Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
7
Sekanutmaclmiag des Ai e foeits-Ausselms$es.
Der übertriebene Missbrauch unserer Passirkarten zwingt uns zu folgenden Maassregeln:
Die sämmtlichen bisher ausgegebenen Passirkarten verlieren Sonnabend, den 9. Mai, Abends G Uhr,
ihre Giltigkeit. : ’~
Vom Montag, 11. Mai, Morgens 6 Uhr ab, werden in unserer Betriebs-Inspection neue Passir
karten, jedoch nur an solche Personen ausgegeben, die eine schriftliche Bescheinigung des betreffenden Ausstellers
beibringen, dass sie mit der Fertigstellung noch nicht vollendeter Arbeiten in der Ausstellung beauftragt sind; diese
Bescheinigung muss von dem betreffenden Gruppen-Vorstand gegengezeichnet sein.
Ein Umtausch der alten in neue Passirkarten findet nicht statt. — Anträge auf Zusendung von Passir
karten können nicht berücksichtigt werden; dieselben sind von der Betriebs-Inspection abzuholen.
Berliner Crew erbe-Ausstellung 1893
Der Arbeitn-Ausschuss:
Fritz Kühnemann. Bernhard Felisch. Ludwig Max Goldberger.
Die Spielwaaren auf der Ausstellung.
[Abdruck untersagt.]
In dem gewaltigen Industriebetriebe Berlins war der Fabrikation
der Spielwaaren eigentlich nie eine hervorragende Iiolle zugetheilt.
Was bis vor wenigen Jahren an Spielwaaren in Berlin erzeugt
worden ist, beschränkt sich meist auf eine nicht bedeutende
Hausindustrie, die vorwiegend den Weihnachtsmarkt versorgte.
Erst seit einigen Jahren begann man in Berlin sich auch der
Fabrikation besserer und feinerer Spielu hren zuzuwenden. Dies
geschah besonders seitens einiger grösserer Firmen, deren Bestreben
dahin geht, sich von den Lieferanten in der Provinz und besonders
von der französischen Fabrikation möglichst unabhängig zu machen.
Entsprechend der nicht sehr ausgedehnten Berliner Fabrikation
ist nun auch die Abtheilung für Spielwaaren in der Gewerbe-Aus
stellung nicht gerade sehr umfangreich. Zur Gruppe VI (Kürz
end Galanteriewaaren) gehörend, nimmt die Ausstellung der Spiel-
waaren einen verhältnissmftssig geringen Raum in Anspruch.
Aber so klein diese Ausstellung auch ist, so zeigt sie doch
alle charakteristischen Merkmale der modernen Spielwaaren-Industrie
und liefert zugleich einen guten Ueberblick über das Neue und Eigen
artige, das in der letzten Zeit in dieser Industrie geschaffen worden ist.
Jedenfalls zeigt die moderne Production gegen die Zeit von vor
etwa fünf Jahren einen auffallenden Fortschritt. Damals schien die
Phantasie sich völlig erschöpft zu haben. Was an neuen Formen
in den fünfziger und sechziger Jahren geschaffen worden war, sah
man auch zu Anfang der neunziger Jahre, wenngleich in technisch
feinerer und vervollkommneter Ausführung. Die Technik feierte
einen Triumph, mit der Originalität der Ideen aber war es sein-
dürftig bestellt.
Heute ist das Bild anders. Es zeigt die Technik in Ver
bindung mit der Phantasie, einer Phantasie freilich, die sich stark
in den Bahnen von sin de siede bewegt. Ihre Eigenthümlichkeit
besteht in einem besonderen Reichthum, wir möchten fast sagen,
in einem Luxus der Formen, der schon sehr stark in das Gebiet
des Kuuoigewerbes hinübergreift. Und eine weitere Eigenthümlich
keit besteht in den Grössenverhältnissen, die durch ihre Contraste auf
fallen. Die Objecte sind nämlich theils ausserordentlich klein,
theils sehr gross, so gross, dass die Grenze zwischen Spiel- und
Schauobject fast verwischt wird. Es ist der Realismus unserer Zeit,
der in den grossen Spielwaaren zum Ausdruck gelangt. Die Puppe,
mit der das Mädchen spielt, ist nicht mehr Puppe, nicht mehr das kleine
Symbol, sondern ein Automat in der Grösse des Kindes seihst. Das Thier
im Spielzeug ist nicht mehr ein Abbild im verkleinerten Maassstabe,
sondern eine recht ausgewachsene Bestie, die sich in der Naturtreue
und Grösse nur wenig vom lebenden Thier unterscheidet.
