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Periodical volume Nr. 181, 15. October 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
Am heutigen letzten Tage der Ausstellung 
beträgt das Eintrittsgeld während des ganzen Tages 2 Mark. 
Sämmtliche ausgegebenen Dauerkarten behalten ihre Giltig 
keit. Der Schlussfeier im Kuppelsaal wohnen die ehren 
amtlichen Organe bei, auch sind besondere Einladungen er 
gangen. Aussteller haben, soweit es der Kaum zulässt, die 
Berechtigung, der Feier beizuwohnen. Voraussetzung der 
Zulassung sind Frack und weisse Binde. 
9 
Der letzte Marktag war vom Wetter nicht begün 
stigt. Koch einmal zeigte der Himmel sein trübstes Gesicht, 
das ja leider den Ausstellungsbesuchern ein längst bekanntes 
ist. Der Regen, der schon die ganze Nacht über gefallen 
war, hielt bis zum Nachmittag an und verwüstete alle Wege 
und Stege des Parkes in geradezu unqualificirbarer Weise. 
Das melancholische Sinnbild der Vergänglichkeit, das 
[ Herbstlaub, deckte reichlicher denn je die Erde und in den 
| Zweigen sang der Wind sein Klagelied über diesen trüben 
! vorletzten Tag, der naturgemäss unendlich weniger Besucher 
in den Park geführt hatte, als nach der reichen Einnahme 
des Dienstags zu erwarten stand. Erst gegen 5 Uhr klärte 
sich der Himmel etwas auf und mehrte sich der Besuch. Alles 
in allem aber war es ein recht trübseliger Tag, der so recht an 
das Scheffel’sche Wort erinnerte: „Zum Abschiednehmen 
just das rechte Wetter!“'Und mit schwerem Herzen nahmen 
l alle diejenigen Abschied von den Herrlichkeiten des Trep- 
I tower Parkes, denen es heute nicht mehr vergönnt ist, der 
Schlussfeier anzuwohnen und allseitig konnte man hören, 
dass es trotz aller Krittler und Nörgler doch schön — sehr 
schön war, was da draussen morgen schon der unerbittlichen 
Zerstörung anheimfällt. In kurzer Zeit bereits wird der Park 
den Anblick eines Trümmerfeldes gewähren, eine bedeutungs 
volle Illustration des alten Wortes: „Sic transit gloria 
mundi!“ 
« 
Die Verausgabung der Gewinne aus der Serie A 
und I? der Ausstellungs-Lotterie kann, da die Ablieferung derselben 
an die Centralstelle erhebliche Zeit in Anspruch nimmt, erst vom 
1. November ab in der Zimmerstrasse 34 erfolgen. 
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Die Bureaux des Arbeits-Ausschusses der Ber 
liner Gewerbe-Ausstellung und sämmtlicher Verwaltungs 
Abtheilungen der Ausstellung befinden sich vom Montag, 
19. October, ab Zimmerstrasse 34. Nur die Platz-Inspeetion 
verbleibt noch auf dem Ausstellungsgelände und befindet sich 
im Chemiegebäude. Vom Freitag, 16. October, an ist die 
ses Bureau, wie das' gesummt« Ausstellungsgelände nur von 
8—5 Uhr für das Hinausschaffen von Ausstellungsobjecten 
geöffnet. Von diesem Tage an ist sowohl das Rauchen, wie 
die Benutzung künstlichen Lichtes irgend welcher Art auf 
i dem gesummten Ausstellungsgelände strengstens verboten, 
sämmtliche Arbeiten dürfen nur bei Tageslicht vorgenommen 
werden. 
S 
Dass Kairo die Hauptausstellung um nahezu zwei 
Wochen überleben wird, haben wir unseren Lesern bereits 
I gestern mitgetheilt. Angesichts der R egenschauer und Herbst 
stürme des letzten Tages muss man diesem heroischen Ent- 
j Schluss unserer arabischen Gäste entschieden Bewunderung 
zollen. Man kann in dieser Widerstandsfähigkeit des ara- 
j bischen Volksstammes den Hauptgrund erkennen, der ihn 
einst zu dem siegreichen Vorkämpfer des Islam machte. Be- 
k rötlich hat das arabische Volk die Lehre des Propheten 
^ t *net in wenigen Jahrzehnten über die weitesten Land- 
streV- j^rbreitet. — Nun, eine religiöse Mission werden 
die Araber in Berlin wohl kaum erfüllen wollen, und es wür-' 
den ihnen — falls sie derartige Absichten hätten, die paar! 
