Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

12 Officielle Ausstellungs-Nachrichten.
gebäudes mit der eines Ausstellungspalastes zu verknüpfen ist, ob
jede für sich abgethan werden muss, das hängt von einer Reihe
uncontrollirbarer Umstände ab, deren Erwägung an massgebender
Stelle noch manches Jahr in Anspruch nehmen mag, wenn uns
nicht vielleicht gerade das unmittelbar bevorstehende Akademie-
Jubiläum eine freudige Ueberraschung bringt.
V
Festsitzung der Königl. Akademie der Künste.
Zeigte vorgestern der Ausstellungspark bei der Eröffnung durch
Se. Majestät den Kaiser ein glänzendes, farbenprächtiges Bild, so
entstand ein Gemälde von nicht minder Mackart’scher Farbenpracht
in der Rotunde des Alten Museums bei der Festsitzung der
Akademie der Künste aus Anlass ihres zweihundertjährigen
Bestehens. Im Halbkreis vor den mit goldnen Tafeln ver
stellten pergamenischen Sculpturen sassen die Mitglieder
der Königl. Akademie in den dunkelrothen Sammetroben
und rothseidenen Aufschlägen wie altvenezianische Patricier. Die
Minister, die Mitglieder der diplomatischen Corps, die auswärtigen
Rectoren der Universitäten in ihren Uniformen und schweren
Sammet- und Brocatgewändern gruppirten sich in bunter
Farbenpracht in der Rotunde vor den Sesseln der Kaiser
lichen Majestäten, während draussen auf der breiten Freitreppe
des Museums sich die Schüler und Schülerinnen der Akademie, der
Universität und des Conservatoriums in Wichs und Wämsern mit
Fahnen und Baretten aufgestellt hatten in malerischen Pyramiden.
Bei der Ankunft des Kaisers senkten sich draussen die Fahnen,
ein Tusch begrüsste die Allerhöchsten Herrschaften beim Eintritt in den
Saal. Man sah Männer wie Defregger aus München, Johannes Schilling,
den Erbauer des Niederwalddenkmals und Pawels aus Dresden, man er-
Irannte Prof. Wüllner aus Köln, Adolf Menzel’s charakteristischer Kopf
glänzte über der purpurnen Robe des Meisters, Anton v. Werner und
viele Andere nicht minder berühmte Namen aus allen Kunstcentren
Deutschlands konnte man nennen hören. Die Universitäten und die
Wissenschaft sah man durch Männer wie Virchow u. A. vertreten. Nach
dem Eintritt des Kaisers bat der Herr CultusministerDr.Bossemitkurzen
Worten um die Erlaubniss, für den Präsidenten der Akademie seinen Be
richt zu erstatten. Geh. Regierungsrath Prof. v. Ende gab hierauf
in gedrängter Uebersicht ein Bild des Entwickelungsganges der Akademie.
Die Rede gipfelte im Danke an den Kaiser und an die Kaiserin
Friedrich, die Proteetorin und Ehrenpräsidentin der Feier, die leider
durch besondere Umstände verhindert sei, an der Feier Theil
zu nehmen. Der Präsident überreichte hierbei das Original-
modell, eine Gedenktafel und die für Se. Majestät den Kaiser her
gestellte Festschrift mit einem Kunstblatt von Adolf Menzel, in
R. Bong’s Kunstverlag hergestellt. Huldvoll nahm der Kaiser diese
Festgaben entgegen und erhob sich dann mit rascher Bewegung,
bedeckte sein Haupt und sprach mit kräftigen, warmen Worten seinen
Dank für die dargebrachte Huldigung aus. Hatte der Präsident der
Akademie gegen den Schluss seiner Rede angespielt auf die neueren
Strebungen der Kunst, die auch an der Berliner Akademie ihren
Einzug gehalten, auf den Kampf um die Technik und die Hoffnung
ausgesprochen, dass unter dem Einfluss des Kaisers auch dieser
Stand zur gedeihlichen Entwickelung gelangen werde, so betonte
der Kaiser sichtlich, dass die Akademie sich durch Festhalten
an den überlieferten Idealen seinen Dank erwerben werde.
Wiederholt wies er auf die Reinheit und auf die Höhe
der Kunst, auf ihren begeisternden und veredelnden Zweck
hin. Die Rede wird mit ihrer kurzen, gedrängten
Ansichtsäusserung in ganz Deutschland Aufsehen machen. Zum
Schluss richtete der Kaiser die Grosse seiner kaiserlichen Mutter
an die Versammlung aus. Der Gründ, der sie verhindert zugegen
zu sein, sei, dass ihr am heutigen Tage eine Enkelin geschenkt
sei. Mit unmuthiger Beziehung auf die Stätte der Kunst, an
der er sprach, betonte der Kaiser das Hellenenthum der eben geborenen
jungen Enkelin. Diese freundliche Schlusswendung wurde mit all
gemeiner, sichtlicher Freude aufgenommen. Hierauf fand durch
den Cultusminister Dr. Bosse die Verlesung der Ordensauszeich
nungen aus Anlass der Festfeier statt. Bemerkenswerth ist, dass
der Kaiser den Meistern Anton von Werner und Joachim seine
Büste zum Geschenk machte. Als Schluss der Feier erfolgte eine
Vorstellung sämmtlicher ausländischer Deputationen, in der man die
Akademien und Universitäten Deutschlands fast vollzählig vertreten
fand, eine Vorstellung der interessantesten Charakterköpfe. Unter
schmetternder Musik verliessen die kaiserlichen Herrschaften, be
gleitet vom Prinzen Leopold, das Haus. Die Kaiserin trug eine
bronze-röthliche Robe und ein von Schülerinnen der musikalischen
Hochschule überreichtes Bouquet. W. K.
