Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs - Nachrichten
7
Die Ausstellung der Kgl. Porzellan-IVSanufactur.
i.
[Abdruck untersagt.]
Wir hatten bereits in Ko. 4 der »Officiellen Ausstellungs-
Nachricliten« auf die ausserordentliche Auswahl und die künst
lerische Vollendung der Arbeiten der Kgl. Porzellau-Manufactur
hingewiesen, soweit es überhaupt nach dem damals vorhandenen
Material und den Entwürfen zu den grossen Fliesenmalereien
möglich war, den Gesammteindruck uns zu vergegenwärtigen. Nun
mehr können wir die Ausstellungsgegenstände, welche wir im Haupt
gebäude rechts des Kuppelraumes in künstlerischer Gruppirung von
einer würdigen architektonischen Einfassung umschlossen vorfinden,
einer eingehenderen Besprechung würdigen.
Beim Betreten des Ausstellungsraumes bleibt zunächst das
Auge des Beschauers auf das von einem mächtigen, von vier ge
wundenen Bococosäulen getragenen Baldachin umrahmte Bildniss
des Kaisers in der Parade-Unitorm der Gardes du Corps haften.
Dieses Fliesengemälde, welches in einer Höhe von 5 m bei einer
Breite von ungefähr 3 m ausgeführt ist, zählt in Anbetracht dieser
riesigen Dimensionen zu den hervorragendsten Arbeiten dieser
Technik; als Portraitwerk lässt es aber Manches zu wünschen
übrig, auch ist die Haltung nicht gerade geschickt gewählt.
Daran Schliessen sich rechts und links jo zwei auf einige
der grössten Koryphäen der Kunst und Wissenschaft bezug
nehmende Gemälde decorativer Art an. Zur Linken finden
wir die nach plastischen Büsten gemalten Portraits von Andreas
Schlüter und Sebastian Bach vor, während man auf der anderen
Seite zweier hervorragender Geister der Philosophie und Wissen
schaft in derselben würdigen Weise gedacht hat, des grossen
Denkers Imanuel Kant und des rastlosen Forschers Hermann von
Helmholtz. Leicht bewegte Amoretten umflattern die Köpfe; den
unteren Abschluss dagegen bildet ein von Herrn Miethe gemaltes
herrliches Blumen-Arrangement.
Die Ecken rechts in links dieser Fliesengemälde sind durch
zwei Kabinetstücke der keramischen Kunst ausgefüllt: einen Kammin
mit Spiegelaufsatz, sowie einen Gonsolespiegel. Diese Arbeiten zählen
zu den technisch vollkommensten der Manufactur. Leider gelangen
sie nicht in dem mächtigen Ausstellungsraum zur vollen Geltung,
viele der Formen, die vielleicht im Salon einen vornehmen
Charakter aufweisen, erscheinen hier kleinlich und gedrückt.
Heberhaupt macht sich auf modernen Ausstellungen das Streben
nach decorativen Effecten zu sehr geltend, so dass die
eigentlichen Ausstellungs-Objecte unter der Wucht der sie um
gebenden Architektur und des oft herausfordernden decorativen Ge^
pränges fast verschwinden. Häufig muss man sich fragen, ob
die ausgestellten Gegenstände nur der decorativen Ausstattung
wegen, als deren Anhängsel sie mitunter erscheinen, da sind oder
umgekehrt. So auch im Fall der Porzellanmanufactur. Die
architektonische Einfassung dieser Abtheilung ist zwar vom
künstlerischen Standpunkt eine durchaus harmonische und dem
Charakter der Ausstellungsobjecte angepasst, aber etwas weniger
decorativer Aufwand würde diesen nicht zum Schaden gereichen
und deren künstlerische Schönheiten alsdann besser zur
Geltung gelangen lassen. Als zwei recht gelungene, flott modellirte,
decorative Arbeiten hebe ich die beiden, die rechte und linke Aus
gangsthür bekrönenden Figuren der Malerei und Plastik besonders
hervor. Weniger gefällig in der Haltung ist die über dem
Baldachin schwebende weibliche Figur.
Nun gelangen wir zu den allegorisch - mythologischen Dar
stellungen der seitlichen Fliesengemälde, welche die grössten in
dieser Technik ausgeführten Arbeiten sind. Ein jedes Gemälde
besteht aus 1568 einzelnen quadratischen Porzellanplatten, die Höhe
übersteigt 4 m, die Länge des Bildes beträgt 8,30 m. Als
Motiv hat Professor Kips, der Schöpfer dieser Arbeiten, die
befruchtende Kraft des Wassers und der Erde gewählt. Auf
dem Gemälde zur Linken sehen wir die schaumgeborene
Göttin in der Muschel sitzen, umgeben von zahlreichen verführerischen
Meernixen und phantastisch gestalteten Tritonen. Sehr reizvoll
sind auch die Schätze des Meeres, Muscheln, Krebse, Korallen und
andere pittoreske Wasserthiere und Pflanzen gemalt. Die Composition
des figurenreichen Bildes und die Massenvertheiluug ist eine in
hohem Grade künstlerische, auch ist die eiiuelue Figur lebenswahr
geschildert und entbehrt nicht einer grossen Formenschönheit. Dei
Gesichtsausdruck der reizvollen Meerweibchen und deren graziöse,
oft keck bewegte Haltung ist recht ansprechend; gern wird das
Auge des Beschauers auf diesen Gestalten des Reiches Neptuns weilen.
