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Periodical volume Nr. 170, 4. October 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

12 Officielle Ausstellungs* Nachrichten. 
Feileren Klangcliarakter, aufweist, gestatten ein interessante 
Ausnutzung des Materials. Der ganz prachtvolle und sonore 
Ton gleicht, dem eines grossen Harmoniums auf das Ent 
schiedenste, und hat diesem gegenüber die seelische Behand 
lung des Spielers voraus. Herr Römisch versteht nämlich 
wirklich musikalisch vorzutragen, Licht und Schatten (For 
tissimo und Pianissimo) wendet er je nach Erforderniss ver- 
ständnissvoll an. Sein Programm ist demgemäss durchaus 
nicht der leichtgeschürzten Muse gewidmet, sondern enthält 
ganz vorzügliche Musik, z. B. das Adagio aus der ,.Sonate 
pathetique“ von Beethoven (nach dem Original), ferner 
„Träumerei“ von Schumann, „Ständchen“ von Schubert, 
„Lohengrin-“ und ,,Tannhäuser-“Scenen von Wagner und 
anderes. Da Herr Römisch sich in diesen Stücken sowohl 
technisch wie in der Auffassung als ein wahrhafter Künstler 
erweist, so sei er hiermit der besonderen Beachtung em 
pfohlen. 
Seltener Kunstfleiss offenbart sich in eiiujn 
Gobelin; der in dtr Halle der graphischen Künste im Haupt- 
Industriegebäudes zu sehen ist. Der Wandteppich stellt 
Kaiser Wilhelm II. in der Uniform der rothen Husaren dar 
und ist nach einem sehr gelungenem Bilde des Portraitmalers 
Voss auf einem gewöhnlichen Handwebestuhl ohne jede 
andere mechanische Hilfe von den Geschwistern Fährmann 
in zwei Jahren sieben Monaten hergestellt. Der Teppich hat, 
was Portrait-Aehnlichkeit und Frische der Farben anbelangt, 
einen seltenen Kunstwerth und ist in dieser Beziehung den 
besten Gobelins der ältern Zeit würdig an die Seite zu stellen. 
Wie mühevoll die Arbeit des Webens war, erhellt zur Genüge 
daraus, dass allein zum Kopf 2000 verschiedene Farben und 
Farbennuancen verwandt wurden. Die Kette des Gewebes 
ist Baumwolle, während zum Durchschuss Seiden- und Woll- 
fäden benutzt wurden. Dir Gobelin kostet 20 000 Mark, was 
in Anbetracht der Mühe, welche die Herstellung verursachte, 
nicht zu hoch ist. 
V 
Die Liebhaber einer schönen Ananas-Bowle — 
und wer ist das am Ende nicht! — dürfte es interessiren, 
dass in dem Gewächshaus von Liebenow & Jarius, die König 
liche Gärtner-Lehranstalt, Dir. Echtermeyer, einige dieser 
köstlichen Pflanzen, sowie auch viele andere zu derselben Fa 
milie (Bromeliaceen) gehörige Species ausgestellt hat. Die 
Bromeliaceen, hauptsächlich auf den Hochplateaux von Mexiko 
und auf der Wunderinsel Ceylon beheimathet, gehören zu den 
interessantesten Pflanzengattungen. Ihre schmalen, spitz 
zulaufenden Blätter sind bei einigen Arten dick und saftig, 
meistens aber fast trocken. Zwei- und dreistündig sind die 
Blätter, am Grunde dütenförmig ineinander gesteckt und 
bilden so in trockenen und besonders zur Sommerzeit dürren 
Gegenden unschätzbare Wasserreservoirs. Die Mexikaner 
bedienen sich ihrer häufig auf ihren Wanderungen über die 
Bergrücken der Sierras. Aber auch die Thiere und besonders 
Pferde und Maulthiere suchen diese Pflanzen auf und schlür 
fen das zwischen den Blättern reichlich, gesammelte und selbst 
bei grosser Hitze klar und kühl erhaltene Wasser. Sind die 
Bromeliaceen so wildwachsend von grossem und unbestreit 
barem Nutzen, so dienen sie andererseits als Cult.urpflanzen 
zum Schmuck und zur Zierde unserer Gewächshäuser und 
Zimmer. Bei welcher anderen Pflanzengattung findet man 
denn so tausendfach gefärbte und gekennzeichnete, mehr oder 
weniger spitz gezahnte Blätterformen ? Da ist beispielsweise 
die Bilbergia Leopold» mit ihren mattgrünen, weiss gebän 
derten und wie mit Mehlstaub bepudertenBlättem. Dann 
die I riesca hieroglyphica, deren graziös gebogene Blätter 
die. grosse Magierin Natur auf intensiv grünem Grunde mit 
seltsamen Hieroglyphen beschrieben hat. Bezeichnend für 
die ganze Pflanzengattung ist ihr wohl mit Recht als „poe 
tisch“ zu bezeichnendes Geschick, aufzublühen und zwar 
schön, herrlich und leuchtend zu erblühen und dann zu ster 
ben. Vorher aber sorgt die Pflanze durch seitliche Boden 
triebe dafür, dass ihr Geschlecht sich erhalte. Denselben 
Zweck erfüllt auch der Samen, der nach dem Verdorren der 
Blüthe herausfällt und aus dem unzählige neue Pflanzenindi 
viduen erstehen. Wenn man hier von einer Blüthe spricht, 
so ist das allerdings in einem weiteren Sinne zu verstehen. 
