Path:
Periodical volume Nr. 181, 15. October 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

12 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
'dass es zum Nutzen und Frommen des Baugewerkes in das 
Leb: :i treten werde. „Sie haben“, so schloss Herr Regie 
rungsrath Platz, „mir mit diesem Ehrengeschenk meine Ar 
beit reich gelohnt; rufen Sie mich, so oft Sie mich brauchen 
und Sie sollen sehen, dass ich stets bereit bin, für Sie zu ar 
beiten“. Lebhafter Beifall lohnte den Redner. Die von 
H( rrn Cuno von Uechtritz gefertigte Büste ist von sprechen 
der Aehnlichkeit und wurde allgemein bewundert. Der 
Feier schloss sich ein Diner im Thurmsaal des Hauptrestau 
rants an, an dem etwa 190 Personen theilnahmen und das 
sehr animirt verlief und bei dem mehrere officielle Triuk- 
sprüche ausgebracht wurden, Herr Rathszimmermeister Otto 
toastete auf den Kaiser, Herr Rfgierüngsrath Platz auf die 
Aussteller der Gruppe III, Herr Baumeister Felisch auf 
Herrn Platz und Herr C. H. Schmidt auf die Damen. 
V 
Die Polizeiwache, welche auf dem Bahnhof Trep 
tow ihr Wachtgebäude hat und während der Ausstellung 
den Dienst auf dem Gelände vor der Ausstellung bis zur 
'Weichbildgrenze von Berlin in einer Stärke von 2 Officieren, 
3 Wachtmeistern und 42 Schutzmännern versah, wird am 15. 
d. Mts. mit dem Schluss der Ausstellung aufgelöst. Der 
Commandoführer Premierlieutenant Grosse übernimmt wie 
der die Leitung des 27. Polizei-Reviers, während der zweite 
(Meier Premierlieutenant Flaeschner dem Vorsteher des 
zweiten Polizei-Reviers, Polizei-Lieutenant von Arnoldi zur 
Unterstützung bei dem Winterdienst am Königlichen Schlosse 
zugetheilt wird. Die anderen Beamten treten zu ihren frü 
heren Dienststellen zurück. 
9 
Elfenbein -Industrie. Den in Gruppe VI ausgestell 
ten Producten der Elfenbein-Industrie, dieses in Berlin noch 
so jungen Kunstgewerbes, sei noch in letzter Stunde, kurz 
bevor der Urtheilsspruch der Jury verkündigt wird, in diesen 
Zeilen lobende Erwähnung gethan. Wenn man bedenkt, 
dass noch vor wenigen Jahren Paris unbestritten die Führer 
schaft auf diesem Gebiete innehatte, andererseits erst seit 
den 60 er Jahren allmählich, Fabriken und Werkstätten für 
Elfenbeinschnitzerei auftauchen, so muss man vor den kunst 
vollen Arbeiten in den Vitrinen der Ausstellung voll Respect 
den Hut ziehen. Man unterscheidet in dieser Branche die 
zwei Fächer: Toilette-Artikel und Kunstschnitzerei. In dom 
ersteren Fach überrascht uns die Vielseitigkeit des Gebote 
nen, Spiegel, Bürsten, Dosen, welche in den verschiedensten 
Grössen und Formen in Berlin gearbeitet werden, so von 
C. A. Heinr. Schulz, von Heinr. Müller u. a. — Leider haben 
diese Firmen sehr mit der Concurrenz der gegenwärtig so be 
liebten Toilette-Artikel aus Celluloid zu kämpfen. — In der 
Kunstschnitzerei, welche eine so ruhmreiche Geschichte be 
sitzt, welche schon im Orient zu decorativen, in Hellas zu 
monumentalen Zwecken ausgeübt wurde — die in Gold und 
Elfenbein ausgeführten Statuen der Athene vom Parthenon 
und des olympischen Zeus gehörten zu den berühmtesten 
Werken aus der Zeit des Phidias — erregen hauptsächlich 
die Arbeiten der Kleinkunst, Statuetten, Nippesfiguren den 
höchsten Beifall. Das zarte Material des Elfenbeins, seine 
feine, elastische Structur, die matte, schimmernde Färbung 
befähigen es besonders zur Darstellung des Nackten, sowie 
der zierlichen Figürchen des Rococo. Die Firmen Rosen 
stiel, Schutz, Liesk, Barillot u. a. leisten in modernen und 
antiken, historischen und mythologischen Figuren und Re 
liefs ganz Ausserordentliches. Auch die Kunst-, Luxus- und 
Gebrauchs-Gegenstände, Vasen, Spiegel, Pokale, Humpen, 
Schalen, Tafel-Aufsätze durch plastischen Schmuck in Elfen 
bein, event, in Zusammensetzung mit Ebenholz und anderen 
Holzarten, dann mit Bronze oder Gold zu verzieren, steht bei 
den Berliner Elfenbeinschnitzern auf einer sehr hohen Stufe. 
