Path:
Volume Nr. 21, 8. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

8 
Officielle Ausstellungs - Nachrichten 
als Mustercomptoirs mit allem erdenklichen Luxus und den aus 
gesuchtesten Neuheiten eingerichtet. Registratoren und Bureau 
schränke , Copirpressen und Schreibmaschinen, drehbare Bücher 
gestelle und ähnliche Artikel sind in grosser Auswahl vorhanden, vor 
Allem aber verdient das vollständig eingerichtete Bureau der Firma 
August Zeiss & Co. Erwähnung. Auch den Geschäftsbüchern und 
ihrer Fabrikation bietet sich ein weites Feld zur Entfaltung, und 
die bekannte Firma Adolf Zumpe zeigt unter Benutzung von 
Maschinen neuester Construction die vollständige Fabrikation von 
Contobüchern. 
Erwähnen wir noch die reichhaltige Collectiv-Ausstellung von 
Mey & Edlich, die das Beste in weisser und farbiger Papierwäsche 
vor Augen führt, betrachten wir noch einen Augenblick die 
prächtigen Bucheinbände und Lederwaaren in Ledermosaik von 
E. Blankenburg, Bohm’s Normal-Tintenfass und patentirte Tinten 
behälter für Schulbänke, Carl Anselm’s Bureau-Einrichtung mit 
Stolzenberger’s Patent-Schnellhefter, die grosse Fach-Ausstellung 
von König & Gebhardt, die Schiefertafeln und Schulwandtafeln der 
Rheinischen Tafelfabrik, die reizenden Diaphanie-Fensterbilder von 
Vogler & Kachholz, die Fabrikate der Vereinigten Pinsel-Fabriken 
in Nürnberg und den Fiedler’schen Obelisk mit Papier-Buchstaben, 
so können wir unseren Rundgang durch die inhaltreiche Gruppe XVI 
der Ausstellung als beendet ansehen. 
Tapeten-Herstellung. 
[Abdruck untersagt.) 
Ein anschauliches Bild davon, mit welcher vollkommenen 
Technik für den raffinirtesten Luxus und die grösste Behaglichkeit 
unserer Wohnräume gesorgt wird, bietet sich uns in der Gruppe III. 
für Bau- und Ingenieurwesen. An verschiedenen Ausstellungs 
gegenständen wird uns gezeigt, nach welchen sicheren Construc- 
tionen die Decken eingerichtet werden, wie Wände in leichtester 
und massiver Ausführung hergestellt und welche Ornament- und 
Stückarbeiten zur Verzierung vorhanden sind. Nicht in letzter 
Linie spielen die verschiedenartigsten Tapeten hier eine bedeutende 
Rolle. Sind sie es doch, welche durch ihre Harmonie mit den 
Möbel-Einrichtungen einen wohlthuenden Einfluss auf das Auge 
ausüben sollen. 
In dem rechten Ausläufer des für die Gruppe III bestimmten 
Ausbaues an das Hauptindustrie-Gebäude sind die zwei Aussteller, 
welche mit Tapeten in dieser Abtheilung vertreten sind, zu finden. 
Auf der einen Seite sind die Muster der Firma Adolph Lippelt 
ausgestellt. Imitirte Velour - Tapeten in künstlerischer Ausführung 
bekleiden die Wände der benutzten Koje. Die kunstvollen Ver 
zierungen und Muster bilden eine täuschende Nachahmung der 
Handmalerei und sind von dieser kaum zu unterscheiden. 
Auf der anderen Seite zeigt die Firma Emil Liepmann ihr 
Können. Die von reizenden Blumenmustern gebildeten Wandtapeten 
bieten unstreitig einen traulich behaglichen Anblick und zeigen, 
dass man es hier mit einem Producte der vollkommensten Technik 
zu thun hat. Hier finden wir gleichzeitig ein besonders interessantes 
Ausstellungsobject, nämlich das Modell eines Tapeten-Drucksaales, 
wie es sich mit den neuesten technischen Hilfsmitteln stellt. Bei 
Inbetriebsetzung dieser Maschinerie, welche durch einen Elektromotor 
ermöglicht ist, können wir den ganzen Herstellungsprocess einer 
Tapete verfolgen. 
Auf der linken Seite der Koje steht die Vierfarben-Druck- 
maschine, welche dazu dient den Buntdruck der Tapetenmuster zu 
besorgen. Die Maschine hat Aehnlichkeit mit einer Buchdruck- 
Rotationsmaschine. Das Tapetenpapier, vorläufig noch unbedruckt, 
bildet eine Rolle, wie wir sie in den Zeitungs-Druckereien finden. 
Das Papier wickelt sich ab und passirt die erste Druckwalze, welche 
den Grundton der Tapeten, hier gelb, herstellt. Das so gefärbte 
Papier wird nun weiter geführt zu einer zweiten Walze, welche 
sämmtliche in dem Muster enthaltenen blauen Stellen aufdruckt 
und so den Anfang zu den Blumenverzierungen u. s. w. bildet. 
