Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Gfficieüe Aussteiiungs - Nachrichten.
13
Optik, der 11. September für den deutschen Anwaltstag
reservirt. Es darf mi* Gewissheit angenommen werden, dass sich
den Obengenannten noch zahlreiche andere Verbände etc. anschliessen
werden und Berlin für diesen Sommer als Versammlungsort wie
nie vorher aufgesucht werden wird.
S
Der Fesselballon wird seine Fahrten erst in einigen
Tagen antreten können. Die Beschaffung der gewaltigen Menge
Wasserstoffgas, die dieses gefesselte Schiff der Lüfte benöthigt, macht
leider nur sehr langsame Fortschritte. Die Gondel des Ballons,
der bis zu einer Höhe von 600 Metern aufsteigen kaun, wird dreissig
Personen aufnehmen können. Der Auf- und Abstieg erfordert eine
Zeitdauer von 20 Minuten. Bings um den grossen Zuschauerraum
werden augenblicklich Verkaufsstellen eingerichtet, für alles, was
Herz, Gaumen und Unterhaltungslust der Besucher begehren.
S
Die Berliner Hütte im Zillerthal des Alpen-
panorama muss immer noch zu Fuss »erkraxelt« werden.
Der noch immer mangelnde elektrische Strom macht es unmöglich,
die Wunder des Zillerthales auf der von Vielen sehnsüchtig erwarteten
Fahrt mit der Zahnradbahn zu gemessen.
5g
Der Director Heck vom Zoologischen Garten hat den
Hagenbeck’schen Cirkus im Vergnügungs-Park auf
seine Sicherheit geprüft und die getroffenen Sicherheitsmaassregeln
als vortrefflich befunden.
5g
Das römische Feuerwerk der „Girandola“ wird
um Pfingsten herum seine erste Aufwartung machen. Die Künstler
sind bereits mit ihrem Personal und Rohmaterial eingetroffen und
legen soeben die Hand an den Ausbau des Laboratium,
das auf Rixdort’er Gebiet, weit hinter dem Ausstellungs
bahnhof, einen Platz gefunden hat. Wer Gelegenheit hatte,
die aus Born eingetroffenen vollen Waggons zu sehen, wer
hinter die Coulissen des decorativen Hafens der Marine-Schau
spiele blicken konnte und den Holzvorrath anfahren sah, der zur
Aufstellung jenes 36 m hohen Leuchtthurmes dienen soll —
einer Hauptnummer des weltberühmten Schauspieles — wird sich
ungefähr vorstellen können, welches pyrotechnische Ereigniss die
Berliner werden bewundern können, trotzdem es naturgemäss dem
Raume, den die Anlagen der Marine-Schauspiele bieten, angepasst
werden muss. Die römische Girandola hat ihre grosse, glänzende
Geschichte, von der an dieser Stelle später ausführlich die Bede
sein soll. Sie zeigt sich in diesem Jahre zum ersten Male,
dank der Opferfreudigkeit der Besitzer der Marine-Schauspiele,
den Berlinern im Rahmen der Gewerbe-Ausstellung. In Rom
wird das Feuerwerk der :> Girandola -, deren Hauptnummer, den
grossen Fächer, kein Geringerer als Michelangelo erfand, alljährlich
am Verfassungstage auf Kosten des römischen Magistrats auf der
Terrasse des Pincio abgebrannt. Das italienische Königspaar ver
tauscht Rom nicht eher mit dem Sommeraufenthalt von Monza, als
bis es dieser Vorführung beigewohnt hat, und ans der Piazza del
Popolo, die gut 200 000 Menschen fasst, kann am Abende dieses
Feuerwerkes der bewusste Apfel nicht zur Erde fallen. Derselbe
Unternehmer, der alljährlich die Girandola für den römischen
Magistrat besorgt, ist nunmehr auch nach Berlin berufen worden.
Der Name desselben, Lodovico Serafini, klingt nicht ganz neu in
Deutschland. In den Jahren 1888 und 1889 holten ihn die
Magistrate von München (Centennarfeier) und Dresden (Wettiner
feier) auf Stadtkosten herbei, um diese Jubiläumsfeste durch die
Vorführung der römischen Girandola noch glanzvoller zu gestalten.
Er hat sieb als technischen Leiter der hiesigen wöchentlichen Be-
leuchtungs- und Feuerwerksvorstellungen in den Marine-Schauspielen
der Ausstellung den römischen Feuerwerkskünstler Giovanni Battista
Marazzi mitgebracht, unter dessen Aufsicht die Girandola der
letzten Jahre abgebrannt wurde. Diesen stehen zwanzig italienische
Hilfsarbeitsr zur Seite, die schon vollauf beschäftigt sind mit der
Herstellung der zahllosen Feuerwerkskörper, die für die erste
glänzende Vorstellung benöthigt werden. Heute, als Vorgeschmack
des zu erwartenden Genusses, wollen wir nur verrathen, dass für
den erwähnten grossen Leuchtthurm oder, wie man in Italien sagt,
für die grosse Maschine nicht weniger als 10 000 farbige Lichter
vorbereitet werden, die eine. Brenndauer von 5 bis 6.Minuten haben.
