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Volume Nr. 16, 3. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielle Äusstellungs-Nachrichten. H 
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Das Theater Alt-Berlin gewährt für die Folge den 
Ausstellern und deren Angehörigen, welche sich durch ihre Karte 
legitimiren, eine Preisermässigung von 50%, doch ' müssen die 
Eintrittskarten bis 3 Uhr Nachmittags bei der Direction bestellt 
sein. 
b) In Berlin. 
Aus der Geschichte der Berliner Akademischen 
Ausstellungen. 
Zur Jubelfeier der Berliner Kunstakademie. 
Von 
Dr. ßeorg Salkowsky. 
[Abdruck untersagt.! 
Ein Freund der Akademie-Bäume »oberhalb des Churfürstlichen 
Märstalles in der Dorotheenstadt» hat das gesummte Archiv der 
Berliner Kunstakademie errichtet, so dass die hohe Jubilarin des 
Ausstellungsjahres 1896 die grösste Mühe hatte, ihr Geburtsjahr 
festzustellen. Zu den Veranstaltungen zur Feier ihres Ehrentages 
gehört eine mit besonderem Prunk inscenirte internationale. Jubel- 
Ausstellung, die als die kündertundzehnte ihres Zeichens einen 
Rückblick auf ihre Vorgängerinnen um so mehr rechtfertigt, als in 
den Catalogen von 1786 bis 1896 gewichtiges Material für die 
Geschichte der Akademie steckt, die nach dem Verluste der Acten 
nicht ohne Schwierigkeiten reconstruirt werden muss. 
Am 1. Februar 1786 richtete der Curator der Akademie, 
Freiherr Friedrich Anton von Heinitz, an den König Friedrich II. 
ein Dankschreiben, >n dem er auf den Mangel an Fonds und 
geeigneten Lehrkräften hinwies und“ zugleich das Beispiel anderer 
Akademien hervorhob, »bei welchen jedes Jahr eine Ausstellung 
von Kunstsachen angeordnet wäre, wo das Publikum oft die Arbeiten 
der Künstler am besten beurtheilte und auch Gelegenheit erhielte, 
gute Meister in ihrem Fache kennen zu lernen«. Am 11. Februar 
unterbreitete Heinitz ein Statut, das eine regelmässig wiederkehrende 
Ausstellung von Kunstsachen anordnete, und am 20. Mai 1786 
wurde die erste dieser Ausstellungen in feierlicher Sitzung eröffnet. 
347 Nummern, die ein 46 Octavseiten umfassender Katalog aufzählt 
und beschreibt, waren in den Unterrichtsräumen des Akademiege 
bäudes ausgestellt. Das Verzeichniss, für 4 Groschen käuflich, diente 
als Eintrittslegitimation und wurde durch einen Rothstiffstrich als 
benutzt gekennzeichnet. Da man jedoch bemerkte, dass der Strich 
sich leicht entfernen liess, führte man besondere Billets ein. Im 
ersten Zimmer befanden sich rechts die Schülerarbeiten, links die. 
Versuche kunstliebender Dilettanten. An der Spitze der letzteren 
stand Prinz Friedrich Wilhelm von r Preussen (Friedrich Wilhelm III.) 
mit einer Bleistiftzeichnung der Minerva nach Bbüchärdön. Seine 
drei Brüder hatten Landschaften, seine Schwester Louise eine Ara 
beske geliefert. Der junge Alexander von Humboldt hatte in schwarzer 
Kreide ein Bild der Angelika Kaufmann copirt. Unter den zwanzig 
ausstellenden Dilettanten befänden sich nicht weniger als elf Damen. 
Das zweite Zimmer enthielt die Werke auswärtiger und fremder 
Künstler, die ehemals in Berlin gelebt. Unter diesen ächt »Aus 
ländern« waren fünf in der Nachbarstadt Potsdam heimathberechtigt, 
so dass es um den internationalen Charakter der Ausstellung nicht 
eben glänzend bestellt war. Der Akademie-Director Rode und der 
Historienmaler Frisch waren durch geschichtliche Schildereien und 
Portraits von Gleim und Moses Mendelssohn vertreten, und Daniel 
Chodowiecki hatte seine Stiche zu Pestalozzi’s »Linhard und Gertrud« 
beigesteuert. 
Die Ausstellungen bis zum Ausgang des achtzehnten Jahr 
hunderts brachten nur unwesentliche Aenderungen in der Zusammen 
setzung der eingesandten Kunstkarten. Im Jahre 1787 begegnen 
wir zum ersten Male dem Namen Johann Gottfried Schadow, in 
der darauf folgenden dem »Maler aus Lübek«, Herrn Karstens, 
und 1789 dem »Ciseleur und Fondeur« Ravene, der einen Wand 
leuchter in Bronce ausstellt. Der Katalog des letzteren Ausstellungs 
jahres kündigt die Aussetzung von Belohnungen an, und zwar fünf 
Preise von 50—500 Thalern für die Maler, .zwei von je 100 
Thalern für die Zeichner, ebenso für die Bildhauer, und Doppel 
preise von 50—200 Thaler für die Kupferstecher und 50 Thaler 
für die Formschneider. Hier stellte auch Langhaus sein Modell 
2um Neubau des Brandenburger Thores aus. 
