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Volume Nr. 15, 2. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
13 
Der erste Tag in Alt-Berlin giebt einen Vorgeschmack von 
den Genüssen, die den Beschauer dieses historischen Juwels der 
Berliner Ausstellung erwarten. Durch die Strassen und Gassen 
wogte eine dichte Menschenmenge, die mit Staunen und Behagen 
zu den neu erstandenen Bauten des alten Berlin emporblickte. 
Unter die modernen Gestalten mischten sich die mittelalterlichen 
Trachten der Ladenbesitzer und Bediensteten. Da sali man schmucke 
Schankmädchen mit kurzem Bock und buntem Mieder, junge Wirths 
hausgehilfen, denen die farbige Jacke mit dem schneeweissen 
Kragen, die Kniehosen und die bunten Strümpfe recht gut 
standen. In den Schänken und Wirthshäusern, in den Kaufläden, 
in den Schlächter- und Bäckerbuden, überall herrschte reges, buntes 
Leben; da alles hier seinen streng historischen Charakter hat, so 
durfte natürlich auch die alt-niederländische Schenke nicht fehlen. 
Echt Groninger, Arnhymer, Neuw'sche Mädchen schenken die 
Bol.s’schen Liqucure aus. 
Um 4 Uhr fand der erste historische Umzug statt; er stellte 
den Gästen und Zuschauern das Ringelstechen dar. Voran 
schritten drei Hellebardiere, dann folgten die Gewerke, die 
Bäcker, Schneider, Schlächter etc. mit ihren Emblemen. Die Ritter 
in prächtigen Gewändern ritten auf ihren Rossen, dazwischen mischten 
sich wohl auch Mauren, Türken und andere orientalische Gestalten. 
Den Schluss des Zuges bildete allerhand Volk, Männer, Frauen und 
Kinder, die den auf den Esel reitenden Narren wacker hänselten 
oder mit dem Affen, der auf einem Dromedar sass, allerlei Kurzweil 
trieben. Nachdem der Zug einen Theil der Strassen und den 
Markt passirt hatte, kehrte er zum Theater Alt-Berlin zurück, be 
gleitet vom Lachen und Beifall der Zuschauer. 
f 
Das maurische Labyrinth (Vergnügungs-Park) erfreute 
sich schon gestern, Freitag, eines sehr regen Besuches, die Gäste 
durchschritten suchend die verschlungenen Gänge und Pfade, wäh 
rend von hohem Altane diejenigen, welche schon glücklich ihr Ziel 
erreicht hatten, lachend auf die Irrenden herabblickten, ln dem 
innersten Gemach des Labyrinths ist ein elegantes maurisches Cafe 
eingerichtet. Rings herum an den Wänden ruhen auf seidenen 
Kissen algerische Schönen, während flinke Araber den duftigen 
Mocca kredenzen. 
V 
Die Marine-Schauspiele veranstalteten gestern drei Vor 
stellungen, die sämmtlich gut besucht waren. Namentlich fanden 
die Schiffsmanöver und Gefechtsscenen lebhaften Beifall. Zu der 
Kaiseryacht »Hohenzollern« bewegte sich unausgesetzt ein wahrer 
Strom von Besuchern, die dem originellen Bauwerk das regste 
Interesse entgegenbrachten, 
S 
Der Vergnügungspark hatte am Eröffnungstag alle 
Minen spielen lassen, um dem Publikum zu bieten, was schon der 
lockende Klang seines Titels verheisst. Das für diesen volksthüm- 
lichen Theil der Ausstellung erwünschteste Publikum wird erst am 
Sonntag in vollen Sehaaren sich einfinden. Die Verbindungsbrücken, 
welche vom Ausstellungspark nach dem Vergnügungspark führen, 
sind bereits fertig gestellt. Bemerkt sei, dass für den Eintritt in 
den Vergnügungspark kein besonderes Entree erhoben wird. — 
Lebhafter ging es in Kairo zu, wenngleich auch hier der Massen 
besuch sich erst am Sonntag einstellen dürfte. Das für einen 
Eröffnungstag verhältnismässig zahlreiche Publikum brachte nament 
lich den orientalischen Aufzügen mit exotischem Thier- und 
Menschenmaterial reges Interesse entgegen. Auch Bier- und 
Cafelocale waren gut besucht. 
b) ln Berlin. 
Die Berliner Kunstakademie. 
(Zur Feier ihres zweihundertjährigen Bestehens.) 
Von Dr. Georg Malkowsky. 
(Abdruck ur.terssgtl 
Mitten in das Getriebe der Gewerbe-Ausstellung fällt eine stille, 
aber darum nicht minder bedeutungsvolle Feier. Vor zweihundert 
Jahren wurde die Berliner Kunstakademie eröffnet, in Europa die 
dritte, in Deutschland die erste derartige Anstalt. Die Entstehungs 
geschichte der Akademie war bis vor Kurzem in ein Dunkel ge 
hüllt, das sich aus dem Untergange Aires ganzen Archivs beim 
Brande des »Marstalls auf der Dorotheenstadt« im Jahre 1743 
erklärt. Selbst das Datum ihres Beginnes schwankte zwischen den 
Jahren 1695 — 1699. Jetzt veröffentlicht der ständige Secretair Pro 
fessor Hans Möller als Festschrift eine Geschichte der Akademie, die, 
reich illustrirt, der bisherigen Ungewissheit der Daten ein Ende macht. 
