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Volume Nr. 15, 2. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielle Ausstellungs-Nachrichten. g 
bei dem kaiserlichen Empfange, trotz des unermessenen Gedränges, 
musste jedem Beobachter eine hohe Meinung von dem guten Sinne 
geben, der bei dieser Gelegenheit überall hervorgetreten ist. 
Der Kaiser in Kairo. 
Auf der Coepenicker Landstrasse, welche den Hauptpark der 
Gewerbe-Ausstellung von der Special-Ausstellung Kairo trennt, hatte 
sich seit den frühesten Morgenstunden eine nach vielen Tausenden 
zählende Menschenmenge angesammelt; denn auf dieser Chaussee 
sollte der Kaiser zu Fusse von Portal IV nach dem grossen Thor 
von Kairo hinübergehen; es war also für alle diejenigen, welchen 
der Eintritt in die Ausstellung verwehrt war, die einzige Gelegenheit, 
das Kaiserpaar und das Gefolge zu sehen. 
Kurz nach 3 / 4 12 ertönten die Klänge des »Heil Dir im 
Siegerkranz« — die auf der Strasse stehende Menschenmasse brach 
in ein unisones »Hurrah U aus, Taschentücher wurden geschwenkt. 
Dem Wunsche des Kaisers entsprechend, war der grössere Theil 
des Gefolges im Parke zurückgeblieben, nur ein Theil des Hofes, 
darunter Prinz Friedrich Leopold und der Gast des Kaiserlichen 
Hauses Ferdinand von Bulgarien schlossen sich der Besichtigung 
Kairos an. 
Am grossen Hauptthor Eifont wurden die Majestäten von 
den Directoren der Ausstellung, Herrn Möller und Baumeister 
Wohlgem uth, begrüsst. Herr Wohlgemut!, ging als Führer 
voran, während der Kaiser sich mit Herrn Geheimrath Goldberger 
unterhielt. Links vom Thor, vor der Palmengruppe, in deren Mitte 
die Kolossalbüste des Khedive Abbas Hilmi II. Platz gefunden 
hat, war die egyptische Hofkapelle postirt worden, und intonirte 
jetzt die deutsche Hymne. Sodann gingen die hohen Besucher 
über den grossen Platz nach dem Eingang der Bazarstrasse, 
passirten diese, einzelne Bazare, vor Allem aber die reizenden 
Baulichkeiten mit lebhaftem Interesse besichtigend, wobei Herr 
Wohlgem uth den Erklärer machte. 
Unterdessen hatte ein »Muezzin« (ein muhamedanischer Gebet 
rufer) den Balcon auf der Höhe des Minarets von der Moschee 
Kalt Bey erklommen, und verkündete auf arabische Weise die 
Anwesenheit des Kaisers dem muhamedanischen Theil der Treptower 
Bevölkerung, indem er in eintönigem Gesänge arabische Gebete 
herunterrief. 
Die hohen Gäste kehrten im Bogen durch die kleineren 
Strassen des Stadttheils zurück,; der Kaiser, sowie die Kaiserin 
äusserten wiederholt ihre Anerkennung über das gelungene Werk. 
»Es freut mich sehr, dass der Süden meinen Berlinern 
hier so nahe gerückt ist!« äusserte sich der Kaiser; die natur 
getreu nachgeahmten Häuschen mit ihren bunten Fronten, ihren 
Erkern und Thürmchcn, den reichgeschnitzten Muscharabichs, den 
geschmackvoll ausgeschmückten Interieurs erregten grosses Wohl 
gefallen; »sehr hübsch,« — »das ist ganz reizend«, »ich werde 
mich freuen, diese Schönheiten öfters zu betrachten«, bemerkte der 
Kaiser wiederholt. 
An verschiedenen Punkten hatten sich Araber und Neger in 
ihren bunten Trachten aufgestellt, um dem Kaiser Huldigungen und 
Begrüssungen in orientalischer Manier darzubringen. Die Kairenser 
Hauskapelle spielte dazu den Marsch aus »Aida«. 
Besonders eingehend besichtigte der Kaiser die Waffensamm 
lung, welche der Khedive dem Treptower Kairo als Ausstellungsobject 
gesendet hat. Die Formen und die Gebrauchsweise der Waffen 
erregten sein Interesse; eine grosse Waffe nahm der Kaiser von der 
Wand herab und versuchte sie. »Das ist ein ganz tüchtiges 
Schwert!« bemerkte er dazu. 
Den Culminationspunkt der Vorführungen bildete ein Festspiel. 
— Als die Majestäten mit dem engeren Gefolge den Festplatz be 
traten, intonirte die Hofkapelle, welche Herr Major Faltis dirigirte, 
den »Sang an Aegir«. 
Auf der mit prachtvollen Teppichen, Shawls, Palmen etc. de- 
corirten Estrade des Wilhelmj’schen Hauptrestaurants wohnten die 
Majestäten sodann dem prachtvollen, pittoresken Festspiele »Phantasie« 
bei. Herr Baumeister Wohlgemuth erläuterte die Bedeutung aller 
Vorführungen, während sich die Kaiserin mit dem Fürsten Ferdinand 
unterhielt. 
