Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

14 Officieile Ausstellungs-Nachrichten.
Als Abonnenten Ihrer Ausstellungs-Nachrichten erlauben
wir uns an Sie die ergebene Anfrage zu richten, ob Sie auch
die Adressen der Aussteller bringen, ob sie in Ihrer Zeitung
gebracht werden, oder ob sie im Katalog zusammengefaßt werden,
und wo sie käuflich sind.
Die Liste der Aussteller veröffentlichen >v i r nicht. Dieselbe
erscheint in correcter und authentischer Form erst kurz vor Eröffnung der
Ausstellung. Da noch in einzelnen Gruppen Anmeldungen angenommen
werden, ist die Liste noch gar nicht abgeschlossen. Die Redaction.
.... Es muß doch den Ausstellern der Zutritt zur Ausstellung
schon setzt gestattet werden, da doch jeder von uns sehen will, wo
sein Platz ist und wie er auf diesem seine Sachen arrangircu
muß. Es haben mir einzelne meiner College» mitgetheilt, daß
ihnen gegen Vorweisung des Schreibens vom Grnppcnvorstande,
das ihre Anmeldung bestätigt, Zutritt gewährt wurde. Ich bin
voit dem Portier zurückgewiesen worden, obgleich ich auch mein
Schreiben vorzeigte. ...
Der Zutritt zu den Bauplätzen in Treptow ist nur gegen Vorzeigung
einer Passirkarte gestattet. Solche Passirkarten stellt der Arbeits-
Ausschuß den Ausstellern auf Antrag ohne Weiteres aus.
Die Redaction.
Tie Reelame im Dienste der Ausstellung.
Von Alfred Holz bock.
Eine so vom modernen Geiste durchzogene -Interuchmuug, lute
die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, rechnet natürlich
mit der Bedeutung und dem Einfluß - der Herrscherin Reclamc.
Die Männer, die für das Gedeihen und den Ruhm der Aus
stellung arbeite», haben den Nutzen und die Macht der Reelame
vollständig anerkannt, sie haben ihr sogar in beit Ausstelluugs-
Bnrcaux ein eigenes Heim eingeräumt, von dem ans sie ihr
tausendfachen Widerhall findendes Wort nach allen Theilen der
Welt hin verkündet.
Es erscheint geradezu bcwundernswerth, was Alles erdacht
und herangezogen wurde, um das Augenmerk der Welt auf die
Ausstellung hinzulenken. Die viclverzwciglc Thätigkeit und einheit
liche Organisation dieses Theiles der Propaganda steht auf der
Höhe der viel citirtcn amerikanischen Reclamc. Dabei wird Alles
mit einer gewissen äußeren Vornehmheit gehandhabt, die sich
schon ili der geschmackvollen Ausstattung kundgiebt, die all' die
Tausende und aber Tausende von Aufforderungen, Prospekten und
Placatcn auszeichnet.
In erster Reihe wurde natürlich darauf Bedacht genommen,
die öffentlichen Verkehrsmittel für die Reclamc-Propaganda aus
zunutzen. Da die Kgl. preußischen, die außcrprenßischen und
thcilweise auch die ausländischen, namentlich die österreichischen,
belgischen, holländischen und schweizerischen Eisenbahn - Verwal
tungen bereitwilliges Entgegenkommen zeigten, so konnte Suttcrlin's
preisgekröntes Ausstellung« Placat an Tausenden von Stationen
des In- und Auslandes angebracht werden und seine schwielige,
sehnige Faust energisch zur Berliner Gewerbe -Ausstellung 1896
einladen. Das Placat hat zu mancherlei Diskussionen Anlaß
gegeben, darum sei hier die Deutung mitgetheilt, die der Arbeits-
Ausschuß in seinen -an die Behörden gerichteten Zusendungen deut
Snttcrlin'schcn Bilde gegeben hat: „Das Placat ist von der
Jury mit deut ersten Preise gekrönt worden. Es zeigt einest
Unterarm, der sich durch die aufgewühlten Schollen des mär
kischen Sandes heraufgearbeitet hat: die sehnige Faust trügt den
Hammer. Es ist das mit elementarer Gewalt aus der Erde sich
heraushebende Symbol des kräftigen Gewcrbcstandes. Als Farbeu-
grnnd spannt sich ein blauer Himmel; am Horizont werden Reichs-
tagsgebäiide, Siegessäule und Rathhaus der Stadt Berlin
sichtbar." In den einzelnen Wagcnabthciluugcn, in den durch
gehenden und den Speisewagen, ja sogar in den Schlafwagen der
Internationalen Schlaswagen-Gesellschaft hängen viersprachige Pla-
cat-Tüfclchcu, oder liegen kleine, elegante Broschüren aus, die in
deutscher, englischer- und französischer Sprache den Prospcct und
die Gruppcnciutheilung der Ausstellung enthalten und auch auf
fast allen deutschen Bahnhöfen gratis, zur Vcrtheilung gelangen.
