Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

14 OffTcielle ÄussteHüngs-Nachrichten.
diese Cäscaden nnd Brunnen in ihrem vollen Betriebe' erwecken
werden, dürfte es interessant sein, einen' Blick hinter die Coulissen
dieser Wasserkünste zu werfen.
Im rechten Thurm des Ilaupt-Industriegebäudes hat die Firma
Bf. Neuhaus zehn Pulsometer ausgestellt, welche mittels Dampfbetrieb
das nöthige Wasser, etwa 60 000 Liter in der Minute, aus dem
von Paul Andrzejewski hergestellten Brunnen saugen und es bis
zur Spitze des etwa 60 Meter hohen Thurmes treiben. Von dort
strömt es in. communicirenden Böhren nach dem Bassin für die
Wasserkunst und steigt im Brunnenbecken in freien Strahlen bis
zu’ 20 Metern Höhe empor.
Die Fontaine besteht, wie schon früher erwähnt, aus zwölf Seiten
strahlen und einem Mittelstrahl, , die sich sämmtlich in der Mitte
über dem Bassin treffen. Das Mittelbecken wird durch ein
mit Zinkblech verkleidete Bretterwand gebildet, die..durch Tropf
stein verdeckt wird, so dass eine Art von Felsenquelle entsteht
Das Tropfsteinbecken wird von dem .Wasser eines grösseren
Bassins umspült, welches in Mitten des grossen Sandstein
beckens erbaut ist. Die zwölf Seitenstrahlen der Fontaine ergiessen
sich aus eisernen Kesseln, in welchen die elektrischen Beleuchtungs
körper installirt sind; diese Glühlichtapparate, die in verschiedenen
Farben ausgewechselt werden können, .sind für die Fontaine
lumipeuse. Das farbige Licht spiegelt sich von Tropfen zu Tropfen
fort, so dass der ganze Wasserstrahl zu leuchten scheint und. seine
Umgebung in den gleichen Farbenglanz hüllt. Der mittelste, grosse
Strahl bleibt unbeleuchtet. Feenhafte Lichteffecte werden die Wasser
fälle von den Sandstein-Terrassen herab bis zur Promenade am Neuen
See bieten. An jeder Terrasse rinnen die Wasser am Abend über
bunte Glühlampen, deren Farbenpracht die schäumende Fluth in tausend
Rinnsalen weit mit fortträgt, wo eine neue Terrasse andere, viel
leicht noch herrlichere Eindrücke hervorbringt.
Das Milieu der Wasserkünste an Illuminationsabenden, das
hellfarbige Haupt-Industriegebäude mit seiner grandiosen Architektur,
im Vordergründe der Neue See mit seinen von Tausenden und aber
Tausenden farbiger Lämpchen erleuchteten Alleeen und Ufern,
drüben der stolze Prunkbau des Hauptgebäudes, gehüllt in das
blendende Silberlielit der Bogenlampen, wird der ganzen Veran
staltung, die an und für sich schon einen entzückenden Anblick
gewähren dürfte, ein zauberartiges Gepräge verleihen.
„Von Schreibtisch nnd Werkstatt“ betitelt sich
ein elegant ausgestattetes, im Verlage von Carl Siegismund er
scheinendes Werk, das Handel, Gewerbe, und Industrie im Geiste
des schaffenden Berlins schildern will. Von Berthold Auerbach’s
Worten über Berlin ausgehend: »Es ist eine schöne, lebendige Strömung
der Geister hier. Alles ist hier in Fluss und Bewegung, Alles fühlt
sich im Werden zukunftsvoll«, giebt das Werk Gedanken' und Aus-
.sprüclieallerjenefPersönlichkeiten wieder, dieiiTder »schönen,lebendigen
Strömung der Geister sich bewegen, die mit Geist und Kraft das
Werdende in Fluss., und Bewegung bringen. Die Herren Philipp
Steih|und W, von Metzsei haben mit Energie und Umsicht Stein
auf Stein gebaut, Gedanken an Gedanken angereiht und so ein
Werk zusammengestellt, das zwar mosaikartig erscheint, aber
doch als ein abgerundetes Ganze sich giebt. Das inter
essante Buch ist in seinem Entstehen nicht unabhängig
von der Berliner Gewerbe - Ausstellung, mul es ist daher
selbstverständlich, dass die ersten Worte von den Mit
gliedern des Arbeits-Ausschusses, von Kühnemann, Feilsch und Gold
berger, geäussert werden. Unsere hohen Staatsbeamten, die Führer
unserer industriellen, financiellen und landwirtschaftlichen Kreise,
die Leuchten der Wissenschaft, die verschiedensten literarischen
Dichtungen, die Koryphäen der Plastik, der Malerei, der Musik und
der Bühne haben ihre Ansichten in dem Werke geäussert.
