Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

14 Officielfe Ausstellungs -Nachrichten.
sich dieser nöjth wendige,Gang der Dinge bestätigt zu haben. Berlin
ist also auf der diesjährigen Ausstellung sozusagen allein noch mit
dem ausgeprägten Impressionismus übrig geblieben, ■während die
ausländischen Meister dieser Kunstweise und Art zu sehen eine
weitere Entwickelung genommen haben. Grosses, Aufsehen werden
diesmal zum Beispiel die Schöpfungen des Schweden Liljefors
machen. Er war der ausgeprägteste Vertreter der Eindrucksmalerei,
welche vor Allein die Bestimmung der Gegenstände durch tust und
Licht sucht. Er gehörte zu denen, welche oft darüber die feste
physikalische und anatomische Bestimmtheit der Gestalten verloren
und deren Pinselführung ängstlich, umhersuchend erschien. Nun,
was dieser Künstler in solchem Bestreben erlernt hat, das hat er
nicht aufgegeben. Aber welchen Fortschritt hat er gemacht in der
Kunst, die Eindrücke auch zu modelliren, wie sehr sind sein
»Balzender Auerhahn«, die »Frühlingsnacht« und andere köstliche
"Werke zu plastischer Gestalt geworden! Luft und Licht «und ihre
zarten Werthe sind nicht verloren, aber gewonnen ist von Neuem
die innere Bestimmtheit der Gestalt, gewonnen ist die Form und
die Körperlichkeit der Erscheinung, gewonnen ist der Ausdruck der
physikalischen Schwere der Gestalten,, der im blossen Impressionismus
so oft verloren gegangen war.
Dieser mächtige Fortschritt eines der grössten modernen Künstler,
der als Ilauptvertreter des 'talentvolleren Impressionismus gelten durfte,
die Rückkehr zur'formenden Kunst, darf uns als Maassstab dienen,
wenn wir den Werken des Berliner Impressionismus näher treten und
uns mit dieser Nachblüthe auf reichshauptstädtischem Boden beschäftigen.
Ja, gleich wie der Impressionismus sich-vielfach herausgemausert und
sein flockiges Federkleid mit einer festeren Haut vertauscht hat, so haben
auch die sogenannten Symbolisten, d.h. diejenigen, die mehr mit maleri
schen Andeutungen des Gesehenen und mit der Darstellung mythischer
oder allegorischer Stimmungen ihre Kunst betreiben, wenig Eingang
auf der Jubiläums-Ausstellung gefunden, oder sie verrathen die
Spuren einer Weiterentwickelung. Einer unter ihnen, L. v. Hofmann,
mit dem wir gleich in eine Sonderbetrachtung der Berliner Säle
eintreten, zeigt an seinem grossen Bilde ganz entschiedene Fortschritte
zur realeren Gestaltung -. der. Eindrücke. x »Idyll« betitelt sich
ein Gemälde, auf dem wir vor einem dunklen Weiher die schier
lebensgrosse Gestalt eines Jünglings sitzen sehen. Vor ihm steht ein
junges Weib, das sich sein lichtes Haar aufbindet; nur ein rother
Bock umgiebt ihre Lenden und Beine. Sie scheint gebadet zu
haben und windet nun ihre Haare in die Höbe. Der Jüngling mag
sieh neben ihr im Bade erfrischt haben; wie verjüngt und erneut
schaut er mit grossem Bück aus dem Bilde heraus. Pinieugruppen
und „ südliche Gebirgszüge im Abendsonnenschein schildern die
Landschaft,- in der diese junge Menschheit wie am Anfang der
Dinge lebt, von der eigenen Frische und Jugend erquickt. In
diesem Bilde waltet eine schöne Poesie der . Auffassung und
der Farbe. Mehr- als bei anderen Werken des Künstlern zeigen
hier 'die Farbentöne eine Annäherung an die Natur, und wenn es
trotzdem derb und flächenhaft, rein decorativ gemalt und modellirt
ist, so ist doch das, Bestreben, die Gestalten besser durchzuzeichnen
und als leibhaftige, anatomisch mögliche Wesen hinzustellen, un
verkennbar. Das Können, die Mittel L. von Hofmann’s dürften ja in
der That nicht weiter reichen als bis zu demjenigen Grade der
Ausführung, der ihn im Symbolischen mit Farben und Formen
stecken bleiben liess. Dass er nicht gewillt scheint, darin stecken
zu bleiben, zeigt dieses Bild, und bei der sonstigen Fähigkeit, Stim
mungen zu malen, ist ein solcher Fortschritt an diesem Künstler
nicht wenig beaehtenswerth. Wolfgang Kirchbach.
»
Das Olympia-Riesentheater ist soweit vollendet, dass
die erste Vorstellung für 'das allgemeine Publikum bestimmt am
12. Mai stattfindet. Eine Aufführung vor geladenen Gästen wird
der eigentlichen Premiere vorangehen.