Diese grosse Maschine wechselt mit ihren Darstellungen nach jeder
vierten Vorführung. Der grosse Fächer, der die Schlussnummer eines
jeden Feuerwerkes bilden wird, enthält nicht weniger als 3000
farbige Bomben und Racketen; des Ferneren sei mitgetheilt, dass
zu einer der ersten Vorführungen der römischen Girandola der
Besuch des Kaiserpaares erwartet wird. An den Pavillon für den
Kaiser, der bekanntlich den Marine-Schauspielen von Anbeginn das
lebhafteste Interesse entgegengebracht hat, wird soeben die letzte
Hand gelegt. Während des letzten Besuches des Kaiserpaares in
Rom hatte der römische Magistrat die Girandola bereits vorbereitet.
Damals aber waren die anarchistischen Umtriebe gerade an
der Tagesordnung, und da die römische Polizei angesichts
der auf der Piazza del Popolo versammelten ungeheuren Menschen
menge für die Sicherheit der Herrscher Deutschlands und
Italiens nicht einstehen zu können glaubte, musste auf die
Abbrennung der Girandola Verzicht geleistet werden. Was
Kaiser Wilhelm in Born nicht zu sehen Gelegenheit hatte, dieses
Feuerwerk endlich einmal zu erblicken, wird er und mit ihm ganz
Berlin demnächst in den Marine-Schauspielen bewundern können.
Auch ist es nicht ausgeschlossen, dass der Arbeits-Ausschuss und
das umsichtige Fest-Comite der Ausstellung sich noch entschliessen
werden, ein Extra-Schauspiel der Girandola an einem der geplanten
Festabende am Neuen See zu veranstalten, einem Punkte, wie er
sich romantischer für einen solchen Zweck nicht vorstellen lässt.
«
Der Musterstall der Berliner Gewerbe-Aus
stellung. In der Nähe der Marine-Schauspiele hat ein Consortium
von Ausstellern ein Special-Gebäude errichtet, dessen vornehme
und geschmackvolle Einrichtung und sportliche Qualitäten das
Interesse des Sportsman und Laien erregen dürfte. Inmitten
eines lauschigen Gartens mit gelben Kieswegen erhebt sieh
das vom Architekten Blumberg im Schweizer Villenstil
erbaute, für herrschaftliche Stallungen bestimmte Haus, das
als Annex eines Herrenschlosses gedacht ist. Im Mittelbau befindet
sich der mit dem modernsten Comfort ausgestattete Stall. Die
Wände sind aus hellen Mauersteinen. Ein gelblicher Kachelboden
in sorgsamster Pflege beweist, welche Reinlichkeit in einem Stall
bei einiger Aufmerksamkeit erzielt werden kann; die Stände
der Pferde sind luftig, mit vorzüglicher Streu, die Ab
flussvorrichtungen, die Flechten am Band der Stände
mustergiltig. Zwei Reitpferde, eine prachtvolle ungarische
Radautzstute als Damenpferd, von schlankem Bau, mit feinem Kopf,
elastischen Fesseln, vorzüglich gepflegtem, schwarzem Haar, sind ein
stattlicher Brauner, ein englisches Jagdpferd für Horen, in
eigenen Cojen verpflegt. — Im Längsraum stehen sieben kräftige
Hannoversche Wagenpferde bester Zucht. Sämmtliche Pferde haben
die Kaiserlichen Hoflieferanten Weltmann & Cie. beigestellt. Ein noch
überraschenderer Anblick eröffnet sich in dem rechten Seitenflügel.
Hier sind acht Wagen der verschiedensten Sorten in sehr eleganter
Ausführung und mit vorzüglichster Federmechanik untergebracht. Hier
sind von der bekannten Kühlsteiifsehen Wagenfabrik ausgestellt: ein
leichter Sportwagen, ungedeckt, mit Ledersitz, in hellem Gelb
gehalten; ein englischer Einspänner, sogenannter Dogcart, ein
graziöser Selbstfahrer (Phaeton), ein Victoria oder Whisky, dann
ein herrschaftliches Conpce und endlich ein Mail-Coach. In
kleineren Räumen befinden sich alle thierärztlichen Instrumente,
Sehecren, Messer, Irrigationsapparate, Gebisse für Luftschnapper etc.,
alles nach dem neuesten Stand der Veterinairkunst ausgeführt.
Sehi’ interessant ist auch die Vorrichtung, durch welche der Futter
hafer vom Vorrathsbodcn nach einem Trog hcrabrieselt. Die Ge
schirr- und Sattelkammer bergen an Zäumen, Trensen und Stangen-
zügeln, Herren- und Damensätteln etc. die chickesten und modernsten
Muster-Exemplare der Firma Heydweiller & Cie. Auch Sport
anzüge neuester Fa$on, meist nach englischen Vorbildern, aber
in ganz eigenartiger und praktischer Weise angefertigt, sind
liier ausgestellt. Im Erdgeschoss befindet sich noch ein holz
getäfeltes Speisenzimmer für die Stallbedienstetcn und nach vom
hinaus der einfach, aber geschmackvoll eingerichtete Empfangs
salon , geschmückt mit der Reiterstatuette Ihrer Majestät der Kaiserin;
an den Wänden hängen werthvolle Stahlstiche: Bilder aus der alt
spanischen Reitschule, und englische Abbildungen aus dem Leben
eines Rassepferdes. — In der ersten Etage befinden sich die Wohn-
räume für die Dienerschaft, die Küche und die Vorrathskammern'
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.