Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs-Nachrichten. g
bei dem kaiserlichen Empfange, trotz des unermessenen Gedränges,
musste jedem Beobachter eine hohe Meinung von dem guten Sinne
geben, der bei dieser Gelegenheit überall hervorgetreten ist.
Der Kaiser in Kairo.
Auf der Coepenicker Landstrasse, welche den Hauptpark der
Gewerbe-Ausstellung von der Special-Ausstellung Kairo trennt, hatte
sich seit den frühesten Morgenstunden eine nach vielen Tausenden
zählende Menschenmenge angesammelt; denn auf dieser Chaussee
sollte der Kaiser zu Fusse von Portal IV nach dem grossen Thor
von Kairo hinübergehen; es war also für alle diejenigen, welchen
der Eintritt in die Ausstellung verwehrt war, die einzige Gelegenheit,
das Kaiserpaar und das Gefolge zu sehen.
Kurz nach 3 / 4 12 ertönten die Klänge des »Heil Dir im
Siegerkranz« — die auf der Strasse stehende Menschenmasse brach
in ein unisones »Hurrah U aus, Taschentücher wurden geschwenkt.
Dem Wunsche des Kaisers entsprechend, war der grössere Theil
des Gefolges im Parke zurückgeblieben, nur ein Theil des Hofes,
darunter Prinz Friedrich Leopold und der Gast des Kaiserlichen
Hauses Ferdinand von Bulgarien schlossen sich der Besichtigung
Kairos an.
Am grossen Hauptthor Eifont wurden die Majestäten von
den Directoren der Ausstellung, Herrn Möller und Baumeister
Wohlgem uth, begrüsst. Herr Wohlgemut!, ging als Führer
voran, während der Kaiser sich mit Herrn Geheimrath Goldberger
unterhielt. Links vom Thor, vor der Palmengruppe, in deren Mitte
die Kolossalbüste des Khedive Abbas Hilmi II. Platz gefunden
hat, war die egyptische Hofkapelle postirt worden, und intonirte
jetzt die deutsche Hymne. Sodann gingen die hohen Besucher
über den grossen Platz nach dem Eingang der Bazarstrasse,
passirten diese, einzelne Bazare, vor Allem aber die reizenden
Baulichkeiten mit lebhaftem Interesse besichtigend, wobei Herr
Wohlgem uth den Erklärer machte.
Unterdessen hatte ein »Muezzin« (ein muhamedanischer Gebet
rufer) den Balcon auf der Höhe des Minarets von der Moschee
Kalt Bey erklommen, und verkündete auf arabische Weise die
Anwesenheit des Kaisers dem muhamedanischen Theil der Treptower
Bevölkerung, indem er in eintönigem Gesänge arabische Gebete
herunterrief.
Die hohen Gäste kehrten im Bogen durch die kleineren
Strassen des Stadttheils zurück,; der Kaiser, sowie die Kaiserin
äusserten wiederholt ihre Anerkennung über das gelungene Werk.
»Es freut mich sehr, dass der Süden meinen Berlinern
hier so nahe gerückt ist!« äusserte sich der Kaiser; die natur
getreu nachgeahmten Häuschen mit ihren bunten Fronten, ihren
Erkern und Thürmchcn, den reichgeschnitzten Muscharabichs, den
geschmackvoll ausgeschmückten Interieurs erregten grosses Wohl
gefallen; »sehr hübsch,« — »das ist ganz reizend«, »ich werde
mich freuen, diese Schönheiten öfters zu betrachten«, bemerkte der
Kaiser wiederholt.
An verschiedenen Punkten hatten sich Araber und Neger in
ihren bunten Trachten aufgestellt, um dem Kaiser Huldigungen und
Begrüssungen in orientalischer Manier darzubringen. Die Kairenser
Hauskapelle spielte dazu den Marsch aus »Aida«.
Besonders eingehend besichtigte der Kaiser die Waffensamm
lung, welche der Khedive dem Treptower Kairo als Ausstellungsobject
gesendet hat. Die Formen und die Gebrauchsweise der Waffen
erregten sein Interesse; eine grosse Waffe nahm der Kaiser von der
Wand herab und versuchte sie. »Das ist ein ganz tüchtiges
Schwert!« bemerkte er dazu.
Den Culminationspunkt der Vorführungen bildete ein Festspiel.
— Als die Majestäten mit dem engeren Gefolge den Festplatz be
traten, intonirte die Hofkapelle, welche Herr Major Faltis dirigirte,
den »Sang an Aegir«.
Auf der mit prachtvollen Teppichen, Shawls, Palmen etc. de-
corirten Estrade des Wilhelmj’schen Hauptrestaurants wohnten die
Majestäten sodann dem prachtvollen, pittoresken Festspiele »Phantasie«
bei. Herr Baumeister Wohlgemuth erläuterte die Bedeutung aller
Vorführungen, während sich die Kaiserin mit dem Fürsten Ferdinand
unterhielt.
