Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
sein; sie erhält eine circa eia Meter breite Ab
plattung, auf welcher für das fahrende Publikum Sitzplätze er
richtet werden, die wiederum durch ein Schutzdach vor Regen und
Sonne geschützt sind. Die Stufenbahn kann von jeder Stelle
aus bestiegen oder verlassen werden, ohne daß sie deswegen still
hält. Wiewohl der Auf- und Abstieg ein völlig gefahrloser ist,
so werden doch zur Benutzung dieses Transportmittels besondere
polizeiliche Bestimmungen getroffen werden.
Tie Gruppe VIII. «Graphische und Sceorativc Künste und Buch-
Nclvcrbc) ist in der Südostecke des Haupt - Jndustriegebäudes unter
gebracht. Sie umfaßt die Untergruppen: I. Kupferstiche, Radirnngen,
Entwürfe, Zeichnungen, decoratwe Malerei und Modellirung. Kupfer
stiche sind zwar in der Gruppe nicht vertreten, dafür aber Gobelins,
decorative Entwürfe, Emailmalerei. Dazu kommt der Kunstverlag,
Heliogravüren (drei Aussteller). 2. Holzschnitte. Die acht 'Aussteller
dieser Gruppe stellen collectiv aus. 8. Photographisch-mechanisches
Druckverfahren. Es sind nur drei Aussteller vorhanden, von
denen einer den neuen Dreifarbendruck, hergestellt mittels
der neuen Buntphotographie, vorführen wird. 4. Lithographie
und Buntdruck. Hier sind 15 große Aussteller vertreten, welche auf
Tischen und an Wandflächen die hervorragenden Leistungen dieser
Berliner Kunst veranschaulichen. 5. Kartographie. Berlin ist
ein Hauptplatz für die Herstellung von Karten; schon
durch die Bestellung der Behörden, allein des großen Generalstabes,
wird der Kartographie fortwährend Arbeit zugeführt. Die sieben Aus
steller in dieser Untergruppe beanspruchen natürlich sehr große
Wandflächen. 6. Gravirung, Ciselirung, Medaillen. Diese Unter
gruppe bildet eine Collectiv-Ausstellung, die von dem Deut
schen Graveur-Verein veranstaltet wird und 41 Aus
steller zählt. Sie stellt ihre Arbeiten in schwarzen,
halbmatte» Schränken, die mit rothem Plüsch gefüttert sind, aus.
7. Buchdruck und Schriftgießerei. In besonders großartig decorirten
Vitrinen bringen die großen Berliner Buchdrucker in einheitlicher Form
und Ausstattung ihre mannichsachen Products zur Ausstellung, welche
auch dem Laien die Bedeutung Berlins als „Drnckplatz" klar
machen dürften. 8. Buchgewerbe und Buchverlag. Diese Unter
gruppe hat 43 Aussteller und macht den Eindruck einer Collectiv-
ausstellung, da das Arrangement ein durchaus gleichmäßiges ist. Die
Berliner Verleger bringen ihre Werte in Glasschränken zur Ausstellung,
die sich über kleinen, eleganten Tischen aufbauen. Es wird den Be
suchern gestattet sein, die Bücher zur Prüfung aus den
Schränken zu nehmen und auf den Tischen aufzuschlagen
und durchzublättern. Die ganze Gruppe VIII hat 200 Aus
steller und verfügt über 1100 gm Bodenfläche. Die Arbeiten der
Gruppe sind soweit fortgeschritten, daß eigentlich nichts mehr als das
Einräumen nöthig ist. Da die Tische, Schränke und Regale an be
stimmten Tagen fertig werden, kann wahrscheinlich schon im Anfang
April das Einräumen beginnen.
V
Die Verbindung zwischen dem Aiisstcllnngs- und dem
dazu gehörigen Vergnügungspark wird durch drei Zugänge
vermittelt. Es geschieht dies durch zwei Brücken und durch die
Stllfenbahn, welche van Alt-Berlin nach dem Vergnügungspark
hinüberführt.
Wegen der Berliner Gewerbe-Ausstellung wird das Be
amtenpersonal der Eisenbahnstationen in und bei Berlin
zum Sommer bedeutend verstärkt. Die Eisenbahn-Direction Berlin
hält jetzt Umfrage bei den Stationen i» der Provinz, ob und
welche Beamte während der Sommermonate nach Berlin ab
gegeben Hielten können.
Vom Ausstcllungsbahnhof an der Görlitzer Bahn wird
eine lange, hölzerne Lanfbrücke geschlagen, die an der Ostseite
von „Kairo" vorbeiführt, die Coepenicker Landstraße überbrückt
und in die Ausstellung hineinführt, nachdem sie auch die elek
trische Innenbahn überschritten hat. Das Publikum wird über
diese Brücke vom Bahnhof ans direct bis in die Ausstellung ge
langen, ohne beim Ueberschrcitcn der Chaussee und der Bahnen
irgendwie durch Verkehr aufgehalten zu werden.
