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Volume Nr. 15, 2. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielle Ausstellungs- Nachrichten. 
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eichei - vertrauen wir unserem Herrn, dessen Friedenspolitik allen 
Zweigen der Gewerbe für lange Zeit hinaus blühendes Gedeihen und 
stete Fortentwicklung verheisst. Drum spricht hier die Stimme des 
Volkes; drum dankt sie ihrem kaiserlichen Herrn; drum soll sie laut 
verkünden in jubelndem Widerhall: Se. Majestät der Kaiser lebe hoch! 
hoch! hoch! 
Eine Scene von hinreissender Grossartigkeit entwickelte sich! 
mit den feierlichen Klängen der Orgel, mit den schmetternden 
Fanfaren der Kapellen vereinten sich die Hurrah- und Hochrufe zu 
einer stürmisch und begeistert anschwellenden Jubelsymphonic; und, 
als die Hunderte im Saal das »Heil Dir im Siegerkranz« anstimmten 
und der Sang von Tausenden draussen aufgenommen wurde, als 
der Kaiser in majestätischem Ernst dastand, da erreichte dieses 
Schauspiel den gewaltigsten Höhepunkt, da fühlte Jeder die Be 
deutung dieser grossen Stunde, in der nicht nur die Arbeit des 
Bürgers, sondern auch die Liehe zu Kaiser und Reich einen hin 
reissenden Triumph feierte. Als die Begeisterung ihr Ende er 
reicht hatte, folgte die 
Ansprache des Herrn Baumeister und Landtags- 
Abgeordneten Felisch an den Frotector Prinzen 
Friedrich Leopold, Königliche Hoheit. 
Königl. Hoheit! 
Se. Kaiserliche Majestät haben die Gnade gehabt, zu gestatten, 
dass ich Ew. Königlichen Hoheit den Dank der Aussteller darbringe 
für die hohe Huld, mit der Ew. Königliche Hoheit das Protectorat 
über unser schönes Culturwerk, hervorgediehen aus dem Gewerbfleiss 
der Stadt Berlin, übernommen haben. 
Königliche Hoheit! In unserem Vaterlande wird jedes grosse 
Werk unter den mächtigen Schutz und Schirm unseres allezeit ge 
liebten und erhabenen Herrscherhauses gestellt. Dann erst empfängt 
es die rechte Weihe. 
Und so durften auch wir holfnungsfreudig in die Zukunft schauen, 
als am 18. October 1894 die frohe Botschaft eintraf, dass Ew. König 
liche Hoheit mit Genehmigung Sr. Majestät geruht hätten, das Pro 
tectorat zu übernehmen. 
Der 18. October ist in Preussens Geschichte ein hoher Gedenk 
tag; gab uns Gott doch an ihm einst den Kaiser Friedrich, jene lichte 
Heldengestalt, dessen Gedenken in deutschen Herzen nicht in Aeonen 
erlöschen wird. 
Königliche Hoheit sind der erlauchte Sohn des ruhmgekrönten 
Kriegshelden, der auf Frankreichs Erde die deutschen Söhne von Sieg 
zu Sieg geführt hat. 
Und Ew. Königliche Hoheit stehen heut an der Spitze eines ge 
waltigen Friedenswerkes und bethätigen damit wieder die Huld und 
Zuneigung, welche das erhabene Hohenzollernhaus stets dem vater 
ländischen Gewerbfleiss erwiesen hat. Wir aber erblicken darin ein 
glückverheissendes Zeichen, ein Zeichen, in dem wir siegen werden; 
ich bitte Ew. Königliche Hoheit dafür unseren ehrerbietigsten Dank 
entgegenzunehmen. 
Nach den Dankesworten an den Prinzlieben Protector folgte 
mit weithin vernehmbarer, warmer Stimme gesprochen, der 
Dank des Herrn Geheimrath Goldberger an den 
Ehrenpräsidenten und die Stadt Berlin. 
Mit Ew. Majestät, unseres geliebten Kaisers und Königs huldvoller 
Genehmigung, die eine Auszeichnung ist für uns, wie für die, denen 
unser Wort gilt, damit ihnen Ehre werde, da sie Ehre verdienen: 
Ein Fest der Arbeit ist es, das wir feiernd beginnen. 
Möge unser Werk vor dem Urtheil der Welt bestehen. 
Eine arbeitsfreudige und leistungsfähige Industrie, ein tüchtiger 
und zuverlässiger Kaufmanns- und Gewerbestand gehören zu den 
Grundpfeilern eines jeden Staats- und Stadtwesens, das gedeihen soll. 
Das hat das ruhmreiche Geschlecht der Hohenzollern und, dem er 
lauchten Beispiel nacheifernd, Berlins Stadtverwaltung erkannt und 
der wirthschaftlichen Thätigkeit verständnisvollste Unterstützung ange 
deihen lassen. 
Dadurch, das Preussens Minister für Handel und Gewerbe das 
Ehren-Präsidium der Ausstellung übernahm und überall fürsorglich 
fördernd uns zur Seite stand, war dom Werke freier Selbstverwaltung 
das Wohlwollen des Staates gesichert — die Stadt Berlin hat uns 
hochherzig den Boden gegeben, darauf wir stehen. 
Des Himmels Segen ruht seit Jahrhunderten auf den mit Weisheit 
begnadeten Fürsten dieses Landes und auf dem ausdauernden Fleisse 
seiner Bewohner. 
Was Berlin geworden und aus welchen Anfängen es hervor 
gegangen, das zeigt dieses Gelände in der Gegenüberstellung von 
Jetzt und Einst in lebendigem Bilde. Mit stolzer Genugthuung dürfen 
wir auf das Erreichte schauen, und vor Ueberhebung schützt uns die 
Erinnerung an der Vorfahren Verdienst, die in Noth und Drang und 
karger Zeit zu unserer mächtigen Gegenwart den Grund zu legen 
verstanden. 
