Path:
Periodical volume Nr. 161, 25. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
II 
Htät. Voigtländer-Braunschweig stellt die Stadien der Be 
arbeitung aus, welche der rohe Gläsblock bis zum fertigen 
Objectiv zu durchlaufen hat. 
Eine andere Specialität in optischen .Gläsern sind die 
Objective und Gculäre für Mikroskope. Durch ihre enge 
Verbindung mit dem glastechnischen Institut Schott und 
Gen. war zuerst die Firma Zeiss in Jena in der Lage, Mikro 
skop-Ob jective von unübertroffener Vollkommenheit in Farb 
losigkeit und Schärfe des Bildes herzustellen. Prof. Abbe, 
der rechnerische Schöpfer derselben, belegte sie mit dem Na- 
men „Apochromatische Objective“ als Vertreter einer höheren 
Stufe der Achromasie. Zu diesen Objectiven treten die Com- 
pensations-Oculare von Zeiss, welche die Eigenschaft besitzen, 
eine absichtlich belassene, aber genau bestimmte chromatische 
Eigenschaft der Objective zu compensiren. Während die 
Objective nämlich den blauen Theil des Bildes grösser dar 
stellen als den rothen, thun die Öculafe in demselben Grafs» 
das Umgekehrte und heben dadurch jene Störung auf und 
geben ein bis zum Bande farbenreines Sehfeld. Als Fabri 
kanten und Aussteller von achromatischen Objectiven und von 
Ocularen für Mikroskope sind noch zu nennen die Firmen 
Himmler, Wächter, Schieck in Berlin und Leitz, Seibert in 
Wetzlar. Die beiden letzteren Häuser führen auch apochro 
matische Objective mit den dazu gehörigen Compensatibns- 
Ocularen. 
Die Berliner Firma Paetz & Flohr hat, wie wir hier an- 
sehliessen möchten, ihre Fabrikation von KrimmStechern und 
Theatergläsern in allen Phasen ihrer Entstehung illustrirt. 
Man sieht liier jeden Theil einzeln, wie er aus dem Bohmetall 
— in der Regel kommt Aluminium zur Anwendung — aus 
einem Stücke mit der Balancierpresse gestanzt wird: die Ob 
jectiv- und die Ocular-Fassungen, die Tuben, die Mittel- 
stange, die Brücken esc. Daneben liegen die fertigen Objec 
tiv- Und Ocular-Linsen. Sogar die Entstehung der schönen 
Lackirung wird an einer Reihe von Proben dargestellt. Als 
neue Specialität ist das Toussaints sehe „Blitzglas“ aufge 
führt; dasselbe ist ein Doppelperspectiv, weicht s zwei ver 
schiedene Vergrößerungen enthält; bei der schwächeren wird 
mit grösserem Gesichtsfelde ein Gegenstand im Felde aufge 
sucht, der dann bei einem Druck auf einen Knopf in doppel 
ter Vergrößerung erscheint. Aehnliche Gläser sind auch 
von Voigtländer und besonders von Zeiss ausgestellt. Zeiss 
liefert noch einen sehr handlichen und überaus praktischen 
Feldstecher, welcher durch ein Scharniergelenk auf jeden 
Augenabstand eingestellt werden kann. Die höchste 
Leistung auf diesem Gebiet stellen die freilich noch recht 
kostspieligen Zeiss’schen Relief-Doppel-Fernrohre dar, welche 
ein unvergleichlich plastisches Bild von grossem Gesichtsfelde 
geben ; auch an diesem kann die Vergrößerung ausgewechselt 
werden. Erwähnenswehth ist endlich auf diesem Gebiete 
noch das Trieder-Binocle von Goerz. Während sonst die Auf 
rechtstellung des Bildes durch ein viel Licht ahsorbirendes 
Linsensystem erfolgt, wird dieselbe hier durch zwei Prismen 
spiegel bewirkt. Auch ist das Glas mit einer Einstellung 
für den Augenabstand versehen und kann überhaupt als ein 
sehr vollkommenes Handglas gelten. 
Eine weitere Anwendung optischer Gläser und eine dau 
ernd an Bedeutung zunehmende ist die Fabrikation photo 
graphischer Objective. An Ausdehnung wird auf diesem 
Felde die Fabrik von C. P. Goerz in Sehoeneberg wohl von 
keiner anderen übertroffen. Dieses Institut hat eine ganz 
wunderbare Entwicklung zu verzeichnen und ist von ganz 
bescheidenen Anfängen im Jahre 1888 in so wenigen Jahren 
bis heute zu einer Werkstätte aufgeblüht, deren Producte 
weit über Europa hinaus geschätzt lind von New-York aus 
sogar durch eine eigene Filiale vertrieben werden, Den 
Haupttheil des grossartigen Betriebes nimmt die Herstellung 
der seit 1892 geführten Doppel-Anastigmate ein, welche nach 
dem Zeugniss vieler Autoritäten der Photographie unüber 
troffene Resultate liefern. Daneben werden auch die älteren 
Lynkeioskope weiter geliefert. Eine der schönsten Erzeug 
nisse auf dem Gebiete der Photographie stellte die Firma im 
Verein mit dem berühmten Photographen 0. Anschütz in dem 
Moment-Kläpp-Apparat her, den wir als allgemein bekannt! 
