Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

12
Officielle Ausstellungs-Nachrichten.
In der Sanitätswache wurden von Dienstag bis Mittwoch
Mittag fünf leichte Fälle behandelt, von den Ausstellungsbesuchern
hatte sich ein Herr nur wund gelaufen, welcher Uebelstand schnell
beseitigt wurde.
S
Das erste Opfer eines automatischen Photo
graphie-Apparates. Das kleine Häuschen, in dein dieser
Apparat functionirt, bringt nach jeder Himmelsrichtung hin die
Aufforderung an das Publikum: »Bitte, ein freundliches Gesicht
machen!« Bei der Dame am Schalter erstand unser Gewährs
mann gegen Hinterlegung eines Fünfgroschenstücks zuerst einen
Bon, alsdann wurde er ersucht, Platz zu nehmen, und die vorüber
pilgernden Ausstellungs-Besucher hatten die Güte, sämmtlich stehen
zu bleiben und diesem bedeutsamen Vorgänge als Zeugen beizu
wohnen. Der Apparat schien an Selbstthätigkeit noch nicht recht
gewöhnt zu sein, denn drei Männer waren bemüht, ihn in Thätig
keit zu setzen. Da dieses den vor dem Apparat sitzenden Delin
quenten erschreckte, machte ein Vierter Miene, ihn gewaltsam zu
halten. Schon schwebte dem Armen ein schwerer Fluch auf den
Lippen und seine Mienen verkündeten drohendes Unheil, da
kam das Commando: »Bitte jetzt!« Wenn nun die 50 Pfennige
nicht hinausgeworfen sein sollten, so galt es, seinem Gesicht
einen möglichst liebenswürdigen Ausdruck zu geben. In dem
Apparat begann ein unheimliches, summendes Geräusch, Hebel
bewegten sich auf und ab, eine Kurbel drehte sich, und
die erste Aufnahme war glücklich verunglückt, man hatte ver
gessen, die Platte einzulegen. Nun ging es nochmals los und end
lich kam ein Stück Blech mit den verschwommenen Umrissen eines
Menschen heraus, der für unseren Mitarbeiter ausgegeben wurde.
»Ja nicht öffnen, bevor es trocken ist«, hiess die Warnung. Das
Bild ist so schmeichelhaft ausgefallen, dass das Original von allen
seinen Bekannten gefragt wird, ob es einen Togo, Kameruner, Wasua-
heli oder Massai vorstellen soll, weil im Gesicht Spuren von
Tättowirung sichtbar sind. Ein zufällig anwesendes Mitglied des
Kolonial-Ausstellungs-Vorstandes constatirte, dass Wilde mit solchen
Gesichtszügen bis jetzt noch nicht eingetroffen wären. Also, das
Bild nicht öffnen, bevor es trocken ist, sonst kann man verkannt
werden.
a) In der Ausstellung.
Das erste officielle Fest, das unter Betheiligung von
Damen stattfand und infolge dieses erfreulichen Umstandes des
üblichen ceremoniell-bfficiellen Charakters entkleidet war, wurde
gestern Abend in der Festhalle des Haupt-Restaurant ver
anstaltet. Zu Ehren des anwesenden Damenflors war der Saal mit
einem reichen Blumenflor in prächtigster Weise geschmückt;
namentlich die Rosen-Guirlanden, die sich in malerischer Weise
vom Plafond herab an die Wandbrüstungen zogen, verliehen dem
Festsaal ein unmuthiges Gepräge.
Das Fest wär von dem »Comites der Aussteller und
Interessenten für die Gewerbe-Ausstellung 1896 im Treptower
Park« veranstaltet, jener Vereinigung, die unter Führung der
Herren Demut uud Stadtverordneten Rosenow seit beinahe zwei
Jahren für die Ausstellung gewirkt hat und auch fernerhin
unter der Bezeichnung »1896er Vereinigung für die Interessen
der Aussteller und etwaiger zukünftiger Ausstellungen« eintreten will.
Gestern konnten neben den Mitgliedern des Arbeits-Ausschusses
und des geschäftsführenden Ausschusses auch jene zahlreichen
Männer, welche opferfreudig ihre Kraft in den Dienst der Aus
stellung gestellt hatten, bei festlichem Mahl und hoffnungsfrohen
Reden sich des grossen Unternehmens und somit auch ihres Erfolges
freuen.