9 
Die gangbarste Münze. Kein Geldstück ist während 
der ganzen Ausstellungssaison so im Verkehr gewesen, wie das 
Zehnpfennigstück. Die Millionen, die davon ausgegeben worden 
sind, lassen sich nicht annähernd bestimmen. Alle grösseren 
Etablissementsbesitzer und Unternehmer, die meist mit automatischen 
Betrieben zu thun hatten, hatten von Anfang an mit grossen Bank 
instituten Abmachungen getroffen, wonach täglich oder wöchentlich 
die Umwechslung der Nickelstücke in grösseres Geld stattfinden 
konnte. Schwere Säcke voll Nickel wurden alle Tage aus der 
Ausstellung geschafft, aber immer neue Massen wurden vom Publikum 
wieder hineingetragen. Die Automaten erwiesen sich überall uner 
sättlich, und Gross und Klein, Alt und Jung opferten Nickel auf 
Nickel für einen leiblichen oder auch geistigen Genuss. Die ganze 
Ausstellung könnte man zudecken mit den Nickelstücken, die ia 
ihr im Umlauf waren. 
9 
Eine interessante Sammlung pathologisch- 
anatomischer Präparate, von Dr. med. Theodor Som 
merfeld- Berlin im Aufträge des Reichs - Gesundheitsamts 
zusammengestellt, ist in der Abtheilung für Wohlfahrts-Ein 
richtungen zu sehen. Dieselbe verfolgt den Zweck, die Ein 
wirkung gewerblicher Staubarten auf die Athmungsorgane 
der Arbeiter zu demonstriren. Die normale menschliche 
Lunge hat bekanntlich eine licht-graublaue Farbe; ein sol 
cher Sectionsbefund, wie ihn zur Vergleichung mit den krank 
haften Veränderungen dieses Organes das erste der ausge 
füllten Lungenpräparate zeigt, dürft in einer Gressstadt wie 
Berlin kaum jemals, wenigstens bei Erwachsenen anzutreffen 
sein. Hier hinterlässt die reichlich in der Luft der Stras 
sen suspendirte Kohle ihre Spur in Form eines dunklen blau 
schwarzen Pigmentes, welches auf der Oberfläche unseres 
Athihungsorgans eine sonderbare netzartige Zeichnung her 
vorruft. Bei weitem tiefer und manniehfaltiger indessen 
sind die Veränderungen, welche die Lunge unserer Arbeiter 
im Laufe der Jahre davontragen. Diese schwarzen, rothen, 
blauen, braunen Segmente, welche mit den verschiedenartig 
sten fremden Massen durchsetzt und keine- Spur mehr lufthal 
tig erscheinen, geben uns ein Bild von den Gefahren, die 
manche Beschäftigungszweige für ihre Arbeiter mit sich 
bringen und weisen der Gewerbe-Hygiene ein weites Feld 
für eine dankenswerthe, vorbeugende Thätigkeit. Wie man- 
nickfach die Staubarten sind, welche zum grössten Theil durch 
ihre physikalisch, wohl nur in wenigen Fällen durch che 
mische Einwirkung diesen charakteristischen Gewerbe-Krank 
heiten zu Grunde liegen, davon giebt uns eine sehr reichhal 
tige Sammlung derselben, deren mikroskopisches Aussehen 
uns zum Theil noch eine Reihe von vortrefflichen Mikrophoto 
grammen veranschaulicht, eine Vorstellung. Da sehen wir 
in kleinen Standgefässen den blaugrauen. Schafwollenstaub, 
den braunen Tabakstaub, den blauen, ziemlich grobkörnigen 
Borstenstaub, ferner Jute-, Buxbaumholz-, Mahagoniholz-, 
Ebenholz-, Stahl-, Schmirgel-, Gusseisen-, Kohle-, Perlmut 
ter-, Porzellan-, Flugaschen-Staub u. s. w. Wie die Farbe, 
des in der Fabrikluft schwebenden Staubes, so auch im all 
gemeinen die Farbe der Lunge des betreffenden Fabrik-Arbei 
ters. Dieser schwarzblaue Lungenschnitt, welcher durch 
und durch eine schiefrige Beschaffenheit hat, stammt von der 
Lunge eines im Kohlenbergwerk beschäftigten Arbeiters. 
Diese, mit zahlreichen theils hellgrauen, theils schwärzlichen, 
theils ganz schwarzen bis erbsengrossen Knötchen durchsetzte 
Lungenpartie stammt von dem Athmungsorgano eines Stein- 
hauers. Graublau, doch viel dunkler als die normale Lunge, 
sieht die dnes Schleifers aus. Die Eisenlunge hat eine tief 
ockergelbe Farbe; ganz ziegelroth ist das daneben befind 
liche Stück einer Lunge von einer Arbeiterin, welche sieben 
Jahre Englisch - Roth trocken in Fliesspapier eingeriehen 
hatte. Auch künstlich kann man solche Imprägnirungen 
der Lunge mit Farbstoffen erzeugen, wie einige der ausgestell 
ten Präparate zeigen: Eine Hundelunge erscheint intensiv 
roth nach längerer Einathmung von Schmirgelstaub, eine Ka 
ninchenlunge schwarz nach Einathmung von Russ, und eine 
andere Lunge derselben Thierart bläulich nach Einathmung 
von Ultramarin. 
9 
Ball- und Galanterieschuhe. Die Berliner Schuh • 
fabrikation, die sich früher keines besonderen Ansehens er 
freute, hat sich, wie auf unserer Ausstellung glänzen Aemog-^.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.