Richtiger wäre es wohl, dies von kleinen, leuchtend bunt ge 
färbten Einzelblüthen erfüllte und von meist ebenso reizend 
colorirten Deckblättern umhüllte Büschel einen Blüthen- 
stand zu nennen. So z. B. birgt die schon erwähnte Bilbergia 
einen Strauss von blau, roth, rosa und lila gefärbten Blüthchen 
zwischen den ebenso anmuthigen rosa und feinschwarz getön 
ten Deckblättern. Bei Guzmannia tricolor hebt sich der 
Blüthenstand tiefrosa aus dem lachenden Grün der Blätter 
heraus, und so viele Arten auch in dem geräumigen Gewächs 
haus vereinigt sind, jede einzelne hat ihr originelles Gepräge, 
ihre charakteristische Schönheit. 
Der Lion’sche Kinderbrut-Apparat übt jetzt, wo 
die Ausstellung ihrem Ende naht, verdoppelte Anziehungkraft. Alle, 
welche dem Pavillon im Laufe der Ausstellungszeit einen Besuch 
abgestattet haben, kommen noch einmal, um vor Schluss der Aus 
stellung sich über die Entwicklung der früh in diese Welt des 
Leidens entsandten kleinen Weltbürger zu erkundigen. Den Kleinen 
geht es übrigens, so weit man sich bei einem Körpergewicht von 
1400—1600 g wohl fühlen kann, sehr gut; sie werden die 
Lion'sehen Couveuse und die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
jedenfalls in dankbarer Erinnerung behalten. 
Sehenswürdigkeiten Berlins. 
(Weitere Sehenswürdigkeiten werden ans Verlangen in diese Bubrik 
aufgenommen) 
Abgeordneten-Haus, Leipzigerstr. 75. Eintrittskarten parterre, Abds. vorher v. 5 Uhr ab. 
Aquarium, Unter den Linden 68 a. 9—7. Wochentags 1 M., Sonntags 50 Pf. 
Kinder die Hälfte. 
Berg- und Hüttenmuseum, in der Geologischen Landesanstalt, Jnvalidenstr. 44. 
Ausser Montag und Sonnabend von 12—2 Uhr. 
Berliner Rathhaus, (mit Ausnahme Donnerstags und Freitags) 11—3 Uhr. 
Beuth-Schinkel-Museum, Chariottenburg in der techn- Hochschule. Montags und 
Donnerstags von 10—12 Uhr. 
Bibliothek der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte im 
Königl. Museum für Völkerkunde, Eingang Prinz Albrechtstrasse- Be 
suchszeit von 10—3 Uhr- 
Bibliothek in der Königl. Bau-Akademie an der Schleusenbrücke. 9—12 Uhr ausser 
Sonnabend und Sonntag. 
Bibliothek, Königl , am Opemplatz 1—2 Uhr. 
Bibliothek des Kunstgewe be-Museums, Prinz Albrechtstr. 7. Besuchszeit v. 10—10 Uhr. 
Bibliothek der polytechn. Gesellschaft, Neue Friedrichstr. 35. 2—3 Uhr. 
Bibliothek der Universität, Dorotheenstr- 9 9 -1 Uhr. 
Botanischer Garten, Potsdamerstr. 75. 8—12, 2—7 Uhr, ausser Sonntags. 
Börse. Burgstrasse und Friedriohstrassen-Ecke, 12 2 Uhr, ausser Sonntag. 
