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Periodical volume Nr. 176, 10. October 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielli? Ausstellunqs- Nachrichten. 9 
nimmt die Pflastermasse auf, wahrend das zwischen den Wän 
den befindliche heisse Wasser dieselbe flüssig erhalt; unter 
halb des Gefässes rollt nun das Leinwandband, so dass das 
Pflaster gebrauchsfertig die Maschine verlässt; aufgefallen 
sind mir sehr elegante Büchsen in ovaler Form mit abg( run 
deten Ecken, zusammenschiebbar zum Aufbewahren, bezie 
hungsweise Sterilisiren von Jodoformgaze ; erwähnt sei noch 
eine aseptische Chloroform-Maske nach Schimmelbusch, 
welche eine jedesmalige gründliche Reinigung nach der Nur- 
cose gestattet. 
Nichts zeigt uns so sehr, mit welch verfeinerten Mitteln 
die Pharmacie arbeitet, wie die Ausstellungen der Firmen 
Fritz Kilian und E. A. Lentz. 
Während uns E. A. Lentz ein sehr schönes Modell einer 
•Handoentrifuge, ferner einer gewöhnlichen Comprimirma- 
schine für pulverförmige Medien mente und endlich eine Sal- 
b< nreibmaschine mit auswechselbarem, rotirendem Mörser, 
und einem ebenfalls auswechselbaren und rotirenden Pistill 
bringt, zeigt Fritz Kilian eine nach neuem Princip gebaute 
Comprimirrna sch i ne für Massenfabrikation. 
Während bei den älteren 8ystemen der Stempel von oben 
presst und die fertige Tablette unterhalb der Revolverplatte 
herausgetrieben wird, steht bei den Kilian sehen Maschinen 
die Stempelcinlage fest und die Tabletten werden oberhalb 
des Revolverklotzes herausgetrieben, wodurch sie vollkommen 
staubfr ei und glänzend erscheinen, währt nd bei älteren Syste 
men, wo die Tabletten mit dem Unter-satz herabfallen, eine 
Beschädigung kaum zu vermeid« n ist. Zur Herstellung der 
Tabletten wird nun die Stempeleinlage mit aufgestelltem Re 
volverklotz in die Schlittenbahn der Maschine geschoben, der 
Klotz bei Zurückdreht»!g der Spindel in bestimmte Höhe ge 
zogen, wobei die als Zeiger dienende Spindel auf der ange 
brachten Scala Gewicht und Volumen des zu eomprimirenden 
Pulvers angiebt. 
Die Pillenmaschine (Patent Kilian), welche sich eb. u- 
falls auf der Ausstellung befindet, ist im Stande 300 000 Pil 
len pro Tag herzustellen, sie besteht aus eint r Teigpresse, 
welche die Pillenstränge herstellt und in einem Walzwerk, 
welches di* selben zerschneidet und in Pillen formt. Eine 
eigenartige Vorrichtung, die in der Führung der Pillen 
stränge besteht, gestattet keine Volum Veränderung d* r letz 
teren. Besonders interessant erscheint mir die Maschine 
zum Schneiden von Salmiak-Pastillen, Moospasta etc., sie ar 
beitet vollständig automatisch; sobald die zu schneid* nde 
Masse auf den Sehlittenklotz aufgelegt ist, macht der Schlit 
ten der Maschine einen Vorgang, wodurch die Platte von der 
oberhalb liegenden Rollmesserwalze mit 30 Messern in gleich 
mässige Streifen geschnitten; der Schneideklotz macht als 
dann eine Drehung von ca. 36 Grad, während der Schlitten 
sich gleichzeitig rückwärts bewegt und die Rollmessei walze 
die Streifen in der anderen Richtung schneidet; sowie dies 
vollbracht ist, kippt die Platte um, wodurch die fertig* n Pas 
tillen in einen beliebigen Behälter fallen. 
Dr. Hermann Rohrbeck stellt hauptsächlich Trocken 
apparate aus. Besonders gefallen hat mir ein Dampftrocken 
schrank mit oberem Wasserbad, welcher es zu gleicher Zeit 
erlaubt, destillirtes Wasser zu gewinnen ; die Erwärmung des 
Wasserbades geschieht durch eine im oberen Raume befindliche 
durchlochte Röhre, welche beliebig mit Dampf versorgt wer 
den kann, während ein in der Mitte angebrachter Hahn zum 
Ablassen des destillirten Wassers dient. 
Sehr zu loben sind ferner die Trockenschränke, welche er 
lauben, sehr hohe Temperaturen längere Zeit gleichmässig 
zu erhalten, die äussere Wand ist mit Asbest bekleidet und soll 
die strahlende Wärme paralysiren, während die beiden inne 
ren zur Aufnahme des heissen Wassers dienen . 
Schliesslich will ich noch bemerken, dass die meisten der 
ausgestellten Maschinen sowohl für den Hand- als auch Mo 
torenbetrieb eingerichtet sind. — Eine Apotheke mit Dampf 
betrieb und Faust’s Studirstube! Giebt es wohl einen grel 
leren Contrast, welcher den Gul turfort schritt besser beleuchten 
würde ? Ob deswegen weniger Menschen sterben — dass weiss 
ich nicht. Dass aber davon mehr leben — steht unzweife!» 
haft fest. 8. 8. Epstein. * 
Die Gasglühlicht-Industrie. 
