Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

14 Officielte Ausstellung - Nachrichten.
, zu tragen. * Die- aus - Bambusrohrgeflochtene Gondel, etwa
s 5 V* Centner schwer, ist zum Unterschied von anderen Luftschiffen,
wo sie lose an Seilen herabhängt, mit Riemen und Schnüren fest
am Ballon angeschlossen. In der Mitte der Gondel ist ein vor*
hältnissmässig sehr kleiner Daimler’sciier Benzinmotor befestigt, der
trotz seiner winzigen Dimensionen und seiner geringen Schwere von nur
90 kg doch bis zu einer Leistung von drei Pferdekräften gebracht werden
kann. Der Motor hat die für die Lenkbarkeit des Ballons nothwendigen
Flügelschrauben in Bewegung zu setzen. Die Steuerschraube, vorn
durch eine Welle an der Gondel befestigt, ist 3 m lang und 3 m
hoch. Das Flügelrad unterhalb der Gondel dient zum Abwärts
fahren, während die zweiflügelige Schraube hinten am Tragkorb
len Ballon vorwärts treiben soll. Die Flügel sind mit sehr festem
^.einenstoff überzogen und zertheilen in ihrer schnellen Bewegung
die dem Ballon umgebenden Luftschichten. t
Herr Dr. Wölfert hat über das Problem der Lenkbarkeit
( des Ballons eine Reihe von Jahren studirt und das Studium durch
' praktische Versuche ergänzt. Jetzt glaubt er das Räthsel gelöst
, zu haben, weil ihm die Maschinenbaukunst durch Herstellung
* eines leichten und doch leistungsfähigen Motors zu Hilfe kam. Vor
läufig ist dem Luftschiffer polizeilich untersagt worden, das Publikum
an den Auffahrten tlieünehmen zu lassen.
D&S Kaiserschiff wurde'an den letzten.beiden Ta^en von
etwa je 1200 Personen besucht. Das Publikum zeigte für den
interessanten Bau das regste Interesse und liess sich denselben von
den Angestellten in allen seinen Einzelheiten erklären. An dem
Taucherbassin im Hintertheile des Schiffes, in welchem sich ein
Taucher in voller Taucherrüstung mit den dazugehörigen Maschinen
und Apparaten produciren soll, wird noch gearbeitet, ebenso ist man
noch mit der Fertigstellung einiger Salons beschäftigt, doch hofft
man in etwa zehn Tagen sämmtliche Räume dem Publikum zu
gänglich machen zu können.
V . :
Das grosse Costümfest der Kunst - Akademiker,
das bekanntlich am heutigen Tage abgehalten werden sollte, ist, wie
so manche andere in der Ausstellung geplante Veranstaltung, infolge
des ungünstigen Wetters in’s Wasser gefallen und vorläufig ver
schoben worden. Selbstredend konnten auch die für das Fest in
grossartigem Stile angelegten Decorationen und scenischen Vorbe
reitungen in Alt-Berlin und im Theater Alt-Berlin, auf dessen Bühne
ein Festspiel zur Aufführung gelangen sollte, bisher nicht ausgeführt
werden.
Die Marine-Schauspiele erregen eine so lebhafte Theil
nahme, dass eine etwas ausführlichere Schilderung der einzelnen
Exercitien, welche Sonntag und gestern - in Sondervorstellungen vor
geführt wurden, nicht ohne Interesse sein dürfte.. Es. wurden zum
ersten Male die Mihensprengungen erprobt, die dem Zuschauer die
furchtbare Gewalt der Explosionskörper, die man bei den See
schlachten und Angriffen auf Küstenforts verwendet, „en miniature“,
aber naturgetreu vor Augen führen. Die Sprengungen gingen ganz
vortrefflich von Statten. Die Rauchentwickelung war eine so starke,
dass die Dampfwolken sich bis zu 40 Meter über dem Wasser
spiegel erhoben und das gegen das Küstenfort operirende Geschwader
völlig im Rauche verschwand. Damit war das Bild eines Festungs
angriffes zum denkbar Vollkommenen geworden. Demnächst
beginnt die Vorführung der Torpedosprengungen und des Scharf-
scheibenschiesseus, die mit allen Mitteln der' militairischen Technik
vorbereitet, den Aufführungen in den Marine-Schauspielen einen
neuen Reiz verleihen werden. Dem Publikum sei es übrigens
gesagt, dass das Nebelhorn, welches seine klagenden Töne weithin
über die Ausstellung erschallen lässt, in diesem Falle eitel Freude
bedeutet, nämlich, dass jedesmal eine halbe Stunde später die
nächste Vorstellung eines Seemanövers mit Angriffs- und Belagerungs
operationen beginnt.
