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Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

io Officielie Ausstellungs-Nachrichten. 
Cajuten für Capitain und Steuermann. Der ganze mittlere Raum 
des Schiffes ist zellenartig eingetheilt, und zwar ist jede Zelle so breit, dass 
gerade ein Häringsfass, seiner Längsachse nach zur Fahrtrichtung ge 
lagert, darin Platz hat. Diese Zellen sind nicht einfache Abtheilungen, 
sondern haben wieder Unterzellen, jede so gross, dass einige Fässer darin 
Platz finden. Durch diese Einrichtung wird verhindert, dass die 
Fässer im Raum hin und herkollern, wodurch ein Schiff an Stabi 
lität, dem Haupterforderniss eines Fahrzeuges, verlieren würde. 
Ausserdem wird bei dieser Eintheilung die grösste Raumausnutzung, 
verbunden mit bequemster Lade- und Löschgelegenheit, gewonnen. 
Auf Deck finden wir — ausser vier Strassenlaternen, die bei 
nächtlicher Arbeit ihr Licht leuchten lassen — eine mit Dampf 
getriebene Winde, die zum Einholen des Ankers und 
des Netzes dient: es ist das ein sogenanntes Dampfspill oder 
Donkey. 
Nun kommen wir zu dem wichtigsten Ausrüstungsgegenstand 
des Loggers, der piece de resistance für den Verfertiger: zu dem 
Netz. Dass das wirklich etwas nicht ganz Unbedeutendes 
ist, wird dem Leser klar sein, wenn er erfährt, dass das Haupt- 
seil des Netzes über zwei Kilometer lang ist und gegen 1000 Pfund 
wiegt, während das Netz selbst einen Flächenraum von annähernd 
sechszehntausend Quadratmetern bedeckt. Das ganze Netz heisst ein 
»Fleet« und setzt sich zusammen aus vier oder fünf »Quarts«; 
diese wieder bestehen aus achtzehn kleineren Netzen, deren jedes 
hundertundacht Fuss lang und sechzig Fuss tief sind; ein Fleet 
hat also je nachdem vier oder fünf Quarts, genommen werden 
zweiundsiebzig bis neunzig Netze. Das Hauptstück, gewissermaassen 
das Gerüst des Netzes (des Fleets) ist das »Fleetreep«, eine dicke 
Trosse (Tau), das, wie gesagt, gegen 2000 Meter lang ist und 
etwa 500 Kilogramm wiegt, ferner gehören noch dazu eine Anzahl 
Schwimmbojen aus Holztonnen, brails genannt, und eine Signalboje, 
letztere wird während der Fahrt an den Pardunen angebracht. 
Die Anordnung des Fleets ist nun die folgende: Auf der Oberfläche 
der See schwimmen in Abständen von je 30 Fuss Schwimm 
bojen. Von jeder Boje hängt ein 36 Fuss langes Tau 
herunter; diese Taue, sogenannte Bojreeps, tragen das 
Fleetreep, das Haupttheil des Fleets. An dem Haupt- 
theil hängen dann, wieder an Tauen, die man »Zeisinge« nennt und 
die je 24 Fuss lang sind, erst die einzelnen Netze—die Netzwand. 
So liegt also das Netz 30 + 34 Fuss — etwa 18 Meter — 
unter der Oberfläche des Wassers und erstreckt sich von da aus 
noch 60 Fuss nach unten. 
Für jeden Logger sind zwei Netzfleete vorhanden, damit nach 
jeder Reise ein Umtausch der gebrauchten Fleets gegen eine trockene 
untadelhafte stattfinden kann; eine vollständige Netzfleet stellt einen 
Werth von etwa 10 000 Mark dar. 
Soll nun gefischt werden, so wird zunächst auf dem Ende 
der Fleetreep eine Schwimmboje mit dem Anfang der Netzwand 
befestigt. Hierauf werden die Netze an den Zeisingen etc. fest 
gemacht und nach und nach ausgelegt — »ausgeschooren« sagt 
der Fischer. 
Auf den ersten 4—5 Netzen kommt je auf der halben Netz 
länge eine Schwimmboje, dann kommt die sogenannte Kopfboje, 
eine Boje mit einer zwei bis drei Meter langen Stange, an der 
oben ein Stück Segeltuch oder Leder als Signalfahne befestigt, ist. 
Dies geschieht einestheils, damit andere Fischer und fremde Schiffe 
sehen, wo Netze liegen und sie vermeiden können, andererseits, 
damit der Fischer selbst sieht, wohin sein Fleet steht. 
Ist das ganze Fleet ausgeschooren, so wird der Logger mit 
dem Kopf an den Wind gedreht und treibt langsam mit dein Netz 
rückwärts. Das Einziehen erfolgt dann mittels der Dampfwinde 
— des Donkey. Die Trosse — das Fleetreep — wird am Vorder 
steven übergenommen und läuft zwischen Rollen in sein Lager 
zurück. Die einzelnen Netze werden vorne am Steven los gemacht 
und an der Mitte des Schiffes seitlings eingenommen. Die Häringe 
fallen beim Uebernahmen des Netzes in grosse Buchten, sogenannte 
Krippen, und werden dann sofort an Bord »gekaakt« oder »ge 
kehlt«, damit sie ausbluten, eingesalzen und in Fässer 
verpackt. Es ist das natürlich von äusserst vortheilhaftem Einfluss 
auf die Güte des Fisches. 
