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Periodical volume Nr. 163, 27. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielfe Ausstellungs - Nachrichten. 
ii 
jeher der Diamant, dem sich der Rubin, Smaragd und Topas 
änschliessen. Zur Prüfung der Steine bedient man sich der 
Optik und zwar des Polarisationsapparates, den auch Herr 
Professor Dr. Oebbeke aufgestellt hatte und mittels desselben 
eine Reihe hochinteressanter Bilder vorführte, die uns die ver 
schiedenartige Strahlenbrechung der Edelsteine demonstriren. 
In weiteren Bildern werden wir unterrichtet, wie die Steine in 
ihrer natürlichen Lagerstätte, dem Gestein, sitzen. Dort 
werden sie höchst selten gefunden, denn das Wasser spült 
shi aus, führt sie den Bächen und Flüssen zu, aus denen sie 
dann in die Niederungen und die Sandablagerungen ge 
langen. Speciell zur Geschichte des Diamants übergehend, 
schildert der R<dner in erster Reihe und in anschaulichster 
Weise die Auffindung desselben. Als erster Fundort des 
Diamanten zeichnete sich Ostindien aus, wo man seit Jahr 
hunderten die. Auffindung desselben betreibt und den Jahres 
ertrag schon früher auf eine Million Franken schätzte. Die 
Arbeiter der Diamantgruben standen unter strenger ITeber- 
wachung, und wenn dem Rajah der Ertrag nicht hoch genug 
erschien, so griff er, Unterschlagung vermuthend, den Auf 
seher oder Arbeiter heraus, der ihm zufällig verdächtig er 
schien, liess ihm den Kopf abschlagen und confiscirte sein 
Hab und Gut. Einen grossen Aufschwung nahm die Dia 
manten-lüffüstrie mit der Entdeckung der Diamantenfelder 
im Capland, deren fortschreitende Ausbeutung durch eine 
immer rationeller sich entwickenlnde Technik Herr Professor 
Oebbeke in Wort und Bild höchst anregend kennzeichnet: 
Der Diamant wurde dort zuerst in gelber Erde gefunden. 
Als diese zu Ende ging, stiess man auf eine blaue Erdschicht, 
in der man keine Steine mehr vermuthete und nun die Grube 
so schnell wie möglich an die neuen Einwanderer, die soge 
nannten „Grünen“ verkaufte, wobei sich jedoch bald heraus 
stellte, dass diese; statt überlistet zu sein, ein glänzendes Ge 
schäft machten, indem gerade in der blauen Erde die Aus 
beute bis auf eine Tiefe von 4—500 Metern eine ausserordent 
lich ergiebige war. Bis 1883 hatte man ziemlich oberfläch 
lich gearbeitet, als aber in diesem Jahre eine grosse Einsturz- 
katastrophe erfolgte, wobei die Hauptgrube verschüttet wurde, 
trat die Diamantensuche in ein neues Stadium, indem man 
sie streng bergmännisch betrieb und schliesslich einer Ver 
einigung, der Boern-Gesellschaft überliess. Die Arbeiter der 
selben werden auf drei Monate im Jahr engagirt, sie verpflich 
ten sich gewissermaassen als Gefangene zu lehrn, indem sie 
innerhalb einer geschlossenen Umfriedigung gehalten werden, 
daselbst ihre Beköstigung finden, ihre Lustbarkeiten abhal 
ten etc. Diese Vorsichtsmaassregel wurde durch den Umstand 
bedingt, dass trotz der strengsten Ueberwachung die Dieb 
stähle sich notorisch im Jahr auf 25— 30 pCt. des Gesammt- 
ertrages beliefen. 
l!( hergehend zur Bearbeitung des Diamants theilt Herr 
Professor Oebbeke mit, dass die gesuchtesten Arbeiter, die 
Steinschneider, d. h. diejenigen, die zuerst die Spaltung der 
rohen Steine vornehmen, entsprechend ihrer Geschicklichkeit 
sehr hoch honorirt worden, ja bis zu 1000 Francs per Woche 
verdienen. Wie man sie früher schon als Künstler schätzte, 
beweist die Thatsache, dass sie das Vorrecht besassen, einen 
Degen zu tragen. Unter Vorzeigung trefflicher Nach 
ahmungen der grössten existirenden und besonders schön be 
arbeiteten Steine erklärt der Redner, dass sich auch die Tech 
nik des Schliffes so vervollkommnet hat, dass Steine, deren Be 
arbeitung früher ein Jahr und länger dauerte, heute in Mo 
naten, ja in Wochen fertig gestellt werden können. Auch 
die Bearbeitung der Halb-Edelsteine, namentlich des Achats, 
wird in vorzüglichen Bildern vorgeführt. Interessant ist 
die Mittheilung, dass mittels der Röntgen-Strahlen die echten 
Steine von den Nachahmungen sofort zu unterscheiden sind, 
indem die letzteren bei der Durchleuchtung schwarz, die erste 
ren aber durchsichtig erscheinen. Der Werth der Steine 
regelt sich nach ihrer Grösse, Farbe, ihrem Schliff und ihrer 
Schönheit. Kleinere Steine sind nach Umständen werth 
voller als grössere. 
