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Volume Nr. 174, 8. October 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

io Officielle Aussteüungs-Nachrichten. 
Beile; auch ist für den Waschtisch der Kleinen die „Schnee 
wittchen-Seife“ sehr beliebt. Es folgen dann all’ die theuren 
Seifen, Lilienmilchseife, Veilchen- Lanolin-Cremeseife, und 
diejenigen in allen nur möglichen Blumendüften als 'Flieder, 
Heliotrop, Parma-Veilchen, Hyacinth, Heuduft, sowie die be 
kannte und beliebte Maiglöckchenseife. Alle diese Seifen 
zeichnen sich besonders dadurch angenehm aus, dass ihr Duft 
ihnen bis zum letzten Verbrauch verbleibt. 
Die medicinischen Fettseifen,, wie sie neuerdings auf 
dein Gebiet der Hygiene gern und mit vielem Erfolg ange 
wendet werden, sind von vorzüglicher Art der Herstellung, 
und bei den verschiedensten Indispositionen der Haut sehr 
wirksam. Da sind Lanolin-, Borax-, Benzoe-, Carbol-, Schwe 
fel-, Theer-, Ichthyolseife etc. Selbstredend sind auch diese 
Seifen, die oft ihres ihnen eigenthümlichen Geruchs wegen, 
nicht parfumirt werden können, sehr gefällig verpackt. Neben 
der Seife behauptet nach wie vor die Mandelkleie einen Platz 
auf dem Toilettetisch, sowie auch die in letzter Zeit fabricir- 
ten Lanolin-Wasch- und Handpulver von Lohse. 
Für aufgesprungene Haut. giebt es ja viele Hilfsmittel, 
alle diese, sie mögen nun Glycerin, Lanolin, Vaseline, Cold- 
crearn heissen, sind vorhanden, hübsch in Flaschen resp. Do 
sen verpackt. 
„Prüfet alles und behaltet das beste“, kann man auch 
von den verschiedenen Schminken und Pudern sagen, die, 
schlecht und mit schädlichen Substanzen hergestellt, ausser 
ordentlich ungünstig wirken können. Leiclmer’s weltbe- 
rümte Schminken und Puder, sowie auch die andere n grossen 
Fabriken sind ja anerkannt vorzüglich; es erübrigt nur zu 
sagen, dass sie vorhanden sind und allen Zwecken entsprechen, 
sowohl für die Bühne als für den Privatgebrauch. Was auf 
der Bühne selbstredend durchaus nothwendig ist, sollte eigent 
lich füt gewöhnlich von den Damen stets unterlassen werden, 
da Schminken nicht zum guten Ton gehört, und wird es, in 
Bulin wenigstens, auch wohl fast durchgängig. Gegen das 
Pudern ist nichts einzuwenden, es ist sowohl bei starker Hitze 
als bei Kälte, zweckmässig und wohlthuend, sollte aber im 
mer nur massig geschehen und, wie alles und jedes, niemals 
übertrieben werden. 
Es ist neuerdings Mode geworden, Wasch- und Bade 
wasser zu pavfümiren, resp. weicher zu machen, und fürdiesen 
Zweck sind eine Anzahl Toilette-Essige und Wasser entstan 
den ; sie werden in allen möglichen Zusammensetzungen und 
Blumengerüchen fabricirt. Wer. will leugnen, dass wohl- 
gepflegtes Haar die Schönheit einer Frau ungemein heben 
kann. Lang wallender Hauptschmuck, wie sie den Gattin 
nen unserer ältesten Vorfahren eigen und wie wir sie so gern 
auf Bildern und der Bühne an den schönen Geimanenfrauen 
bewundern, ist nicht jeder gegeben. Aber dass das Haar 
durch gute Pflege glänzend und weich sei, das ist in unsere 
Hand gegeben. Mag ein kurzgeschnittener Tituskopf auch 
bequem sein, schön ist er nicht für eine Frau, denn der 
Schmuck des schöngeordneten Haares ist. eine Zierde des 
weiblichen Hauptes. Neben Waschen und dem fleissigen 
Bürsten des Haares ist in der neuesten Zeit die Anwendung 
von geeignet zubereitetem Haarwasser in Aufnahme gekom 
men : man hat neben dem schon älteren Honigwasser Vita 
line und verschiedene vegetabilische Haarwasser, so die 
Lohse’schcn Maiglöckchen-, Veilchen- und Posen-Kopfwasser, 
die auf die Erfrischung der Kopfhaut ausserordentlich gün 
stigen Einfluss üben sollen. Haaröle, Pomaden, Haarpuder 
und last not least Haarfärbemittel sind in der grössten Aus 
wahl vorhanden. Dem Haarwasser Schliessen sich die vie 
len Zahn- und Mundwasser an, deren Zahl eine schier unend 
liche ist und die doch immer noch manche Bereicherung er 
fahren. Da giebt es balsamische Mundwasser, Myrrhen- 
!Wasser, Pfeifermünz-Wasser etc. In annähernd eben so 
grosser Menge dürften die verschiedenen Zahnpulver und 
Zahnseifen vorhanden sein, die in allerliebsten Schachteln, 
«Blechbüchsen, Porzellan- oder Glasdosen verpackt sind. 
