Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Ausstellungs-Nachrichten.
versorgt. Auch sie wird durch ihre Hauptfilmen in Treptow ver
treten sein.
Die Ausstellung der chemischen Industrie Berlins, von deren
Mannigfaltigkeit wir, soweit es der Raum gestattet, in den vor
stehenden Zeilen eine kleine Skizze zu geben versucht haben, wird
uns ein doppelt erfreuliches Bild liefern. Sie wird uns zeigen, wie
emsiges Schaffen in kaum 40 Jahren auf dem märkischen Sande
ein Industriecentrum gebaut, das zu den grössten und wichtigsten
unseres Vaterlandes gehört, sie wird zeigen, dass es uns Deutschen
weder an Geschick noch an Energie fehlt, fremde Concurrenz zu
überwinden und dem deutschen Gewerbefleiss das sonst dem Aus
lande gezahlte Capital zuzuwenden. Möge hierzu die Ausstellung
in Treptow mit Erfolg beitragen. —
Die Ausstellung wissenschaftlicher Instrumente.
[Abdruck untersagt.} ;■
Der grosse Schwarm der Besucher wird sich, aus der das Auge
mit so vielen Reizen fesselnden Photographie-Ausstellung oder von
den geschmackvollen, viel Bekanntes und Verlockendes bietenden
Schaukästen der chemischen Abtheilung kommend, vielleicht in
schnellerem Tempo durch den mittleren Theil des grossen Chemie
gebäudes drängen, welcher von den Ausstellern wissenschaftlicher
Instrumente besetzt ist Aber auch diejenigen, welchen dieser Raum
ausser Barometern, Thermometern, etlichen ärztlichen Apparaten und
industriellen Werkzeugen nicht viel Bekanntes und Verständliches
bietet, werden bei jedem Blick in diesen oder jenem der hohen, dicht
gefüllten Glasschränke den Eindruck erhalten, dass hier ein reicher, hoch
entwickelter Zweig der Industrie eine wahre Schatzkammer und
zugleich ein Schmuckkästchen seiner Producte geschaffen hat. Nicht
nur, dass an dem äusseren Gewände des einzelnen Stückes kein
Fehl ist, das jedes Füsschen und jedes Stäbchen und jedes
Schräubchen blitzt wie lauter edeles Metall — dies Lob würde in
dem Verfertiger nur ein Gefühl selbstverständlicher Zufriedenheit
erwecken darüber, dass er in der äusseren Ausführung seiner
Arbeit hinter niemandem zurückbleibt, aber in dem Aufbau des
Inhaltes der meisten unter den vielen Schränken liegt eine
bewundernswerthe, geradezu künstlerische Arbeit, in der man wohl
oft das Resultat zahlloser Entwürfe und Versuche zu sehen und
anzuerkennen hat. Wer auch in seiner Geistesthätigkeit mit
meteorologischen und mineralogischen Instrumenten wenig zu
thun hat, wird doch gern mit Auge und Herz ein wenig bei
der geschmackvollen Aufstellung der von Fuess j ausgestellten
Kunstwerke verweilen; und wer auch nie zu Hammer, Stichel und
Feile greift, wird der zierlichen Gruppirung der schmucken In
strumente bei Hommel-Mainz seine Bewunderung nicht versagen.
Mit diesen beiden Beispielen wollte ich zunächst nur die
beiden extremen Glieder der Ausstellung kennzeichnen, die übrigens
auch die räumlichen Extreme darstellen. Die kostbaren Instrumente,
zu deren Erfindung sich der absichtsvolle Gedanke des Gelehrten
und der ausführende Scharfsinn des darstellenden Mechanikers
vereinigten und welche oft nur in den Händen Weniger in zähl
baren Exemplaren zur Verwerthung kommen, sind mehr in der
südlichen Hälfte der Abtheilung, in der F'" der chemischen Ab
theilung zu finden, während die App-na.e una W erkzeuge des
täglichen Gebrauchs im Haushalt, in der Werkstatt, im Sprech
zimmer des Arztes mehr im nördlichen Theile und zugleich im
westlichen Seitenschiffe zur Aufstellung gelangt sind.
Doch wollen wir damit natürlich durchaus keine scharfe
Trennung dieser Theile andeuten oder gar die Vorstellung er
wecken, als ob in dem zweiten dieser Theile nicht auch der kost
baren, in Erfindung und Ausführung hoch künstlerischen In
strumente viele, sehr viele zu finden wären. Sicher wird die
Zahl der Bewunderer sich um diese bekannteren Gegenstände in
dustriellen und ärztlichen Gebrauches dichter schaaren als um die
complicirteren und schwerer begreifbaren Apparate der physika
lischen und astronomischen Forschung.
Wir wollen nun noch einen gründlichen, aber doch nur
recognoscirenden Streifzug durch den reich besetzten Raum
unternehmen, und zwar von dem dem Haupteingange zu
nächst liegenden, an die Chemie - Abtheilung angrenzenden
Theile aus. Gleich zur Rechten, neben dem Pavillon für
■ die wissenschaftlichen Vertreter der Gruppen IX und XI, hat
Hans Heele (Grüner Weg 104) an einem gemauerten, mit
Draperieen umhüllten Pfeiler eine grosse astronomische Uhr
aufgestellt; das Pendel dieser Uhr, welche nunmehr seit zehn Jahren
im Gange ist, wurde seinerzeit auf die Zuverlässigkeit seiner Com-
pensation der Temperatureinflüsse unter Temperaturen von -f 105’/ 2
bis — 5 Grad geprüft und bis auf Vioo mm genau befunden. Da
neben steht ein Chronograph, welcher für Helmholtz angefertigt
wurde und bereits acht Jahre lang in der Physikalisch-technischen
Reichsanstalt in Charlottenburg in Gebrauch ist Ferner sind noch
eine ganze Zahl von neuen Apparaten zur Schau gestellt, welche
eine ausführlichere Beschreibung verlangen.