Die verschiedenen Edelsteine waren stets mehr oder min 
der Modesache — bald wurden Rubine, bald Saphire etc. 
vorwiegend begehrt, aber als Stein ersten Ranges erhielt sich 
allezeit der Diamant. Das Tragen der Edelsteine ist nicht 
ausschliesslich Luxussache, ihr Erwerb ist, da gute Steine, 
von geringen Preisschwankungen abgesehen, stets ihren 
Werth behalten, auch eine sichere Capitalsanlage. Viel 
fach hat man versucht, die Edelsteine künstlich herzustellen. 
Beim Rubin ist dies soweit gelungen, das man die künstlichen 
Steine von den echten fast nicht mehr unterscheiden kann, 
und auch der Gewinnung künstlicher Diamanten ist man 
einen guten Schritt näher gekommen, obwohl man noch lange 
Zeit zur Lösung dieses Problems brauchen dürfte». 
Aber nicht nur als Schmuck-Gegenstand, sondern auch in 
der Technik spielt der Diamant eine grosse Rolle, indem er 
sich als das beste Material für Tief bohr-Werkzeuge erweist, 
deren Gebrauch zuerst von dem französischen Ingenieur 
Leschot, der vorwiegend die sogenannten schwarzen Diaman 
ten für diesen Zweck verwendete, eingeführt wurde. 
Mit einem Hinweis darauf, welch’ grosser Umsatz durch 
die Bearbeitung der Edelsteine erzielt wird und wie viele fleis- 
sige und geschickte Arbeiter ihren Lebensunterhalt durch sie 
gewinnen, sowie mit einem Dank für seine Hörer, die dem 
trefflichen Vortrag mit gespanntester Aufmerksamkeit ge 
folgt waren und für die Herren, die ihn durch Ueberlassung 
der zahlreichen Requisiten unterstützt hatten, schloss Herr 
Professor Dr. Oebbeke, dem wir eine der genussreichsten und. 
belehrendsten Stunden verdanken. 
Vom grossen Sportfest. Der gestern stattgehabte 
Concours-hippique (Preisbewerbung von Equipagen und Reit 
pferden), der um 11 1 / 2 Uhr Vormittags begann und Nachmittags 
5'/ 2 Uhr zu Ende ging, muss als die glänzendste und gelungenste 
aller bisherigen Veranstaltungen bezeichnet werden und hat alle auf 
ihn gesetzten Erwartungen tibertroffen Die beste Gesellschaft von 
Berlin und von auswärts hatte sich auf dem Festplatz Rendez-vous 
gegeben. Wir sahen u. a. die Erbprinzessin von Weimar, Prinz 
und Prinzessin Aribert von Anhalt, Graf Wedel, den 
Oberstallmeister des Kaisers, Herrn von Plessen, den Chef des 
Kaiserlichen Hauptquartiers, die Generale von Rauch, von 
Mitzlaff, von Wartensleben, Herrn von Kramsta, unseren 
schneidigsten Herrenreiter, ausserdem zahlreiche höhere Offi- 
cicrc mit ihren Damen, die alle während der sechsstündigen 
Dauer des Festes auf ihren Plätzen aushielten und sich an dem 
prächtigen hippologischen Schauspiel erfreuten, in dem ein Pferde- 
und Wagenmaterial vorgeführt wurde, auf das der Deutsche Reit- 
und Fahrsport und ganz besonders Berlin stolz sein darf. Auch 
die Ausstellungsbesucher waren sehr zahlreich erschienen und füllten 
in dichten Schaaren den Platz vor dem Cafe Bauer, sowie alle 
Wandelgänge, die von Reitern und Wagen passirt wurden. 
Ausgesuchten wurde dreizehn Concurrcnzen und geben wir 
anfolgend die Resultate derselben: 
1. Klasse. (Einspänner, a) Coupe und Victoria) 1. Muster 
stall-Coupe, 2. Herren Woltmann’s & Co. Victoria, b) (Selbst 
fahrer) 1. dieselben für ihr Buggy mit Verdeck; 2. Musterstalls 
Dogcart ; 3. Herrn Dr. Gotthelfs Selbstfahrer. 
2. Klasse. (Zweispänner, a) Coupe, Victoria, Landauer) 1. 
Herrn Fritz Friedländer’s Victoria; 2. Herrn Dr. Georg Caro’s 
Coupe; 3. Herrn Dr. Leipziger’s Victoria; 4 Herrn L. v. Knorring’s 
Herren-Victoria, b) Selbstfahrer 1. Musterstalls Mail-Phaeton; 2. 
Herr Dr. Caro; 3. Herrn C. Kelch’s Jagdwagen. 4. Herr Kammer 
sänger Paul Bulss, lobende Erwähnung. 
3. Klasse. (Reitpferde unter dem Reiter, a) Schwere Reit« 
pferdc) 1. Herr Dr. Caro; 2. Herren 6. Weltmann & Co. 
4. Klasse (Leichte Reitpferde): 1. Herren 6. Weltmann & Co., 
2. Graf von Wartensleben, c) Damenpferde unter der Reiterin 
(Kein Preis).
	        
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