nur kurz erwähnen. Photographische Objective in massiger 
Preislage fertigt Paul Wächter-Friedenau, welche als 
Anastigmät das als '„Barytaplanat“ bezeichnete System 
empfiehlt, das auf Anwendung baryum-haltiger Gläser aus 
dem Schott'scheu Laboratorium beruht. Ferner ist auch 
hier wieder die Firma Voigtländer mit rühmenswertsten Er 
zeugnissen hervorzuheben; besonders ist von hier aus das- 
Miethe’sche Teleobjeetiv in die Welt gegangen, welches auf 
grössere Distanzen Bilder von starker Vergrößerung mit un- 
gi meiner Schärfe der Details gestattet. Die Wirkung dieses 
Objectiv« wird durch den Vergleich von Bildern desselben 
Gegenstandes mit einem gewöhnlichen Objectiv und mit? 
di m Teleobjeetiv zur Anschauung gebracht. Eine weitere. 
Eigenart bringt wiederum Zeiss auf diesem Gebiete. Diese» 
Firma stellt anastigmatische Objective her, welche unter ein 
ander zu je zwei eombinirt werden können und so ausser ihrer 
einzelnen Verwendung ermöglichen, durch die Zusammen 
setzung Universal-Objective von verschiedenen Brennweiten 
zu erhalten. So werden aus 3 einzelnen Objectiven 6 und 
aus 4 einzelnen 9 Combinationen verschieden brennwerthigec 
Objective möglich. 
Zürn-Schluss haben noch zwei Gegenstände Anspruch auf 
Erwähnung. Einmal die optischen Gläser von Picht & Cö.| 
in Rathenow. Specialität der Firma ist die vollständige Aus 
rüstung von Leuchtfeuern. An dem Dampfer-Anlegeplatz 
ist ein completer Leuchtthurm erbaut, welcher ein Feuer für 
vier Seemeilen Blickweite enthält. — Wenn wir anfangs von 
der vermehrten Vielseitigkeit in der Schöpfung optischen 
Glases sprachen, so muss eine sinnreiche Erfindung von 
Niehls sehr willkommen erscheinen, welche es ermöglicht* 
ein Glas auf Seine Härte zu prüfen. Die Utensilien bestehen 
in einer Serie einfacher Glässtäbchen, von welchen jedes aus 
einer verschiedenen Glassorte besteht und die in der Reihi n- 
folge der Härte in eine Scala von eins bis acht geordnet sind ;j 
Das weichste Glas ist das französische Krystallglas, das här 
teste das böhmische Krystallglas (Cavalier); Wenn nun ein 
Glas auf seine Härte untersuch werden soll, so wird ein Stäb 
chen desselben mit einem der Scala zusammen in eine Stich-» 
flamme gebracht und zugesehen, ob jenes oder dieses sich 
leichter ausziehen lässt; danach ist jenes oder dieses dab 
weichere. Dies Verfahren wird fortgesetzt, bis man fest 
gestellt hat, zwischen welchen beiden Elementen'der Normal 
scala die Härte des zu prüfenden Glases gelegen ist. Dr. T. 
Die Vorträge in der Ausstellung. 
[Abdruck untersagt.] 
Die wirthschaftlichen Aussichten Deutsch-SüdwesG 
Afrikas. 
Der wifthschäftliche Werth unserer afrikanischen Co- 
lonieen bildet noch immer ein Streitöbject der einzelnen 
Parteien. Selbst Männer, die in verschiedenen Gegenden 
Afrikas gelebt und die Colonieen durch längeren Aufenthalt 
kennen gelernt haben, sind hinsichtlich des gegenwärtigen 
Werthes der Colonieen sehr verschiedener und zum Theil 
schroff entgegengesetzter Anschauung. Es giebt Optimisten, 
welche die Ueberzeugung in sich tragen, dass viele Gegenden 
des tropischen Afrikas, besonders die höher gelegenen Gebiete, 
schon jetzt von Europäern besiedelt werden können. Es giebt 
aber auch Pessimisten — und darunter solche, die ausgespro 
chene Colonialfreunde sind — die eine Besiedelung und eine 
Cultur der tropischen Colonieen in absehbarer Zeit für abso 
lut. ausgeschlossen und nur den Betrieb von Plantagen für 
möglich halten — vorausgesetzt, dass es gelingen sollte, die 
schwarzen Eingeborenen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte 
zur Arbeit zu erziehen. Ein Plantagenbetrieb mit weissen 
Arbeitern aber gehört von vornherein zu den unmöglichen 
Dingen. 
Nicht so schroff divergiren die Meinungen in Bezug auf 
Südwest-Afrika. Es giebt allerdings auch hier enthusia-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.