Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Äusstellungs- Nachrichten. 9
auf Helgoland, Helgoland, „Die wissenschaftliche Erforschung der
deutschen Meere im Dienste der Seefischerei“.
26. Dr. J. Nessler, Geheimer Hofrath, Karlsruhe, „Bereitung
und Pflege des Weines“.
27. Dr. Walter, Trachenberg, „Die natürliche Nahrung der
Fische in unseren Teichen mit besonderer Berücksichtigung der
neueren Planhtonforschung“.
28. Dr. J. L. Sponsel, Dresden, „Moderne Placate“.
29. Dr. Bathgen, Chemiker der Königlichen Museen, Friedenau,
„Alterthümer-Conservirung“.
31. Oberbaurath Professor S chäfer, Karlsruhe i. B., „Die heutige
und künftige Baukunst“.
September:
1. Professor W. Hartmann, Berlin, „Die natürlichen Kraftquellen
und deren Ausnutzung (Wasser-, Wind-, Dampf- und Gaskraft)“.
2. Dr. Th. Weyl, Berlin, „Die Erfolge der öffentlichen Gesund
heitspflege in Berlin“.
3. Dr. Kirstein, Generalsecretair, Berlin, „Die Milchversorgung
Berlins und ihre Entwickelung bis in die neueste Zeit“.
4. Regierungsrath Dr. med. Petri, Berlin, „Bakteriologie“.
5. Dr. Richard Büttner, Berlin, „Das Togoland“.
7. Regierungsrath Dr. Ohlmäller, Berlin, „Ueber Fluss
verunreinigung“.
8. Friedrich Spielhagen, Charlottenburg, „Die epische
Dichtung unter den wechselnden Zeichen des Verkehrs“.
9. Professor Dr. Ferd. Fischer, Göttingen, „Die chemische
Industrie Deutschlands“.
10. Geheimer Regierungsrath, Professor Dr. Bertram, Berlin,
„Fortbildungsschulen und gewerblicher Unterricht“.
11. Professor Dr. Pochuel-Loesche, Erlangen, „Familienleben
eines Volksstammes in Westafrika*.
12. Dr. R. Kusserow, Berlin, „Die Kunst, Brod zu backen“.
14. Professor Dr. Viktor Meyer, Geheimer Rath, Heidelberg,
„Der Sauerstoff und die Verbrennung“.
15. Georg W. Büxenstein, Berlin, „Die Herstellung der Zeit
ungen in Satz und Druck.“
16. Dr. 0. Bode, dirigirender Arzt der Berliner Unfallstation I.,
Berlin, „Erste.Maassnahmen beiVerletzungen, plötzlichen Erkrankungen
und anderweiten den Körper betreffenden üblen Zufällen“.
17. Königlicher Gartenbaudirector Karl Laehner, Steglitz bei
Berlin, „Orchideen-Cultur“.
18. Rechtsanwalt Dr. Edwin Katz, Berlin, „Die Rechtswirkungen
des deutschen Waarenschutzgesetzes auf den Welthandel unter be
sonderer Berücksichtigung der vom Deutschen Reich geschlossenen
8 taatsverträge“.
19. Professor Dr. A. Trendelenburg, Berlin, „Ein neues Modell
der Akropolis in Athen“.
21. Professor Dr. Weigel t, Berlin, „Die Verwerthung thierischer
und besonders fischereilicher Abfalle“.
22. Professor Dr. Möllenhoff, Berlin, „Die Kunstbauten der
Thiere“.
23. von Francois, Premier-Lieutenant, Allenstein, „Die wirt
schaftlichen Aussichten Deutsch-Süd-Westafrikas“.
24. Dr. Max Weigert, Stadtrath, Berlin, „Aus der Geschichte
der Weberei“.
25. Professor Dr. K. 0 ebbeke, München, „Edelsteine“.
26. Dr. Udo Dämmer, Custos am botanischen Garten, Friedenau,
„Zimmerpflanzen“.
28. Geheimer Medicinallath Professor Dr. Loeffler, Greifswald
i. Pom., „Die Bekämpfung der Diphtherie“.
29. Dr. Karl Neumann, Heidelberg, „Historienmalerei“.
80. Dr. jur. Oskar Schanze, Kaiserlicher Regierungsrath a. D.,
Dresden, „Patent-Muster- und Markenschutz“.
Ausserdem haben sich eventuell zur Uebernahme eines Vortrags
bereit erklärt: Professor J. Munk, Berlin. Regierungsrath Professor
K. Hartmann, Berlin. Dircctor Max Schlesinger,Berlin. Sanitäts
rath Thorner, Berlin. Director Max Krause, Berlin. G.Schweitzer,
Redacteur der Post, Berlin. Ingenieur Otto Lilienthal, Gr. Lichter
felde. Christoph Joseph Cremer, Schöneberg. Pfarrer Burck-
hardt, Berlin. Geheimer Regierungsrath von Massow, Potsdam.
Geheimer Regierungsrath Professor Busley, Kiel. Hugo Zoeller,
München. Kurt Geissler, Physiker, Charlottcnburg. Merensky,
Missions-Inspector, Berlin. M. Gürtler, Director der städtischen
Weheschule, Berlin. Moritz Rosenow, Fabrikbesitzer, Berlin.
Privatdocent Dr. Ludwig Plate, Berlin. Rochus Schmidt, Berlin-
Architekt Peter Walle. Berlin. Professor Dr, Bruno Meyer,
Berlin.
!m Pavillon.
Von 0. G.
[Abdruck untersagt.]