Das Jahr 1791 brachte eine Reihe von Entwürfen zu einem 
Denkmale Friedrichs des Grosssen, unter anderen von Carstens, 
Schadow und Chodowiecki. 1794 fand eine Neueintheilung der 
Ausstellungsgegenstände statt. In der Abtheilung der »Fabrik- und 
Gewerkarbeiten« hatte man eine gar seltsame Serie von Dingen 
zusammengebracht; da gab es Ocfen, Luftpumpen, Uhren, Sticke 
reien, Charakter-masken, Tische, Musikinstrustumente, Steigbügel und 
Klystierspritzen. 
Die kriegerischen Ereignisse unterbrachen die Ausstellung des 
Jahres 1806. Während der Oecupation 1808 erschien der Katalog 
französisch und deutsch. Ueberhaupt spiegeln die Ausstellungen bis 
1816 deutlich die Ereignisse, Erniedrigung, Aufschwung und Sieges 
freude wieder. So bringt Schinkel 1810 den Entwurf einer Be- 
gräbnisscapelle der verewigten Königin Luise, Gottfried Schadow 
liefert 1842 ein Relief mit der Apotheose der Königin und »Herr 
Rauch in Rom« debutirt mit einer Büste Friedrich Wilhelm III., 
1814 fand Unter den Linden 37 eine Ausstellung im Privatbesitz 
befindlicher Gemälde zum Besten der verwundeten Krieger statt; 
und 1815 hatte man die Freude, den Berlinern die aus Paris 
zurückgeholten Kunstschätze vorführen zu können. Der interessante 
Katalog zählt nicht- weniger als 28 Oelgemälde, 22 Statuen 
59 Broncen, 29 Terracotten, 16 Basreliefs, 461 Gemmen und 
Münzen und ausserdem 59 nicht ausgestellte Kunstwerke auf, die 
seiner Zeit von den Herren Franzosen »mitgenommen« worden 
waren. 
Die Entwickelung der nächsten zehn Jahre gehört der Bild 
hauerkunst. In den Ausstellungen dieses Decenniums gaben sich 
die glänzendsten Namen Rendezvous: Gottfried Schadow, Canova, 
Thorwaldsen, Rauch und Tieck; daneben tauchen seit 1828 ton 
angebend die Düsseldorfer auf- Eduard Bendemann, Theodor 
Hildebrandt, Carl Sohn, Carl Friedrich Lessing, Julius Hübner und 
Rudolf Jordan. 
Der Umfang der Ausstellungen war inzwischen weit über den 
zur Verfügung stehenden Raum hinausgewachsen. Mit 347 Num 
mern hatte man begonnen, 1830 hatte man bereits 1200 Kunst 
objecte unterzubringen, die von nun an unter den Rubriken: 
Malerei, Bildnerei, Architektur, Kupferstich, Kunstindustrie ein 
geordnet erscheinen. Bedeutsam wurde das Jahr 1832 durch das 
Debüt Andreas Achenbachs mit einer Kirche im Schnee, während 
1836 die Franzosen zum ersten Male als ausländische Aussteller 
in geschlossener Phalanx auftreten. Von nun an spiegelt sich in 
den Berliner Akademischen Ausstellungen die genugsam bekannte 
Geschichte der modernen Malerei. 1836 enthüllte sich Adolph 
Menzel, die kleine Excellenz, zum ersten Male als selbstgemachtes 
Kraftgenic mit seiner Schachpartie und 1839 begegnen wir zum 
ersten Mal dein Expräsidenten der Akademie C. Becker mit einer 
»Auffindung des Giotto durch Gimabue«. 
Die Stürme des Jahres 1848 gingen natürlich nicht spurlos 
an dem Kunstleben der Hauptstadt vorüber. Die damals statt 
findende Ausstellung war die erste und bisher einzige, deren Er 
trag in Folge des spärlichen Besuches nicht die Kosten deckte. 
Hatte man doch beinahe ein Jahrhundert an den ursprüng 
lichen Räumen, »oberhalb des churfürstlichen Marstalles in der 
Dorotheenstadt« festgehalten, so brachte die Reorganisation der 
Akademie im Anfange der siebziger Jahre auch für die Aus 
stellungen wesentliche Wandlungen mit sich, die Zimmer des 
Akademie-Gebäudes waren für Meister-Ateliers und Bureaus in 
Anspruch genommen, und man errichtete auf der Museums-Insel 
den Nothbau »am Cantianplatz«, den der Volkswitz treffend als 
»Kunststall« bezeichnete. Hier fanden seit 1876 die Ausstellungen 
statt, hierher kehrte man reuig zurück, nachdem eine Umsiedelung 
in das neue Polytechnikum in Charlottenburg 1882 eine starke 
Verminderung des Besuches zur Folge gehabt hatte. Der Nothbau 
begann bedenkliche Spuren des durch sein wenig haltbares Material 
bedingten Verfalls zu zeigen, und so entschloss man sich, die 
hundertste Ausstellung des Jahres 1886 in dem für die Hygiene- 
Ausstellung des Jahres 1883 erbauten Glaspalast des »nassen 
Dreiecks« am Lehrter Bahnhof stattfinden zu lassen. Das dies 
jährige Akademie-Jubiläum findet die Stätte für die Unterbringung 
seiner Kunststätte noch in demselben Gebäude, das mit grossen 
Kosten renovirt und modernen Lichtbedürfnissen angepasst, durch 
Nützlichkeit ersetzt, was ihm an Repräsentationsfälligkeit abgeht. 
Ob die ihrer Lösung entgegenharrende Frage eines Akademie
	        
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