1 So wurde des Reiches Mark zum Mark des Reiches, zu seinem 
Mittelpunkt, Berlin zu des Reiches erster Stadt. 
Berlins Vertretung ist den Verpflichtungen, die du. Q r ö ssc au f. 
erlegt, mit edler Freigebigkeit nachgekommen. 
In unserem Werke zeige sich unsere Erkenntlichkeit, 
Im Namen der Ausstellung bringe ich dem Ehren-Prfisidentea 
und der hochherzigen Stadt freudigen Sinnes innigsten Dank! 
Nunmehr erklärte der Ehrenpräsident Minister von Berlepsch 
»im Namen Sr. Majestät des Kaisers die Berliner Gewerbe-Aus 
stellung 1896 für eröffnet«. Und abermals brauste feierlicher 
Sang und Klang, Beethovens »Die Himmel rühmen des Ewigen 
Ehre«, hernieder zu der Stätte, iu der in Gegenwart von Kaiser 
und Bürger ein hehres Fest beglückenden Friedens und segens 
reicher Arbeit gefeiert wurde. 
Der Rimdgang’ der Majestäten im Hauptgebäude. 
Nach der Beendigung des ofticiellen Theiles der Eröffnungs 
feier schritten die Kaiserlichen Majestäten mit ihrer Begleitung 
zunächst die Hallen des Haupt-Industriegebäudes ab. Von diesem 
Augenblick an gab es kein Halten mehr. Es war schon vorher 
während der Eröffnungsreden sehr schwer gewesen, das Publikum von 
den Kuppelsälen zurück zu halten, denn überall durch die Verschlage, 
durch die verplankten Verbindungsthüren waren Herren und Damen 
durchgeschlüpft, wie Regenwasser durchsickert, und hatten sich nach 
der Peripherie der Kuppelsäule durchgeschlichen. Jede Erfindungs 
kraft wurde aufgeboten, um über die Barrieren wegzukommen, 
würdige Matronen bildeten sich im Umsehen zu gewandten Kunst 
reiterinnen aus, die jegliches Hindemiss im ersten Ansturm nahmen. 
Als nun der Kaiser und die Kaiserin in die Halle hinabstiegen, 
stürzten von allen Seiten wie eine Sturmfluth die Menschen- 
wellen herein. Der Anblick der Halle bot von der 
Freitreppe aus das Bild eines wildgewordenen, aufgestörten 
Ameisenhaufens von schwarzen Cylindern, die schräg und 
schief gestellt durcheinander irrten, unterbrochen von Damen 
hüten, die ein einziges wogendes Blumenfeld darstellten. Und 
durch diese dicht gestauten Menschenmassen schritt Se. Majestät in 
enger Gasse einher, die nur mühsam durch die voranschreitenden 
Herren und hohen Militairs gebahnt werden konnte. Schwerlich 
dürften die Majestäten einen Einblick in die Schaukasten und Pavillons 
haben thun können, denn nur ein Meer von Menschenköpfen umgab die 
allerhöchsten Herrschaften und es hat sich demnach nur um eine Aufnahme 
des Gesammteindruckes der Ausstellung handeln können. Wie eine 
weisse Springwelle sah man die Federbusche sich durch die Massen 
bewegen und in eiligem Schritt wandelten die Herrschaften dahin, 
immerzu von den Hochrufen der begeisterten Berliner begrüsst. 
Während dieses Umgangs begann die Orgel im Kuppelsaal zu 
spielen. Mächtig brausten die Töne über die Köpfe der Menschen 
weg und als die Kaiserlichen Herrschaften sich wieder dem 
Ausgange näherten, setzte die Orgel mit dem „Heil Dir im 
Siegerkranz“ noch einmal ein. Der Kaiser ging hierauf hinüber 
nach Kairo und setzte die weitere Besichtigung fort. Die Sonne aber, 
die höher gestiegen war, strahlte aus blauem Himmel auf die blendenden 
Aluminiumkuppeln des Palastes, die selber einen bläulichen Schimmer an 
nahmen, so dass die Ausstellungshalle wie in einem elektrischen Lichte von 
höchster Kraft aufglilzerte, ein Anblick von seltener Schönheit und kraft 
voller Verklärung. Unvergesslich schön bleibt auch die Erinnerung an 
den Anblick beim Herannahen des Kaisers an den Ausstellungs 
palast. Der weite Halbkreis der Arkaden mit ihren Säulen 
gängen war dicht gefüllt von Damen in den entzückendsten 
Frühjahrstoiletten; die rothseidenen Sonnenschirme hoben sich 
wie grosse Blumenglocken von den weissen Wänden der Säulen 
gänge ab und als die Sonne nun auf die glänzenden 
Uniformen und die wehenden weissen Helmbüsche strahlte, als 
das zartgrüne Gewand der Kaiserin durch die Strahlen der 
Sonne leicht durchschienen wurde, ergab sich ein Bild, das durch 
seine frühlingsfröhliche Frische allgemein bezauberte. Das junge 
Grün der eben erblühenden Laubbäume und Birken schimmerte 
um die Wette mit der Seide der Frauentoiletten, während im 
Hintergrund der zarte Rosaschimmer von den Planen des Restaurations 
gebäudes mit seinem hohen schlanken Thurme, er wie in einem 
schneeweissen Gewände aufragt, das bunte Bild erhöhte. Es war 
ein hoffnungsreiches Bild jugendlichen Lebens und eine Frühlings- 
Ieichte Stimmung beseelte alle Welt, Jedermann schaute aus frohen 
Augen drein und der gute Ton, die feine Haltung- des Publikums
	        
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