Ein Begrüssungsfest für Johann Strauss fand
Freitag Abend in den gastlichen Räumen Dr. Oscar Blumenthal’s
statt. Selbstredend bildete der Wiener Meister, der mit seiner
Familie in Berlin weilt, den Mittelpunkt des interessanten Kreises,
in dem ganz besonders unsere Schriftsteller- und Journalistenwelt
vertreten war. Der von Blumenthal auf Strauss ausgebrachte, geist
volle Trinkspruch fand freudige Zustimmung. Neben dem Compo-
nisten, dessen gestern zum ersten mal in Berlin ausgeführte Ope
rette „Waldmeister“ bereits in der Generalprobe am Freitag einen
durchschlagenden Erfolg erzielte, erregte Frau Kopaczy, die in. hin—
reissend graziöser und temperamentvoller Art Strauss’scbe und ungarische
Weisen sang, das lebhafteste Interesse. Das kleine Begrüssungsfest
gestaltete sich zu einer herzlichen, fröhlichen Huldigung für
Johann Strauss, den populärsten Meister der Operettenmuse.
V
Im „Lessing - Theater“ wird die Operette »Wald
meister« von Johann Strauss mit Frau Julie Kopaezy-Karczag
als Gast und Eduard Steinberger in der Rolle des Professor
Erasmus Friedrich Müller an sämmtlichen Spielabendeu der Woche
zur Aufführung gelangen.
Sonntags-Repertoire Ser Berliner Bühnen. Königl.
Opernhaus: Robert der Teufel. Kroll: Uriel Aeosta. — König!.
Schauspielhaus: Staatsstreich. — Deutsches Theater: Mittags:
Matinee: Lumpacius-Vagabundus. Abends: Liebelei. Zu Hause. —
Lessing-Theater: Waldmeister. — Berliner Theater: Nach
mittags: Nachruhm. Abends: König Heinrich. — Residenz-Theater:
Fernands Ehecontract. — Neues Theater: Nachmittags: Privat-
Vorsteliung. Abends: Tata-Toto — Schiller-Theater: Der Wider
spenstigen Zähmung. — Ausstellungs-Theater Alt-Berlin:
Schwere Noth. Ringelstechen. — Theater U.d. Linden: Chansonette.
— Friedrich-Wilhelmstädtrsches Theater: Hungerleider. —
Adolf Ernst-Theater: Das flotte Berlin. — Central-Theater:
Casimir und Isidor. (Dreher). — Belle-Alliance-Th eatcr. Nach
mittags: Maria Stuart. Abends: Reise um die Erde. — Alexander-
platz-Theater: Die Kleinen Lämmer.
Geschäftliche ßEittheilungen.
Tn einem weit grösseren Maasstabe, als es bisher bei ähnlichen Ver
anstaltungen geschehen ist, wird anlässlich der Berliner Gewerbe-Ausstellung
die Beleuchtungstechnik den Beweis erbringen, zu welcher Vollkommenheit
sie es namentlich auf dem Specialgchiet der elektrischen Beleuchtung gebracht
hat. Wie wir erfahren, hat die Firma Albert Lotmann, Elektrotechnische
Fabrik Berlin 8.0 , unter anderem auch ihren Geschäftsbereich auf die Aus
führung elektrischer Beleuchtungs- und Kraftvertheilungs-Anlagen jeder Art
und in jedem Umfange ausgedehnt. Unter Mitwirkung hervorragender Künstler
und Architekten ist die überaus thätige Firma in der günstigen Lage, hei
elektrischen Beleuchtungsanlagen für decorative Zwecke seihst den höchsten
Anforderungen genügen zu können.
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  • oiiyeuirarUltel__iler_Berliiier_e-Aii«stcllinia:. Aus ilw Fabrik v, Tli.o.lor KoHcnlelil. Riit.-rstr 71
    Photographie-Rahmen,
    Briefbeschwerer, Papier-Messer,
    Cravattennadeln, Aschenschalen,
    Lampen, Dhren, Zündholzhülsen,
    Medaillen, Vexirspiel etc. etc.
    „Nvr Hammer in der Faust 4
    Zn haben In allen besseren «»lanterie-, Kurz-, Papier-, Uhren-, Lampen- und Spiclwaarengoiirhärten und in der Au.Stellung.
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