Schliesslich aber erscheinen mit als Hauptsache des wohl 
geordneten Toilettetisches die verschiedenen Parfums für 
Taschentücher und Kleidn. Wer will leugnen, das« die Zahl 
der Parfums Legion sei? Die Berliner Fabrikation steht 
in dieser Hinsicht auf der höchsten Stufe der Vollkommenheit 
und in nichts den Fabriken Englands und Frankreichs nach. 
Wie fast jede Dame ihre Lieblingsblume hat, so hat ,«i>- auch 
ihr specielles Lieblingsparfum. Da sind Maiglöckchen-Ex- 
tracte, Türkischer Flieder, Akazienblüthe., Edel weiss, Gold 
lack, frisches Heu, Heliotrop, Hyacinthe ,Königin der Nacht, 
Lindenblüthe, Parma- und San Remo-Veilchen, Pose Dijon, 
Ylang-Ylang, Tuberose, und so weiter und alle entweder ein 
zeln zu haben in geschliffenen reizenden Flaschen oder Fla 
cons, oder mehrere Flaschen zusammen in elegantesten Car 
tons auf Atlasfutter gebettet. Dazu gesellen sich als Ge 
schenke sehr geeignete elegante Cartonnagen mit Füllung von 
Parfums, Seifen, Rieehkissen etc. Sic sind auf der Au «Stel 
lung in Pococoform in Seide mit Malerei, sowie als elegante 
Holzkasten in Thujaholz mit Posenholz-Einlage vorhanden, 
auf’s Geschmackvollste und Reichste gefüllt. Dass Berlin 
auch Cöln Concurrenz macht in Herstellung des Euu le Ge 
legne ist ja bekannt. 
Dass alle diese schönen Parfums, deren feiner Duft nichts 
zu wünschen übrig lässt, immer nur mit grösster Vorsicht und 
nie zu viel davon anzuwenden sind, versteht sieh für c ine wohl 
erzogene Frau von selbst. Es ist ja nichts hässlicher und un 
feiner, als eine Dante, die sich schon, ehe man sie siebt, durch 
den Duft ihres Parfums anzeigt und Wolken diese«"Duftes 
um sich verbreitet. 
Endlich sei hier noch aller jener schöner Zimwerpariüms 
gedacht, welche Berliner Fabriken tadellos herstelltn, und des 
Riechsalzes sowie des belebenden Lavendelwassers, welches 
jedenfalls auch bei der üeberfüllung der Ausstellung oft seine 
wohlthuende Wirkung auf die Nerven hat zeigen müssen. 
N. v. Brande n b u r g. 
Heute, Donnerstag, ist Elitelag in der Ausstellung. 
Abends findet grosse Illumination der Faeade des Haupt 
gebäudes, der Ufer des Neuen Sees unter Einbeziehung der 
Wandelgänge um denselben statt. Eintrittspreis den ganzen 
Tag 1 Mark. Morgen, Freitag, ist combinirter 
ES n - M arlct a g für den Besucher der Ausstellung und der 
drei Sonder-Ausstellungen. Das philharmonische Bias-Or 
chester wird am Freitag von Mit John Ph. Sonst» aus Ame 
rika dirigirt werden. 
s 
Der Umzug der Araber aus Kairo und der Costümir- 
ten aus Alt Berlin, der gestern Nachmittag nach 3 Uhr unter 
Betheiligung der drei Musikcorps stattfand, hatte ein sehr 
zahlreiches Publikum angezogen, du« dem interessanten. 
Schauspiel mit grossem Interesse folgte. Ganz besonders 
gefielen die arabischen. Reiter, durchweg äusserst originelle 
Gestalten und reiche Ausbeute für «inen modellbedürftigen 
Zeichner bietend, die in voller kriegerischer Ausstattung mit 
ihren prächtigen Pferden den fesselnden Mittelpunkt des 
Zuges bildeten und durch das wiederholte Abfeuern "ihrer 
Flinten die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkten. 
Aber auch die Kamelreiter, die schwarzen Frauen, die tanzen 
den Derwische, Musikanten, Eseltreiber etc. bilden höchst 
fesselnde Gruppen und stachen in ihrer unverfälschten Echt 
heit sein- vortheilhaft von den imitirten Wenden ans Alt- 
Berlin ab. D i Zug bewegte «ich durch den ganzen Park 
und würd« überall lebhaft vom Publikum ncelamirt. 
Die Fortsetzung der Ausstellung. Die Petition 
an den Berliner Magistrat und den Arbeits-Ausschuss der Ber 
liner Gewerbe-Ausstellung wegen Fortsetzung der Ausstel 
lung im nächsten Jahre als deutsch-nationale Ausstellung
	        
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