Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 7
bei dem ' on ihren bezüglichen Staaten nicht immer sagen
k<* musste je men in vertrautem Gespräche daher. Und da —
wenige iu.Aic'en vor elf Uhr unter den Hochrufen des jetzt beängstigend
angewachsenen, in zwei geschlossenen Reihen bis zur Wandelhalle,
beziehungsweise bis zum See stehenden Publikums erscheinen die
Majestäten, der Hof.
Und während von drinnen die Klänge der Trompeten in
feierlich gedämpften Tonen herausquellen, wird es wieder so still,
so hochzeitlich schön im weiten Park. Einzelne Besucher, die dem
feierlichen Akte drinnen aus dem Wege gegangen sind, gemessen
für sich die stimmungsvollen Schönheiten der Anlagen und Bauten,
während unter der lichten Kuppel des Hauptgebäudes sich die
officielle Taufe des für Berlin so hochwichtigen Ereignisses der
Eröffnung der Berliner Gewerbe-Ausstellung von 1896 vollzieht.
Die Eröffnungsfeier.
Im herrlichen Kuppelsaal in dem zu mächtiger Höhe feier
lich und kraftvoll emporsteigenden Dom der Ausstellung fand um
11 Uhr das grosse Werk sein Ende und seinen Anfang. Das
Ende von Mühe und Arbeit scheint erreicht zu sein, der Anfang
des Erfolges, der in Zukunft das grossartigste Ergebniss
von Kraft, Fleiss, Intelligenz und Ausdauer, die BerlincrGewerbc-
Ausstellung 1896, krönen soll, beginnt sich bereits zu zeigen.
Das Riesenwerk ist nahezu vollendet, nun Erfolg, nimm deinen
Anfang! Von 9y ä Uhr Morgens an drangen und drängten die
geladenen Festgäste in den Kuppelsaal, das beliebte Schlagwort
»eingekeilt in fürchterlicher Enge« feierte bereits um IO 1 /., Uhr
seinen vollen Triumph. Wie ein farbenprächtiges Rundgemälde,
von dem sich hunderte gedrängt dastehender Gestalten charakte
ristisch abheben, erschien das Eröffnungs-Schauspiel. Der glänzende
Haupttheil dieses Bildes war der Thronbaldachin, dessen rothe
Drapirung eine harmonische Ergänzung durch die mit rothem Sammet
beschlagenen, zum Thron emporführenden Stufen und durch den
vor diesen sich ausbreitenden rothen Smyrnateppich erhielt. Wie
der Meister noch einen letzten und allerletzten Pinselstrich vor der
endlichen Vollendung seines Bildes zieht, so wurde noch kurz vor
Beginn der Feier in discreter Weise arrangirt und disponirt. Noch
hatten die Tapezierer einen letzten Nagel in den Teppich einzu
schlagen, noch war eine sanfte Aufforderung nöthig, um die
Anwesenden zu einer Innehaltung ihrer Plätze zu veranlassen.
Was dem Bilde den äusseren Glanz,.die höfische Pracht verleihen
konnte, die Minister, die Vertreter der fremden Mächte, von denen
der österreichische Gesandte in Folge seiner Abwesenheit leider
nicht erscheinen konnte, die Spitzen der militärischen, Staats- und
Verwaltungsbehörde, sowie die Hofchargen hatten Rechts vom Baldachin
Aufstellung genommen; ihre reich betressten und goldbestickten
Uniformen hoben sich strotzend ab von den feierlich schlichten
Trachten ihrer Nachbarn, den Mitgliedern des Senats der Akademie,
die in ihren schwarzen, braunbesetzten Talarcn erschienen waren.
Links vom Baldachin standen die Mitglieder des Arbeits- und des
geschäftsführenden Ausschusses, die Gruppen-Präsidenten und unter
Führung des Oberbürgermeisters Zelle die Vertreter des Magistrats
und der Stadt; sie eröffneten gleichsam die Reihe der Frackträger,
die den grössten Theil des Kuppelsaales ausfüllten. Die Architekten
und Syndici, die Mitglieder der Commissionen, des Ge-
sammtvorstandes und der Gruppen vorstünde, kurz, alle jene
Männer, die in praktischer Weise dem Werke ihren Beistand
geliehen hatten, waren im Festsaal versammelt. Kurz vor
11 Uhr erschien der fürstliche Gast unseres Kaisers, Fürst
Ferdinand von Bulgarien mit seinem Gefolge, wenige Minuten
später kündeten von draussen her schmetternde Fanfaren das Heran
nahen des Kaiserpaares. Der Jubel von draussen nahm drinnen
seinen Fortgang, als der Kaiser und die Kaiserin in glänzendem
Zuge, an dessen Spitze Prinz und Prinzessin Leopold schritten, mit
ihrem Gefolge den Saal betraten. Des Kaisers erster Gruss galt
dem Fürsten von Bulgarien, dem der Monarch sehr herzlich die
Hand schüttelte. Die Kaiserin, die eine hellgrüne Toilette mit Flitter
besatz trug, schritt mit ihrem hohen Gemahl die Stufen des Bal
dachins empor, vor welchem der Protector Prinz Leopold, der Ehren
präsident Minister von Berlepsch und die Mitglieder des Arbeits-
Ausschusses sich aufstellten. Ueber seinem Haupt die hehre Gestalt
des Friedens, vor seinen Augen die markige Gestalt der Stärke,
so stand der Kaiser da als die höchste Personificirung des Fliedens
und der Stärke. »Heil dem Kaiser«, Richard Wagner’s Kaiser
marsch-Hymne, mit grossartigem Schwung gesungen von der Berliner
Liedertafel und geblasen vom Philharmonischen Blas - Orchester,
drang von den Galerien herab in den weiten Saal, und die kraft
vollen Töne, einst für Kaiser Wilhelm I. componirt, sie schienen
auch eine Huldigung zu sein für Deutschlands ersten Kaiser. Als
das »Heil dem Kaiser« verklungen war, folgte die
Ansprache des Herrn Commercienrath
Kühnemann an Ke. Majestät.
