Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten,
fcraungebeizten, blendend weiss gedeckten Tiscbe erfreuen Auge und
Herz nicht nur von Liebhabern und Sammlern, sondern bieten allen
Besuchern Anregung. Reizende junge Holländerinnen, eine von
ßlund Marken, ein paar Zeelanderinnen und eine friesische Fischerin
in reicher Nationaltracht, mit Goldblechhauben, Flügelhauben und
bunten bekränzten seidenen Brusttüchern bedienen die Gäste
mit Thee, Cacao, Chocolade, holländischen Liqucuren etc. —
Die Einrichtung des freundlichen Lokals ist dieselbe, die
schon während der vorjährigen Amsterdamer Welt-Ausstellung
in Alt - Amsterdam Aufsehen erregt hat. Sehr cffectvoll
nehmen sich die blinkenden Messinglampen an den Wänden
und auf den Tischen aus. Holländer, Dänen, Schweden und Nor
weger halten sich mit Vorliebe hier auf, um ihre heimischen
Getränke zu gemessen, die Damenwelt Berlins nimmt Cacao, Thee
oder Chocolade, mitunter auch einen süssen Liqueur oder die in
grossen Glasgefassen hergestellten holländischen Hausgetränke, das
sind Frucht-Liqueure. Das Fischermädchen -mit den langen
schwarzen Ringellocken, die ein blasses Gesichtchcn einrahmen,
die blauäugige Zceländerin und die zarte blonde Friesin
sind Erscheinungen, die Malern dankbaren Stoff bieten dürften.
Für das hier befindliche Porzellan und die sonstigen Antiquitäten
waren schon viele Käufer da, ohne indess ein Resultat zu erzielen,
da die Trinkstube _ im nächsten Jahr in Leipzig in der sächsisch-
'thüringisehen Ausstellung eingerichtet werden soll.
V
Fliegende Händler in Kairo. Da sich das Leben des
Orientalen ebenso wie das der meisten Mittelmeervölker viel mehr
im Freien abspielt, als beispielsweise das des Nord-Europäers, so
ist auch die ganze Arbeit dieser Menschen geradezu auf die
•Strasse hinausgerückt. In früheren Zeiten, als Bürgerkriege und
' Volksaufstände noch an der Tagesordnung waren, hatte man
wenigstens die kostbaren Waaren in verschlossenen Gebäuden
oder Häuserfluchten untergebracht; eine derartige enge Strasse
oder Passage, in der Art wie etwa die Lindengalerie oder Passage
des Panoptieum, durch Thore versehliessbar, nannte man Bazar.
Heute hat nur noch der Chan Chalili eine derartige Einrichtung,
während die anderen grossen Bazarstrassen: Gamalieh, Nab Häsin,
Lukkarieh etc. einen vollkommenen freien und sorglosen Verkehr
aufweisen.
' Unter all den Händlern und Handwerkern, welche in Kairo
die Strassenränder besetzt halten und zur Buntheit des Bildes
ebensoviel beitragen wie die curiosen, farbigen Häuschen, fallen dem
Fremden zuerst diejenigen auf, welche ihren Standort wechseln,
also die »fliegenden Händler«. Diese Species von Kaufleuten
nimmt ja auch bei uns im Norden von Jahr zu Jähr immer mehr
und mehr zu. Obst, Bücher, Glaserkitt u. s. w. werden auf
Karren mitten in der Strasse von heftig schreienden und
gesticulirenden Händlern angepriesen, event, verkauft; aber
bei dem ungleich freieren Araber ist die Wanderung ebenso
üblich wie der feste Aufenthalt.
So wird beispielsweise das arabische Brod herumgefahren. In
grossen Säcken bringen es die Weiber mittels Esel nach dem be
lebten Stadttheil, krämen dort ihre Waare auf der Matte oder einem
aus Palmenfasern geflochtenen Tischchen aus. Im Berliner »Kairo«
ist diese Sorte nicht stark vertreten, denn das arabische Brod ist
ungesäuert, ähnlich dem Osterbrod der Israeliten, es hat auch die
gleiche Form, nur ist es etwas teigiger und weniger spröd: es
würde in Berlin schwerlich viele Liebhaber finden. Ebenso
sind die Wasserträger hier mehr der Originalität halber vertreten.
In Kairo selbst sind die Wasserträger wichtige Persönlichkeiten, denn
das Wasser ist dort ein rarer Artikel; die Weiber schöpfen es aus
dem schlammigen Nil und trägen cs stundenweit in Thongefässen auf
dem Kopf nach Hause; erst in dem Krug setzt sich der Schlamm
ein wenig. Die öffentlichen Wasserträger hingegen haben in
ihren grossen Gelassen bereits filtrirtes, süssliches Wasser; im Uebri-
gen ist in den meisten Strassen ein von reichen Bürgern gestifteter
ummauerter Brunnen. — Baumfrüchte, meist Datteln, Mandeln,
Orangen, welche während der Ernte in Kairo 15—20 Stück für
etwa 10 Pf. erhältlich sind, werden natürlich von unseren fliegenden
Händlern ebenfalls angepriesen.
