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Volume Nr. 2, 8. Februar 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielle Aussteliungs - Nachrichten. 
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Besitze des beispiellosen Zugstückes „Eine tolle Nacht", 
dessen Kaffcnerfolg noch jetzt •— knapp vor der 150. Auf 
führung ■— nicht im Mindesten nachgelassen hat, wohl mit 
ziemlicher Sicherheit auch ans einen Anostellnugserfolg rechnen 
könnte, ziehe ich cs doch vor, mich abwartend zu Verhalten. 
Ich unternehme mit der „tollen Nacht" nach Schluß der 
Saison vorerst eine kurze Gastspiel-Reise, um dann nach 
wenigen Wochen — falls sich die Situation der Berliner 
Buhnen als eine günstige erwiesen hat — das Central-Theater 
in der Hoch-Saison der Ausstellung mit „Eine tolle Nacht" 
wieder zu eröffnen." 
Herr Dr. Loewenfeld, der Direetor des Schiller-Theater, 
meint in Versen, aber kurz: 
„Ich bitte Sie, Herr Redacteur, 
WaS stellen Sic für Fragen, 
Ob wohl derAnsstellungsverkehp 
Den Bühnen wird behagen, 
Ob sich »ickosüeurs los directeurs« 
Darüber wohl beklagen. 
Ja, wenn heut' schon Oktober war' — 
Dann könnt' ich's Ihnen sagen." 
Ans den Antworten, die das Motto tragen könnten: „Es 
kann regnen, cs kann schnei n, cs kann aber auch schönes Wetter- 
sein", spricht neben Zweifeln nnd Hoffen auch eine vertrauensvolle 
Zuversicht. Erhoffen wir mit unseren Bühnenleitern das Beste 
auch für die Berliner Theater, deren Schicksal während der 
Sommermonate ein von der Ausstellung nicht ganz unabhängiges 
sein dürfte. Wir wollen ein treues Bild nicht allein der Aus 
stellung, sondern auch der Ausstcllnngszeit geben, darum 
werden wir jede frische Regung in unseren Theatern 
mit Freuden begrüßen nnd commcntircn. Den Theatern 
in Berlin fällt durch das dem Handel und der In 
dustrie geweihte Unternehmen eine bedeutende Aufgabe zu, denn 
sie sind berufen, ein großes Stück deutscher Kunst zu repräsen- 
tircn, den Vertretern der ganzen Welt zu zeigen, welch' hohe 
Stellung die deutsche Schauspielkunst cinninunt. Man braucht 
kein Prophet zu sein nnd kann doch vorher sagen, daß der ge 
schäftliche Charakter durchaus von dem künstlerischen abhängen 
wird, daß die Bühnen, welche das Beste leisten, auch den Segen 
der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 dankbar empfinden werden. 
In der letzten vertraulichen Sitzung der Festcommission, 
die unter Vorsitz des Herrn Geh. Commcrcienrath Goldberger 
stattfand, berichtet der Herr Vorsitzende, daß der geschäfts- 
führende Ausschuß die in der vorigen Sitzung gefaßten Vc- 
fchlüssc betr. Engagement von Kapellen genehmigt habe, nnd 
daß zunächst der Vertrag mit Herrn Kapellmeister Baumann 
abgeschlossen sei. Hinsichtlich des zweiten Orchesters tvird 
berichtet, daß vom 1. Juni bis 1. Juli Böttge (Karlsruher 
Militairkapcllc), vom 1. bis 15. Juli Rothe (Wilhelms- 
havener Matrosen-Division), vom 15. Jnli bis 15. Anglist Stock 
(Sächsische Gardcreitcr) verpflichtet tvären nnd die betreffenden 
Verträge demnächst abzuschließen seien. Für die Zeit vom 1. Mai 
bis 1. Juni nitd 15. August bis 1. Oktober wird nach lüngercr 
1 Tcussio», an der sich fast sämmtliche Mitglieder der Commission 
berheiligten, beschlossen, Militairkapcllcn möglichst von Berlin und 
Umgebung zu cngagircn. — Fernerhin erstattet Herr 
Demuth Bericht über die Offerten, die betreffs großartiger 
Feuerwerke von verschiedenen Firmen gcinacht sind. Eine Firma 
in Rom, deren Vertreter Herr Alfred Rnhcmann zur Zeit in 
Berlin weilt, will vier Feuerwerke in allergroßartigstem Maßstabe 
veranstalten; der Preis eines jeden ivürde 20 000 Mk. betragen. 
Auch alis London, Stuttgart und Berlin liegen Offerten wegen 
Feuerwerke vor. In der Commission war man einstimmig der 
Aiisicht, daß es sehr angebracht sei, etwas Hervorragendes an 
festlichen Veranstaltungen zu bieten, daß man aber ans voll 
ständigem Platzmangel von dem Arrangement derartiger Ricscn- 
fcuerwerke absehen müsse. Es wurde demgemäß beschlossen, die 
vorliegenden Offerten abzulehnen nnd später in Berathung tvegcir 
anderer Festlichkeiten nnd Veranstaltungen zu treten. Herr 
Demuth wurde bcanftragt, mit Herrn Rnhcmann nochmals zu 
verhandeln, ob sich vielleicht eine kleinere Veranstaltung er 
möglichen ließe, zu welcher der Platz ausreichend sei. 