»Der Herzog von Meiningen ist gefangen, und mit ihm seine
Gemahlin und ein Dichter!«
Das war am Dienstag das Sensationellste auf dem Gebiete
der neuesten Neuigkeiten in der Ausstellung.
»Wo?« fragte alle Welt; denn Niemandem war bekannt, dass
der gefangene Herzog irgendwo Krieg geführt habe oder von einer
feindlichen Macht mit solchem über Nacht überzogen worden
sei; bekannt war 'nur, dass er in Italien weile, und da Italien
zum Dreibunde gehört und der Herzog zu den deutschen Bundes
fürsten , war eine feindliche politische Demonstration ausge
schlossen. Aber wie in aller Welt gerieth er in Gefangenschaft
und in wessen Hände, und vor allen Dingen wo? Denn Italien
ist ein langgestrecktes Land, das in der Hauptsache nur in den
Abruzzen voller Gefahren wimmelt; im Uebrigen gilt es für ein
civilisirtes Land, in welchem man nicht ohne Weiteres einen
deutschen Fürsten mit Gefangenschaft seine Wissbegier büssen lässt.
»Meine Herren!« sagte ein freundlich dreinschauender junger
Mann in gesetzten Jahren, »ich glaube, wir thun am besten,
wenn wir uns nach dem Pavillon des »Berliner Lokal-Anzeiger«
bemühen; in dessen «Depeschen-Saal« erhalten wir ganz bestimmt
die erschöpfendste Auskunft.«
»Daran hätten wir auch denken können,« meinte eine muntere
Blondine und blitzte den jungen Mann mit ihren hellen Augen
verständnissinnig an.
Und die ganze Cavalcade begab sich nach dem in des weissen
Marmors Farbe durch das Grün leuchtenden Pavillon. Der Weg
war nicht weit; plötzlich stand er vor ihnen, der elegante Bau,
dessen edle Formen an die besten Vorbilder der alten Zeiten und
Griechenlands Blüthe erinnern. Sie stiegen die Freitreppe empor.
Auf dem Podest bewillkommnete sie der Repräsentant des Hauses.
Die helläugige Blondine trug dem Cavalier ihre Wünsche vor:
»Um Gottes Willen«, sagte sie, »ist es wahr?«
»Leider, ja«, erwiderte der Gefragte.
»Wo? Wo?« riefen sie Alle wie aus Einem Munde.
»Gestatten Sie«, beschwichtigte sie der Cavalier und führte
sie nach dem Depeschensaal. »Wenn ich bitten darf«, fuhr er
hier fort; »wollen Sie die Güte haben, von den eingegangenen
Telegrammen Kenntniss zu nehmen«. Er wies nach der einen
Wand, wo die Originaldepesehen zu lesen waren, die ausführlich
über das Ereigniss berichteten.
Alle staunten. »Unerhört!« machte sich endlich die Empörung
darüber Luft, »dass solche Frevelthat an solcher Stelle geschehen
konnte«.
»Gott sei Dank!« sagte mit einem frommen Blicke gen
Himmel eine ältere Dame, »die hohen Gefangenen sind frei«.
»Und billig weggekommen,« ergänzte ein Herr mit einem
ausgesprochen calculatorischen Zuge um die Mundwinkel. »Sechs
undfünfzig Lire ist kein Geld. Da hat der verflossene Athanas
seine Clienten ganz anders geschröpft.«
Die Neuigkeitslüsternen mehrten sich, so dass die Depeschcn-
halle sie nicht mehr sämmtlich zu fassen vermochte. Ein Summen
wie in einem Bienenkörbe entwickelte sich allmählich, ein Jeglicher
gab seiner Entrüstung wie seiner Freude Ausdruck. Zartfühlende,
von besonderer Weichheit des Empfindens Beseelte äusserten ihre
Besorgniss um die Herzogin, von der sie fürchteten, der
Schreck könne ihr schädlich geworden sein. Doch auch dieser
Kummer wurde ihnen benommen. Während sie noch ihrer
Befürchtung Worte verliehen, lief die Draht-Botschaft aus Meiningen
ein, dass die Gefangenen wohlauf seien und der Frau Herzogin die
Gefangenschaft nichts geschadet habe.
Man athmete auf und zerstreute sich in dem weiten Raum,
der den Depeschensaal umgiebt, um die Geheimnisse zu ergründen,
die hier vor Aller Augen eisenhart werden, nämlich die Herstellung;
einer Tageszeitung.
Plötzlich erhob sich ein Dröhnen, bald darauf ein sinnver
wirrendes Geräusch, wie das Geklapper von tausend Rädern. Die
grosse Rotations-Maschine trat in Function. Die Leistungen dieser
Maschine grenzen an's Wunderbare, darum wird sie auch vom
Publikum wie ein seltsames, geheimnissvolles, höheres Wesen be
trachtet und nur mit Mühe reisst es sich von dessen Anblick los.
Wenn die Rotations-Maschine im Gange ist, wird es in den
übrigen Räumen leer; ein jeglicher folgt der Attraction der
Maschine.
Nur Zwei hatten sich von ihrer magnetischen Kraft nicht beirren
lassen; die helle Blondine und der freundlich dreinschauende junge Mann.'
Sie sassen auf dem mattgrünen Plüsch-Sopha im Depeschensaal, den
Rücken dessen Eingänge zugewendet, und hielten sich umschlungen,
obwohl Elly sich dagegen wehrte. Aber Otto dankte ihr in so ans-,
richtigen Worten für ihren Muth, sich von den Ihren, getrennt*
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