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Periodical volume Nr. 179, 13. October 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielld Ausstellun.qs - Nachrichten. 
nach der Export von Hirse in erster Reihe. Während die 
westafiikanischen Kolonieen wenig in Betracht kommen, 
führte Deutsch-Ostafrika im Jahre 1893 für circa 84000 
Dollars Hirse aus. 1894 wurden die Hirsefelder von den 
Heuschrecken arg verwüstet. In absehbarer Zeit dürfte der 
Anbau von Zuckerrohr in Deutsch-Ostafrika einen lohnenden 
Ertrag geben, da gegenwärtig das deutsch-ostafrikanische 
Zucker-Syndikat, welches drüben hergestellten Rohrzucker, 
Melasse und Syrup ausstellte, die Cultur von Zuckerrohr in 
den Flussniederungen des Pangani im Grossen betreibt. Der 
Mais wird in unserer Ausstellung nur durch eine gewöhnliche 
Sorte aus Ostafrika und Pferdezahnmais aus Westafrika re- 
präsentirt. Nur Deutsch-Ostafrika kommt für den Export in 
Betracht, während in den übrigen afrikanischen Kolonieen 
und im Südsee-Gebiete die Mais-Cultur noch in den ersten 
Entwickelungs-Stadien steht. Auch der Export von Reis 
macht wenig aus. Nur Ostafrika kann eine nennenswertste 
Ziffer aufweisen, doch kommt nach Europa fast nichts von den 
ausgeführten Quantitäten. Es sind ferner Proben von 
Bohnen, sogenannten Chirokos, Helm-, Vigna- und Erbsen 
bohnen, die sämmtlich aus Ostafrika stammen und von Nar 
raskernen ausgestellt. Die letzteren sind die Samen eines 
Gurkengewächses, welches auf den Dünen Südwestafrikas in 
■grossen Mengen - gedeiht. Die Hottentotten bevorzugen 
die Narraskerne bei ihrer täglichen Nahrung und die Euro 
päer essen sie wie Mandeln, denen sie im Geschmack etwas 
ähnlich sind. Unter den Genussmitteln ist vor allem der 
Kaffee sehr beachtenswerth, dessen zwei wichtigste Arten, der 
arabische und liberische Kaffee in Afrika heimisch sind. Das 
Klima von Ost- und Westafrika sagt dem Kaffee ganz ausser 
ordentlich zu, und die Kaffee-Cultur Deutsch-Ostafrikas hat 
schon jetzt einige Bedeutung erlangt. Hier sind die Pflan 
zungen der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft, sowie die 
der Usambara-Käffee-Gesellschaft zu erwähnen, von denen die 
ersteren 1895 für circa 50 000 Mark exportirten. In diesem 
Jahre dürfte der Werth des Exportes sogar an 200 000 Mark 
heranreichen. Auch in Togo sind bemerkbare Fortschritte zu 
constatiren, während in Kamerun und in den Südseegebieten 
nur wenig für den Anbau von Kaffee gethan wird, obgleich 
Klima und Boden dem Gedeihen der Pflanzen sehr förderlich 
sind. Cacaobäume gedeihen vor allem in Kamerun am Fusse 
des Kamerungebirges, wo die Kamerun-Land-und Plantagen- 
Gesellschaft nahe bei Victoria umfangreiche Pflanzungen 
angelegt hat. In den übrigen deutschen Schutzgebieten sind 
Pflanzungsversuche entweder noch im Gange oder haben bis 
her noch kein befriedigendes Resultat ergeben. Für den An 
bau von Thee ist, obwohl die Verhältnisse gar nicht so un 
günstig liegen, noch wenig oder gar nichts gethan. Dagegen 
wird die Kolanuss, der Same eines westafrikanischen Baumes, 
Cola acuminata, die als anregendes Genussmittel mit Cacao, 
Liqueur etc. vermischt, mehr und mehr auch in Europa in 
Aufnahme kommt, namentlich in Kamerun viel producirt, 
jedoch nicht erheblich ausgeführt. Auch die duftige Va 
nille gedeiht in Neu-Deutschland, allerdings fast ausschliess 
lich in Ostafrika, wo die Vanillenplantagen bei Tanga und 
Kitopeni nahe Bagamoyo schon ganz stattliche Mengen von 
guten Schoten lieferten. Obwohl der Ingwer einen wichti 
gen Handelsartikel Westafrikas bildet, ist Deutschland an 
dem Export bisher nicht nennenswerth betheiligt. Nur in 
Kamerun hat eine Regierungsplantage bis jetzt eine zu 
friedenstellende Ernte ergeben, von der auch, hier eine kleine 
Probe, neben einer Ingwerwurzel aus Tanga in Deutßch- 
Ostafrika und allerlei Ingwerproducten, ausgelegt ist. Tabak 
wird in Kamerun, Deutsch-Ostafrika und Neu-Guinea mit, gu 
tem Erfolge angebaut. Aus Ostafrika wird ausser dem Pro 
duct der Eingeborenen, die schon von jeher Tabakbau trieben, 
noch die Ernte der Plantagen Lewa und Magila der deutsch 
ostafrikanischen Plantagen-Gesellschaft regelmässig expor- 
tirt. Besser in der Qualität ist der Neu-Guinea-Tabak ; dessen 
dünnes Blatt vielfach zum Decken verwendet wird und der 
Astrolabe-Compagnie schon gute Einnahmen gebracht hat. 
