Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
il
ressante Abbildungen von dein Arbeiten beim Fang u. s. w. aus
gestellt. Dieser Theil der Ausstellung gehört zu den Interessantesten.
Karstensen.
Prinzessin Friedrich Leopold in der Aus
stellung. Gestern, Dienstag, Vormittag kurz vor 11 Uhr be
ehrte Ihre Kgl. Hoheit die Prinzessin Friedrich Leopold die Aus
stellung mit ihrem Besuche. Die Prinzessin hatte den Wunsch
ausgesprochen, als Gemahlin des fürstlichen Proteetors die Damen
vom Ausschuss kennen zu lernen, und war zu diesem Zwecke be
sonders nach der Ausstellung gekommen. Im Lesezimmer wurden
ihr durch. Frau Exellenz v. Berlepsch die Damen Frau Geh.
Commercienrath Goldberger und Frau Baumeister Fetisch vor
gestellt. Sodann machte die Prinzessin, welche in Begleitung der
Frau Gräfin Königsdorff und des Kammerherrn v. Trotha er
schienen war, geführt von Herrn Geh. Commercienrath Goldberger
einen Kundgang durch das Haupt-Industriegebäude. Der erste Be
such galt der Halle für die Edelmetall - Industrie. Die mit kost
baren Schätzen der Gold- und Silberschmiedekunst gefüllten Schau
kästen der Hofjuweliere Gebrüder Friedländer wurden zuerst in
Augenschein genommen, wobei der Chef der Firma die nöthigen
Erklärungen gab. Auch der Ausstellung des Hofjuweliers Louis
Werner widmeten die Herrschaften eine längere Besichtigung. Dann
ging es nach dem Pavillon von Rudolph Hertzog, wo die kostbaren
Toiletten aufmerksam gemustert wurden. Am längsten verweilte der
hohe Gast in der Trachten-Ausstellung von Moritz Bacher, der persön
lich die Prinzessin von Gruppe zu Gruppe führte und die einzelnen
Costüme sachkundig erläuterte. Die Prinzessin konnte sich gar nicht
trennen von der interessanten Schaustellung und kehrte nach einer
kurzen Besichtigung des eleganten Aufbaues von Hermann Gerson
wieder zu den historischen Trachten zurück, um fast jede einzelne
Figur genau in Augenschein zu nehmen. Sie äusserte mehrmals
ihr Entzücken über die Gruppen und machte lachend einige
scherzhafte Bemerkungen zu ihrer Umgebung, die ebenso wie die
Prinzessin ihre Anerkennung über das Gesehene kundgab. Nach
einem Abstecher in die Halle für die Glas- und Porzellan-Industrie
wurde die Ausstellung für Kunststickerei besichtigt und dann
musterten die Herrschaften die Räume der Metallindustrie, wobei
besonders die Küchengegenstände die Aufmerksamkeit der Prinzessin
fesselten.
Aus dem Hauptindustriegebäude, an dessen Ausgang sich Herr
Geheimer Commercienrath Goldberger verabschiedete, begab
sich die Prinzessin mit ihrer Begleitung nach der Sport- und
Fischerei - Ausstellung. Als schneidiger Reiterin und Rad
fahrerin fielen ihr besonders die dort ausgestellten Gruppen
für Pferde- und Radsport auf. So verweilte sie längere
Zeit bei den Fahrrädern der Brennabor-'Werke und kritisirte die
verschiedenen Reitcostüme. Sie liess sich ein praktisches Necessaire
für Jagd- und Ruder-Ausflüge von der Firma B. Lincke erklären,
ebenso die Apparate und Utensilien für den Schneeschuhsport und
verliess das Gebäude, nachdem sie sich auch die Modelle der Fischer-
fahrzeuge und die Fischereigeräthe angesehen hatte.
Der nächste Besuch sollte der Gartenbauhalle gelten. Der
Weg führte an dem Pavillon des Herrn Hefter vorüber. Die Prinzessin
stieg hier rasch die Stufen bis zu dem Altane empor und ver
langte am Buffet ein paar Würstchen. Die Buffetdame war Anfangs ganz
überrascht, aber bald schwand ihre Befangenheit bei der berückenden
Liebenswürdigkeit der hohen Frau, die, nachdem sie ihren Appetit
gestillt, die Wurstfabrikation kennen lernen wollte. Sie ging von
Maschine zu Maschine und erfreute die Bediensteten durch das
Interesse, das sie für alle Einzelheiten an den Tag legte.
Beim Verlassen der Halle wurde ihr Herr Hefter junior vorgestellt.
