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Volume Nr. 20, 7. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
In der Sanitätswache wurden von Dienstag bis Mittwoch 
Mittag fünf leichte Fälle behandelt, von den Ausstellungsbesuchern 
hatte sich ein Herr nur wund gelaufen, welcher Uebelstand schnell 
beseitigt wurde. 
S 
Das erste Opfer eines automatischen Photo 
graphie-Apparates. Das kleine Häuschen, in dein dieser 
Apparat functionirt, bringt nach jeder Himmelsrichtung hin die 
Aufforderung an das Publikum: »Bitte, ein freundliches Gesicht 
machen!« Bei der Dame am Schalter erstand unser Gewährs 
mann gegen Hinterlegung eines Fünfgroschenstücks zuerst einen 
Bon, alsdann wurde er ersucht, Platz zu nehmen, und die vorüber 
pilgernden Ausstellungs-Besucher hatten die Güte, sämmtlich stehen 
zu bleiben und diesem bedeutsamen Vorgänge als Zeugen beizu 
wohnen. Der Apparat schien an Selbstthätigkeit noch nicht recht 
gewöhnt zu sein, denn drei Männer waren bemüht, ihn in Thätig 
keit zu setzen. Da dieses den vor dem Apparat sitzenden Delin 
quenten erschreckte, machte ein Vierter Miene, ihn gewaltsam zu 
halten. Schon schwebte dem Armen ein schwerer Fluch auf den 
Lippen und seine Mienen verkündeten drohendes Unheil, da 
kam das Commando: »Bitte jetzt!« Wenn nun die 50 Pfennige 
nicht hinausgeworfen sein sollten, so galt es, seinem Gesicht 
einen möglichst liebenswürdigen Ausdruck zu geben. In dem 
Apparat begann ein unheimliches, summendes Geräusch, Hebel 
bewegten sich auf und ab, eine Kurbel drehte sich, und 
die erste Aufnahme war glücklich verunglückt, man hatte ver 
gessen, die Platte einzulegen. Nun ging es nochmals los und end 
lich kam ein Stück Blech mit den verschwommenen Umrissen eines 
Menschen heraus, der für unseren Mitarbeiter ausgegeben wurde. 
»Ja nicht öffnen, bevor es trocken ist«, hiess die Warnung. Das 
Bild ist so schmeichelhaft ausgefallen, dass das Original von allen 
seinen Bekannten gefragt wird, ob es einen Togo, Kameruner, Wasua- 
heli oder Massai vorstellen soll, weil im Gesicht Spuren von 
Tättowirung sichtbar sind. Ein zufällig anwesendes Mitglied des 
Kolonial-Ausstellungs-Vorstandes constatirte, dass Wilde mit solchen 
Gesichtszügen bis jetzt noch nicht eingetroffen wären. Also, das 
Bild nicht öffnen, bevor es trocken ist, sonst kann man verkannt 
werden. 
a) In der Ausstellung. 
Das erste officielle Fest, das unter Betheiligung von 
Damen stattfand und infolge dieses erfreulichen Umstandes des 
üblichen ceremoniell-bfficiellen Charakters entkleidet war, wurde 
gestern Abend in der Festhalle des Haupt-Restaurant ver 
anstaltet. Zu Ehren des anwesenden Damenflors war der Saal mit 
einem reichen Blumenflor in prächtigster Weise geschmückt; 
namentlich die Rosen-Guirlanden, die sich in malerischer Weise 
vom Plafond herab an die Wandbrüstungen zogen, verliehen dem 
Festsaal ein unmuthiges Gepräge. 
Das Fest wär von dem »Comites der Aussteller und 
Interessenten für die Gewerbe-Ausstellung 1896 im Treptower 
Park« veranstaltet, jener Vereinigung, die unter Führung der 
Herren Demut uud Stadtverordneten Rosenow seit beinahe zwei 
Jahren für die Ausstellung gewirkt hat und auch fernerhin 
unter der Bezeichnung »1896er Vereinigung für die Interessen 
der Aussteller und etwaiger zukünftiger Ausstellungen« eintreten will. 
Gestern konnten neben den Mitgliedern des Arbeits-Ausschusses 
und des geschäftsführenden Ausschusses auch jene zahlreichen 
Männer, welche opferfreudig ihre Kraft in den Dienst der Aus 
stellung gestellt hatten, bei festlichem Mahl und hoffnungsfrohen 
Reden sich des grossen Unternehmens und somit auch ihres Erfolges 
freuen. 
