
das Caf6 zu begeben, und beim Umherwandeln die
prachtvolle Aussicht und den Anblick des bunten Treibens auf
dem Ausstcllungsplatze genießen wollen. Der dritte, nach innen
gelegene, an die Promenade grenzende Streifen endlich enthält
die Vereinigung jener Einrichtungen, die wir schon erwähnt und
welche die praktische Fürsorge des Arbeitsausschusses geschaffen
hat. An der äußersten linken Seite hat Stangcn's Verkehrs
bureau, bekanntlich das officielle Verkehrsbureau der Ausstellung,
seinen Platz gefunden. Von hier aus werden Fahrkarten für den
Berliner Lokal-Verkehr und für die entlegensten Orte innerhalb
und außerhalb Deutschlands verabfolgt; gleichzeitig werden dort
bereitwilligst alle Auskünfte über Verkehrs- und Wohnungsfragen,
sowie sonstige den Fremden interessirendc Dinge gegeben. Un
mittelbar daran schließen sich die Räume des von Max Karfunkel
geleiteten Nachrichten - Bureau „Argus". Hier bietet sich die
Gelegenheit, das interessante Getriebe der Bureaux kennen zu
lerne», welche aus allen Zeitungen der Welt das über eine
bestimmte Angelegenheit Erschienene zusammentragen und den
Interessenten übermitteln; auch eine Zeitungsausstellung wird in
diesem Bureau zu finden sein. Benachbart dem „ArguS" liegt
der große Lcfcfaal, eine der sehenswürdigsten Einrichtungen
der ganzen Ausstellung. Nicht weniger als 8000 Zeitungen aus
allen Theilen der Erde — eine Zahl wie sie noch nie und
nirgends erreicht worden ist — werden dort, nach Staaten und
Städten geordnet, untergebracht, und so wird jeder Besucher, und
sei er aus dein entferntesten Theile der Welt, dort die Zeitung
seiner Hcimath finden. Es läßt sich denken, daß der Raunt des
Lesesaals so reichlich bemessen ist, daß eine sehr große Anzahl
Leser zu gleicher Zeit ihn benutzen kann. Für bequeme
Schrcibgclcgenheit ist ebenfalls gesorgt. An den Lesesaal schließt
sich der Arbeitsraum des Auskunftsbureau W. Schimmel-
pfcng an. Dieses Bureau wird allen denjenigen von Nutzen
sein, die eine zuverlässige Auskunft über Personal- bczw. Vcr-
mögensvcrhältnissc wünschen. Der nächste Raum ist für das
sogenannte „Goldene Buch der Stadt Berlin" reservirt.
Jeder Besucher der Ausstellung soll in dieses Buch zum Andenken
an seinen Besuch seinen Namen eintragen dürfen. Am Schluß
der Ausstellung wird das Buch dein Archiv der Stadt Berlin
einverleibt werden. Getrennt von der anderen Seite durch den
decorativcn, prächtigen Hanptcingang schließt die eine Hälfte der
Wandelhalle hier ab. Drüben gelangt man dann zunächst zu
dem Bureau des Vereins Deutscher Ingenieure, das tech
nisches Material in Bereitschaft halten wird, alsdann zu den
Räumen des Arbeitsausschusses, der hier im Brennpunkt
der Ausstellung der leichteren Erreichbarkeit ivegen gewisser
maßen eine Filiale seines im Ccntralverwaltnngsgebüude bclegenen
Hauptbureau etablirt hat. Die nächsten Räume sind für die Presse
bestimmt. Ein großer freundlicherSaal, in dem 48 Pulte, verschließbar
und mit allen zum Schreiben erforderlichen Einrichtungen
versehen, bereit stehen, damit die Herren Referenten gleich an Ort
und Stelle ihre Eindrücke niederschreiben können. Ein Theil
dieser Pulte wird für eine Anzahl größerer Zeitungen ständig
reservirt sein, während ein anderer Theil zur Benutzung für
gelegentliche Arbeiten jedem Vertreter der Presse frei steht. Bor
diesem Arbeitsraum befindet sich ein elegant ausgestatteter Vor
raum, eine Art Salon, in dent die Herren, die nicht arbeiten,
plaudernd und rauchend verweilen können. Diese Räume, die
untereinander in Verbindung stehen, sind auch in Verbindung mit
dem benachbarten ofsicielleu internationalen Preß
bäre au der Ausstellung gebracht. Das Preßbureau wird sich
in den Dienst derjenigen Herren der Presse stellen, welche die
Ausstellung besuchen, und ihnen jedwede Auskunft geben, ihnen,
wenn gewünscht, genauen Rath zu Theil werden lassen und ihnen
den Besuch der Ausstellung nach Möglichkeit zu erleichtern suchen.