Links gegenüber hat Wehrsen (Alexander - Strasse 8) einen
Schrank mit Apparaten, welche sämmtlich den elektrischen Erschei
nungen dienen: Influenz-Maschinen, Elektroskope, Leidener Flaschen
bis zur Grösse von */u m > Geissler’sche Röhren, elektrische
Glockenspiele, Funkenentlader etc. Gleich dahinter steht der
doppelt so grosse Schrank von Ernecke (Königgrätzer
Strasse 112) mit einer Fülle von physikalischen Apparaten
aller Art: kleine Dynamo - Maschinen, Quecksilber - Luftpumpen,
Bussolen und Galvanometer, Inductionsapparate, hydraulische Pressen,
Stimmgabeln, ein 1 Meter langes, auf Vio Millimeter ablesbares
Monochord etc. Auf der anderen Seite nimmt die Ausstellung von
Fuess-Steglitz einen grossen dreiteiligen, von einem Schalen-Ane
mometer gekrönten Schrank ein; in dessen einer Seite nach dem
Mittelgange zu stehen registrirende Barometer (Barograph), Ther
mometer (Thermograph), Fluthmesser, Wasserstandsmesser etc.; in
der Mitte Heliostate, Kathetometer (zur Herstellung von Barometern),
Spectrometer, Sonnenscheinautograph; in dem letzten Drittel mine
ralogische Apparate, ferner Regenmesser, Projectionsapparate etc.
Zu beiden Seiten des Mittelganges die beiden niedrigen Schränke
mit den Apparaten, welche die physikalisch-technische Reichsanstalt zur
Ausstellung bringt. Dort sehen wir z. B. eine hoch interessante Collection
von Praecisions-Thermometem aller Form und aller möglichen Sca-
lentheilungen, für Temperaturen von —130" bis + 560° Celsius und
mit Theilungen bis zu ‘/io Grad. Ferner: Aneroid- und Quecksilber-
Barometer, Manometer, Calorimeter — alles Instrumente, welche
in der Anstalt auf ihre Genauigkeit geprüft wurden; Bolometer (zur
Messung geringster Temperaturveränderungen bis zu Viooooo "Celsius);
Compensations-Apparate zur Messung von elektromotorischen Kräften,
Spannungsdifferenzen, Stromstärken in einem grösseren und einem
kleineren Modell und mit Anwendung von Manganin; galvanische
Elemente; ein Thermoelement aus reinem Platin und Platin-Rhodium
(10 % Rhodium) für Messung von Temperaturen bis zu 1400 0 Celsius,
mittels dessen in der Reichsanstalt z. B. der Schmelzpunkt des
Goldes zu 1074 4 bestimmt wurde; Proben von Kabelverbindungen
und ihrer Herstellungsart. Die Sammlung der Reichsanstalt
zeichnet sich ebenso wie die von Fuess durch eine genauere Eti-
quettirung der einzelnen Apparate aus; es kann den übrigen Aus
stellern in ihrem eigenen Interesse wie in dem der Besucher der
Ausstellung nicht genug angeraten werden, diesem Beispiele sorgsam
zu folgen. Paul Gebhardt (Prinzenstrasse 85) stellt in der oberen
und Unteren Etage der grossen Vitrine eine grosse Fülle von phy
sikalischen Apparaten aus, wie sie in Schulen und Universitäten
zum Experimentiren gebraucht werden: Luftpumpen, akustische
Apparate, galvanische Elemente aller Art, Elektrisir-Maschinen etc. etc.
Schmidt & Haensch stellen eine grosse Collection von Spectroskopen,
Spectrometem, Polaroskopen, Fernrohren, Linsen etc. aus. Krüss
(Hamburg) hat ebenfalls Spectroskope und Spectrometer, ferner
Mikroskope und Projectionsapparate; Rosenberg (Chausseestrasse 95)
daneben ausschliesslich Theodolite und andere geodätische In
strumente. Unweit davon, schon unter dem rechten Seitenschiffe
der Halle, haben Picht & Co. in Rathenow einen langen Glas
schrank voller Schiffslaternen und Gerätschaften für Leuchtfeuer
aller Art, ganze Sätze von Glasprismen für Leuchtthurmlampen.
Dieselbe Firma hat draussen am Landungsplatz an der Spree einen
13 Meter hohen Leuchtturm errichtet, von welchem ein für
zwei Seemeilen Blickweite berechnetes Feuer brennen wird; in
Wirklichkeit soll dasselbe auf 4 Meilen deutlich erkennbar sein.
Auf der linken Seite des Mittelganges erwähnen wir noch die
grosse und geschmackvoll arrangirte Ausstellung von Doerffel & Färber
(Friedrichstrasse 105) mit Reisszeugen, Augen spiegeln und vieles
anderen ärztlichen Apparaten, in der Mitte auch ein ansehnliches
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