Tage „Draufgabe“ auch wenig nützen. Aber es lässt sich! 
hoffen, dass in diesen zwei Wochen, in denen Kairo nicht diei 
Concurrenz der Berliner Industrie zu ertragen hat, gerade 
die verborgeneren und schwerer verständlichen Reize der 
arabischen Ausstellung zur Geltung kommen werden. Be 
reits in den letztvergangenen Tagen konnte man bemerken, 
dass die Besucher von Kairo mit grösserem Interesse und 
Verständniss die Kunstwerke und Waaren musterten, und; 
— was den arabischen Kaufleuten wohl das angenehmste sein 
wird — dieselben auch kauften. Wir wünschen, dass die 
schöne Ausstellung Kairo auch in den Folgetagen, in denen 
wir sie nicht mehr durch unsere Worte geleiten können, Glück 
haben möge. Auch die demnächst stattfindende Verloosung 
wird von Neuem das Interesse des Publikums auf sie hin 
lenken. Für die nächste grosse Illumination, welche im Falle 
günstiger Witterung am Freitag stattfindet, sind bereits die 
grossen Aufbauten für die „bengalischen Fontainen“ errich 
tet. So rufen wir denn, indem wir vom Schauplatz uns zu 
rückziehen, den Arabern als Abschiedsgruss zu: „Es lebe 
— der Ueberlebende!“ 
9 
Eine kurze, aber sehr schöne Feier fand gestern. 
Nachmittag im unteren Saal des prächtigen Freihauses der 
Gruppe III (Bau- und Ingenieurwesen) statt. Die Ausstel 
ler dieser Gruppe mit ihren Damen, sowie eine Anzahl gelade- 
m r Gäste hatten sich versammelt, um einem Akt anzuwohnen, 
durch welchen dtm Vorsitzenden dieser Gruppe, dem Kaiser 
lichen Regierangsrath, Regit rungs-Baumeister R. Platz der 
Dank der Aussteller für seine grossen Verdienste um das Zu 
standekommt n der Gruppe, die Vollendung des herrlichen 
Bauhofes ausgesprochen und durch ein Ehrengeschenk be 
thätigt werden sollte. Herr Bleybt rg von der Firma Semm- 
ler und Bleyberg begrüsste den Gefeierten mit einer längeren, 
trefflichen Ansprache, in der er hervorhob, wie glücklich die 
Aussteller der Gruppe III gewesen seien, wie sich in den 
schweren Tagen der Gefahr, wo sie sich von ihren Führern 
verlassen sahen und das ganze Werk zu scheitern drohte, 
Herr Regierungsrath Platz entschlossen habe, an ihre Spitze 
zu treten. Seiner energisch» n, vom regsten Verständniss 
begleiteten Thatkraft, seiner, unermüdlichen Arbeit allein 
sei es zu danken, wenn alle die Wide rwärtigkeiten und Hin 
dernisse jeglicher Art, die sich dem Unternehmen in den Weg 
stellten, siegreich überwunden worden wären. Und wenn 
der Bauhof in seiner Vollendung den übrigen Gruppen nicht 
nur ebenbürtig sei, sondern < in allgemein bewunderter Anzie 
hungspunkt der Ausstellung war, so sei dies lediglich das 
Werk des Mannes, zu dessen Ehrung man sich hier ver 
sammelt habe. Von den Hunderttausenden, so schloss der 
Redner, die sich an diesem Werk ergötzten, wissen nur die 
Allerwenigsten, welche Mühe und Arbeit es kostete, dasselbe 
fertig zu stellen, wir Aussteller aber wissen es und danken 
es Ihnen, hochverehrter Herr Regierangsbaurath. Wer 
aber Freude säet, soll auch Freude ernten, und darum bitten 
wir Sie, dieses Angedenken, Ihre Büste, als ein sichtbares 
Zeichen dieses Dankes von den Ausstellern der Gruppe 111 
entgegenzunehmen. Herr Regierungsrath Platz erwiderte 
in herzlichen Worten des Dankes, in denen er bescheiden 1 
das ihm allein zugeschriebene Verdienst ablehnte und betonte, 
dass 52 Aussteller in drei Monaten und mit der verhältnis 
mässig kleinen Summe von 80 000 Mark so Grosses und 
Schönes hergestellt, ein Werk geschaffen hätten, das sich 
sicher segensreich für das ganze Baugewerbe erweisen werde. 
Der Redner dankte nochmals innigst für das schöne Geschenk, 
das ihn und seine Kinder noch in späten Jahren an das 
herrliche Ausstellungs-Unternehmen erinnern solle. Aber 
er wolle der Versammlung auch ein Gegengeschenk geben —- 
eine Idee, die in langer und sorgfältiger Erwägung in ihm 
gereift sei und bei allen sachkundigen Freunden und Fach 
genossen lebhaften Anklang gefunden habe: die Gründung 
einer permanenten Ausstellung des Bau- und Ingenieur 
wesens. Dieses Project sei wohl ausführbar und hoffe er*
	        
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