Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
Und diese Wandfelder — welche Fülle des Interessanten bieten
sei! Sind sie doch bestimmt, gleichsam eine bildliche Zeitung zu
sein, anschauliche Illustrationen der Tagesereignisse und Tagesfragen
zu geben, nicht der leichtfertigen Unterhaltung, dem Sinnenkitzel
dienend, sondern ein ernsthaftes, sich täglich erneuerndes Supple
ment zu den grossen Blättern des Scherl’schen Verlages.
Das Auge fällt zunächst auf die wundervollen, grossen
Photographieen, welche cüe Mittelfelder der Seitenwände schmücken:
es sind Aufnahmen der Innenräume des Hauptgebäudes
des »Berliner Lokalanzeiger« in der Zimmerstrasse; die Seite mit
den gewaltigen Augsburger, Würzburger und Hummel’schen Maschinen,
die Kesselhäuser, die Stereotypien, die Eingänge zu den Redactions
räumen, die Setzersäle, die Registratur und Redaction des »Neuen
Adressbuch« mit den hunderten von Fächern und Actenbündeln
— kurz alle die Räume, die gewöhnlich dem Publikum nicht zu
gänglich sind und deren Bilder hier dem Laien eine leise Ahnung
geben können von der Energiemenge, dem Raumbedürfniss und —
dem Capital, die einem mit den modernsten Einrichtungen aus
gestatteten IZeitungsverlag unentbehrlich sind. Fast rührend nimmt
sich dazwischen die, im Vergleich zu jenen Riesen, »erste Maschine«
aus, mit der vor mehr als einem Jahrzehnt der Druck des «Lokal
anzeiger« begonnen wurde, der an Umfang und Auflage heut alle
deutsche Zeitungen übertreffen hat.
Das grosse Mittelfeld, dem Eingang gegenüber Ist für actuelle
Specialausstattungen bestimmt. Zu der brennenden Tagesfrage:
»Sollen Frauen Rad fahren?« nehmen wir durch eine interessante
Sammlung »Die Frau auf dem Rade« Stellung, Grosse Holz
schnitte schildern das Radfahrtreiben in den Parks von London
und New-York, die englischen und französischen Meisterfahrerinnen
präsentiren sich in ihren seltsamen Tricotcostümen, neben den
coburgischen Fürstlichkeiten erscheinen nach »Sport im Bild« auch
die vier Barrison zu Rad, neue Erfindungen in Radfahrcursen sind
bildlich dargestellt, und prachtvolle Originalzeichnungen der »Wiener
Mode«, die unsere Collegin uns überlassen hat, stellen die ge
schmackvollsten Radfahrerinnencostüme aus allen Hauptstädten
Europas zusammen.
Ein anderes Feld vereinigt die Portraits der Schöpfer der Berliner
Gewerbe-Ausstellung: den Arbeitsausschuss, die Abtheilungsleiter.
Ein Bild wird man freilich vermissen, das des Baumeisters
Hoffacker. Dieser hervorragende Architekt ist so frei von Eitelkeit,
dass er sich nie in seinem Leben hat photographiren lassen! Welch
ein Sonderling in unserer' Weit!
Ein anderes Feld, unseren Damen besonders empfohlen, zeigt
die neuesten Frühjahrstoiletten dar Weltmode, aus Paris, London,
New-York, Wien. Man studirt dort die schönsten Toiletten vom
Pariser Firnisstag und danebem dis Ausstattung der Prinzessin
Alexandra von Coburg.
Wieder ein neues Feld ist reich an Originalphotographieen,
die den Krieg in Abessinien schildern. Menelik’s und seiner Ge
mahlin Tastn Bilder, die Portraits der italienischen und
äbessinischen Führer, der Königspalast von Makalle und die
Wälle des Fort Ädigrat drängen sich vor unsere Augen. Der
t> Berliner Lokal-Anzeiger« hat eigene Correspondenten an ajlen
^nächtigen Plätzen der Erde und diese sind angewiesen, uns sofort
Öie Bilder der wichtigsten Ereignisse und Persönlichkeiten zu senden,
die im Interesse des Tages stehen. So ist denn auch die Ab
theilung »Aktualitäten« schon sehr reich. Mit Vergnügen wird
man die Bilder von der Dresdener und der Wiener Kaiserparade
sehen, die Portraits der Männer, von denen jetzt alle Welt spricht,
z. B. des verstorbenen Treitschke oder des Cardinais San Felice,
den in Neapel jüngst Kaiser Wilhelm II. mit seiner Freundschaft
beehrte. Auch die Photographieen der schönen Frau Kozacsi, die
im Lessingtheater Triumphe zu feiern kam, und die noch unver
öffentlichten Bilder aus dem neuen Zugstück des Adolf Ernst-
Theaters, die uns Herr Pflaum zur Verfügung gestellt, die Bilder
des neuen Mozartdenkmals in Wien und seines Schöpfers auf dem Todten-
bette werden unsere Besucher sehr interessiren, die neuesten tele
graphischen Depeschen, die dem Saale den Namen gegeben, werden
hier sofort' nach Eintreffen angeschlagen, die Börsenkurse, die
Renntelegramme werden uns schleunigst übermittelt. Wetterberichte
aus aller Welt erzählen dem Fremden, wie es jetzt bei ihm daheim
aussieht, Wetterprognosen erleichtern ihm das Plänemachen für den
nächsten Tag. Das »Neue Adressbuch«, der »Berliner Lokal-
Anzeiger« stehen zu Jedermanns Verfügung — kurz : Nichts ist
vergessen, was die Theilnahme des Berliners und des Besuchers von
Auswärts zu erwecken vermag, und für beständige Abwechslung ist
gesorgt. C. A.
