Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
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der Besucher unserer Ausstellung Genüge gethan, und der auf
richtige Dank der Allgemeinheit ist ihm sicher. Nicht mindere
Anerkennung aber verdient die Firma Schmidt in Altona-
Hamburg, welche das der Obhut des 6 Jahre in Afrika angestellt
gewesenen Herrn Gillmeister anvertraute schmucke Tropenhaus
erbaut hat. H.
Fürst Ferdinand von Bulgarien wurde am Freitag,
wie gemeldet, vom Vice-Präsidenten des Fest-Comite, Herrn Director
van den Wyngaert und dem Vorsitzenden der Gruppe Sport, Herrn
Mosino, empfangen. Der Fürst sprach sein Erstaunen darüber
aus, welche ungeheure Veränderung Berlin in den Jahren,
in denen er diese Hauptstadt nicht gesehen hat, erfahren hat. Was
besonders die Ausstellung anbetrifft, so wurde der Fürst nicht müde,
die Schönheiten derselben zu bewundern, Er erkundigte sich im
besonderen, wann die Ausstellung des Abends geschlossen werde.
Herr Director van den Wyngaert erwiderte, jetzt, im Anfange, an
gesichts des kühlen Wetters, werde der Schluss wahrscheinlich gegen
zehn Uhr erfolgen.' Fürst Ferdinand erklärte darauf: „Und wenn
mir nur eine Stunde freie Zeit bleibt, komme ich wieder
heraus,denn dies esUnternehmen in teressirt mich ungemein!“
Ein tragikomischer Zwischenfall, der aber die Anziehungskraft
unserer Ausstellung drastisch beleuchtet, ist zu verzeichnen. Als
das Kaiserpaar mit dem Fürsten von Bulgarien und Gefolge auf
dem Wege nach Kairo sich befand, bemerkte der Fürst plötzlich,
dass ihm seine Adjuk- '.„^ abhanden gekommen waren. Er bat
die oben genannten Herren, sich nach diesen umzuschauen, aber
vergebens; der Fürst ist nach dem Frühstück auf dem Kaiserschiff
ohne seine Adjutanten nach Berlin zurückgekehrt!
V
In das Hauptgebäude ist nach der Feststimmnng der
Eröffnung wieder der Werkeltag eingezogen. Fast in allen Sälen
wird noch emsig gearbeitet. Sehr weit zurück ist die Möbel
industrie, deren Kojen zum grossen Theil leer stehen. In manchen
sind sogar noch die Maler und Tapezierer eifrig thätig, die Bäume
für die Aufstellung der Möbel zu decoriren. Auch die Metall
industrie muss sich beeilen, um den Besuchern endlich ein abge
schlossenes Ganze ihrer Leistungsfähigkeit vorzuführen. Augen
blicklich sind zahlreiche Arbeiter mit dem Aufstellen der
Kunstschmiedearbeiten, der Geldschränke u. s. w. beschäftigt.
Volle Anerkennung ist den Ausstellern der Papier
industrie und der Bekleidungsbranche zu zollen, die von
ihren Räumen mit Recht sagen dürfen, dass sie sich als fertig
präsentiren. In den Sälen der Glas- und Porcellanbranche sieht
es auch noch etwas öde aus, reichhaltiger besetzt ist dagegen die
Halle für das Bauwesen, die von den Interessenten schon viel
besucht wird. In der Kuppelhalle ist der Kaiserbaldachin bereits
abgebrochen und die Arbeit an den vier Pfeilerbrunnen wieder auf
genommen worden. Auch die Ausstellung aus den Königlichen
Schlössern, kunstvolle Majolika, antike Uhren, Besässe, Möbel und
Kunstbronzen beginnt sich bereits zu entfalten und bildet, nur
durch den Kuppelsaal von der Ausstellung der Königlichen Por-
zellanmanufactur getrennt, ein wirksames Gegenüber zu dieser.
Das Publikum lässt sich von dem Lärm der Arbeit, von dem
Pochen und Hämmern, das ringsumher noch erschallt, gar nicht be
irren. Mit voller Aufmerksamkeit die ausgestellten Gegenstände
betrachtend, ziehen die Schaaren durch die Hallen, und recht oft hört
man ein treffendes Wort der Kritik aus schönem und minder schönem
Munde über die Bauten und die Schaustücke, das die Befriedigung
der Massen illustrirt. Draussen in der Vorhalle, im Cafe Bauer,
zeigte sich ein Bild grossstädtischen Lebens in den buntesten Farben.
Damen wie Herren in den eleganten Frühjahrstoiletten sassen an
den Tischen und schlürften bei lebhafter Unterhaltung ihren Kaffee,
andere promenirten und musterten die Terrassen und deren Bild
werke oder betrachteten das prächtige Thor des Hauptgebäudes,
das sich in seinem Goldschmuck wirksam von dem blendendem Weis3
der Wände abhebt.