In den anstoßenden Räumen befindet sich das Post- und
Telegraphenamt, sowie die Telcphonstation. Das Post
amt, an dessen Leistungsfähigkeit auf jedem Gebiete sicherlich die
höchsten Anforderungen gestellt Ivcrden dürften, wird ein so
genanntes „Vollamt". Ganz besonders ausgedehnt wird sich der
Telephonvcrkchr gestalten, da nicht nur die Ausstellung selbst
und ihre Hauptgebäude, die großen Pächter und Unternehmer,
sondern auch ein sehr großer Theil der Aussteller Telephon
anschluß wünschen. In Anbetracht des so zu erwartenden starken
Betriebes werden drei Extrakabel von Berlin nach Treptow
gelegt. Rudolf Mosse, der Verleger der ofsicielleu Kataloge
der Ausstellung, errichtet neben der Post ein Centralbureau
Die Wechselstube von Jacquier & Securius, die sich den
nächsten Raum gesichert hat, wird besonders für die zahlreichen
Besucher aus dem Auslande von außerordentlichem Werthe sein.
Ten Beschluß der Wandelhalle bilden die Räumlichkeiten für den
Vertrieb der photographischen Aufnahmen der Ausstellung
und am äußersten Ende die Buchhandlung von Stille, die
Kataloge, die illustrirten Postkarten tt. A. verkaufen wird. So
wird der Besucher ohne das Hauptgebäude, in dem der wichtigste
Theil der Ausstellung untergebracht ist, verlassen zu müssen, hier
im Brennpunkte der Ausstellung alles das vereint finden, was
ihm zur Erholung wie zur Arbeit unentbehrlich ist. Die von
erfreulichem organisatorischem Geschick zeugende Einrichtung der
Wandelhalle wird einen nicht unwesentlichen Factor für das
Wohlbehagen bilden, das der Besuch der Ausstellung
hervorrufen soll. Dl- kl-
Eine Ouvertüre.
Von Alfred H o l z b o ck.
Der Berliner ist neugierig, wenn inan will: auch wißbegierig.
Man wundert sich, woher all' die Tausende und Tausende ant
hellen Tage die Zeit hernehmen, um in den Straßen stundenlang
der Rückkehr der Truppen vom Paradefelde oder des Einzugs
irgend einer Fürstlichkeit voll Neugier zu harren, und man freut
sich, daß Tausende und Tausende sich hindrängen zu den in der
Urania von Dr. Spies über die X - Strahlen gehaltenen Vor
trügen, und so der Wißbegier des Berliners ein glänzendes
Zeugniß ausstellen. Der Berliner hat ein theilnahmsvolles Herz
und eine kühl abwägende Vernunft, er ist Gemüthsincnsch und
Skeptiker. Sein Herz zieht ihn hin zu Allem, was momentan
im Vordergründe steht oder von sich reden macht; seine Vernunft
aber verleitet ihn, trotz seiner Antheiluahme für die augenblicklich
interessanten Ereignisse und Persönlichkeiten, diese selbst etwas
skeptisch zu betrachten und zu beurtheilen. „Wirst man erst
sehen, was los ist!" pflegt der Berliner zu sagen und durch
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