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Volume Nr. 18, 5. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Officlelle AussteÜungs-Nachrichten. 
so viele Forelleneier in der Entwickelung zurückgehalten, um auch 
späteren Besuchern der Ausstellung die Entwickelung der jungen ! 
Salmonen aus dem Ei vor Augen führen zu können. 
« 
Einen originellen Bau führt eine Berliner Firma neben 
dem Gebäude für Gas und Wasser auf. Die Firma, die Gas- und 
Wasser-Anlagen herstellt, errichtet eine etwa 16 Meter hohe Riesen 
laterne, deren Scheiben aus bunten, mit farbigen Photographieen 
geschmückten Gläsern bestehen. Der kolossale Eisenbau, zu 
welchem Treppen emporführen, wird innen und aussen mit Gas- 
glühliehtlalnpen erleuchtet und dürfte etwa in 14 Tagen fertig sein. 
9 
Die Neger auf dem Karpfenteich. Ein schönes 
Schauspiel gewährten gestern (Freitag) die Kriri-Neger, die auf der blau 
leuchtenden Fläche des Karpfenteiches in unglaublich leicht gebauten 
Kanocs ruderten; sie gebrauchten nur ein Ruder, das sie aber so 
geschickt handhaben, dass die Schilflein pfeilschnell hin- und her- 
schiessen; häufig begleiteten sie ihre Ruderbewegung mit Gesang 
und riefen dem Publikum auf der Brücke zum Spandauer Thor 
Alt-Berlins in der Spreewaldschänke und allen am Ufer befindlichen 
Besuchern lustig zu. Die braunen, gewandten Burschen gefielen 
ungemein. 
9 
Das Chemiegebäude macht nun den Eindruck der 
vollkommenen Vollendung, nur im Hörsaal sind noch die Maler - 
thätig, doch werden auch diese Arbeiten mit Ende dieser Woche 
zum Abschluss gelangen. In den Hallen herrscht reges Leben und 
Treiben. 
9 
Das grosse Bassin der Fischerei-Ausstellung, 
das vorläufig noch mit Wasserleitungswasser gespeist wird, soll 
während der heissen Monate, in welchen das Leitungswasser zu 
warm für die Aquarien ist, mit filtrirtem Brunnenwasser gefüllt 
werden. Zu diesem Zwecke saugt eine von einem Gasmotor be 
triebene Centrifugalpumpe das Wasser in eine sogenannte Regen- 
vorrichtung. Aus Röhren mit Douchetrichtern ergiesst sich das 
Wasser in feinen Strahlen aus beträchtlicher Höhe in ein grosses 
Bassin. Durch die Zerstäubung in der Luft nimmt das Wasser 
Sauerstoff auf und wird zudem von Eisenbestaudtheilen und fauligen 
Stoffen gereinigt. Durch eine Kiesschicht in dem Bassin wird es 
dann noch filtrirt und Hiesst als brauchbares Fischwasser in einen 
kleineren Behälter, aus welchem es zu einem auf dem Dach befindlichen 
Reservoir emporgepumpt wird. Von diesem führen verschiedene 
Leitungen nach den Aquarien, die auf diese Weise stets mit frischem, 
kühlem und reinem Wasser gefüllt werden. Die ganze Schöpf- und 
Filtriranlage, die jetzt nur zeitweise zur Probe in Betrieb gesetzt 
wird, soll in einigen Tagen beständig in Thätigkeit treten und wird 
dann etwa ein Cubikmcter Wasser in der Minute für die Aquarien, 
aus denen das verbrauchte Wasser beständig abläuft, liefern. 
9 
Die Sportansstellung ist durch zwei neue kostbare 
Ausstellungsgegenstände bereichert worden. Vor der grossen Mittel 
gruppe für Ruder- und Rad-Sport sind auf zwei mächtigen Holz 
sockeln in romanischem Stil zwei silberne Ehrenpreise aufgestellt. 
Der eine ist eine riesige Bowle aus massivem Silber. Die Vorder 
seite des Prunkstückes trügt die Inschrift: Wilhelm II., Deutscher 
Kaiser, König von Preussen, dem Manövergeschwader für hervor 
ragende Leistungen im Schiessen mit der Schiffsartillerie. Auf der 
Rückseite sind folgende Zeilen eingravirt: Zum 1. Mal erworben 1893 
von Sr. Majestät Panzerschiff III. Kl. »Sachsen«, Commandant Capitnin 
zur See Prinz Heinrich von Preussen K. II.; Batterie-Officier Capitain- 
Lieutenant Job v. Witzleben. — Wiederum erworben 1895 von 8. M. 8. 