V
Der Besuch der Ausstellung war am Sonnabend
schon in den Vormittagsstunden ein äusserst reger und nahm am
Nachmittag von Stunde zu Stunde an Umfang zu. Während am
Freitag Fräcke und Galauniformen fast ausschliesslich vorherrschten,
waren es nun vorzugsweise civile und unofficielle Persönlichkeiten
die den Park belebten. Im Nordpark herrschte reger Verkehr.
In ihren bunten Costümen sah man die feschen Kellnerinnen das
Restaurant am Alpenpanorama munter und eilfertig sich zwischen
den dichtbesetzten Tischen hindurchwinden und auf manches Witz
wort hörte man sie keck und schlagfertig erwidern. Im Pilsener
Bierausschank von Dressei und Adlon war man mit den Bau- und
Einrichtungsarbeiten noch nicht so weit fertig, dass Gäste schon
bewirthet werden konnten und so drängte sich denn der Hauptstrom
hinüber nach dem Cafe Watzeck und dem hübschen Pavillon der
Bodega Compagnie. Auch in Habeis Brauerei und bei Siechen
herrschte erfreulicher Andrang; ganz besonders trug hierzu bei,
dass auf dem freien Platze zwischen diesen Erfrischungsstätten die
Musikcapelle des Musikcorps des Gardefüsilierregiments unter
Leitung des Herrn Frese ihre munteren Weisen ertönen liess. Recht
schmeichelhaft waren die Urtheile, die über das Alpenpanorama laut
wurden, man war durchweg begeistert von dem lebensvollen und
farbensatten Bild. Amüsant war es, die Passanten zu beobachten,
die zufällig am Nebelhorn vorbeikamen, wenn es seine infernalischen
Töne von sich gab; Schreck, Angst und Entsetzen bei den Damen,
würdevoll zur Schau getragenen Todesmuth bei den Herren und
mächtige Freude bei den Jungens, die garnicht wegzubringen waren.
Leid thun uns die jungen Damen in dem kleinen Zeitungs-Pavillon,
der gerade vor dem Nebelhorn steht, und die den Genuss aus
nächster Nähe täglich unzählige Male zu kosten bekommen.
Auch in dem grösseren Theil des officiellen Ausstellungs-Terrains
im Südpark entsprach der Besuch der erwarteten Physiognomie eines
wirklichen ersten Resuchertages. Viel Publikum, gutes Publikum,
Fremde, sehr viele Fremde und Einheimische. Alle mit dem Führer
und der letzten Nummer unserer officiellen Ausstellungszeitung in
der Hand, beharrlich sich die ungewohnten Wege nach allen Sehens
würdigkeiten suchend, glücklich, sie gefunden zn haben. Wer nicht
gleich fand, fand sich, namentlich am Nachmittage nach den Tönen zurecht,
die vom Neuen See, von Alt-Berlin, von den Marine-Schauspielen
herüberklangen. Die schmetternden Fanfaren der zweiten Matiosen-
division namentlich, die unseren Kaiser auf vielen Reisen begleiten
durfte, lockten ungemein und gaben ermüdeten Beinen neue Kraft
weiter zu wandern. Die Besucher des Sonnabends waren also
wirkliche Fremdlinge. Wie draussen im Auslande der rothe
Baedeker das Zeichen des wahren Touristen ist, so hier
unsere hoffnungsgrünen »Ausstellungs-Nachrichten«. Man watete
geduldig durch den characseristischen weissen Sand, der die
Stimmung für Alt-Berlin vorbereitet, sass man bei den Baierinnen
im Bürgerbräu und den feschen Wendinnen im Spreewalddord.
Und zwischenhinein wird in der Ausstellung weiter gearbeitet.
V
In der Sport-Ausstellung bringt jeder Tag Neues und
Erfreuliches. Besonders an Innendecorationen ist Interessantes ge
schaffen. So wurde Sonnabend ein Zeltbau, in dem eine Solinger
Waffenfabrik ihre Ausstellungsobjecte untergebracht hat, fertiggestellt,
der durch geschmackvolle Anordnung auffällt. Lachsfarbene Wollstoffe
bilden als Wände einen fein abgetönten Hintergrund für mannigfache
Waffenarrangements, altgoldene transparente Stoffe, in Farbe und Stoff
gleich glücklich gewählt, bilden das Zeltdach, dessen Gerüst aus
Ulanenlanzen in hübscher Anordnung gebaut ist. Angenehm be
rühren das Auge auch an der Vorderansicht des Zeltes lachsfarbene
Drapirungen, die ein vergoldeter Reichsadler trägt, in den Klauen
die Lanzen zusammenfassend und im Schnabel die Fangschnüre
haltend. Die Schnüre selbst finden in Körben von Cavallcriesäbeln
Stützpunkte, von denen aus sie sich in unmuthigen Windungen um
die Draperieen schlingen. Auch die Schnur, die das Innere des
Zeltes gegen das Publikum zu abschliesst, trifft im Anordnen und
Ton das milde Colorit des Ganzen. Die Anlage ist von dem
Düsseldorfer Decorateur H. Rombey ausgeführt worden.
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