Mit einem prächtig arrangirten Festzug begann die Feier. Zwei
Wasserträger eröffneten den imposanten Zug, ihre kolossalen Bronze-
gefässc vorantragend; ihnen schlossen sich die würdigen Scheiks mit
langen Scepterstäben au. Eine lange Reihe weissbemäntelter Beduinen auf
schönen arabischen Racepferden ritten an der Estrade vorbei und
schwenkten zum Salut ihre krummen Säbel. — Dann folgten auf
reich behängten Dromedaren die Paukenschläger in gelbem Gewand;
hierauf in Zelten die Frauen; die Fechter, mit krummem Säbel
und Schild bewaffnet, sprangen hervor und produeirten sich vor den
hohen Gästen in ihrer Kunst; mit wilder Gewandtheit, in kühnen
Sprüngen attaquirend und ausweichend, erregten sie das Wohl
gefallen der Herren und Damen. Mit schrillem Vogelpfiff und
gellendem Leiern zogen nun die Volksmusikanten vorbei; die
Frauen des Stamms, die Bauchtänzerinnen, hierauf die tanzenden
Derwische, dann wieder Beduinenkrieger, den Beschluss bildeten
die 50 Mekka-Esel mit ihren Treibern, auf einem flachen Wagen
die arabischen Hanswürste und endlich die Büffel.
Nachdem der Zug beendet, sprengten di'e arabischen Krieger
in wildestem Galopp heran, parirten mit bewundernswerther Ge
schicklichkeit dicht vor der Estrade, und Anginen dann ein
Wüstengefecht. Das Bild lässt sich kaum be
schreiben; die Reiter in den flatternden weissen Mänteln,
erst im Säbelgefecht, dann im Gewehrfeuer, — endlich sich wieder
zu einer friedlichen Gruppe ordnend und mit geschulter Meister
schaft die Pahnengruppe umkreisend. — Im Hintergründe die
hohe Gesellschaft im Schmucke strahlender Uniformen, die Damen
in hellen Frühjahrstoiletten — ein ähnliches Bild ist in Berlin
wohl kaum noch erschaut worden. Als das Spiel beendet war,
äusserte der Kaiser seine Freude: »Ich werde dem Khedive
telegraphiren, wie sehr mir die Copie sein es Kairo gefallen
hat!« bemerkte er. Sodann verliessen die Majestäten, die Kaiserin
am Arme des Prinzen Friedrich Leopold, der Kaiser im Gespräch
mit dem Eibauer der Ausstellung, das schöne Kairo, durch dasselbe
Stadtthor Eifont, wohin die Hof-Equipagen beordert waren, und
begab sich unter den Hochrufen und dem Hüteschwenken der
Menge nach der Colonialausstellung, —
Die Majestäten in der Colonial-Äusstellung.
Beim Besuch in der Colonial-Ausstellung wurden die Herren
vom Ausschuss durch Prinz Arenberg vorgestellt, worauf Graf von
Schweinitz die Führung übernahm, die Kaiserin wurde vom Prinzen
Leopold und Herrn von Beck geführt. Zuerst wurde die wissen- \,
schaftliche Halle besucht, wo sich der Kaiser wohlwollend über die
hübsche Ausstellung aussprach, sodann wurde das Tropenhans eingehend
besichtigt, hier betrachtete der Kaiser längere Zeit die Büste des
Protectors Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, die Elfen
bein - Ausstellung von Adolf Mayer und die Dbaumsdelle der
Ostafrikanischen Gesellschaft, sodann wurde der Weg über «die mit
Baumwollstauden, Teppichen und Shawls decorirte Brücke nach der
Tembe am Karpfenteich genommen, wobei unterwegs die Tropen
baracke besichtigt wurde. In der Tembe wurde das Leben und
Treiben der Suaheli und Massai beobachtet, die mit Mattenflechten
und sonstigen Hausarbeiten vor den Hütten und in den Höfen be
schäftigt waren. Sobald die Majestäten nahten, warfen sich die
Neger platt auf die Erde, berührten dieselbe mit der Stirn und
machten ihren Salam, d. h. sie sprachen ihre Begrüssungsfonnel vor
dem grossen Sultan (dem Kaiser). Die Kaiserin beschäftigte
sich scherzend mit ein paar hübschen farbigen Kindern. Auf dem
freien Platz vor der Tembe harrten die wilden Massai, die zum
ersten Mal in Europa sind, der Ankunft des grossen Sultans. Aus
wehenden rothen Mänteln, mit spitzen Kopfbedeckungen aus Affen
fell, darunter nur den Lendenschurz, besteht ihr Kriegsschmuck.
In den Händen trugen sie wappenartig gemalte Schilder und
sehr lauge, spitze und scharfe Speere, Gesicht und bei vielen
Leuten der ganze Körper sind gräulich angemalt und zum Theil
tättowirt. Nach dem Salam erheben sie sich, um ihre Kriegstänze,
die sehr interessanter Art sind, aufzuführen, die Bewegungen sind
lebhaft und drastisch, die Musikbegleitung sehr geräuschvoll und
lärmend, sie schlagen die trommelartigen Instrumente mit wahrer
Leidenschaft und setzen eine Ehre darin, möglichst grosses Geräusch
zu machen. Herr Frank leitete die Spiele und Tänze, er spricht
die Sprache der Eingeborenen. Hier verweilte der Kaiser m.t
grossem Interesse über eine Viertelstunde. — Die Kameruner waren
beim Hüttenban unter Leitung eines Sohnes des King Bell thätig,
den sein Papa herübergesandt hat, um die Leute zu dirigiren.
Dem Kaiser machte es viel Vergnügen, als die Kameruner ein
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.