Die Pavillons im Ausstellungspark.
[Abdruck untersagt}
Gleich hinter dem Hauptportal, das nunmehr die volle Färben
pracht seiner gedankenreichen Malereien entwickelt, stellen sich uns
Siemens & Ilalske in den Weg mit einem entsprechenden Fach werk
bau, der von Giebeln und Thürmchen von keckem Umriss überragt wird.
Der Eingang ist von einer kräftigen Guirlande umrahmt, über welchem
ein geschnitzter Bogenfries ein reich örnameutirtes Feld mit der
Firma trägt. Der Bau ist nach Art einer Basilika als eine Halle
mit anschliessenden niedrigeren Ausbauten eingerichtet, die durch die
Malereien der Fenster und den matten Schein der Butzenscheiben
von einem milden Glanze durchströmt wird. Das Innere ist in
hellem Kiefernholz durchgeführt und nach den Skizzen des Archi-
tekten Theodor Ferber in dm einzelnen Feldern und Zwickeln
mit zierlicher Blumenmalerei ausgeschmückt.
Etwas weiter nach dem nassen Viereck zu, dicht an der
Pforte zur Alpenwiese steht der Pavillon der FleisChwaaren-
fabrik von A. Breslauer, für -welchen Baumeister Wohlgemuth
einen hübsch ausgestatteten Innenraum mit einer achteckigen offenen
Halle wählte, deren Wandflächen von gepressten und gläsirten
Fliesen mit einem breiten Kinderfriese darüber, in englischer Manier
bekleidet sind. Ein luftiger, thurmartiger Aufsatz krönt die eigent
liche Innenhalle, über welchem zuletzt eine kleine vergoldete
Kuppel den Abschluss bildet.
Sehr eigenartig ist ein Eisenpavillon mit besonders reicher
Verglasung, den das dem Herrn von Krause gehörige Eisen
werk Neu salz a. 0. ausstellt, um gleichzeitig in dem
selben seine bekannten Oefen, grössere Kücheneinricht
ungen und die besten Erzeugnisse seiner Emaillirwerke
vorzuführen. Der halbrund geschlossene Pavillon öffnet sich nach
der Spree hin in einen mächtigen Bogen, in welchem ein breites
Feld für die Schriftbänder eingelegt ist, während der grösste Theil
der Fläche durch ein feines Netz von Eisenstäben in Sterne und
andere Muster von verschiedenartigem Glase zerlegt ist. Neben dem
Eingang sind in Emailmalerei die Vertreter der Hüttenindustrie und der
Eisengewinnung dargestellt, und in den flott bewegten Kartuschen der
durchbrochenen Brüstung Sinnsprüche und die Fabrikmarke des Werkes
mehrfach angebracht. Die Decke ist aus leichtem Wellblech
construirt und an den Langfronten durch gefällige Galerieen verkleidet.
Weiter nach der Treptower Chaussee zu hat die Fabrik von
Eckert & Comp, einen grossen Hallenbau errichtet und ihrt un
mittelbar benachbart die Finna Lange & Gutzeit einen ganzen
Complex für Wagenbau und verwandte Artikel. An der Grenze
des Nordparkes nach Treptow hin, ist durch die Architekten Blum
berg und Schreiber eine umfangreiche Stall- und Remisenanlage
für die Wagenfabrik von Kühlstein ausgeführt worden. Es ist das
ein recht ansehnlicher Bau geworden, dessen drei Flügel mit dem
offenen Vorhofe ein bedeutendes Gelände in Anspruch nehmen. Bei
diesem Bau, der namentlich in seiner inneren Einrichtung Beachtung ver
dient, ist das obere Geschoss mit einem tiefgefärbten Holze verkleidet, das
von mancherlei decorativen Zuthaten, wie Wappen, Erker und zier
lichen Ballusiraden unterbrochen wird. Der Mittelgiebel ist durch
einen reicheren Ausbau hervorgehoben, der mit einer offenen Galerie
weit über das Ziegeldach vortritt und zu einer geschmackvollen Aus
bildung der ganzen Portalanlage führte.
Von den neu entstandenen Anlagen sei zunächst noch die recht
ansehnliche bei dem Marineschauspiel (in der Nachbildung der
»Hohenzollern«) eingerichteten Restauration (erfunden von Ingenieur
Leps) erwähnt, die mit ihren hübschbemälten Gewölben auf kräftigen,
gedrungenen Säulen einen sehr einladenden Eindruck macht. Auf
dem Deck der Yacht erhebt sich ein offener Pavillon, der mit der
goldenen Kaiserkrone geziert ist. Die Ausführung der ganzen An
lage, die in zwei grossen über einander liegenden Sälen an drei
tausend Personen fassen soll, lag in Händen des Architekten
Gustav Schreiber (Halensee).
Eine interessante villenartige Baugruppe schuf die H bearbeitungsfabrik C. A. Meyer nach den Angaben des Attbi-
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