Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 11
t .' A ,1
Der erste 9chöne Sonntag in der Ausstellung.
»Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammen
kamen?« Dieses Dichterwort passte so recht auf die Physiognomie,
die der Ausstellungs-Park am gestrigen zweiten Sonntag bot, wo
der Himmel in seinem lichtesten Blau auf die Tausende und aber
Tausende hemiederlachte, die schon vom frühesten Morgen an, unter
Benutzung aller möglichen Fahrgelegenheiten, nach Treptow hinaus
strömten und lange vor Eröffnung der Ausstellung des Einlasses
harrten. Um 11 Uhr bereits bot der Park ein ausserordentlich be
wegtes Bild, aber immer neue Schaaren drängten herzu und gegen
3 Uhr war die Hochfluth der Besucher schon derartig angeschwollen,
dass alle Innenräume sowohl, wie die äusseren Anlagen dicht gefüllt
waren. Hatte der vorgestrige Sonnabend schon der Ausstellung
ein kolossales Contingent von Besuchern zugeführt, so übertraf der
Sonntagsbesuch doch weitaus die bisherigen Ergebnisse und jedem
Freund des bedeutungsvollen Unternehmens drängte sich die Ueber
zeugung auf, dass, wenn des Himmels Gunst wohl nur einiger
massen treu bleibt, der grosse Erfolg, demselben heute , schon gesichert
erscheint. Das Erfreulichste aber ist, das unter all’ den zahlreichen
Tausenden, Einheimischen und Fremden das aufrichtigste Gefühl
wärmster Anerkennung herrschte.
Im Hauptgebäude herrschte gestern ein so reges Treiben,
wie es seit Eröffnung der Ausstellung diese Bäume noch nicht ge
sehen hatten. In manchen Sälen und Gruppen war ein Gedränge,
dass man kaum durchzukommen vermochte. Sehr schreiblustig
zeigte, man sich in den Nischen des Goldenen Buches, wo immer
neue Besucher herandrängten, die Thatsache ihrer Anwesenheit der
Nachwelt zu überliefern. Die Kunstwerke der Königlichen
Porzellanmanufactur, deren Aufstellung am Sonnabend fertig
geworden ist, lockten eine dichte Schaar von Bewunderern
herbei, die sich von den prachtvollen Wandfliessen garnicht
trennen konnte, und nur ungern ihre Plätze anderen
kunstliebenden Ausstellungs - Gästen überliess. Schade, dass
die Kunstschätze aus den Königlichen Schlössern vorläufig
wenigstens dem Publikum wieder entzogen worden sind. An dem
Stuckbaldachin, dessen Formen Hera Professor Lessing entworfen
hat, wird noch fleissig gearbeitet, doch ist die Fertigstellung in
wenigen Tagen zu erwarten. Dann wird diese Gruppe ein
künstlerisches Zugstück der Ausstellung sein, dem nur die Porzellan-
Manufactur in der gegenüberliegenden Seitenhalle ein Paroli zu bieten
vermag. Bei der Möbel-Industrie stehen noch viele Kojen leer, in anderen
wild an den Wänden und Decken gearbeitet — und zwar mit einer
Langsamkeit, als sei die Eröffnung der Ausstellung für Mitte
October angesetzt. Papier-, Bekleidungs-, Kurzwaaren-,- Metall- und
Porzellan-Industrie haben bei Zeiten Alles aufgeboten, ihre Bäume
zu füllen, und gemessen nun den Vorzug, dass die Ausstellungs
schränke von Morgen bis Abend aufmerksam und mit voller An
erkennung für die Leistungen von Tausenden und Abertausenden
gemustert werden.
Unter dem Publikum hörte man gestern (Sonntag) schon
verschiedene Provinzdialekte. Namentlich tönte das gemüthliche
Sächsisch an unser Ohr und auch Pommern stellte
ein starkes Contingent zu den Ausstellungsbesuchern. Mitunter
fanden sich hier zwischen den Schränken, Pavillons und Kojen alte
langgetrennte Freunde wieder und feierten ein frohes Wiedersehen.
In manchen Fällen gab es auch einen kleinen Wortwechsel, wenn
die gegenseitige Berührung der Pedale oder Ellenbogen gar zu un
sanft gewesen war, doch solche kleine Intermezzi gingen rasch.vorüber
und überall unter den Schaaren vernahm man nur Worte der Be
friedigung über das Gesehene.