Die dritte Walze vervollständigt das Bild durch den Aufdruck rosa 
farbener Abtönungen, gewissermaassen der Lichtstellen, während die 
blaue Farbe vorzugsweise der Schattirung dient. Den Schluss 
bildet der Durchgang durch die vierte Walze, welche in 
Canninfarbe d.er Tapete gewissermaassen^ das Siegel aufdrückt und 
das Gesammtbild vervollständigt. Während des Druckprocesses muss 
die Tapete naturgemäss nass gehalten werden, um die leichtere 
Annahme der Farben zu ermöglichen. 
Aus der Druckmaschine geht die fertiggestellte Tapete über 
den Stab-Ein- und Ableger in den sogenannten Trocken-Apparat. 
In gleichmässigen Zwischenräumen befinden sich in einem Rahmen 
Querstäbe, über welche sich die noch nassen Muster hängen. 
Mittels hinzugeführter Wärme trocknen dieselben verhältnissmässig 
schnell. Der Trockenrahmen kann deshalb ununterbrochen in Be 
wegung bleiben, um eine möglichst hohe Ausnutzung der Trocken 
wärme zu erzielen Am Ende des Apparates befindet sich eine 
Wendevorrichtung, auf welcher der Trockenrahmen mit dem Tapeten 
material in einer Curve umgewendet wird und denselben Weg 
zurückgeht. Durch diese Einrichtung ist es möglich, den ganzen 
Trockenapparat auf eine geringere Flächenausdehnung zu beschränken, 
wodurch eine grössere Uebersichtlichkeit neben grösserem Nutzeffect 
erzielt wird. 
Die so getrockneten Papierstreifen gelangen nunmehr über den 
Abnehmer in die Winkelmaschine, wo sie in demselben Maasse 
wieder aufgerollt werden, wie sie in die ganze Maschinenanlage 
hineingekommen sind. Sämmtliche Maschinenteile stehen communi- 
cirend mit einander in Verbindung. Von der Druckmaschine über 
trägt sich die Bewegung auf den Trockenapparat und von dort auf 
die Winkelmaschine; es kann also kein Theil mehr oder weniger 
Arbeit leisten, als von dem vorhergehenden geschafft wird. Hier 
durch wird ein grösseres Aufsichtspersonal erspart, da die Maschine 
ganz selbstthätig functionirt. 
Gewöhnlich wird die ganze hier im Modell vorgeführte Anlage 
natürlich bedeutend vergrößert sein und zwar von der vierfachen 
Grösse der ausgestellten Maschine. Dann sind auch andere An 
triebsmaschinen, Kesselhäuser mit grossen Maschinenanlagen, erforder 
lich, während hier ein fast unscheinbarer unter der Druckmaschine 
befindlicher Dynamo-Motor das Ganze in Betrieb setzt. G. Jacob. 
Die Ausstellung der Kgl. Porzellan-Manufactur. 
[Abdruck untersagt-J 
II. 
Nicht minder interessant als die Fliesenmalerei ist die Aus 
stellung der plastischen Gegenstände der Abtheilung der 
Kgl. Porzellan -Manufactur. Die Colossalwerke sowie die kleinsten 
mit minutiöser Sorgfalt durchgeführten Arbeiten stellen der 
Manufactur ein glänzendes Zeugniss ihrer Leistungsfähigkeit aus. 
Das Ausstattungsstück, das auf der Ausstellung in verschiedenen 
Exemplaren vertreten ist, ist überhaupt erst von der Berliner Manu 
factur in grösserem Umfang hergestellt worden. Die in der 
Mitte der Abtheilung aufgestellten Vasen sind vielleicht die 
grössten Arbeiten dieses Genre. Vornehm in der Form und 
originell in der decorativen Ausstattung sind sie ein Musterstück 
der keramischen Kunst geworden, das schon in Chicago das 
Interesse aller Fachleute auf sich gelenkt hat und den Bei 
fall aller Kunstfreunde gefunden hat. Die um den Vasen 
körper flatternden Putten sind ungemein reizvoll behandelt und 
geschickt modellirt, dagegen erscheint das Ornament etwas schwer, 
am wenigsten passen die beiden seitlich herabhängenden Blumen 
körbe in die allgemeine Composition. Auch die Malerei ist harmonisch 
abgestimmt; der tiefblaue Grund des Vasenkörpers bildet einen 
wirkungsvollen Hintergrund für die in leichten Tönen gehaltenen 
lustig flatternden Amoretten. 
Ausser den schon früher besprochenen Spiegelrahmen ist der 
vor dem Baldachin errichtete Brunnen ein Typus der grossen 
keramischen Kunst. Zwar erscheint Manches gedrückt, so die beiden 
Tritonen, welche sich etwas zu ängstlich unter der verhältnissmässig 
zu massigen Muschel verborgen halten, aber dennoch ist die Durchführung 
aller Theile eine mustergiltige. Der in der grossen Muschel auf 
einem Delphin reitende Junge bildet die unmuthigste Partie des 
Brunnens; überhaupt sind in dem Kindergenre die besten Resultate 
in der Porzellanausführung erzielt worden; die grösseren figürlichen 
Arbeiten entbehren häufig noch der künstlerischen Sicherheit. Sei 
es, dass vielleicht Porzellan kein für die Ausführung lebensgrosser 
Figuren geeignetes Material ist, sei es, dass die Figuren im 
Brande mancherlei Veränderungen erleiden — ich kann nur
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.