V
Die Gruppe X (Rahruiigs- und Gciiustmittel) hat ein eigenes
Gebäude für sich, welches westlich an die Halle der Fischerei-Ausstellung
stößt. Dieses Gebäude hat eine Grundfläche von 1400 Quadratmetern
und im Innern eine Höhe von 21 Metern. Die Ausstellung zerfällt in
die Untergruppen: 1. Mühlenfabrikate, Mehlproducte, Conditorei- und
Bäckerei-Erzeugnisse. Hier stellen zehn Aussteller in einheitlichen Schränken
Mehl und Backwaaren, Pumpernickel, Maccaroni, Backpulver, Back
hefe u. s. w. aus. 2. Chocolade, Cacao und Zuckerwaaren. 17 Aus
steller zeigen Berlins Leistungen in allen Cacaoproducten, in Confecten,
Marcipan, Bonbons, Gelee, Fruchtpasten, Confitüren, Honig
kuchen und Honig in Gläsern. 3. Sprit, Liqueur, Frucht
wein, Schaumwein, Essig. Diese Gruppe ist sehr umfangreich
und zählt 60 Aussteller. Traubenwein wird hier nicht
ausgestellt, da Berlin bekanntlich kein Productionsort für Wein ist.
ist. Es mag ja vielleicht Liebhaber geben, welche aus in Berlin
gewachsenen Trauben einen Wein keltern; dieser aber wäre jedenfalls
nicht ausstellnugsfähig. Es werden demnach nur F r u ch tweine
ansgestellt: Apfelwein, Fruchtsäfte, Champagner aus Fruchtwein.
Die in Berlin so bedeutende Großdestillalion ist in der Gruppe sehr
gut vertreten; da innerhalb der Ausstellungsgebäude bekanntlich keine
Kostproben gegeben werden dürfen, haben die vereinigten Groß
destillateure in einem besonderen Pavillon im Freien einen Ausschank
ihrer Products errichtet. 4. Bier: Weizenbier, Weißbier, bayerisch Bier,
Malzpräparate. Von den großen Bayerisch-Bier-Brauereien sind nur
vier unter -den Ausstellern vertreten; trotzdem wird diese Unter
gruppe durch Faßaufbauien einen imposanten Eindruck machen.
Eine höchst vielseitige Untergruppe ist 5. Fleischwaaren, Extracte und
Conserven. Trotz der Berschiedenarligkeit der Products, die zur Aus
stellung gelangen, hat sich die Gruppe „Hefter", wie sie nach ihrem
Vorsitzenden genannt wird, zu einer Collectiv-Ausstellung zusammen-
gethan. Sie stellt Fleisch- und Wurstwaarcu, Kaffeesurrogate, Bouillon-
pastillen, Conserven und Gefäße für Conserven aus und zählt 13 Aussteller.
6. Tabak und Tabakfabrikate. Die Verarbeitung des Tabaks zu
Rauchtabak, Cigarren und Cigaretten wird bekanntlich in Berlin
im Großen betrieben; es haben sich auch zehn große Firmen
zum 'Ausstellen entschlossen, welche den Beweis liefern werden,
daß Berlin keineswegs die Concurrenz der anderen renommirten
„Tabaksorte" zu scheuen braucht. 7. Molkerei, Milchbutter,
Speisen- und Kunstbutter. Diese Untergruppe hat drei Aussteller,
welche weder Milch, noch Käse, noch Kunstbutter ausstellen. Einer von
den Ausstellern bringt Talg für Speisen und technische Zwecke, ein
zweiter stellt im Freien Speisefett aus, ein dritter Leinöl und Leinkuchen.
Die großen Berliner Molkereien hatten die Absicht, sich in hervorragender
Weise an der Ausstellung zu betheiligen; sie traten aber zurück, da der Verkauf
von Ausstellungsgegenständen bekanntlich verboten ist und sie somit für ihre
Products, die täglich Hütten erneuert werden müssen, keine Verwendung
gehabt hätten.
Das Arrangement in der Gruppe X ist ein sehr übersichtliches,
und für äußere Decorationen nicht nur der Tische, Pavillons und
Schränke, sondern auch der Wände wird von den Ausstellern aus eigenen
Mitteln sehr viel gethan. Es sind noch einige Quadrat
meter (nicht über 15) in kleineren Plätzen frei.
Die Schränke der Gruppe müssen bis zum 20. April angeliefert sein;
dann beginnt das Einräumen, und so wird die Gruppe einige Tage
vor Eröffnung der Ausstellung fix und fertig dastehe».
„Ausstellung
Die Wandelhalle.
Eine äußerst glückliche und daukenswerthe Einrichtung auf
der diesjährigen Berliner Ausstellung ist die vor dem .Haupt
gebäude errichtete Wandelhalle. Die Leitung der Ausstellung,
bestrebt, den Besuchern alle möglichen Erleichterungen und An-
uchmlichkciteu zu schaffen, hat in dieser Wandelhalle, im Mittel
punkte der Ausstellung, alle diejenigen Räume zusammengelegt,
welche vor Allem zur Erledigung etwaiger geschäftlicher Dinge
bestimmt sind, daun aber auch in ihr dem Erfrischuugs- und
Erholungsbedürfniß der fremden Gäste in denkbar angenehmster
Weise Rechnung getragen. Diese Dispositionen, die den
Besuchern so viel Zeit und Mühe ersparen und die in ähnlich
zweckmäßiger Form noch auf keiner Ausstellung, selbst bei den
großen Weltausstellungen nicht, getroffen wurden, werden zweifel
los von allen Denjenigen mit besonderem Danke empfunden
werden, die Veranlassung haben, eine oder alle dieser Ein
richtungen zu benutzen. -— Die Wandelhalle, halbkreisförmig vor
dem Hauptgebäude gelagert, erhöht durch ihre originelle und
architektonisch schöne Anlage den imposanten Gesammteindruck des
Hauptgebäudes in hervorragendem Maße. Die Wandelhalle, die
in ihrer Breite sich vor die ganze Vorderfront des Hauptgebäudes
lagert, lvird durch reizvolle Kopfbauten mit besonderen, decvrativ
ausgestatteten Eiugaugsportalen slankirt. Ihren -Mitteltheil
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