Die Maschinenhalle war kurz vor-der Eröffnung noch am
weitesten zurück, aber schon am Eröffnungstage bot sich den Be
suchern hier eine sehr angenehme Ueberaaschung Die einzelnen
Stände zeigten in ihrer Mehrzahl eine musterhafte Ordnung, nur
mit dem eigentlichen Leben einer Maschinenhalle, mit dem Brausen
Bauschen, Klappern und Pfeiffen der Maschinen war es noch
schlecht bestellt. Seitdem hat sich auch hier Vieles zum Besseren
gewendet. Aber manche Aussteller grosser und gerade für die
Lichterzeugung wichtiger Maschinen sind noch immer mit den:
Montiren beschäftigt und stören das sonst so harmonische Bild dei
Vollendung, das ohne einige Zögerer gerade die Maschinenhalle
bieten würde.
Der Laie hat ja meistens für die eisernen Gehilfen unserer
Industrie wenig Interesse, trotzdem war der Besuch der Maschinen
halle am gestrigen Sonntage ein ausgezeichneter und die Verkäufer
von Stickereien, gestanzten Eisen- und Messingwaaren u. s. w.
machten sehr gute Geschäfte. In den offenen Maschinenhallen
wurden die Maschinen und Geräthe für Ackerbau, Milchwirthschaft
u. s. w. von zahlreichen Fremden, denen man ihren landwirtschaft
lichen Beruf schon von Weitem ansah, mit Kennermienen geprüft.
Die ;am Sonnabend eröffnete Fischkosthalle war am
gestrigen Sonntag vom Publikum ausserordentlich besucht. Bis gegen
2 Uhr Nachmittags waren dort schon 22 Centuer Fische von den
Gästen verzehrt worden.
9
Die Ausstellungs - Medaillen von 1844. Hera
Georg Lestmann, in Firma j. W. Kayser & Co., Hoflieferant, theilt
uns mit, dass er ebenfalls eine Ausstellungs - Medaille von 1844
besitzt. Diese Medaille ist von der Firma (begründet 1837) auf
der Ausstellung von 1844 erworben worden. Gewiss sind noch
andere alte Firmen in Berlin im Besitz der im Jahre 1841 ver
liehenen Medaillen. Es wäre interessant, diese Zahl festzustellen,
was natürlich nur möglich wäre, wenn diese Firmen sich selbst
melden würden.
V
Die Waffen Sammlung des Hauptmanns Wilhelm
Langheld, des bekannten Compagnieführers der ostafrikanischen
Schutztruppe, ist, wie man uns mittheilt, gestern in der Deutschen
Kolonial-Ausstellung fertig aufgestellt worden.' Die Sammlung
hat insofern ein ganz besonderes Interesse, als die einzelnen
Waffen durchweg heimische Erzeugnisse, d. h. im Innern von Ost-
und Centraläfrika hergestellt sind.
9
In der Sport-Ausstellung sind die 16 Rennpreise de;
Herzog Emst Günther, welche mit der Büste des Fürsten in einer
kleinen Fensternische standen, vorläufig entfernt worden. Sie wurden
nach Schloss Primkenau als Prunkstücke einer sportlichen Fest
lichkeit gesandt und werden erst später wieder die Ausstellung ver
schönern. Unter den Ehrenpreisen ist neuerdings ein kostbarer
silberner Ehrenbecher ausgestellt. Auf dem Fuss ist zu lesen:
»Kaisers. Yacht-Club, Krupp-Pokal, Eckernförde«. Auf dem Becher
rand ist eingravirt: »Gewonnen von 8. M. des Kaisers und Königs
Yacht »Meteor«.
9
Zusammenstoss mit der elektrichen Bahn,
Gestern (Sonntag) Nachmittag stiess in der Coepenicker Landstrasse
vor der Brauerei Gregory ein Wagen der elektrischen Bahn mit
einem Kremser zusammen. Sämmtliche zwölf Insassen des Kremsers
wurden herausgeschleudert und fanden in der Brauerei einstweilen
Aufnahme, bis die telephonisch von der Unfall-Station herbei
gerufenen Aerzte mit Heilgehilfen und Verbandkasten eintrafen,
Die Verunglückten erlitten glücklicherweise im- Hautabschürfungen
an Stirn, Arm und Mund, der Kutscher eine Hautverletzung am
rechten Unterarm. Die Kutscher trifft keine Schuld, der vom
elektrischen Wagen bremste mit aller Macht, war aber nicht im
Stande, den Zusammenstoss zu verhüten.
9
In der Sanitäts-Wache der Gewerbe-Ausstellung ge
langten am Sonntag gegen .10 Fälle, meist leichterer Art, zur Be
handlung, etwas schwerer war eine Verrenkung des Oberarms unc
eine Sekncnverletzung am Finger, der aufgeschnitten werden musste.
V '
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.