Ein Buch, in dem sich die Gedanken aller geistigen Kreise
widerspiegeln, nicht nur über Berlins Handel, Gewerbe und
Industrie, sondern auch über das grossartige Cesammtproduct dieses
Trifoliums, ist »Von Schreibtisch und Werkstatt«; und darum hat
das Werk, das sich auch durch eine Reihe vortrefflicher Bilder aus
zeichnet, einen allgemeinen Werth, der mit dem Ende der Aus
stellung nicht an Geltung verliert und als ein geistiges Erinnerungs
zeichen an dieses gewaltige Unternehmen betrachtet werden kann.
Der Verein deutscher Gas- und Wasserfach
männer Wird in den Tagen vom 15.-bis 19. Juni in Berlin
seinen Congress abhalten. Am 15. Juni findet die erste Begrüssung
in der Philharmonie statt. Die Congresssitzungen werden Vor
mittags im grossen Hörsale des Chemiegebäudes der Ausstellung ab
gehalten. An festlichen Veranstaltungen findet ein Festdincr im
Hauptrestaurant bei Adlon und Dressei, ein Frühstück auf dem
Kaiserschiff, ein Festessen in der »Flora« zu'Charlottenburg statt; ferner
sind eine Dampferfahrt und eine Corsofahrt durch die Stadt mit etwa
80 Equipagen geplant. Als Ehrengäste sind Minister von Berlepsch
und Minister a. D. v. Delbrück eingeladen und haben ihr Er
scheinen zugesagt.
V
Das Theater „Neu-Berlin !1 , dessen luftiger Saal über
1800 Sitzplätze enthält, ist gestern Abend fertig gestellt worden,
und findet die erste Vorstellung Sonntag Abend 6 Uhr, die
zweite um 9 Uhr statt.
* b) In Berlin.
Im Berliner Theater geht heute um y s 8 Uhr Ernst
von WildenbrucIFs »König Heinrich« bereits zum 75. Male
in Scene.
V
Im Theater .unter den Linden, das SulHyan’s Operette
»Der Grosslierzög« vorbereitet,' gelangt' vom 9. bis 15. Mai
»Der Vogelhändler«, und im Friedrich-Wilhelmstädtischen
Theater »Der Hungerleider« zur Aufführung.
9
Das Ausstellungs-Programm des Apollo-Theaters
bat einen vollen Erfolg zu verzeichnen, der sich in einem starken
Besuch und in lautem Beifall bekundet. In ganz hervorragender
Weise werden die Komiker Bender und Steidl, und in freund
lichster -Weise der Komiker Markow ausgezeichnet. Staunen
und Bewunderung erregen die Leistungen des Jongleur Salerno,
der in der Aufbietung neuer Tricks unerschöpflich ist, und der
Handkünstler Arras, dessen Arm-Muskelkraft geradezu unerklärlich
erscheint. Neben der grossen Schaar der übrigen Künstler wird;
demnächst die Ausstattung^ und Ausstellungsposse, die den
Titel »Die Spree-Amazone« führt, und zu welcher der beliebte.
Kapellmeister Herr Paul Lincke eine flotte Musik geschrieben
hat, das Interesse des Publikums auf sich lenken. . .. ,
JBrieintasiea
Herrn „Entßpekter“ I>. in Schwerin. Mecklenburg ist auf
der Berliner Gewerbe-Ausstellung,mehrfach vertreten: 1.) die Firma
Bosch & Cö.j'Natur-Milch-Fxport-Gcselischaft in Waren, seilt sterili-
sirtc Milch aus; 2.) die HinstorfFsche Hofbuchhandlung in Wismar
bringt vier Tableaux mit Abbildungen tropischer Products und
Apparate für tropischen Landbau, sowie Verlagswerke über tropische
Agricultur, amerikanische Obstverwerthung u. s. w. zur Ausstellung;
3.) die Eisengiesserei und Maschinenbauanstalt von Heinrich
Kachler in Güstrow ist mit einer Windmotoranlage auf der
Ausstellung vertreten; 4.) das Atelier für Thierausstopfung des
GrossherzoglichenHofconservators C.Knuth in Schwerin hat ausgestopfte
Thiere und Thierköpfe, sowie Uhus für Krähenhütteu ausgestellt;
5. die Branntweinbrennerei etc. von Julius Krahnstöver iu Rostock
ist mit ihren Kolanusspräparaten auf der Ausstellung vertreten;
6. der Mecklenburgische Fischereiverein endlich hat eine ausserordentlich
interessante und reichhaltige Gruppe aller zur Fischerei gehörigen
Gerätlischaften etc. ausgestellt, " '
Treuer Abonnent. Natürlich war es wiederum der Druck
fehlerteufel, welcher den Wirth des Bauernmuseums zum Second-
Lieutenant im Brandenburgischen Kürassier-Kegitnent No. 0 avanciren
liess. Der biederbe Wirth ist „Sect^-Lieutenant im Braudenburgischeu
„Curacao-Regiraeut“ No. C.
O. S. Wir können doch unmöglich das Wundlaufen Ihrer
Fässchen verhüten. Weshalb benutzen Sie denn nicht die elektrische
ltundbahn? Freuen Sie sich doch, dass die Ausstellung ein solch
grosses Terrain einnimmt.
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