Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Aussteliungs - Nachrichten.
13
Besitze des beispiellosen Zugstückes „Eine tolle Nacht",
dessen Kaffcnerfolg noch jetzt •— knapp vor der 150. Auf
führung ■— nicht im Mindesten nachgelassen hat, wohl mit
ziemlicher Sicherheit auch ans einen Anostellnugserfolg rechnen
könnte, ziehe ich cs doch vor, mich abwartend zu Verhalten.
Ich unternehme mit der „tollen Nacht" nach Schluß der
Saison vorerst eine kurze Gastspiel-Reise, um dann nach
wenigen Wochen — falls sich die Situation der Berliner
Buhnen als eine günstige erwiesen hat — das Central-Theater
in der Hoch-Saison der Ausstellung mit „Eine tolle Nacht"
wieder zu eröffnen."
Herr Dr. Loewenfeld, der Direetor des Schiller-Theater,
meint in Versen, aber kurz:
„Ich bitte Sie, Herr Redacteur,
WaS stellen Sic für Fragen,
Ob wohl derAnsstellungsverkehp
Den Bühnen wird behagen,
Ob sich »ickosüeurs los directeurs«
Darüber wohl beklagen.
Ja, wenn heut' schon Oktober war' —
Dann könnt' ich's Ihnen sagen."
Ans den Antworten, die das Motto tragen könnten: „Es
kann regnen, cs kann schnei n, cs kann aber auch schönes Wetter-
sein", spricht neben Zweifeln nnd Hoffen auch eine vertrauensvolle
Zuversicht. Erhoffen wir mit unseren Bühnenleitern das Beste
auch für die Berliner Theater, deren Schicksal während der
Sommermonate ein von der Ausstellung nicht ganz unabhängiges
sein dürfte. Wir wollen ein treues Bild nicht allein der Aus
stellung, sondern auch der Ausstcllnngszeit geben, darum
werden wir jede frische Regung in unseren Theatern
mit Freuden begrüßen nnd commcntircn. Den Theatern
in Berlin fällt durch das dem Handel und der In
dustrie geweihte Unternehmen eine bedeutende Aufgabe zu, denn
sie sind berufen, ein großes Stück deutscher Kunst zu repräsen-
tircn, den Vertretern der ganzen Welt zu zeigen, welch' hohe
Stellung die deutsche Schauspielkunst cinninunt. Man braucht
kein Prophet zu sein nnd kann doch vorher sagen, daß der ge
schäftliche Charakter durchaus von dem künstlerischen abhängen
wird, daß die Bühnen, welche das Beste leisten, auch den Segen
der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 dankbar empfinden werden.
In der letzten vertraulichen Sitzung der Festcommission,
die unter Vorsitz des Herrn Geh. Commcrcienrath Goldberger
stattfand, berichtet der Herr Vorsitzende, daß der geschäfts-
führende Ausschuß die in der vorigen Sitzung gefaßten Vc-
fchlüssc betr. Engagement von Kapellen genehmigt habe, nnd
daß zunächst der Vertrag mit Herrn Kapellmeister Baumann
abgeschlossen sei. Hinsichtlich des zweiten Orchesters tvird
berichtet, daß vom 1. Juni bis 1. Juli Böttge (Karlsruher
Militairkapcllc), vom 1. bis 15. Juli Rothe (Wilhelms-
havener Matrosen-Division), vom 15. Jnli bis 15. Anglist Stock
(Sächsische Gardcreitcr) verpflichtet tvären nnd die betreffenden
Verträge demnächst abzuschließen seien. Für die Zeit vom 1. Mai
bis 1. Juni nitd 15. August bis 1. Oktober wird nach lüngercr
1 Tcussio», an der sich fast sämmtliche Mitglieder der Commission
berheiligten, beschlossen, Militairkapcllcn möglichst von Berlin und
Umgebung zu cngagircn. — Fernerhin erstattet Herr
Demuth Bericht über die Offerten, die betreffs großartiger
Feuerwerke von verschiedenen Firmen gcinacht sind. Eine Firma
in Rom, deren Vertreter Herr Alfred Rnhcmann zur Zeit in
Berlin weilt, will vier Feuerwerke in allergroßartigstem Maßstabe
veranstalten; der Preis eines jeden ivürde 20 000 Mk. betragen.
Auch alis London, Stuttgart und Berlin liegen Offerten wegen
Feuerwerke vor. In der Commission war man einstimmig der
Aiisicht, daß es sehr angebracht sei, etwas Hervorragendes an
festlichen Veranstaltungen zu bieten, daß man aber ans voll
ständigem Platzmangel von dem Arrangement derartiger Ricscn-
fcuerwerke absehen müsse. Es wurde demgemäß beschlossen, die
vorliegenden Offerten abzulehnen nnd später in Berathung tvegcir
anderer Festlichkeiten nnd Veranstaltungen zu treten. Herr
Demuth wurde bcanftragt, mit Herrn Rnhcmann nochmals zu
verhandeln, ob sich vielleicht eine kleinere Veranstaltung er
möglichen ließe, zu welcher der Platz ausreichend sei.
