Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
Führung auf dem Rundgang der fürstlichen Herrschaften hatten Herr
Geh. Commereienrath Goldberger, Herr Baumeister Fetisch und Herr
Stadtverordneter Rosenow übernommen. Die hohen Gäste besichtigten
zunächst das Hauptgebäude. Ganz besonderes Interesse widmeten
sie der Bacher sehen Ausstellung historischer Costüme, sowie der
Confection von Herrmann Gerson. In der Maschinenhalle angelangt,
verweilte Prinz Heinrich nebst Begleitung längere Zeit bei den von
der Ludwig Loewe’schen Gewehrfabrik ausgestellten Waffen, die der
Prinz besonders eingehend besichtigte und sich den Vertreter der
Firma um 1 / 2 7 Uhr mit einigen Waffen in das Hauptrestaurant zu
nochmaliger Prüfung derselben bestellte. Hierauf bewegte sieh
der Rundgang nach dem südlichen Theile des Hauptgebäudes, wo die
glänzende Ausstellung des Hofjuweliers J. II. Werner seitens der
fürstlichen Herrschaften über eine Viertelstunde lang in
Augenschein genommen wurde. Prinz Heinrich und Prin
zessin Charlotte sprachen dem anwesenden Geschäftsvertreter
in längerer Unterhaltung ihre Anerkennung aus, und .be
sichtigten dann die von der Firma Gebrüder Friedlän
der ausgestellten Bijouterieen, die sich ebenfalls des Beifalls der
hohen Gäste zu erfreuen hatten. Auch die kunstvollen Schmiede
arbeiten von Hofschlosser Paul Marcus erregten lebhaftes Interesse.
Ueber die grossartige Lesehalle, die nachher durchschritten wurde,
sprachen sich die fürstlichen Herrschaften äusserst lobend aus,
worauf das Gebäude für Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Ein
richtungen besucht wurde, wo namentlich die Operationstische der
Firma Jalinie und die Verbandstoffe von Ludwig Spielhagen
lebhaltes Interesse erregten. Der Rundgang mochte wohl die
Herrschaften ermüdet haben, und so nahmen sie, von Herrn
Dressei an der Grenze seines Gebietes selbst empfangen, ein
Diner im Hauptgebäude ein, an dem auch Herr Baumeister Feilsch
sich betheiligte. Auf dem weiteren Wege wurde längere Zeit in dem
Telephonamte der Ausstellung verweilt. Prinz Heinrich liess Excellenz
von Stephan an das Telephon rufen und unterhielt
sich mit ihm. Das nächste Ziel war Alt-Berlin, doch
vor der Spandauer Brücke betraten die Herrschaften noch das
Maschinenhaus der Maschinenfabrik Wolf in Buckau, und liessen
sich die dort aufgestellte riesenhafte Dampfmaschine in ihrer
Construction erläutern. In Alt-Berlin herrschte ein tolles Leben und
Treiben. Die Künstler und Darsteller des Festzuges brachten dem Prinzen
und der Erbprinzessin begeisterte Ovationen dar. Vor Verlassen der
historischen Stätte, deren Baulichkeiten HerrArehitektHoffacker erläuterte,
wurde noch der Hollandschen Tapperij von Lucas ein kurzer
Besuch abgestattet. Für die weitere Rundfahrt durch das Aus
stellungsterrain war ein Sonderwagen der elektrischen Rund
bahn bestellt. Zuerst musten jedoch die Herrschaften an
den Eingangs-Automaten den üblichen Nickel erlegen. »Ob ich
wohl noch so viel bei mir habe?« meinte Prinz Heinrich.
»Wie viel sind wir denn eigentlich ?« Und lachend
fügte er hinzu, weil die Menge herandrängte, »Wir könnten
ja eigentlich eine kleine Sammlung für’s Anschauen
veranstalten!« — Alles lachte über die Bemerkung. Nach einigem
Warten war der Wagen zur Stelle und nach zweimaliger Rund
fahrt hielt er vor Kairo, an dessen Eingang Herr Baumeister Wohl-
gemuth die Herrschaften empfing.
V
Der Erbprinz von Sachsen - Coburg - Gotha,
besichtigte unseren Pavillon in allen Theilen und verweilte längere
Zeit in der Redaction. Unseren Pavillon besuchten ausserdem im
Laufe des Tages von hervorragende Persönlichkeiten, die Herren:
Graf Solms, Graf Hochberg, der Mecklenburgische Gesandte
von Oertzen, Graf Praschma, Hoijägermeister von Heinze, der
Hofmarschall der Kaiserin Friedrich Frbr. von Reischach,
der Sachsen-Weimarische Oberhofmarschall Freiherr von Stein,
Graf von Plessen-Ivenack.
V
Der Depeschensaal im Pavillon des „Berliner
Lokal-Anzeiger“ bietet seit gestern einen neuen Anblick.