» 
Ii. Eine der eigenartigsten, unterhaltendsten und zugleich lehr 
reichsten Veranstaltungen dürften die Marine-Schauspiele 
sein. Ein Ausschnitt aus dem Marinelebcn, ein Stück Seekrieg 
im Frieden soll durch diese Schauspiele charakterisirt werden, 
lieber die Art und Weise, wie das lustige und das Miste 
Treiben zu Wasser den Landratten anschaulich gemacht werden 
soll, erhalten wir folgende Mittheilungen: 
Die Marine-Schauspiele werden in erster Reihe die Manöver 
nnd Gefechte der Kaiserl. Deutschen Marine vorführen. Diese 
Vorführungen erfolgen durch Kriegsschiffe im Maßstab. 1:25, 
welche im Acußern genau den Originalkriegsschiffen nachgebildet 
sind, tvährcnd im Innern die Vorrichtungen zum elektrischen Be 
triebe, für die Geschütze, Flaggensignale n. s. w. angebracht sind. 
Alle diese Einrichtungen werden von einein Manne bedient uiid 
ist derselbe von außen nicht sichtbar. Sämmtliche Manöver 
werden nach Flaggen oder sonstigen Signalen der Flaggschiffe cxecutirt, 
nnd zwar in einer durchaus klaren, auch dem Laien verständlichen 
Form. Die Manöver werden auf einem besonders für dieseZwecke aus- 
gehobenen See ausgeführt, welcher im Hintergründe durch mehrere 
Forts begrenzt wird. Ans den zwei Längsseiten deS Sees sind 
Stehplätze für ca. 6000—7000 Personen hergestellt, ivährcnd 
die vierte Seite von Tribünen für ca. 3-—4000 Personen be 
grenzt wird. An diese Tribünen legt sich nach außen zu ein 
stolzes, 100 Nieter langes Schiff an, das genau der Kaiserl. 
Nacht Hohenzollcrn nachgebildet ist. Die Räume dieses Schiffes 
werden als Restaurant I. Ranges eingerichtet. Außerdem ist da 
selbst noch ein Pavillon nebst Entreezimmer für das Kaiserpaar 
und den Hofstaat vorgesehen. Eine der besten Militairkapcllcn 
Deutschlands, die Kapelle der l I. Matrosen-Division ans Wil 
helmshaven, unter Leitung des Kaiserl. Musikdirigentcn Herrn 
Woehlbicr, wird die musikalische Begleiterin der vielversprechenden 
Marine-Schauspiele sein. 
Im Theater der Ausstellung ist man bereits mit 
der Jnstallirung des Bühnenapparats beschäftigt. Zwölf nette 
Dceorationcn, die zumeist die ganze, 25 Meter betragende Tiefe 
der Bühne in Anspruch nehmen, werden binnen Kurzem auf 
gestellt sein. Zunächst jene beinahe nrwaldlichc Stätte, ans der 
sich die Schildhornsage abspielt: das Havelbecken mit all' seinem 
landschaftlichen Reiz. Jir das Berlin des XV. Jahrhunderts führt 
uns die zweite Dccoration. Wir sehen die damals eben neu 
aufgeblühte Stadt — den Mvtkenmarkt mit dem Roland — 
in Fl.'mmcn aufgehen. Nur der Thurm der Nikolai- 
Kirche, das Hans des Bürgermeisters und der steinerne Roland 
blieben verschont. Eine Halle im alten kurfürstlichen Schlosse zu 
Kölln, da gelegen, wo jetzt noch der „grüne Hut" in die Spree 
schaut, ist der Schauplatz des dritten Bildes. Das vierte zeigt 
dasselbe Schloß, von der „Breiten Straße" aus gesehen, nnd zwar 
an jenem Tage, da Johann Georg zur Feier der Taufe seines 
Erstgeborenen ein „Groß-Ringelstcchen" auf der „Stechbahn" 
veranstaltete. Das Rathhans mit der alten Gerichtslanbe in der 
Zeit des Großen Kurfürsten steht im Mittelpunkte der nun fol 
genden Scenerie, die besonders durch Aufzüge der Zünfte nnd 
Gewerke belebt werden soll. Im sechsten Bilde befinden wir 
uns bei dem patriotischen Kaufmann Gotzkowski, dessen 
mannhaftem Eintreten es zn danken war, daß damals 
die Russen Berlin verschonten. Friedrichs II. Feldlager 
bei Meißen folgt als siebente Dccoration. Wir 
werden tveitcr den alten Domplatz sehen an jenem Tage, da 
General Uork den Landsturm gegen die Franzosen wachrief; so 
dann das Brandenburger Thor an dem Morgen, als Blücher die 
von den Franzose» entführte Siegesgöttin wieder heimgebracht 
hatte; tveitcr den O-rnplatz mi: dem Palais Kaiser Wilhelms 
des Großen am Tage des Siegesheimzngcs von 1871; darnach 
ein Spree- Restaurant in Stralau lind zum Schlüsse das Bild der 
Ausstellung selbst. Es ist vielleicht nicht uninteressant, zn er 
fahre», daß für diese Decorationcn insgesammt cttvas über 
60 000 Mark verausgabt wurden.
	        
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