Sehr interessant und lehrreich ist die Collection von Kaut 
schuk und Kautschuk-Fabrikaten» mit welchen die New« 
York-Hamburger Gummiwaaren-Company am Platze ist. In 
den deutschen Kolonieen wird der hochgeschätzte Milchsaft; 
fast nur aus einigen Landolphilianen durch Abschneiden der 
Stämme gewonnen. Daher dürfte mit der allmählichen Ver 
nichtung der Baumbestände auch der Export von Kautschuk 
sinken und am Ende ganz versiegen. Man ist jetzt eifrig be 
müht, Kautschukplantagen anzulegen, doch, haben die Ver 
suche noch keine nennenswertsten Resultate ergeben. Aus 
Ostafrika, Kamerun und Togo wird auch der für feine Lacke 
fast unentbehrliche Copal ausgeführt, der sich von abge 
storbenen Bäumen als fossiles Harz im Erdboden vorfindet 
und auch von lebenden Bäumen gewonnen wird. Ausserdem 
bringen Deutsch-Ost- und Südwestafrika Gummi arabicum, 
eine Ausschwitzung von tropischen Akazienurten auf den 
Exportmarkt. 
Eine Art von vegetabilischem Elfenbein stellen dio 
steinharten Samen von Palmen dar, welche mit den Sago- 
Palmen nahe verwandt sind,die Salomonsnuss und die Karo 
linennuss. Der ziemlich, bedeutende Handelsartikel stammt 
von den Salomons- und Karolinen-Inseln und dient für die 
Herstellung ziemlich grosser Knöpfe. Die unter dem Namen 
Kopra bekannten zerschlagenen und getrockneten Kokos 
nusskerne bilden einen der wichtigsten Export-Artikel der 
Südseeschutzgebiete und von Ostafrika. Das aus Kopra ge 
presste Kokosöl, welches in der Seifenfabrikation eine grosse 
Rolle spielt, und das aus den Fasern der Fruchthülle der Nuss 
hergestellte Koir, das für Stricke, Matten, Bürsten, Läufer ein 
vortreffliches Material ist, sind bemerkenswerthe Neben-Pro- 
ducte des Kokosbaumes. Palmenkerne und Palmöl liefern in 
grossen Mengen einige Palmenarten in Westafrika. Eine 
andere ölhaltige Frucht, die Erdnuss, eine unterirdisch rei 
fende Hülsenfrucht von Ärachis hypogaea kommt in Togo, 
Ost- und Westafrika häufig vor und dient zur Bereitung von 
Speise- und Maschinenöl, ebenso findet es auch in der Kunst- 
Butter-Fabrikation Verwendung. In ähnlicher Weise wird 
das Sesamöl benutzt. Von anderen Fetten sind noch Ri 
cinus, Schi butter, Fett aus wilden Muskatnüssen u. s. w. er- 
wähnenswerth. Als Farbstoff liefert Ostafrika die Orseille; 
Curcuma, Henna, Amatto, (Orleans) und Indigo kommen 
in unseren Kolonieen zwar vor, sind jedoch nicht export 
fähig. 
Die Baumwollcultur hat nach den bisherigen Plantagen- 
Ergebnissen und Versuchen eine Zukunft nur in den Südsee- 
Schutzgebieten, wo ein langstapeliges, seidenartiges Product 
gezogen wird, das hohe Preise erzielt. Sehr bedeutend ver 
spricht der Export von Piassava- und Raffia-Bast zu 
werden. Bisher wird in deutschen Kolonieen nur von der 
Bambu- oder Raffia-Palme Piassava gewonnen, die ein wich 
tiges Rohmaterial der Besen- und Bürsten-Fabrikation ist. 
Auch der Raffiabast, der zur Verfertigung von Körben und 
Flechtwerken, sowie zu Bindezwecken in Weinbergen und 
Gärtnereien dient, dürfte sich mit der Zeit zum Export eignen. 
Ferner kommen aus unseren Kolonieen eine Anzahl von Arz 
neistoffen und in neuerer Zeit auch verschiedene Bau- und 
Zierhölzer, die in rohem und polirtem Zustande ausgestellt 
sind. Von den thierischen Producten sind Rinderhäute, 
Schaf- und Ziegenfelle, Antilopen- und Gazellenfelle, Rhi 
noceros- und Flusspferdhäute u. s. w. zu nennen. Die Woll- 
ausfuhr unserer Kolonieen steht vorläufig noch auf sehr nie 
derer Stufe, und nur Südwestafrika eignet sich gut für Woll- 
zucht. Elfenbein bringen Kamerun und Ostafrika in lohnen 
den Mengen auf den Markt, dagegen ist der Export aus den 
übrigen Kolonieen sehr gering. Ostafrika liefert ferner 
Flusspferd- und Wildschweinzähne, die in rohem und verar 
beitetem Zustande ausgestellt sind. Auch Straussfedern und 
prachtvolle Vogelbälge, Guano, Schildpatt, Honig, Wachs, 
Perlmutterschalen und Ziermuscheln werden aus unseren 
Kolonieen ausgeführt. Die Ausstellung des Auswärtigen 
Amtes bietet ein Bild von dem, was Deutschland von seinen 
transoceanischen Besitzungen, was ihre Boden- und thieri 
schen Products anbetrifft, zu hoffen hat. Manches wird noch 
von Seiten der Regierung und privater Unternehmer gethan.
	        
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