Eine Sorte Baumfrüchte, welche die Form der Orange hat,
aber süsser schmecken, und im Berliner Kairo ganz besonders von
Damen bevorzugt werden, sind die »Jussuf Effendi«, nach dem
verdienstvollen Manne benannt, der sie aus Persien nach Egypten
verpflanzte.
Von Naturproducten, die gleichfalls von Wanderverkäufern,
meist weiblichen Geschlechtes, verkauft werden, sind noch die
Blumen zu nennen. Die orientalischen Blumenmädchen haben
mit ihren Berliner Colleginnen eines gemein — die Zudringlichkeit.
Von den Gebrauchsgegenständen werden Schuhe, Gewürze,
Essenzen, Juwelen, Waffen, Messingat beiten, Tücher und allerhand
Fähnchen, kurz Alles, was als Andenken an Kairo gelten kann,
von unseren fliegenden Händlern unter lautem Geschrei angeboten.
Von den Producten der geistigen Arbeit werden ebenso die
Zeitungen ausgerufen: »El Achram, El Mokalam, El Moijad!« tönt
es in Kairo von allen Ecken und Enden. Tont comme chez nous!
Die Fontaine lumineuse vor dem Haupt-Industrie
gebäude wird voraussichtlich am Abend des 20. Mai zum ersten
Male in Betrieb gesetzt werden. Diese Wasserkünste werden aus
einem mächtigen Mittelstrahl und 12 Seitenstrahlen bestehen, die
sich in der Mitte über dem Bassin treffen. Am Abend werden
die Strahlen abwechselnd in weissem, grünem und rothem Lichte
erglänzen und die. nächste Umgebung, die während dieser Zeit
vollständig dunkel bleiben soll, mit erleuchten. Die Fontaine, die
mittels einer patentirten Vorrichtung eine unterirdische Lichtquelle
besitzt, ist in ähnlicher Ausführung schon auf der Pariser Welt
ausstellung vorhanden gewesen, doch sprangen die er
leuchteten Wasserstrahlen nur zwei Meter hoch, während
sie hier die stattliche Höhe von 12 Metern er
reichen werden. Der Springbrunnen wird in allen seinen
Theilen von der Actien-Gesellschaft Schaffer & Walcker angefertigt
und ist bereits soweit vollendet, dass man hofft, das herrliche Schauspiel
an dem erwähnten Tage zum ersten Male vorführen zu können. —
An dem gleichen Tage dürften wohl auch die farbigen Wasserfälle,
die gleichfalls elektrisch beleuchtet werden, die Wasserkünste vor
dem Hauptindustrie-Gebäude vervollständigen.
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Die elektrische Beleuchtung rings um den grossen
See ist soweit fertig, dass sämmtliche Bogenlampen am Donnerstag
ihr blendendes Licht über die Wasserfläche und die Ufer-Alleen er-
giessen können.
V
Die erste festliche Illumination des Ausstellungs
parkes ist für den 15. Mai geplant.
b) In Berlin.
Die erste Ausstellungs-Sommersohwalbe ist am
Montag im Schiller-Theater eingetroffen -- der erste Fremde
nämlich, welcher eines der 25 000 Billets.benutzte, die das Stangen-
sche Reisebureau für die Vorstellungen dieser Bühne während der
Ausstellung kaufte.
V
Herr Hof-Theater-Regisseur Georg Droescher hat mit dem
1. Mai seine Stellung als Ober-Regisseur des Berliner Theaters
angetreten. Herr Droescher beginnt seine Regie-Thätigkeit mit der
Inscenirung von Schiller’s »Maria Stuart«, die mit Maria
Pospischil in der Titelrolle Freitag, den 8. Mai, im Berliner
Theater zum ersten Male aufgeführt wird.
S
Director Fritzsehe ist gestern von seiner Londoner Reise
zurückgekehrt; unter seiner Leitung wurde mit den Bühnenproben
zur Sullivan’schen Neuheit „Der Grossherzog“ begonnen.
Herrn Dr. D. in R. Ihr Artikel ist im Satz. Mit den anderen
von Ihnen angeregten Sachen sind wir einverstanden.
H. P. W. 30. Das Photogi-aphiren auf dem Ansstellungs-
gelände ist nur nach vorheriger Einholung der Erlaubniss bei dem
speciell eingesetzten Comite (Wandelhalle, vor der Rotunde der Post,
neben der Fest-Commission) gestattet.
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