Den berühmten Todten der letzten Woche ist ein Theil des ersten
Feldes geweiht, Geh. Rath Geffcken und Cardinal Galimberti sind
in lebenswahren Photographiern ausgestellt. Das junge fürstliche
Ehepaar dieser Woche, Prinz Friedrich von Schaumburg-Lippe und
Prinzessin Luise, die Enkelin des dänischen Königs, zeigen in ihren
frischen, leuchtenden Zügen das Glück ihrer jungen Liebe. Da
neben haben wir, um auch in der Politik auf dem Laufenden zu
bleiben, die wichtigsten Mitglieder des neuen französischen Ministe
riums ausgestellt. Der Minister des Aeusseren Mr. Hanotaus
der nebenbei ein ausgezeichneter Gesehichts - Schreiber ist,
fallt besonders durch seine geistvollen Züge auf. Bourgeois,
der gestürzte Ministerpräsident, schaut mit ironischem Lächeln
zu seinem Nachfolger Meline empor, als wollte er fragen: »Aber
wie lange?« Auch die Kunst ist durch neue Bilder vertreten:
Frau Ilka von Palmay sandte aus London ihr Bild in ihrer
neuesten Rolle in der Sullivan’schen Operette »Der Grossherzog«,
in der sie jeden Abend Triumphe feiert. Da die Operette auch
nächstens in Berlin zur Aufführung gelangt, dürste das Bild bei
unseren Theaterfreunden Interesse erregen. Auch Leona Bergere,
die übermüthige Soubrette, die von nun an ganz die Unsere ist,
ist in ihrer Doppelrolle aus »Tata-Toto« — ihrem grossen Erfolge
— in einer sehr munteren Pose dargestellt. Das grosse
Mittelfeld wird von zahlreichen Bildern belebt, die sich, wie
man sofort beim Herantreten bemerkt, in drei Hauptgruppen
sondern. Wir beabsichtigen, den Besuchern unseres Pavillon
im Laufe des Sommers alle Ausstellungen dieses Jahres in guten
und zahlreichen Bildern vorzuführen. Wir dürfen es, weil wir
wissen, dass unsere Ausstellung keinen Vergleich zu scheuen hat.
Darum haben wir zunächst die drei wichtigsten Ausstellungen
zusammengebracht, die in diesem Monat eröffnet worden sind.
Ein grosses Blatt zur Linken schildert die Eröffnung des Pariser
»Salon«; die Gestalten der hervorragendsten Künstler von Paris
drängen sich darauf. Um unseren Freunden zu ermöglichen, ihre
Physiognomien noch genauer zu studiren, haben wir die Einzel-
Bildnisse derselben darunter auch in grösserem Format angebracht.
Zur Rechten präsentiren sich die interessanten Hauptgebäude der
Budapester Millenniumsausstellung; die Mitte nehmen die neuesten
Bilder von der Berliner Gewerbe-Ausstellung ein: grosse Photo
graphiern vom Eröffnungstage, mit Hunderten deutlich erkennbarer
Köpfe und Momentaufnahmen von dem Besuch des Kaisers bei
den braunen Wüstensöhnen Kairos —- von Ziesler aufgenommen,
und die reich belebten Scenen aus den gemüthlichen Strassen winkeln
Alt-Berlins, die uns 0. Anschütz zur Verfügung gestellt hat.
V
Elektrische Rundbahu. Freitag, Nachmittag 4 Uhr,
wurden die amtlichen Versuche mit der elektrischen Rundbahn vor
genommen, die in Gegenwart der Vertreter der Königlichen Regierung,
der Königlichen Eisenbahn-Direction, der Kaiserlichen Obers ost-
Direction und des Arbeits-Ausschusses der Ausstellung stattfanden;
dieselben ergaben eine gute Function der gesummten Anlage im
vollsten Umfange, so dass die amtliche Erlaubniss zur Eröffnung des
Betriebes sofort ertheilt wurde.
S
Ermässig’te Preise für die Angestellten. Seitens
der auf dem Gelände der Ausstellung Angestellten, so
wohl der Ausstellungsbeamten als auch der Privatbeamten, ist bei dem
Arbeits-Ausschuss Klage darüber geführt worden, dass die Preise
für Mittagessen in der Ausstellung so bedeutend seien, dass ein
grosser Theil ihres Tagelohnes für dasselbe aufgewendet werden
müsse. Jetzt hat sich dem Arbeitsausschuss gegenüber der Inhaber
des Restaurants Welt-Musik im Vergnügungspark dazu verpflichtet,
sämmtlichen in der Ausstellung Angestellten, seien es Beamte der
Ausstellung, von Privatgesellschaften, auch Ausstellern, ein aus vier
Gängen bestehendes Mittagessen für 60 Pfennige zu liefern. Selbst
verständlich müSsen die Beamten in der Lage sein, sich durch
ihre Eintrittskarten in der Ausstellung legitimiren zu können,
damit einem Unfug vorgebeugt werden kann.
S
Die Arbeiten für Legung der Kabelleitungen
zu elektrischen Anlagen im Ausstellungsgelände sind am gestrigen
Sonnabend vollkommen zum Abschluss gelangt. Im ganzen Park
sind über 21 Kilometer unterirdische Kabelleitungen eingelassen
worden und nahezu ebensoviele oberirdische Leitungen mussten
dortselbst hergestellt werden.
V
Die Äuer’sche Gasglühlicht-Gesellschaft hat am
Freitag ihre Anlagen in der Ausstellung vollendet und sofort in
Betrieb gesetzt. Sie beleuchtet mit ungefähr 100 Laternen den in
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