Besonders gross sind jene Objecte geworden, mit denen das
Kind als Nachahmer der Erwachsenen spielt. Kochherde, Töpfe,
Schüsseln, Teller und Gläser der sogenannten »Puppenküche« er
reichen fast die normalen Grössenverhältnisse. Eine praktische
Hausfrau kann in manchen Verlegenheitsfällcn von dem Geschirr
der Puppenküche, von den Töpfen, Schüsseln, Tellern, Tassen ganz
gut Gebrauch machen. Und sie wird sicU des Qesckirrs garnicht
zu schämen brauchen, denn es ist nicht allein aus bestem Material
hergestellt, sondern auch in der Ausschmückung, in der Composition
der Zeichnung und Ausführung der Malerei dem guten Tafelgeschirr
für Erwachsene gleich zu stellen.
Eine gleich sorgfältige, wir möchten sagen, künstlerische Aus
führung zeigen die grösseren und kleineren Kochherde. Den
Kochherden in den feineren Küchen genau nachgebildet, verräth
jedes einzelne Stück die Sorgfalt, mit der diese »Spielerei« heraus
gearbeitet worden ist
Auch die Puppen präsentiren sich in künstlerischer Hinsicht
sehr vortheilhaft. Wir wollen nicht von ihren Toiletten sprechen —
es ist selbstverständlich, dass eine modische Puppe elegant, sehr
elegant und chic, natürlich nach der allerletzten Mode wie eine
gründe dame gekleidet sein muss. Aber ein bedeutender tech
nischer Fortschritt zeigt sich in der Ausgestaltung der Physiognomieen,
gewissermaassen in der Individualisirung der Puppen. Das war
bisher eine Specialität der französischen Puppenfabrikation, und es
ist ein Vergnügen zu constatiren, dass die deutsche Industrie auch
hier auf dem besten Wege ist, den ausländischen Producten
Concurrenz zu machen.
Geradezu brillant aber ist die Ausführung jener zahllosen
kleinen Sächelchen, die den Hausrath einer Puppenstube aus
machen. Hier wird die Fabrikation in der That zum Kunstgewerbe,
Die häusliche.Einrichtung einer »vornehmen« Puppe steht in
nichts der Einrichtung eines grossen vornehmen Hauses zurück. Die
Möbel in verschiedenen Stilarten sind überaus zierlich, elegant und
künstlerisch ausgearbeitet. Grosse Eleganz und Feinheit aber zeigen
die vielen Dinge, die den Schmuck der Wohnung bilden. Da sehen wir in
feinster Nachbildung der grossen Objecte Leuchter, Lampen, Thermometer,
Briefbeschwerer, Schreibtischgarnituren, Kronleuchter, allerlei Bronzen,
Antiken und Büsten — und damit die junge Welt so recht ein
Abbild der grossen sein soll, fehlt auch der . . . Champagnerkühler
nicht. Allerdings ist das Material nicht von besonderer Feinheit,
dafür ist aber die Ausführung oft des besten Materials würdig.
Sehr viel Scharfsinn verwendet die Spielwaaren - Industrie
auf die Erfindung von neuen Gesellschaftsspielen für kleine
und grosse Kinder. Es ist wirklich bewundernswerth,
welche Fülle von Combination verschwendet wird, um Neues
und immer wieder Neues zu bringen. So sehen wir Gesellschafts
spiele in allen Formen und Arten und in verschiedenem Material,
wobei freilich das Papier überwiegend ist. Sogar die »Actualität«
wird in den Gesellschaftsspielen berücksichtigt und als das »Aller
neueste« vom Tage ist das »Duellspiel«, das zwei Studenten zeigt,
welche sich mit der Pistole in der Hand gegenüberstehen. Eine
schwarze Kugel wird in eine Rinne geworfen; sobald die Kugel
auf gewisse Nummern fällt, stürzt einer der »Duellanten« getroffen
nieder.
Dieses »Duellspiel« bildet gleichsam deu Uebergang von den
mechanischen Gesellschaftsspielen zu dem mechanischen Spielzeug der
Kinder. Die Epoche dieser mechanischen Spielsachen ist vor einigen
Jahren eröffnet worden durch die amüsante französische Erfindung, den
Dienstmann, der einen Wagen zog. Mehrere Jahre hindurch war dieser
wagenziehende, mit ernstem, würdigem Schritt einhergehende Dienst-
mann ein Artikel, der sozusagen den Weltmarkt beherrschte. Es
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