Depeschensaal des# „Berliner Lokal-Anzeiger“, Unter den Linden 3 Eintritt frei. 
Flora-Etablissement Palmen- u. Blumengärten in Charlottenburg. Eintritt 1 Mk. 
Friedrichshain, mit dem Denkmal Friedrichs des Grossen. Plate vor dem Lands* 
berger Thor, Ruhestätte d« r im März 1848 Gebliebenen. 
Herrenhaus, Leipzigerstr. 3. Eintrittskarten im Bureau daselbst. 
Historisches Museum im Schloss Monbijou (reich an Gegenständen aus der vater 
ländischen Geschichte) 10—3 Uhr. 
Hygienisches Museum, K tosterstr. 35. Sonntags 11—1 Uhr, Dienstags u. Feitags 10—2 Uhr. 
Königl. Institut für Glasmalerei, Charlottenburg. Berlinerst!*. 9 (beim Chausseehaus) 
täglich ausser Sonntags von 9—4 Uhr. 
Königliches Kunstgewerbe-Museum, Prinz Albrechtstr. 7. Wochentags mit Ausnahme 
des Montags v. 10-4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im 
Sommer von 12-6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit von 12-3, 12—4, 
12-5 Uhr. 
Königl. Museum. Gemälde, ScuJpturen, Antiquarium, Antike Vasen u Bronzen 
Egyptiseues Museum. Kupferstich Sammlung etc- Wochentags mit Ausnahme 
d. Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im 
Sommer v. 12—6 Uhr, im Wint je nach der Jahresz v. 12—3, 12—4, 12—5 Uhr 
Königl Porzellan-Manufactur, Wege ly strasse- Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. 
Freitag. Vorm- bis 12 Uhr. 
Königl Schloss, Meldung beim Kastellan, 10 bis 1 Uhr. 
Königl. Schloss in Charlottenburg. Meldung beim Kastellan. 
Kunstausstellung des Vereins Berliner Künstler, Wilhelmstr- 92, täglich VOU 10—4 
Sonntags von 11—2 Uhr. 
Kunstgew. Ausstellung der namhaftesten Kunstgewerbe Deutschlands, Lindenstr 18. 
wochentäglich 10—7. Eintritt frei. 
Markthallen, besonders: CentralmarkthaUe. Neue Friedrichstrasse 24—27. 
Marställe, Königl, Breiteste. 32, 12-2'/, Uhr. 
Märkisches Provinzial-Museum der Stadtgemeinde Berlin. Breiteste. 20a im Köllnischen 
Rathhause- Sonntag 11—2 Uhr. Montag und Donnerstag 12—2 Uhr. 
Mausoleum in Charlottenburg. Von 10—6 Uhr. 
Münzkabinet im Museum am Lustgart« n . Besuchszeit. Wochentags mit Ausnahme 
des Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags 
im Sommer von 12—6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit von 12—3, 
12-4, 12-5 Uhr. 
Museum der landwirtschaftlichen Hochschule und permanente Ausstellung landwirtschaftlicher 
Maschinen, Invalidenstr 42. Besuchszeit an den Wochentagen (mit Ausnahme 
des Mittwochs) in den Vormittagsstunden. 
Museum für deutsche Volkstrachten und Hauserzeugnisse, Klosterstr. 36; täglich ausser 
Mittwoch von 11—2 Uhr. Entree 50 Pfg., Kinder die Hälfte. 
Museum für Naturkunde, Invalid« nstr. 43. Sonnabend und Montag von 11—3 Uhr, 
Sonntags im Sommer 12—6 Uhr, im Winter 12—3 Uhr. 
Museum für Völkerkunde und Schüemann-Sammlung, Königgrätzcrstr 120 Wochentags 
mit Ausnahme des Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, 
Sonntags im Sommes v. 12—6 Uhr. im Winter je nach der Jahreszeit von 
12—3, 12-4. 12—5 Uhr. , w 
Natlonal-Galerie, neben dem neuen Museum; Wochentags mit Ausnahme des Mon 
tags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im Sommer 
v 12—6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit v 12—3, 12—4. 12—5 Uhr 
Palais der Kaiserin Friedrich, gegenüber dem Zeughause. Besichtigung nach Anfrage» 
Palais weiland Kaiser Wilhelms I. Besichtigung nach Antrage. 
Post-Museum, Leipzigerstr. 15. Täglich ausser Mittwoch und Sonnabend von 
11-1 Uhr,
	        
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