Mit einem prächtig arrangirten Festzug begann die Feier. Zwei 
Wasserträger eröffneten den imposanten Zug, ihre kolossalen Bronze- 
gefässc vorantragend; ihnen schlossen sich die würdigen Scheiks mit 
langen Scepterstäben au. Eine lange Reihe weissbemäntelter Beduinen auf 
schönen arabischen Racepferden ritten an der Estrade vorbei und 
schwenkten zum Salut ihre krummen Säbel. — Dann folgten auf 
reich behängten Dromedaren die Paukenschläger in gelbem Gewand; 
hierauf in Zelten die Frauen; die Fechter, mit krummem Säbel 
und Schild bewaffnet, sprangen hervor und produeirten sich vor den 
hohen Gästen in ihrer Kunst; mit wilder Gewandtheit, in kühnen 
Sprüngen attaquirend und ausweichend, erregten sie das Wohl 
gefallen der Herren und Damen. Mit schrillem Vogelpfiff und 
gellendem Leiern zogen nun die Volksmusikanten vorbei; die 
Frauen des Stamms, die Bauchtänzerinnen, hierauf die tanzenden 
Derwische, dann wieder Beduinenkrieger, den Beschluss bildeten 
die 50 Mekka-Esel mit ihren Treibern, auf einem flachen Wagen 
die arabischen Hanswürste und endlich die Büffel. 
Nachdem der Zug beendet, sprengten di'e arabischen Krieger 
in wildestem Galopp heran, parirten mit bewundernswerther Ge 
schicklichkeit dicht vor der Estrade, und Anginen dann ein 
Wüstengefecht. Das Bild lässt sich kaum be 
schreiben; die Reiter in den flatternden weissen Mänteln, 
erst im Säbelgefecht, dann im Gewehrfeuer, — endlich sich wieder 
zu einer friedlichen Gruppe ordnend und mit geschulter Meister 
schaft die Pahnengruppe umkreisend. — Im Hintergründe die 
hohe Gesellschaft im Schmucke strahlender Uniformen, die Damen 
in hellen Frühjahrstoiletten — ein ähnliches Bild ist in Berlin 
wohl kaum noch erschaut worden. Als das Spiel beendet war, 
äusserte der Kaiser seine Freude: »Ich werde dem Khedive 
telegraphiren, wie sehr mir die Copie sein es Kairo gefallen 
hat!« bemerkte er. Sodann verliessen die Majestäten, die Kaiserin 
am Arme des Prinzen Friedrich Leopold, der Kaiser im Gespräch 
mit dem Eibauer der Ausstellung, das schöne Kairo, durch dasselbe 
Stadtthor Eifont, wohin die Hof-Equipagen beordert waren, und 
begab sich unter den Hochrufen und dem Hüteschwenken der 
Menge nach der Colonialausstellung, — 
Die Majestäten in der Colonial-Äusstellung. 
Beim Besuch in der Colonial-Ausstellung wurden die Herren 
vom Ausschuss durch Prinz Arenberg vorgestellt, worauf Graf von 
Schweinitz die Führung übernahm, die Kaiserin wurde vom Prinzen 
Leopold und Herrn von Beck geführt. Zuerst wurde die wissen- \, 
schaftliche Halle besucht, wo sich der Kaiser wohlwollend über die 
hübsche Ausstellung aussprach, sodann wurde das Tropenhans eingehend 
besichtigt, hier betrachtete der Kaiser längere Zeit die Büste des 
Protectors Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, die Elfen 
bein - Ausstellung von Adolf Mayer und die Dbaumsdelle der 
Ostafrikanischen Gesellschaft, sodann wurde der Weg über «die mit 
Baumwollstauden, Teppichen und Shawls decorirte Brücke nach der 
Tembe am Karpfenteich genommen, wobei unterwegs die Tropen 
baracke besichtigt wurde. In der Tembe wurde das Leben und 
Treiben der Suaheli und Massai beobachtet, die mit Mattenflechten 
und sonstigen Hausarbeiten vor den Hütten und in den Höfen be 
schäftigt waren. Sobald die Majestäten nahten, warfen sich die 
Neger platt auf die Erde, berührten dieselbe mit der Stirn und 
machten ihren Salam, d. h. sie sprachen ihre Begrüssungsfonnel vor 
dem grossen Sultan (dem Kaiser). Die Kaiserin beschäftigte 
sich scherzend mit ein paar hübschen farbigen Kindern. Auf dem 
freien Platz vor der Tembe harrten die wilden Massai, die zum 
ersten Mal in Europa sind, der Ankunft des grossen Sultans. Aus 
wehenden rothen Mänteln, mit spitzen Kopfbedeckungen aus Affen 
fell, darunter nur den Lendenschurz, besteht ihr Kriegsschmuck. 
In den Händen trugen sie wappenartig gemalte Schilder und 
sehr lauge, spitze und scharfe Speere, Gesicht und bei vielen 
Leuten der ganze Körper sind gräulich angemalt und zum Theil 
tättowirt. Nach dem Salam erheben sie sich, um ihre Kriegstänze, 
die sehr interessanter Art sind, aufzuführen, die Bewegungen sind 
lebhaft und drastisch, die Musikbegleitung sehr geräuschvoll und 
lärmend, sie schlagen die trommelartigen Instrumente mit wahrer 
Leidenschaft und setzen eine Ehre darin, möglichst grosses Geräusch 
zu machen. Herr Frank leitete die Spiele und Tänze, er spricht 
die Sprache der Eingeborenen. Hier verweilte der Kaiser m.t 
grossem Interesse über eine Viertelstunde. — Die Kameruner waren 
beim Hüttenban unter Leitung eines Sohnes des King Bell thätig, 
den sein Papa herübergesandt hat, um die Leute zu dirigiren. 
Dem Kaiser machte es viel Vergnügen, als die Kameruner ein
	        
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