Dasselbe lässt sich auch von dem Pendantbilde sagen, dessen
Mittelpunkt ebenfalls ein üppiges Weib, einen kraftstrotzenden
Knaben umfassend, bildet. Auch die zahlreichen Figuren aus dem
Gefolge der Mutter Erde sind nicht minder reizvoll behandelt:
neckische Bacchantinnen und Nixen, weinselige Frauen geben sich
einer ungezügelten Lebensfreude in dieser üppig erblühten Natur
hin. In der Composition sowohl als in der Farbenstimmung erinnern
uns beide Arbeiten vielfach an Makart’s Schöpfungen, desser
Einfluss der Künstler oft willenlos verfolgt, ohne aber sein
Vorbild vollkommen zu erreichen. Es wäre daher auch für
decorative Kunst recht erwünscht und würde für diese von
grosser Tragweite sein, wenn der moderne Künstler mein
aus den Werken der Natur, als aus denen älterer Meister schöpfen
wollte. Wie ich bereits an anderer Stelle (vergleiche No. 4 dei
»Officiellen Ausstellungs-Nachrichten«) ausgeführt habe, war auch
ursprünglich ein uns näher liegendes Motiv zur Darstellung gewählt
worden, welches dem Künstler die Gelegenheit bot, moderne Idealgestalten
zu schaffen, denen wirbekanntlich recht selten in unserer Kunst begegnen
Weshalb man von diesem Plan abgekommen ist, ist mir nicht recht
ersichtlich. Gerade ein Institut von der Bedeutung und dem altbe
währten Ruf der Porzellan-Manufactur sollte auch nach dieser Rich
tung hin bahnbrechend wirken. Dies kann aber nur geschehen, wenn
man sich von dem alten mythologischen Vorwurf möglichst fern hält.
Wenn auch weniger umfangreich, so doch künstlerisch auf der
selben Höhe stehend, weise ich in Sonderheit noch auf die beider,
heroischen Landschaften von Jäkel hin. Die Auffassung ist eine
durchaus naturalistische, der Künstler schildert uns ein Stück der
ewig jungen Natur Griechenlands in schlichtem Vortrag. Ein jeder,
der den Süden kennt, wird nicht umhin können, die in den Ge
mälden ausgesprochene Naturwahrheit zu bewundern, die in er
freulichem Gegensatz zu der gespreizten Composition und unmög
lichen Farbenstimmung der heroischen Landschaftsmalerei der alten
Schule steht.
Zum Schluss seien noch die. in Blau ausgeführten kleineren
Fliesengemäldc nach Art der Delfter Meister erwähnt. In dei
Ecken, rechts und links des Haupteinganges, erregen zwei flott com-
ponirte und künstlerisch durchgeführte Blumenstücke von Emst
Heinicke unsere Aufmerksamkeit. Auf den beiden anderen übet
den seitlichen Eingangsthüren angebrachten Fliesenbildern dieser Art
sind Gruppen von Amoretten zur Darstellung gelangt. Auch diese
sind flott in der Zeichnung und Form und entbehren nicht des
Reizes der alten Delfter Meister.
Es ist eine erfreuliche Erscheinung, dass man sich der Fliesen
malerei von Seiten der Königs Porzellan-Manufactur mit grossei
Energie wieder zugewendet hat. Bedeutet doch diese Technik in
Anbetracht ihrer Dauerhaftigkeit ein monumentum aere perennius
für den Stand unserer künstlerischen und industriellen Höhe. Noch
nach Jahrtausenden, wenn sicherlich die meisten unserer Ocl-
gemälde dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind, werden die
Fliesenmalereien in ungeschwächter Leuchtkraft den spätesten
Generationen ein beredtes Zeuginss von unseren ästhetischen Be
dürfnissen ablegen. Zwar ist diese Technik unendlich mühselig,
aber die glänzenden Erfolge, welche man bisher erzielt hat, garan-
tiren der Fliesenmalerei eine noch grossere Zukunft, und die
Berliner Gewerbe-Ausstellung wird nicht unwesentlich dazu bei
tragen, die Aufmerksamkeit der Industriellen und des Publikum
auf diesen Zweig der decorativen Malerei zu lenken und ein
grösseres Interesse dafür zu erwecken. J. Gaulke.
Die Vorträge in der Ausstellung.
[Abdruck untersagt.]
Wie bereits mehrfach mitgetheilt, werden in der Ausstellung
allabendlich, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, öffentliche
Vorträge in dem besonders dafür eingerichteten Vortragssaale des
Chemie-Gebäudes gehalten werden. Das Verzeichniss dieser Vor
träge, das überraschend reichhaltig ist und die weitesten Kreise
interessiren dürfte, ist soeben fertig geworden und bringen wir
dasselbe nachstehend zum Abdruck:
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.