Im Berliner Münzkabinet befindet sich eine von Christian Wermuth an 
gefertigte silberne Medaille, die im Jahre 1701 dem König Friedrich I. 
von Preussen von der Akademie gewidmet worden ist. Auf der 
äusseren Handschrift steht die Widmung des Jose! Werner, des 
Directors der Akademie, der Rectoren, Professoren und des Me 
dailleurs. Die Reversseite enthält eine Ansicht des alten Akademie 
gebäudes mit Allegorieen und eine Inschrift darüber, dass die 
königliche Akademie der Malerei, Bildhauerei und Architektur zu 
Berlin am 1. Juli 1696 iuaugurirt, eingeweiht und am 45. Ge 
burtstage des Königs, den 11 Juni 1701 Jliustnrt, durch ein 
Fest verherrlicht worden ist. 
Hatte schon der Grosse Kurfürst durch Berufung holländischer 
Künstler für die Hebung des Kunstschaffens iii seiner kleinen 
Residenz zu wirken gesucht, so befand sich unter seinem Nach 
folger eine ganze Colonie von Architekten, wie Schlüter, Eosarufrr, 
von Göthe, Nehring und Malern wie Cornelius, Bega und Tervvestan 
in Berlin. Der letztere scheint in dem späteren ersten Könige von 
Preussen bei Gelegenheit der fnäugurirung der Universität Halle 
den Gedanken der Errichtung einer Akademie angeregt zu haben. 
Wenigstens wird in dem Ahstellungspatent Schlüter’s vom 25. Juli 
1694 die Aufgabe, jüngere Bildhauer zu unterrichten, erwähnt. 
Zum ersten Director der Akademie aber wurde auf Antrag 
Eberhard von Dankeimanns der Berner Maler Josef Werner be 
rufen, der am 14. Juli 1695 ein Patent als Leiter der allhier 
zu errichtenden Maler- und Bildhauerakademie erhielt. Am 1. Juli 
1696 fand die Eröffnung, am 12. Juni 1701 die feierliche In- 
augurirung der Anstalt statt. Ueber ihre Bedeutung und Ziele 
giebt ein Schriftstück Josef Werner’s Auskunft, das erhalten blieb, 
weil es sich bei dem oben erwähnten Brande zufällig in der 
Wohnung des damaligen Secretairs J. F. Annisius befand. Es soll 
errichtet werden »eine recht wohl geordnete Akademie oder Kunst 
schule, nicht aber eine gemeine Maler- und Bildbauerakademie, in der 
man, wie allerorten solche vorbanden sind, allein nach einem 
lebendigen Modell oder nach gipsernen Bildern zeichnet, sondern ' 
eine hohe Kunstschule oder Kunst-Universität, gleich den wohl 
geordneten Akademieen zu Rom und zu Paris, in denen ein wohl 
geordnetes Reglement, sowohl der akademischen Ordnungsgesetze 
als wegen nützlicher Kunstlehre zum Aufwachsen und zur Fort 
pflanzung eines richtigen und wohlständigen Kunstwesens angesetzt 
und unterhalten wird.« 
»Es sollen allerhand erwachsene Kunstbegierige von allerhand 
Standespersonen in den Collegien und Kunstconferenzen, wo man 
Lectiones zu geben pflegt, eingelassen werden, wenn sie von dem 
Director oder dem Rector im Amt Erlaubnis hierzu haben. Ferner 
sollen die in Kurfürstlichen Diensten stehenden besoldeten Künstler 
vor allem gnädigst berufen werden, da die Akademie hauptsächlich 
angestellt sei, damit diese sich darin zu üben und in ihrer Arbeit 
noch täglich zu verbessern hätten. Schliesslich sollen auch alle 
einheimischen und fremden Maler und Bildhauer, so von den Vor 
gesetzten der Akademie für fähig erkannt werden und sich den 
Gesetzen und Ordnungen unterwerfen, ungehindert angenommen 
werden.« 
Für Sitzung«- und Unterrichtszwecke waren der Akademie 
die Räume oberhalb des kurfürstlichen Stalles in der Dorothccnstadt 
angewiesen, die der Baumeister Nehring eingerichtet hatte. Der 
Secretair der Akademie 0. Ch. Ehester beschreibt die sechs Zimmer 
folgendermaassen: »Beym Eingänge kommt man in eine lange 
Gallerte, so mit Antiquen auf Krack-Stücken ruhenden Brustbild 
nissen der zwölf ersten römischen Kaiser besetzt, aus welcher man 
zur linken Hand in sechs neben einander liegende Zimmer gelanget, 
in deren erstem die Anfangsgründe in der Zcichenkunst gewiesen 
werden. Im zweyten wird nach Kupferstichen, im dritten nach 
Originaizeichnungcn berühmter alter Meister, im vierten nach 
Gips und kleinen runder. Modellen gezeichnet, und im fünften 
werden die Collegia in Anaiomia, Perspectiva, Architeetnra Civili, 
Geometria und Architeclura Militari gehalten. Das sechste ist ein 
mit kunstreichen von den Akademischen Officiauten verfertigten
	        
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