Die Vergnügungsfahrten ans den Motorbooten,
die dem Neuen See einen weiteren Reiz verleihen werden, sollen
morgen beginnen. Am Montag wurde das erste dieser Fahrzeuge
mit grosser Mühe durch den schmalen Kanal bugsirt, der von
Treptow hinauf dorthin führt. Von nun an werden die venezianischen
Gondeln und die Motorboote um die Gunst der Freunde von Wasser-
partieen im Ausstellungsgebiete wetteifern, Wer gewinnt, ist immer
das Publikum.
b) In Berlin.
Das Königliche Schauspielhaus brachte Sonntag eine
alte Neuheit, Scribe’s vieraktige Komödie »Minister und Seidenhändler«.
In der neuen Fassung hiess der alte Scribe »Ein Staats
streich«. Axel Delmar hatte ihn frisch gestrichen und neu
angestrichen; er wird ,mit diesem Streich keinen Staat machen
können. Ein »Staatsstreich« ist ein Intriguen-Lustspiel im Genre von
»Ein Glas Wasser«, allein die Zeit für diese Art von Stücken
ist Gott, sei Dank vorüber, das Publikum .will heute auf der Buhne
nicht combinirte, • sondern wirkliche Menschen, nicht aus
Rechenexempeln, sondern aus der Handlung und den Charakteren
logisch hergeleitete Situationen sehen.Trotzdem .es sich
im Staatsstreich um das Wohl und Wehe eines ganzen
Reiches ‘ und Königshauses handelte, war es dem Publikum
vollständig gleichgilt’ig, auf welche schlaue Art der ehrenwerthe
Minister Graf Rantzau die Staat.sintriguo einfädelte, durch
welche Dänemark und sein König von - dem Druck des
allmächtigen, die Königin beeinflussenden Struensee D . befreit
werden könnte;- 1 Axel Öelmar’s 'Bearbeitung ist * geschickt
und bühnensicher; die Aufführung, in deren Mittelpunkt
Anna Schramm, Bertha Hausner, sowie, Grube- und Vollmer standen,;
!vortrefflich, allein' ifn Königlichen 'Schäuspiefhäuse dürfte der Staats- 1
streich höchstens noch zwei Abende währen, von denen der eine
für den Minister, der andere für den Seidenhändler bestimmt ist.
Delmar, der ja schon manchen Bühnenerfolg aufzuweisen hat, sollte
lieber Neues, Selbstständiges weiter schaffen und das' Vergangene
vergangen sein lassen. A. H—cfi.
9
Johann Sirauss wird heute Berlin wieder verlassen, .um
zunächst nach Wien und sodann nach seinem" Tüseulum in Ischl
zurückzukehren, wo der Meister wahrscheinlich wieder eine neue
Operette in sommerlicher Zurückgezogenheit componiren wird. Die
Schaffensfreudigkeit und Arbeitsfrische des Componisten ist durch
den grossen Erfolg, den sein »Waldmeister« in Berlin gefunden
hat, wieder neu angeregt worden. Bei «ler zweiten Aufführung
des Werkes ist der seltene Fall eingetreten, dass durch c immer
erneute stürmische Zurufe und Beifallskundgebungen des Publikums
die- Sänger genöthigt waren, das ganze Wälzerfinale des zweiten
Aktes zu wiederholen. An der Kasse' waren übrigens' schon in
den Nachmittagsstunden fast alle Plätze vergriffen, so dass die
Abendkasse zehn Minuten nach . der Eröffnung wieder geschlossen
werden musste. ' . - . ■
V - >
Im Neuen Theater feierte das im vorigen Sommer ''an
dieser Stätte über 100 Mal aufgeführte Vaudeville: »Tata«
Toto« von Antoine Barres seine fröhliche Auferstehung. Der
Erfolg war auch diesmal wieder ein durchschlagender, und nicht
wenig trug zu demselben die Trägerin der Hauptrolle Frl. Leona
Bergere bei, die sich schon im vorigen Jahre als treffliche Sängerin
und Schauspielerin bewährt hatte. Ganz ausgezeichnet war auch
Frl. Pepi Weiss als Cesarine, ausserordentlich charakteristisch Hans
Pagey als Blanchard, während der Barytonist Herr Tarno (Gaston)
mehr durch seine prächtigen Stimmmittel als durch die schau
spielerische Ausgestaltung seines Parts brillirte. Mit Glück ver
suchte sich Herr Georg mit dem Cabestan als singender Lieb
haber. Alles in Allem eine Aufführung, die ihre Zugkraft nicht
verfehlen wird.
G. M., Danzig. In Berlin giebt cs nach Einstellung von etwa
4000 neuen nunmehr insgesammt zwischen 11- und 12000 Droschken.
Die Vermehrung war im Interesse der Bewältigung des Verkehrs ge
boten.
Za. W. Wir bedauern sehr, aber für Gedichte haben wir absolut
keine Verwendung. Die übrigens Beiträge senden Sie uns wohl ge
legentlich ein.
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