V ‘
Der Waldmeister-Walzer: „Trau — schau —
wem“, der den Schluss des zweiten Aktes bildet und an jedem
Abend eine so elektrisirende Wirkung auf alle Hörer ausübt, ist vor.
Kurzem auch in Wien vor unserem Kaiser zu Gehör gebracht
worden. Beim Gala-Diner in der Hofburg, das zu Ehren des
Deutschen Kaiser stattgefunden hat, war im Programm der Tafelmusik
auf besondere Anordnung des Ilofmarsehaü-Amtes auch der bereits
in Berlin, populair gewordene; Walzer »Trau —- schau — wein
em gefügt worden.
V
Musikfest in der Philharmonie. Unter glänzender
Directiön des Herrn Professor Joachim fand gestern Abend das
zweite grosse Berliner Musikfest aus Anlass des Jubiläums der
Akademie statt. Vor einer auserwählten Versammlung von
Musikern und . Kapellmeistern aus allen Theilen Deutsch
lands und vor einer erlesenen Schaar von Kunstfreunden
wurde Max Bruch’s neues' Oratorium »Moses« auf
geführt. Der Text, verfasst von Ludwig Spitta, ö schildert die
Hauptmomentc aus der Sendung des Moses. Am Sinqi vernehmen
wir zuerst den Lobgesang des Volkes mit Moses ipjd Aaron auf
den Herrn in prachtvollen Chören, Basssolo des Mosos und Tenor
solo des Aaron zum Theil nach Worten des alten Testaments
»Du schaust die Erde an, so bebet sie, Du rührst die Berge an,
so rauchen sie«. Moses befiehlt sein Volk in die Hut des Aaron,
um auf den Sinai hinaufzusteigen, bis er in einem mächtigen
Chor vor den Augen des Volks verschwindet. Höchst dankbar für
die musikalische Behandlung stellt sich auch der zweite Theil
»Das goldene Kalb« dar; in stürmischen Chören verlangt das Volk
in Moses’1 Abwesenheit neue* Götter, bis Aaron sie, ‘im heftigen
Kampfe' mit sich "selbst,’ gewährt und der bacchantische
Tanz um’s goldene Kalb beginnt. Moses kommt zurück; in
einem" musikalisch - dramatischen, äusserst wirkungsvollen Auftritt
fordert er Rechenschaft für das Geschehene und seine Anhänger
fallen über die Abtrünnigen her. Es folgt die Rückkehr der
»Kundschafter aus Kanaan«, wo der Chor der Kundschafter den
Anblick des gelobten Landes verkündet und die Musik aus den
gewaltigen Formen des ersten Theiles' zu unmuthigeren -Weisen
übergeht. Aaron’s Reue und Busse, der Kampf mit den Amalekitem
steigert die Möglichkeit, neue - Tonmassen, die Engelsstimmen
mit den Chören, zu verbinden, während im letzten Theile
»Das Land der Verheissung« der Engel des Herrn (Sopran)
Moses und seinem Volke "das ersehnte Land der Verheissung zeigt.
Moses stirbt, ein Chorrecitativ verkündet die Worte der Schrift über
den Tod des Moses und eine mächtige Klage des Volker, über den
Propheten schliesst das Oratorium ab. Alle Möglichkeiten einer
grossen musikalischen Illustration im Stile des echten Oratoriums
sind in diesem Text enthalten und, dass Max Bruch, indem er
Solostimmen, Chor, Orchester und Orgel zu einem grossen Ton
gemälde verband, nicht hinter seiner grossartigen'Aufgabe zurück
geblieben ist, das lehrte der starke Beifell am Schlüsse des Werkes.’
Eine glänzende Besetzung der einzelnen Partieen, eine, liebevolle und
souveraine Leitung der zum Theil sehr schwierigen Chöre und des
Orchesters stellte Berlin als .Musikstadt- ein dieryorragendes •Zeug-,
niss aus. •
. 1 9
Im Königlichen Opernhause findet Freitag auf Aller«
höchsten Befehl zur 25 jährigen Gedenkfeier der deutschen freiwilligen
Krankenpflege - eine Festvorstellung, statt. Zur Aufführung gelangt
ein Festspiel »Das rothe Kreuz« von Josef Lauft' mit lebenden
Bildern. Die Noth: Fräulein Poppe; die Krankheit: Frau Stollberg ;
der Dämon des Krieges: Herr Grube; die Barmherzigkeit: Fräulein
Lindner, und die ersten drei Akte von Otto v. d. Pfordten’s Schau
spiel »1812«. ...
X. 7. 44. Wenden Sie pich wegen des Hammcr-Placates an
das „Propagända-Bufeau der Ausstellung" Berlin SO., Postamt 38,
Ausstellung.
Fritz Ahlen», Blankenese. Kommen Sie, in der Fischerei-
Austeilung werden Sie auch die Ihnen vertrauten Zeichen S. T*'. und
S. B. finden. Plattdeutsch spricht man hier auch, Sic finden also
alles, was Ihr Herz begehrt.
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