Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

18
Officielle Ausstellungs -"ftsäc'rinchten.
Ausfieller selbst die Preisrichter zu wählen
oen sollen, welche über ihre Ausstellungsobjecte ein Urtheil
. .len. Man hat sich die Sache so zu denken, daß jede Gruppe
^d in ihr jede Untergruppe diejenige Zahl von Preisrichtern
f)tt, welche der Zähl der Aussteller entspricht. Die Gruppen
Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 sind eben von sehr ver
miedener Größe. Während die Gruppe II, die der Bekleidungs-
dnstrie, 600 Aussteller zählt, giebt cs andere Gruppen,
A i e über die Ziffer 100 nicht hinauskommen. Es ist
bstverständlich, daß die Zahl der Preisrichter demgemäß auch
/^sen verschiedenen Gruppen und Untergruppen eine verschieden-
t&nk gi'ojje sein muß. Ueber die jeweilige Zahl derselben
zwischen den Gruppen und dein Arbeits-Ausschuß in jedem
e eine Verständigung herbeigeführt werden. Dann werden
Aussteller zusammengerufen und wählen nach Untergruppen
Männer, denen sie ihr Vertrauen schenken. Nach vorläufigen
Besprechungen ist ihnen in dieser Beziehung der weiteste Spiel
raum gelassen. Der Preisrichter braucht nicht der Untergruppe,
glicht einmal der Gruppe und auch nicht einmal der Stadt Berlin
hinzugehören. Es ist sogar als durchaus wünschenswerth bc-
scichuct worden, daß, weiin auf einem bestimmten Gebiete der
Industrie, welche in Berlin zwar vertreten, aber in anderen Orten
entschlands entwickelter ist, sich Männer finden, die außerhalb
Merlins eines größeren Rufes und Namens sich erfreuen, man
e dann mit heranziehe, ohne Rücksicht darauf, daß dem Arbeits-
msschuß daraus vielleicht sachliche Kosten entstehen; denn das
jlint selbst wird in allen Fällen als ein Ehrenamt zu betrachten
Die Möglichkeit, daß etwa in irgend einer Untergruppe sich
Clique bilden könne, welche durch ihr Zusammenhalten eine
gefaßte Entscheidung nach irgend einer Richtung zu beein-
stsen im Stande sei, wird dadurch hinfällig, daß cs schließlich
5j innerhalb des Preisrichter-Collegiums eine Organisation geben
^rd, die von der Untergruppe an die Preisrichter der Gesammt-
vpe und von hier an die Gesammheit der Preisrichter appelliren
1, wenn cs überhaupt zu einer Streitfrage kommen sollte.
Ueber gewisse Dinge herrschte von Anfang an vollständige
cinungSeinheit. So darf z. B. ein Aussteller Preisrichter
:rdcn, wenn er sich von der Preisbewerbung ausschließt, so
ludert irgend eine andere ehrenamtliche Thätigkeit in der Aus-
llnng nicht daran, daß das Preisrichteramt übernommen wird.
Der Grundgedanke, welcher bei jeder mit der Ein
ging des Preisrichter-Collegiums zusammenhängenden Frage
tgehnltcn wurde und festgehalten werden wird, besteht darin,
• Entscheidung aus der Hand des Einzelnen in die
N Vertrauensmänner 'der Aussteller selbst zu
ge in Das Princip der Selbstverwaltung, welches sich in
aßen Gemeinwesen als ein so glückliches erwiesen, wird gewisscr-
aßcn hier zu Grunde gelegt. Aus der freien Wahl der Aus-'
llcr gehen die Männer hervor, denen sie ihr Vertrauen schenken
d bei deren Urtheil sic sich zu bescheiden haben werden.
Eine glücklichere Lösung der PreiSrichtcrfragc hätte kaum
luden werden können. II.
Nach einer dem Schriftführer der Gruppe XXI von dem
.»rn Oberstallmeister Graf von Wedel gewordenen Mittheilung
j at Sc. Majestät der Kaiser befohlen, daß auch das von ihm
! : Hubertusjagd benutzte Lcib-Jagdpferd in vollständiger
justirung zur Ausstellung gelange, und der Königliche Hof-
tlcr Bernhard in Potsdam ist mit der erforderlichen Weisung für
c Anfertigung dieses Ausstellungs-Objectes bereits versehen
i wrdcn.
J Der Arbeits - Ausschuß hat sich au den Vorsitzenden des
j Vereins der Berliner Gasthofsbesitzer, Herrn Robert Heinrich,
gewandt, um im Interesse des Fremdenbesuches durch
den Vorstand des gedachten Vereins einen Beschluß herbei
geführt zu sehen, nach welchem während der Dauer der
Ausstellung wenn möglich keine, schlimmstenfalls aber
nur eine unwesentliche Erhöhung der Preise in den
Berliner Hotels eintreten soll. Aus dieses Schreiben hat
der Arbeits-Ausschuß folgende Antwort erhalten:
„Berlin W. 9., den 11. 2. 1896.