Die Reihe der Trinksprüche wurde selbstverständlich mit dem 
Kaisertoast eröffnet, den Herr Demut in schwungvollen, mit Be- 
geisterung - aufgenommenen Worten ausbrachte. — Herr Stadtver 
ordneter Rosenow, dem vorgestern der Bezirksverein des Ccepenicker 
Stadtviertels eine aufrichtige Huldigung für seine Verdienste um das 
Zustandekommen der Berliner Gewerbe-Ausstellung dargebracht hatte 
begrüsste in herzlicher Weise die Gäste und legte in klaren Worten 
die allgemeinen fördernswerthen Ziele der »1896 er Vereinigung« 
dar. Nachdem Herr Baumeister Felisch auf das Comitee getrunken 
hatte, widmete Herr Geheimrath Goldberger in der ihm eigenen 
schwungvollen Weise sein Glas dem Gedeihen der »1896 er Vereini 
gung«. Mit einer reizenden Ueberraschung war der von Herrn 
Lennhoff auf die Damen ausgebrachte und natürlich mit grossem 
Jubel aufgenommene Toast verbunden; es wurde nämlich sämmt 
lichen Damen eine Erinnerungsspende in Form kunstvoll gefloch 
tener, mit frischen Blumen gefüllter Metallkörbchen überreicht. 
Aus der Reihe der Toaste sei noch der des Herrn Stadt 
verordneten Lüben auf die Stadt Berlin und der des Herrn Stadt 
verordneten Hugo Sachs auf die Presse hervorgehoben. 
Selbstredend nahm dieses erste Ausstellungsfest mit Damen 
den fröhlichsten Verlauf. Der Deutsche kann für jede Situation, ernste 
wie heitere, irgend ein Wort seiner Dichter citiren; so konnte man 
gestern beim Anblick der hier so zahlreich versammelten Grössen 
der Industrie und Finanzwelt ausrufen: »Seid umschlungen 
Millionen!« und bei der Bewunderung der das Fest verherrlichenden 
Frauenschönheit und Franenanmuth: »Diesen Kuss der ganzen 
Welt!« Alfred Holzbock. 
V 
Die erste Fest-Illumination wird voraussichtlich am 
15. Mai stattfinden. Die Arrangements der Firma F. W. Hoppenworth 
(Inh. Paul Demuth), die bei der Probebeleuchtung den Sieg über 
eine italienische Concurrenz davontrugen, werden einen wahrhaft 
feenhaften Anblick bieten. In den Alleen um den Neuen See 
sind grosse Eisenbogen angebracht, die am Illuminationsabend 
50 000 Glaslämpchen in Ananasform von Opalfarbe tragen werden. 
Auch die Gänge nach dem Stadtbahnhof und der Dampfschiffs 
station werden mit gelben und blauen Lämpchen erleuchtet, die zu 
Bogen formirt zwischen dem frischgrünen Laube sich entzückend 
ausnehmen dürften. Die See-Emtassungen werden mit weissen 
Lämpchen geschmückt, dazwischen werden in Abständen von je 
5 — 6 m etwa 3 *,4 m hohe Candelaber aufgestellt, die einen 
Kranz von Lämpchen tragen. Die Candelaber sind durch Doppel- 
guirlanden aus kleinen rothen Lämpchen miteinander verbunden. 
Die Promenadenwege der Coepenicker und Treptower Chaussee, 
welche zum Ausstellungssee führen, werden mit grossen bunten 
Lampions geschmückt, welche aus transparent-bemalter Leinewand 
bestehen. Die gärtnerischen Anlagen vor Cafe Bauer erhalten einen 
Schmuck ans buntfarbigen Gläsern, deren Farben-Zusainmenstellung 
und Gruppirung sich je nach der Form der Blumenbeete richten. 
Die verschiedenen Beleuchtungskörper sind durch präparirte Zünd 
schnüre mit einander verbunden und werden auf ein Trompetensignal 
sämmtlich zu gleicher Zeit erleuchtet. Im Verein mit der fontaine 
lumineuse und den farbenprächtigen Cascaden wird die Illumination 
äus vielen Tausend farbiger Lichter ein zauberisches Bild gewähren 
und zweifellos eine der schönsten festlichen Veranstaltungen sein, 
die während der Ausstellung stattfinden sollen. 
Für Banketts in der grossen FesthaHe des 
Hauptrestaurants haben sich schon heute zahlreiche Corpore 'einen 
und Vereine bestimmte Tage reservirt, ein Beweis für die erfreuliche 
Thatsache, dass unsere Ausstellung auch in dieser Beziehung eine 
grosse Anziehungskraft ausübt und namentlich viele Congresse, 
Generalversammlungen etc. für diesen Sommer nach Berlin ziehen wird. 
Angemeldet sind, wie wir den Aufzeichnungen der Herren Adlon 
und Dressei entnehmen, bis heute: Am 24. Mai der Arendt’sche 
Stenographen -Verein, am 25. d. M. die Theilnehmer der 
Hunde - Ausstellung. Den Monat Juni, am 2. die deutschen 
Spediteure; am 3. die Müllerei - Genossenschaft Sorau; 
am 4. 5. u. 6. der Verband deutscher Müller; am 7. die 
deutschen Architekten; am 9. die Vertreter der Papier 
industrie; am 16. der deutsche Verein für Gas- und 
Wasserfach-Männer; am 19. die Berufs-Genossenschaft der 
Feinmechaniker; am 23. der Verein deutscher Papier- 
lieferanten; am 28. der Verband der deutschen Schuh- 
und Schäftefabrikanten, der 13. und 14. August ist für den 
Besuch der deutschen Gesellschaft für Mechanik un
	        
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