Er bedauerte, die Fabrikation nicht im vollen Umfange vorführen
zu können, und erbat sich die Ehre eines späteren Besuches, den
die Prinzessin auch freundlichst zusagte. In der Gartenbau-
Ausstellung verweilte die Prinzessin fast an jedem Beete,
sie wünschte, Näheres über die Namen, die Cultur und
Zucht einzelner Pflanzen zu wissen, und lobte die verschiedenen
Anlagen. Der Vertreter der Baumschule L. Späth, Herr- Grünthal
machte den Führer und verstand es, die nöthigen sachkundigen
Erläuterungen zu ertheilen; so ging es durch die Baumschule, durch
die Gewächshäuser, durch die Halle für blühende Topfgewächse
und Bindereien und durch die Obst- und Samenhalle, wo die
Prinzessin von Herrn Gärtnereibesitzer Glotofski einen Blumenstrauss
annahm.
Der ganze Rundgang dauerte 1 1 / 2 Stunden. Die Prinzessin,
welche ein modefärbenes Changeantkleid aus Barege, ein eng an
schliessendes braunes Jaquet und eine Toque, mit erdbeerfarbenen
Blumen und Bändern garnirt, trug, war in bester Laune und
äusserst liebenswürdig zu ihrer Umgebung. An den Domsockeln
am Ausgange der nördlichen Wandelhalle empfahl sie sich von den
Damen des Ausschusses und fuhr mit ihrer Hofdame in den bereit
stehenden Wagen davon, ihr folgte Kammerherr von Trotha und
Frau Excellenz von Berlepsch.
S
Der Arbeits -Ausschuss macht darauf aufmerksam, dass
die Passagiere, welche mittels Dampfer nach. Treptow kommen, schön
an der Abfahrtstelle mit einem Ausstellungsbillet versehen sehr
müssen, da an den Landungsstellen Verkaufsstellen für Eintritts
karten nicht vorhanden sind und Passagiere ohne Billet zurück
gewiesen werden müssten. Die Besucher von »Kairo« müssen bis
7 Uhr Abends ausser dem Kairobillet auch ein Aüsstellungsbillet
lösen, welches sie dann berechtigt, die Ausstellung an demselben
Tage gegen ein vorher in »Kairo« kostenlos umzutauschendes Billet
zu besuchen. Nach 7 Uhr Abends ist die Ausstellung »Kairo«
ohne Ausstellungsbillet zu betreten. Zur Aufklärung des Publikum
weist der Arbeits-Ausschuss darauf hin, dass in den sogenannten
»Idealheften« Coupons für Kairo enthalten sind, welche aber nur
die Bedeutung haben, dass der Inhaber des Heftes an denjenigen
Tagen, an welchem in Kairo 1 Mk. Entree erhoben wird, nur
50 Pfennige zu zahlen braucht. Der Coupon gewährt also nicht
das Recht des freien Eintritts in Kairo, sondern es sind stets
50 Pfennige Entree zu zahlen
V
Das Fundbureau der Ausstellung befindet sich im
ersten Stock des Centralverwaltungs - Gebäudes in der Betriebs-
Inspection. Schon der Eröffnungstag hat eine Menge von Funden
gebracht, darunter eine goldene Damenuhr. Als am Eröffnungstag
verloren sind noch angemeldet: Ordenssterne, Goldschmucksachen,
Uhren u. s. w. Einzelne der als verloren gemeldeten Gegenstände
sind im Fundbureau schon wieder eingeliefert und den Verlierern
übermittelt worden.
V
In der Lesehalle. Die eleganten und behaglich einge
richteten Räume der Lesehalle bieten besonders jetzt bei der kühlen
Witterung einen angenehmen Aufenthalt der Ruhe und Erholung.
Besonders die Damenwelt weilt gern und lange unter den geistigen
Schätzen aller Völker des Erdballs. An den breiten, mit den
neuesten Extra-Ausgaben oder lPrachtwerken belegten Tischen
sitzen die flüchtigen Besucher, d e nur eingetreten sind, um mit
einem Blick die gesummte Einrichtung zu studiren. Wer sich in
die Leetüre einer Zeitung oder eines Buches vertiefen will, der
lässt sich auf einem der weichen Ledersessel nieder. Aber so sehr
ist Niemand mit seinem Lesestoff beschäftigt, dass er darum die
Vorgänge um sich herum gänzlich übersehen sollte. Die Zeitungs
facher sind zum grössten Theil besetzt; von europäischen Staaten
sind nur noch Spanien und Portugal, sowie Türkei und Griechen
land gänzlich unvertreten. Asien, Afrika und Australien haben ver
schiedene Organe zur Verfügung, gestellt, sogar eine auf Reis
papier gedruckte chinesische Zeitung. Zahlreiche Wörterbücher
der verschiedenen Sprachen, Adressbücher und Conversations*
Lexika liegen aus; die belletristische Literatur ist durch ver
schiedene neueste Erscheinungen des Büchermarktes vertreten.
Bei der Einrichtung der Lesehalle gingen die Arrangeure von dem
löblichen Grundsatz aus: »Wer vieles bringt, wird jedem etwas
bringen«. Und in der That findet jeder das, was er sucht Halbst
der Unglückliche, der nicht mit des Auges Sehkraft die geisöge'
Nahrung in sich aufnehmen kann, sondern sich dazu
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