An den verehelichen Arbeits-Ausschuß der
Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.
In höflicher Beantwortung Ihres gefälligen, an unseren Vorsitzenden
Herrn Robert Heinrich gerichteten Schreibens vom 3. d. Mts. be
dauert der unterzeichnete Vorstand lebhaft, dem darin gestellten
Ansinnen:
„Die vereinigten Hotelbesitzer zur Abgabe einer verpflichtenden
Erklärung bezüglich der Zimmerpreise-Berechnung während der dies
jährigen Gewerbe-Ausstellung zu veranlassen"
nicht entsprechen zu können.
Die Verhandlungen der letzten Vereinssitzung vom 5. d. Mts.
haben thatsächlich ergeben, daß die in Ihrer Zuschrift angedeuteten
Befürchtungen und Besorgnisse unbegründet sind, überdies schließt sich
der unterzeichnete Vorstand dieser Meinung um so mehr an, da
unsere Vereinsmitglieder, was Respectabilitä't und lautere Gesinnung
betrifft, den übrigen Gewerbetreibenden und Industriellen durchaus
nicht nachstehen.
Aber abgesehen davon, sind unsere Mitglieder zu umsichtig und
geschäftskundig, um eines vorübergehenden Vortheils wegen den
wohlbegründeten Ruf und die künftige Prosperität ihrer Hotels zu
gefährden.
Der unterzeichnete Vorstand hat deshalb die feste Ueberzeugung,
daß die Vereinsmitglieder auch ohne Abgabe einer besonderen Er
klärung freiwillig aus Berechnung exorbitanter Zimmerpreise ver
zichten und sich mit angcmesseneii, loyalen Preisen begnügen werden,
wie sie dies schon seit Jahren notorisch gethan haben.
Genehmigen Sie die Versicherung unserer großen Hochachtung.
Der Vorstand des Vereins der Berliner Gasthosbesitzer.
R. Heinrich, Vorsitzender."
Dieser Brief des Vorstandes der Berliner Hotelbesitzer läßt
also erwarten, daß eine besondere Vertheuernng der Hotel
preise während der Ansstellungszcit nicht eintreten wird. Die
Erklärung geht zwar mir vom Vorstande ans, jedenfalls werden
sich aber alle Mitglieder des Vereins zugleich mit ihrem Vor
stande moralisch verpflichtet fühlen, den in dem Briefe angeführten
Grundsätzen treu zu bleiben.
Das Diplom znm „Goldenen Buch der Stadt Berlin",
jenem schon oft erwähnten, auf der Gewerbe-Ausstellung zuni
Einschreiben sämmtlicher Besucher ausliegenden Sammelwerke,
verspricht ein Kunstwerk allerersten Ranges zu werden. Nach den
Entwürfen des genialen Diplom-Malers Peter Geh wird das
selbe augenblicklich als Zeichnung hergestellt, um dann in der
Druckerei von Carl Ringer n. Sohn vervielfältigt zu werden.
Das Diplom zeigt in seiner Hauptfigur die Berolina, auf einem
Thronsessel sitzend und die Namen in das Goldene Buch ein
schreibend. Ihr zur Seite erblickt man die allegorischen Figuren
von Handel, Industrie, Kunst und Gewerbe, sowie als Berliner
Wahrzeichen den Rathhausthurm. Ihr zu Füßen liegt der
Berliner Bär mit seinen mächtigen Tatzen, das Wappen des
deutschen Reiches beschützend. In den Cärtonchen in den vier
Eckfeldern erblickt man Hauptansichten der Berliner Gewerbe-
Ausstellung wie: „Alt-Berlin", die Haupt - Jndnstrichalle, das
Haupt-Restaurant mit dem Wasserthnrm und die Fischerei-Aus
stellung. Der mittlere Theil des Diploms ist reservirt für den
Text, welcher lautet: „Herrn aus wird hier
mit ofsiciell bescheinigt, daß er am die Berliner Gewerbe-
Ausstellung besucht und sub Nr in das Goldene Buch der
Stadt Berlin eingetragen ist." Unterzeichnet wird das
Diplom von dem Arbeitsausschuß: Kühnemann, Fetisch und
Goldberger. Der Druck wird in Gold und echten Farben aus
geführt, während zum Diplom sogen. Reichskassenschein-Papier
verwendet wird, das die Eigenschaft hat, beim Zusammenkniffen
keinerlei Risse und Sprünge, welche die Feinheit der Zeichnung
beschädigen könnten, entstehen zu lassen. Dieses Diplom wird
entschieden eines der schönsten Andenken an die Berliner Gewerbe-
Ausstellung bilden.
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