Die Reihe der Trinksprüche wurde selbstverständlich mit dem
Kaisertoast eröffnet, den Herr Demut in schwungvollen, mit Be-
geisterung - aufgenommenen Worten ausbrachte. — Herr Stadtver
ordneter Rosenow, dem vorgestern der Bezirksverein des Ccepenicker
Stadtviertels eine aufrichtige Huldigung für seine Verdienste um das
Zustandekommen der Berliner Gewerbe-Ausstellung dargebracht hatte
begrüsste in herzlicher Weise die Gäste und legte in klaren Worten
die allgemeinen fördernswerthen Ziele der »1896 er Vereinigung«
dar. Nachdem Herr Baumeister Felisch auf das Comitee getrunken
hatte, widmete Herr Geheimrath Goldberger in der ihm eigenen
schwungvollen Weise sein Glas dem Gedeihen der »1896 er Vereini
gung«. Mit einer reizenden Ueberraschung war der von Herrn
Lennhoff auf die Damen ausgebrachte und natürlich mit grossem
Jubel aufgenommene Toast verbunden; es wurde nämlich sämmt
lichen Damen eine Erinnerungsspende in Form kunstvoll gefloch
tener, mit frischen Blumen gefüllter Metallkörbchen überreicht.
Aus der Reihe der Toaste sei noch der des Herrn Stadt
verordneten Lüben auf die Stadt Berlin und der des Herrn Stadt
verordneten Hugo Sachs auf die Presse hervorgehoben.
Selbstredend nahm dieses erste Ausstellungsfest mit Damen
den fröhlichsten Verlauf. Der Deutsche kann für jede Situation, ernste
wie heitere, irgend ein Wort seiner Dichter citiren; so konnte man
gestern beim Anblick der hier so zahlreich versammelten Grössen
der Industrie und Finanzwelt ausrufen: »Seid umschlungen
Millionen!« und bei der Bewunderung der das Fest verherrlichenden
Frauenschönheit und Franenanmuth: »Diesen Kuss der ganzen
Welt!« Alfred Holzbock.
V
Die erste Fest-Illumination wird voraussichtlich am
15. Mai stattfinden. Die Arrangements der Firma F. W. Hoppenworth
(Inh. Paul Demuth), die bei der Probebeleuchtung den Sieg über
eine italienische Concurrenz davontrugen, werden einen wahrhaft
feenhaften Anblick bieten. In den Alleen um den Neuen See
sind grosse Eisenbogen angebracht, die am Illuminationsabend
50 000 Glaslämpchen in Ananasform von Opalfarbe tragen werden.
Auch die Gänge nach dem Stadtbahnhof und der Dampfschiffs
station werden mit gelben und blauen Lämpchen erleuchtet, die zu
Bogen formirt zwischen dem frischgrünen Laube sich entzückend
ausnehmen dürften. Die See-Emtassungen werden mit weissen
Lämpchen geschmückt, dazwischen werden in Abständen von je
5 — 6 m etwa 3 *,4 m hohe Candelaber aufgestellt, die einen
Kranz von Lämpchen tragen. Die Candelaber sind durch Doppel-
guirlanden aus kleinen rothen Lämpchen miteinander verbunden.
Die Promenadenwege der Coepenicker und Treptower Chaussee,
welche zum Ausstellungssee führen, werden mit grossen bunten
Lampions geschmückt, welche aus transparent-bemalter Leinewand
bestehen. Die gärtnerischen Anlagen vor Cafe Bauer erhalten einen
Schmuck ans buntfarbigen Gläsern, deren Farben-Zusainmenstellung
und Gruppirung sich je nach der Form der Blumenbeete richten.
Die verschiedenen Beleuchtungskörper sind durch präparirte Zünd
schnüre mit einander verbunden und werden auf ein Trompetensignal
sämmtlich zu gleicher Zeit erleuchtet. Im Verein mit der fontaine
lumineuse und den farbenprächtigen Cascaden wird die Illumination
äus vielen Tausend farbiger Lichter ein zauberisches Bild gewähren
und zweifellos eine der schönsten festlichen Veranstaltungen sein,
die während der Ausstellung stattfinden sollen.
Für Banketts in der grossen FesthaHe des
Hauptrestaurants haben sich schon heute zahlreiche Corpore 'einen
und Vereine bestimmte Tage reservirt, ein Beweis für die erfreuliche
Thatsache, dass unsere Ausstellung auch in dieser Beziehung eine
grosse Anziehungskraft ausübt und namentlich viele Congresse,
Generalversammlungen etc. für diesen Sommer nach Berlin ziehen wird.
Angemeldet sind, wie wir den Aufzeichnungen der Herren Adlon
und Dressei entnehmen, bis heute: Am 24. Mai der Arendt’sche
Stenographen -Verein, am 25. d. M. die Theilnehmer der
Hunde - Ausstellung. Den Monat Juni, am 2. die deutschen
Spediteure; am 3. die Müllerei - Genossenschaft Sorau;
am 4. 5. u. 6. der Verband deutscher Müller; am 7. die
deutschen Architekten; am 9. die Vertreter der Papier
industrie; am 16. der deutsche Verein für Gas- und
Wasserfach-Männer; am 19. die Berufs-Genossenschaft der
Feinmechaniker; am 23. der Verein deutscher Papier-
lieferanten; am 28. der Verband der deutschen Schuh-
und Schäftefabrikanten, der 13. und 14. August ist für den
Besuch der deutschen Gesellschaft für Mechanik un
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