Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Aussteiiungs - Nachrichten.
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Eine Reihe orientirender Fragen sind an den Arbeits
ausschuß der Gewerbe-Ausstellung gerichtet und von diesem, so-
tveit dies angängig war, beantwortet worden. Von allgemeinem
Interesse sind die folgenden Fragen und Antworten: Frage:
Was tvird aus der ans dem Ausstellungsterrain fertiggestellten
Waare, wenn die Verfertiger sie nicht verkaufen dürfen? Muß
dieselbe bis zu einein gewissen Termine, an dem der Wechsel
officiell gestattet ist, auf der Ausstellung verbleiben, oder kann
dieselbe täglich in die Stadt genommen werden? Antwort:
Die auf der Ausstellung hergestellten Waaren, welche nicht ver
kauft werden dürfen, können täglich früh vor neun Uhr von dem
Ausstellungsplatz entfernt werden. — Frage: Dürfen Aussteller,
die das Recht zum Verkauf nicht haben, draußen Anzahlungen
und Bestellungen, ohne sich gegen die Satzungen zu vergehen, an
nehmen? Antwort: Die Aussteller sind selbstverständlich be
rechtigt, durch Vertreter oder persönlich Bestellungen in Empfang zu
nehmen, ebenso wie auch Anzahlungen. — Frage: Wird die
Versicherung durch eine bestiminte Gesellschaft besorgt, oder bleibt
es jedem überlassen, sich zu versichern? Antwort: Die Ver
sicherung sämmtlicher Objecte wird durch uns mit einem Eon-
sortium hervorragender Versicherungsgesellschaften bewirkt. Die
Kosten für die Versicherung seiner Gegenstände hat jeder Aus
steller selbst zu tragen. Es gilt bei uns als versichert jeder
Aussteller, wenn er in dem Einlieferungsschein die betreffende
Rubrik ausgefüllt hat. Unterläßt er die Ausfüllung, so ist er
nicht versichert. — Frage: Findet eine Prämiirmig statt
oder nicht? Antwort: Es findet nach unserem Programm nur
eine Prämiirung durch Diplome statt, abgesehen von Staats-
mcdaillcn, die wir sicher zu erreichen hoffen. Die Prämiirung
erfolgt durch die von den Ausstellern selbst gewählten Preisrichter.
Ueber die V e r k c h r s Verhältnisse der B e r l i n e r
Gewerbe-Ausstellung sprach anr Dienstag Abend im
„Verein für Eisenbahnkunde" der Königliche Eisenbahnbauinspector
Herr Klinke. Der Vortragende ging bei seinen Berechnungen
von der Zahl der Besucher der Ausstellung ans, die als Maxi
mum an einem Tage zu erwarten sind. Das Maximum der
Besucher belief sich auf der Chicagocr Ausstellung ans 780 000
Personen. Für Berlin ist erheblich weniger in Ansatz zu bringen.
Am Pfingstsonntag des verflossenen Jahres wurden im Ganzen
426 OOO Personen durch die Stadt- und Ringbahn inclusive der
über dieselbe laufenden Vorortzüge befördert. Der dritte
Theil hiervon, etwa 140 000 Personen, dürfte das
Maximum von Personen darstellen, das als Besucher der Aus
stellung an einem besonders günstigen Tage zu erwarten wäre.
Tie Rückkehr dieser Personen von dem Ausstcllungsterrain nach
der Stadt würde sich der Erfahrung zufolge auf drei Abend
stunden zusammendrängen. Durch Neueinrichtung des Aus«
stellungs-Bahnhofes und Umbau der Bahnhöfe von Char
lottenburg, Schöncbcrg, Tempclhof, Nixdorf und Treptow,
sowie des Potsdamer Bahnhofes ist nun für die Aus
stellungszeit auf Der Stadt- und Ringbahn ein besonders
intensiver Verkehr ermöglicht worden. Die Stadtbahn
hat Dreiminntenverkehr und befördert innerhalb einer Stunde
16 Züge L 1000 Personen zwischen Treptow und Char
lottenburg. Acht Züge verkehren in derselben Zeit
zwischen Treptow und dem Görlitz er Bahnhof, 18 Züge
zwischen Treptow und dem Potsdamer Bah n h v f. Es
gehen also innerhalb dreier Stunden 126 Züge von Treptow
nach der Stadt, durch welche 126 000 Personen befördert werden
können. Die elektrische Bahn von Siemens n. Halske
ist auf die Beförderung von 2500 Personen, die elektrischen
Linien der Großen Berliner Pferdebahn sind auf
den Transport von 2000, die Pferdebahnlinien der ge
nannten Gesellschaft auf den von 6000 Personen pro Stunde
eingerichtet. _ Innerhalb dreier Stunden befördern alle drei
Gruppen zusammen 31 600 Personen. Für die Rückkehr von
Treptow auf dem Wasserwege endlich stehen im Ganzen
46 elektrische Boote, Motorboote und Dampfboote zur Ver
fügung, die gemeinsam 24 000 Personen befördern können. Es
besteht also die Möglichkeit, innerhalb dreier Stunden 180 000
Personen nach der Stadt befördern zu können, das heißt 40 000
Personen mehr, als die Maximalzahl der Besucher voraus
sichtlich betragen dürfte. Nicht in Ansatz gebracht sind bei dieser
Berechnung die eleganten Mail-Coachs, die 2500 Personen pro
Tag, und die Omnibusse, die 4500 Personen pro Stunde als
Fahrgelegenheit zur Verfügung stehen.