Während die Eisenbahn-Behörden nach Möglichkeit bemüht waren,
die Propaganda für das. große, gemeinnützige Unternehmen zu
fördern, »ahnt die oberste Pvstbehördc bedauerlicherweise eine rc-
scxvirte Haltung ein und gestattete wicht, das Placat in den Post-
nustalten auszuhängen. Der Beschluß der Postbchördc, die jeden
falls aus principiellen Gründen handelte, ist um so befremdlicher,
als gerade die Einnahmequelle der deutschen Post und Telegraphie
durch, die Ausstellung eine wesentliche Bereicherung erfährt. Neben
den Eisenbahnen sind die Verkehrsmittel zu Wasser, die Pfcrdc-
bahncn, die großen Hotels und Restaurants, namentlich in den
Fremdenstädten und Kurorten, in kluger Weise für die Propaganda
benutzt worden. Man besaß die Vornehmheit, die französischen
Eisenbahn-Verwaltungen nicht trat Unterstützung anzugehen: aber
man besaß auch die Klugheit, an der französischen Riviera, dem
Sammelpunkt der wohlhabenden Vertreter aller Nationen, in ganz
besonders hervorragender Weise aus die Ausstellung hinzuweisen.
Wesentliche Förderer des Unternehmens sind die Magistrate, die
in den Rathhäuscril und allen öffentlichen Bureaux die Placatc,
Placatbildcr und vortrefflich ausgeführte Pcrspcctivbilder anbringen
ließen. Eine rasche Beliebtheit erwarb sich die Ausstclluugs-
Briefmarkc, von der die Berliner Packctfahrt bereits gegen fünf
Millionen Stück Vertrieben hat. Die Vertreter der Propaganda
beschränkten ihren Blick und ihre Wirksamkeit nicht auf die Be
hörden, auf die öffentlichen Verkehrsmittel und Stätteit, sie
beachteten und verwertheten Alles, was der Sache förderlich sein
könnte. In den großen Geschäftspalästen und in den bescheidenen
Kaufladen erinnern die Placate immer und immer wieder an die
Ausstellung; der Reisende, der das deutsche oder österreichische
NeichScursbuch (Couducteur) zur Hand nimmt, der in Hendschel's
oder König'S CnrSbüchern blättert, sieht das Placatbild der
Berliner Gcwerbc-AuSstellung 1896 vor sich. In England, das
eine eigene Organisation auch für die Reclame Propaganda be
sitzt. sind nicht weuiger als zehn Cnrsbüchcr mit diesen Bildern
geschmückt. — An den Anschlagsäulen der großen Städte prangt
bereits die den Hammer haltende Faust, welche während der
Badezeit sich natürlich auch in allen Bädern emporrecken wird. —-
Ja selbst ans der Bühne des Königlichen Schauspielhauses bildet
das Faustplacnt ein Decorationsrequisit, das im dritten Akt von
Skowronuek'S neuem Lustspiel „Die kranke Zeit" als ein Schmuck
stück an der Wand einer vstpreußischen Dorfschäuke hängt. Unsere
Botschaften und Consulate im Auslande helfeit redlich mit,
um durch Verbreitung von Drucksachen und Prospekten das
Interesse und das Verständniß für die Berliner Ausstellung
anzufachxn.
Uebcrall hin hat die Reclamc die Maschen ihres Netzes
ausgebreitet, in allen Welttheilcn die Aufmerksamkeit und Spannnug
auf das gewaltige Uuternehmcit hingelenkt. Und wenn das
Ausland zu uns kommt, um die Erzeugnisse deutscher Arbeit,
deutscher Intelligenz kennen zu lernen, daun wird es hoffentlich
zu der Ueberzeugnüg. gelangen, daß die Bedeutung und Größe
der Ausstellung die ausgebrcitctste Propaganda erheischte und
verdiente.
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