Der Häring wird in der Weise gefangen, dass er in die offenen 
Netze hineinschwimmt und darin hängen bleibt. Das Aussetzen der 
Netzfleet erfolgt Abends in der Regel zwischen 5 und 7 Uhr, da 
der Häring niemals bei Tage, sondern ausschliesslich während der 
Nacht gefangen wird. Man nimmt an, dass die Fische bei Tage 
die Netze bemerken und ihnen ausweichen. Beim Aussetzen ist 
besondere Sorgfalt notwendig, damit die Netze sich ungehindert frei 
entwickeln und gehörig »klaren«, indem sie bei unruhiger See 
leicht um Reepe und Tonnen geschlagen werden. Geht das Aus 
setzen gut von Statten, so sinken die Netze bald auf die richtige 
Stellung, durch Bleistücke, die man an der Untenkante der Netze be 
festigt, sucht man sie gestreckt zu halten. Die ausgesetzte Netzfleet 
steht demnach wie eine Wand im Wasser, deshalb heisst es auch 
in der holländischen Fischersprache »Het want Staat uit«. Gegen 
die ausstehende Netzwand Stössen nun die Häringszüge an, die 
Masse des gewaltigen Heeres drängt nach, Millionen drängen nach 
oben und gehen über die Sperrung hinweg, Millionen gehen 
unter der Netzwand hindurch, aber Tausende, die versuchten, 
oder gedrängt wurden, durch die Maschen der Netze hindurch 
zu schlüpfen, und mit dem spitzen Kopf weit genug hinein- 
gerathen sind, bleiben an den Kiemen hängen. Wenn 
solche Züge die Netze treffen, so kann es kommen, dass in einer 
Nacht 100 bis 120 Tonnen, das heisst 70- bis 80 000 Stück von 
einem Schiffe gefangen werden. Das Wiedereinnehmen des Netz 
fleets erfolgt Morgens zwischen 1 und 3 Uhr, je nach Umständen. 
Noch während des Einnehmens werden die Netze sammt 
Reepen (Tauen) und Schwimmbojen, sowie allem Betriebs 
zubehör an Ort und Stelle gebracht, und dann geht man an 
das Einsalzen, wobei die verschiedenen Sorten streng getrennt 
gehalten werden. 
Der von den Loggern abgelieferte Fang wird am Lande einer 
sorgfältigen Revision und Nachsortirung unterworfen. Jede Tonne 
wird geöffnet und neu aufgefüllt, da der Häring inzwischen bedeutend 
eingeschrumpft ist. Man unterscheidet folgende Häringssorten: 
Matjes-, Voll- und Ihlenhäring. Matjes ist der in die ge 
schlechtliche Entwicklung eintretende Häring, der bei Beginn 
der Saison in geringen Mengen gefangen und schwach ein 
gesalzen wird, weil er schnell abgesetzt zu werden pflegt. Der 
erste Vollhäring ist der geschlechtlich voll entwickelte Fisch, 
gross, fett und schmackhaft, er kommt in einer grösseren und in 
einer kleineren Sorte in den Handel. Der zweite Vollhäring ist 
weniger fett als der erste. Der Ihlenhäring hat Rogen und Milch 
abgegeben, ist rein von Geschmack, aber mager und trocken; Wrack 
häring wird der in beschädigten, undichten Tonnen befindliche 
Fisch genannt, der von den übrigen streng geschieden und zu 
ermässigten Preisen verkauft wird. 
Millionen und Abermillionen von Häringen werden jahraus 
jahrein in der Nordsee gefangen und stetig nimmt der Ertrag zu. 
Dem steht auch ein constant wachsender Consum entgegen. Einen 
besonderen Aufschwung, nahm die Häringsfischerei in Deutschland in 
den letzten zwei oder drei Jahren, und es ist in nationalökonomischer 
Hinsicht nur zu wünschen, dass dieser Aufschwung ein dauernder und 
wachsender sein möge. Deutschland consumirt gegenwärtig für etwa 
30—40 Millionen Mark Häringe, producirt, das heisst fängt selbst, 
nur für anderthalb Millionen Mark. Es gehen somit jährlich fast 
vierzig Millionen Mark ausser Landes für Bedürfnisse, die zu be 
friedigen Deutschland wohl im Stande wäre. Es mehren sich ja 
auch erfreulicherweise mehr und mehr die Zeichen, dass die deutsche 
Hochseefischerei sich in den Wettstreit mit den Fischereien 
anderer Länder, wie England, endlich aus der letzten Linie, in 
der es fast noch steht, herausarbeitet. Es haben sich grosse Ver 
einigungen gebildet, deren Zweck es ist, fördernd auf die Hochsee 
fischerei einzuwirken. Sie haben auch schon viel Erfreuliches in 
dieser Richtung geschaffen, indem sie theils Prämien aussetzten, 
theils für schnelle Beförderung der Fische in die Absatzgebiete 
mit Eisenbahn - Directionen in Verbindung traten. Während im 
Jahre 1872 Deutschland nur für 120 000 Mk. Häringe fing, ist 
diese Ziffer jetzt auf 1 450 000 Mk. gestiegen. 
Das Anwachsen der Fangergebnisse der deutschen Hochsee 
fischerei ist im Obergeschoss der Fischerei-Ausstellung in äusserst 
klarer Weise schematisch dargelegt, auch sind dort in origineller 
Weise durch Pyramiden und Fässer von verschiedener Grösse die 
Unterschiede der Fangergebnisse der verschiedenen Nationen gezeigt. 
In der grossen Halle sind neben grösseren und kleineren Modellen 
der verschiedenartigsten Häringsfisoherfabrzcuge auch vielfach inte-.
	        
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