$
Ein Riesenfernrohr wird sich auf der Ausstellung be
finden, welches nach der Idee und den Angaben des Astronomen
der Grunewald-Sternwarte Herrn Archenhold erbaut wird.
Der Unterbau für dieses Riescnfernrohr wird im östlichen
Theile der Ausstellung, nördlich vom Theater Alt-Berlin errichtet.
Den Namen „Riescn-Fernrohr" wird cs jedenfalls verdienen,
obgleich cs im Objectiv und in den sonstigen Dimensionen nicht
jene gewaltige Größe haben wird, die sein geistiger Urheber
ursprünglich plante. Es wird immerhin das größte Fernrohr
der Welt sein. Bekanntlich ist das größte in Deutschland
existirende Fernrohr ein 18-Zöller. Es wird übertroffen von
dem Refractor in Pulkowa, dessen Objectiv 30 Zoll hat, während
der Riesenrcfractor derLick-Sternwarte in Californicn ein 38-Zöllcr
ist. Das größte jetzt existirende Meisterwerk der Optik, einen
40-Zöller, besitzt seit zwei Jahren die Sternwarte in Chicago.
Die Berliner werden nun den Amerikanern, die sich in Riesen
dimensionen nicht genug thun könnnen, über sein, da das Fern
rohr der Gewerbe-Ausstellung ein Objectiv von 44 Zoll oder
110 Centimetern haben tvird. Eigentlich werden cs zwei Fern
rohre sein, nämlich der 44-Zöller mit kurzer Brennweite und ein
28-Zöllcr mit langer Brennweite. Wer die Fixsterne, die
Planeten und den Mond wird bewundern wollen, wird sich schon
mit dem 28-Zöllcr begnügen und damit trösten müssen, daß man
durch ein Rohr von der respectablen Länge von 21 Metern blickt.
Der 44-Zöller aber, dessen Rohr nur sechs Meter Länge er
reichen tvird, wird dafür um so besser die Betrachtung der Kometen
mit ihren Kernen und Schrveifen und der Nebelflecke ermöglichen.
Das doppelte Nicsen-Fcrnrohr wird den großen Vorzug besitzen, daß
man damit jeden Punkt des Himmels betrachten und mit der
größt erreichbaren Präcision der Bewegung der Gestirne wird
folgen können. Ein nicht minder großer Vorzug ist die besondere
Eigenart dieses Doppel-Riescnfernrohrs, die darin besteht, daß
der Kuppelbau wegfällt. Bei großen Fernrohren nämlich er
fordern der Kuppelbau und seine Mechanik allein etwa 90 Procent
der Kosten, während nur 10 Proccnt ans die Optik entfallen.
Das Zustandekommen des Riesen-Fernrohrcs der Berliner Ge
werbe-Ausstellung wurde deshalb ermöglicht, weil man die un
geheuren Kosten für den Kuppelbau ersparen konnte. Dieser
wird durch eine Schutzhülle ans Eisenblech ersetzt, in der sich
die Fernrohre befinden.
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Die Errichtung der Stufcnbahn auf dein Terrain der
Ausstellung ist nun völlig gesichert, nachdem ein diesbezügliches
Abkommen mit dem Arbeits-Ausschuß getroffen ist und die
erforderlichen Geldmittel von Capitalistcn gesichert sind. Die
Bahn wird in einer Länge von 500 Metern von Alt-Berlin
ans an dein Terrain der Colonialabtheilung vorüber bis zum
Vergnügungspark führen und soll „vierstufig" erbaut
werden. Die Vorarbeiten für dieselbe tverden nunmehr
unverzüglich in Angriff genommen tverden, so daß sofort
nach Ankunft der voir Amerika kommenden Einrichtung
der Ban begonnen tverden kann. Das System ist folgendes:
Es werden vier Stufen gebildet, die, auf gemauertem Untergrund
ruhend, ans Schienen laufen und mittels Elektricität in ständiger
Bewegung bleiben. Die Geschwindigkeit der untersten Stufe ist
eine so geringe, daß Jedermann dieselbe besteigen kann. Die
ztvcite hat die doppelte, die dritte Stufe die dreifache, die
vierte Stufe die vierfache Geschwindigkeit der ersten, und so-
init ist die Bewegungsgeschwindigkeit der Stufe» unter einander
dieselbe, wie das Verhältniß der Stufe 1 zu dem Erdboden,
während die thatsächliche Geschwindigkeit der vierten Stufe
derjenigen eines schnell fahrenden Pferdebahnwagcns gleicht.
Diese letztere Stufe wird das eigentliche Verkehrsmittel
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