[Abdruck untersagt.] 
Vor mehreren Jahren war der Name Henry Drummond 
als der Verfasser eines Erbauungswerkes „Das Beste auf der 
Welt“ in aller Munde. Der englische Naturforscher war da 
durch mit einem Schlage populair geworden. Heute denkt 
kaum noch jemand an diesen Mann, und doch ist. er der gei 
stige Vater der heute so emporgeblühten Gasglühlicht-In- 
dustrie. Drummond fand nämlich, dass wenn man gewisse 
Metall-Oxyde in eine durch Luftzufuhr nicht leuchtend ge 
machte Gasflamme bringt, diese stärker leuchtet, als sie es 
ohne Luftzufuhr als einfache Leuchtflamme gekonnt hätte. 
Da Drummond hauptsächlich Marmor, also Kalk, zur Licht 
erzeugung benutzte, so war diese allgemein als „Drummond- 
sclies Kalklicht“ bekannt. Heute noch wird es in fast unver 
änderter Form bei Projectionslampen angewandt. Für den 
gewöhnlichen Gebrauch war es dagegen nicht gut verwend 
bar und man musste darauf denken, den Glühkörper mit dem 
Gasbrenner in compendiösere und bequemer zu handhabende 
Anordnung zu bringen. Nach vielen mühsamen und höchst 
kostspieligen Versuchen gelang es auch endlich, Dr. von Auer 
eine solche Anwendung zu finden, indem er an Stelle des 
hierfür ungeeigneten Kalkes das Thorium vermischt mit an 
deren seltenen Mefalloxyden, wie Lanthan, Cer, Didym etc. 
in die bekannte Strumpfform brachte, und diesen Strumpf 
über einen Bunsenbrenner aufhing. Was die Gasglühlicht- 
Industrie heute zu leisten vermag, sieht man im Gebäude für 
Gas- und Wasserversorgung.—Die erste Stelle nimmt natür 
lich die Deutsche Gasglühlicht-Actiengesellschaft (Patent 
Auer) ein. An zwei ausgestellten Zimmern wird die Ver 
wendung des Gasglüh,lichts im Privathaushalt gezeigt. Aus 
serdem sind sämmtliche von der Auergesellschaft ausgeführ 
ten Brennerconstructionen in hübsch übersichtlicher Anord 
nung vorhanden. Ferner kann man den Gasverbrauch einer 
Gasglühlichtflamme mit. dem eines Argandbrenners dort di 
rect vergleichen, da die genannten Brennerconstmctionen 
im Betriebe mit je einem Gasmesser verbunden vorgeführt 
werden. Ein Blick genügt, um den sparsameren Gasver 
brauch im Verein mit der grösseren Leuchtkraft des Gas 
glühlichts zu constatiren. Die Auergesellschaft stellt, ausser 
dem noch, Spiritus-Glühlichtbrenner in den verschiedensten 
Constructionen vor. Bei diesen wird das durch eine kleine 
Spiritusheizflamme erzeugte Spiritusgas zur Speisung des 
Brenners verwendet und emancipirt so die Lampe von der 
festliegenden Gasleitung. Die anderen Firmen „Berliner 
Gasglühlicht, Horwitz & Saalfeld“, „Deutsche Glühkörper- 
Compagnie, Martin Gülzow“, „Elektra, Gasglühlicht-Gesell 
schaft Paul Bischofs & Co.“ bringen die gleichen Sachen wie 
Auer. Erwähnt sei noch die Naphta.-Glühlichtlampe von 
Albert Silbermann, sowie die Gasolin-Glühlampe von Louis 
Runge. Man sieht, die Gasglühlicht-Industrie ist keine, 
kleine. Es ist nur unangenehm und hält so viele Leute von 
dem Gebrauch des Gasglühlichtes ab, dass die Strümpfe noch 
so wenig haltbar sind und durch die oft nöthig werdende 
Erneuerung die Ersparniss an Gas fast völlig aufheben. Die 
Strümpfe werden hauptsächlich beim Anzünden und Aus 
löschen leicht, lädirt. Um diese Lädirungsgefahr herabzu 
setzen, hat die Firma Schaffer & Walcker einen elektrischen 
Fernzünder construirt und im Betriebe ausgestellt. Durch 
einen Druck auf einen Knopf werden die in beliebiger An 
zahl eingeschalteten Flammen behutsam entzündet, durch 
einen zweiten Druck können sie gelöscht werden. 
Wenn aber dereinst erst haltbare Strümpfe geschafft sein 
werden, wird es wohl dem Gasglühlicht vorbehalten sein, einen 
grossen Umschwung in der Gasbereitungstechnik hervorzu 
bringen. Unser jetzt gebräuchliches Leuchtgas muss näm 
lich, um gut und hell selbst leuchten zu können, einen, newis-
	        
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