»
Ii. Eine der eigenartigsten, unterhaltendsten und zugleich lehr
reichsten Veranstaltungen dürften die Marine-Schauspiele
sein. Ein Ausschnitt aus dem Marinelebcn, ein Stück Seekrieg
im Frieden soll durch diese Schauspiele charakterisirt werden,
lieber die Art und Weise, wie das lustige und das Miste
Treiben zu Wasser den Landratten anschaulich gemacht werden
soll, erhalten wir folgende Mittheilungen:
Die Marine-Schauspiele werden in erster Reihe die Manöver
nnd Gefechte der Kaiserl. Deutschen Marine vorführen. Diese
Vorführungen erfolgen durch Kriegsschiffe im Maßstab. 1:25,
welche im Acußern genau den Originalkriegsschiffen nachgebildet
sind, tvährcnd im Innern die Vorrichtungen zum elektrischen Be
triebe, für die Geschütze, Flaggensignale n. s. w. angebracht sind.
Alle diese Einrichtungen werden von einein Manne bedient uiid
ist derselbe von außen nicht sichtbar. Sämmtliche Manöver
werden nach Flaggen oder sonstigen Signalen der Flaggschiffe cxecutirt,
nnd zwar in einer durchaus klaren, auch dem Laien verständlichen
Form. Die Manöver werden auf einem besonders für dieseZwecke aus-
gehobenen See ausgeführt, welcher im Hintergründe durch mehrere
Forts begrenzt wird. Ans den zwei Längsseiten deS Sees sind
Stehplätze für ca. 6000—7000 Personen hergestellt, ivährcnd
die vierte Seite von Tribünen für ca. 3-—4000 Personen be
grenzt wird. An diese Tribünen legt sich nach außen zu ein
stolzes, 100 Nieter langes Schiff an, das genau der Kaiserl.
Nacht Hohenzollcrn nachgebildet ist. Die Räume dieses Schiffes
werden als Restaurant I. Ranges eingerichtet. Außerdem ist da
selbst noch ein Pavillon nebst Entreezimmer für das Kaiserpaar
und den Hofstaat vorgesehen. Eine der besten Militairkapcllcn
Deutschlands, die Kapelle der l I. Matrosen-Division ans Wil
helmshaven, unter Leitung des Kaiserl. Musikdirigentcn Herrn
Woehlbicr, wird die musikalische Begleiterin der vielversprechenden
Marine-Schauspiele sein.
Im Theater der Ausstellung ist man bereits mit
der Jnstallirung des Bühnenapparats beschäftigt. Zwölf nette
Dceorationcn, die zumeist die ganze, 25 Meter betragende Tiefe
der Bühne in Anspruch nehmen, werden binnen Kurzem auf
gestellt sein. Zunächst jene beinahe nrwaldlichc Stätte, ans der
sich die Schildhornsage abspielt: das Havelbecken mit all' seinem
landschaftlichen Reiz. Jir das Berlin des XV. Jahrhunderts führt
uns die zweite Dccoration. Wir sehen die damals eben neu
aufgeblühte Stadt — den Mvtkenmarkt mit dem Roland —
in Fl.'mmcn aufgehen. Nur der Thurm der Nikolai-
Kirche, das Hans des Bürgermeisters und der steinerne Roland
blieben verschont. Eine Halle im alten kurfürstlichen Schlosse zu
Kölln, da gelegen, wo jetzt noch der „grüne Hut" in die Spree
schaut, ist der Schauplatz des dritten Bildes. Das vierte zeigt
dasselbe Schloß, von der „Breiten Straße" aus gesehen, nnd zwar
an jenem Tage, da Johann Georg zur Feier der Taufe seines
Erstgeborenen ein „Groß-Ringelstcchen" auf der „Stechbahn"
veranstaltete. Das Rathhans mit der alten Gerichtslanbe in der
Zeit des Großen Kurfürsten steht im Mittelpunkte der nun fol
genden Scenerie, die besonders durch Aufzüge der Zünfte nnd
Gewerke belebt werden soll. Im sechsten Bilde befinden wir
uns bei dem patriotischen Kaufmann Gotzkowski, dessen
mannhaftem Eintreten es zn danken war, daß damals
die Russen Berlin verschonten. Friedrichs II. Feldlager
bei Meißen folgt als siebente Dccoration. Wir
werden tveitcr den alten Domplatz sehen an jenem Tage, da
General Uork den Landsturm gegen die Franzosen wachrief; so
dann das Brandenburger Thor an dem Morgen, als Blücher die
von den Franzose» entführte Siegesgöttin wieder heimgebracht
hatte; tveitcr den O-rnplatz mi: dem Palais Kaiser Wilhelms
des Großen am Tage des Siegesheimzngcs von 1871; darnach
ein Spree- Restaurant in Stralau lind zum Schlüsse das Bild der
Ausstellung selbst. Es ist vielleicht nicht uninteressant, zn er
fahre», daß für diese Decorationcn insgesammt cttvas über
60 000 Mark verausgabt wurden.
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