»Sachsen« Commandant Capitain zur See Rittmeyer; Batterie-Officier 
Capitain-Lieutenant v. Kotzhausen. Das andere Werk der Silber- 
ßchmiedekunst stellt die von einem stilisirten Delphin getragene Rennyacht 
des Kaisers »Meteor«, in Gold und Silber getrieben, dar. Der Ver 
fertiger dieser Arbeit, die der Berliner Silberschmiedekunst zur be 
sonderen Ehre gereicht, ist der Juwelier und Goldschmiedemeister 
Carl Voigt. Wie wir hören, ist auch dieses Werk vom Kaiser 
erworben worden, um als Ehrenpreis bei Segelregatten verwendet 
zu werden. 
9 
In dem Gebäude für Gas und Wasser ist man 
jetzt fleissig mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Einzelne Schränke, 
Kojen und Pavillons füllen sich bereits mit Ausstellungsgegenständen, 
in anderen Räumen des Baues werden die Gas- und Wasser- 
Anlagen installirt, um die Badestuben, Douchebäder und die moderne 
Gasbeleuchtung auf den höchsten Stufen ihrer Leistungsfähigkeit 
vorführen zu können. Auch dieses Gebäude, welches in seiner 
Fertigstellung so lauge hinter den anderen Bauten des Ausstellungs 
parkes zurückblieb, wird zu Pfingsten der Oeffentlichkeit übergeben 
werden können. 
9 
Das Fahrrad-Aufbewahrungsinstitut ist nunmehr 
vollständig eingerichtet. Es bietet Raum für circa 250 Maschinen. 
Das Institut, welches sich schon während der letzten Tage eines 
regen Zuspruchs erfreute, hat am Haupteingang und im Ver 
gnügungspark Filialen. Für das Aufbewahren der Räder wird 
20 Pf., für das Reinigen 30 Pf. berechnet, während die Re 
paraturen je nach der Zeitdauer angesetzt werden. Bemerkt sei 
noch, dass sämmtliche Maschinen gegen Diebstahls- und Feuers 
gefahr versichert sind. 
9 
Ein Taschendieb gab gestern (Freitag) eine Gastrolle im 
Haupt-Industriegebäude, Einer Dame wurde, während sie sich die 
ausgestellten Toiletten ansah, eine goldene Uhr gestohlen. Der 
Dieb ist nicht ermittelt worden. 
9 
In der Unfall-Station wurde ein schwerer Bruchschaden 
eines Arbeiters behandelt. Die übrigen Fälle waren nicht von 
Belang. 
9 
In der Sanitätswache wurden sieben Angestellte der 
Stuhlvermiethungs-Anstalt an »Sonnenbrand« behandelt, zwei davon, 
die an Schüttelfrost litten, wurden nach Berlin gebracht. Die 
übrigen 21 in der Wache behandelten Fälle waren leichter Art, 
meist Hautabschürfungen oder Contusionen. 
9 
Unfälle. Ein Arbeiter stürzte von der Höhe eines Pavillons 
im Haupt-lndustriegebände hinab und beschädigte sich so schwer, 
dass er das rechte Auge verlieren dürfte. — In der Maschinen 
halle entstand durch Herausfliegen einer Packung aus einer Maschine 
viel Geräusch und Aufregung; Schaden wurde jedoch nicht an 
gerichtet. — In einer Arbeiterbude in der Ostecke des Hauptparkes 
brach ein kleines Feuer aus, das von der Feuerwehr rasch ab 
gelöscht wurde. 
a) In der Ausstellung. 
Das Programm des heutigen Künstierfestes. 
[Abdruck untersagt ] 
Das Frühlingsfest, welches die Stndirenden der Königlichen 
Akademischen Hochschule für die bildenden Künste zur Feier des 
200jährigen Bestehens derselben veranstalten, dürfte im Vorder 
gründe der heutigen Ereignisse in unserer Ausstellung stehen. 
Zwar hebt dasselbe in Berlin, und zwar im Kroll'sehen Etablissement 
an, woselbst sich der imposante Festzug von 8 Uhr Morgens an 
bilden und gegen 11 Uhr Vormittags in Bewegung setzen wird. 
Aber das Fest selbst spielt sich wesentlich in der Ausstellung und 
zwar in Alt-Berlin ab. Daher wird sowohl allen, die heute die 
Ausstellung während des Einzuges der Künstler besuchen, als auch 
denjenigen, die den Künstlerzug in der Stadt selbst bewundern 
und erst nachher die Ausstellung aufsuchen wollen, um die Festes 
freude in ihren Höhepunkten zu gemessen, die Mittheilung des 
ausführlichen Programms des Festzuges gewiss hochwillkommen sein. 
Dem Festzuge dient der Akt der Gründung der 
akademischen Hochschule für die bildenden Künste zu
	        
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