Allcvdurchlauchtigster, Allmächtiger Kaiser,
Allergnädigster Kaiser, König und Herr!
Das Werk, dem die gesummten Gewerbe unserer Stadt in opfer
freudigem Wirken jahrelang ihre besten Kräfte geweiht — das Werk,
das selbstlose Bürger zu fördern suchten mit deutschem, hingebendem
Fleiss — das Werk, das da künden sollte weit über die Grenzen
unserer Heimath hinaus von der jugendfrisch emporgeblühten Stadt,
ihrer Schaffenslust und thätigen Kraft: das Werk, es ist vollendet!,
Und hat es auch manche Stunde heisser Mühe gekostet, reich fühlen
wir uns in dem jetzigen Augenblick durch die Gnade belohnt, dass
Ew. Majestät uns beehrt haben, in höchsteigener Person der Er
öffnung beizuwohnen. Der Enke) ist erschienen, um dem Werk seine
Weihe zu geben, welches das Gedächtniss seines hoehseligen Gross
vaters feiern soll, jenes ruhmgekrönten Herrschers, der die Sehnsucht
der besten der Nation erfüllte, der uns ein grosses, ein freies, ein
starkes Deutschland schuf. 25 Jahre sind vergangen seit jenen
weltgeschichtlichen Ereignissen, Kaiser Wilhelm der Grosse weilt
nicht mehr unter uns; doch wie man seiner gedenkt, das zeigten in
ergreifender Weise die Jubelfeste, welche die Deutschen in ihrer
Heimath und allüberall, wo die deutsche Zunge klingt, sich eins 1
haben fühlen lassen in der Liebe zu dem grossen Dahingeschiedenen.
Als Alldeutschland nur von dem einen Gedanken durchdrungen schien,
seiner Freude über die wiedererlangte Einheit Ausdruck zu geben,
so einmüthig, so überwältigend-grossartig, wie es die Welt noch nicht
gesehen, da entstand auch in Berlin der Gedanke, jenen Tag hoher
Weihe nicht ohne würdige Feier vorübergehen zu lassen. Ihm, der
gelobte: „Allzeit ein Mehrer des Reiches zu sein an den Gütern
und Gaben des Friedens“ sollte ein Friedensdenkmal errichtet werden,'
um Zeugniss abzulegen von dem Dank seiner Nation.
Nichts kleines ist es, wenn ein Volk solches seinem ersten Kaiser
bekunden will. Verlockend schien daher der Plan, zu friedlichem Wett
streit die Völker der Welt zu laden, auf dass es offenbar würde, wie
das junge Deutsche Reich sich nicht nur den Lorber des Sieges ge
pflückt, dass es auch die Palme des Friedens errungen — doch es
sollte nicht sein. Und wieder hoffte man, die geeinten deutschen
Lande möchten sich die Bruderhand reichen, gemeinsam den fremden
Nationen ihr eigenes Können zu zeigen — das Geschick hat es anders
gewollt.
Da besann Berlin sich seiner selbst. Nicht umsonst macht es
Anspruch darauf, die erste Industriestadt der Welt zu sein, die ihre
Grösse nicht der Gunst der Verhältnisse verdankt, sondern der Ein
sicht, der Arbeitskraft und dem Fleiss ihrer Bürger. So that Berlin
sich denn zusammen, Gewerbe und Industrie vereinten sich mit
Kunst und Wissenschaft, und ihrer Bemühung Lohn ist dieses Werk,
das als strahlendes Symbol rastlosen Bürgerfleisses gelten kann,
berufen, den Ruhm der Stadt zu mehren, die sich mit Stolz Ew.
Majestät Residenz- und Hauptstadt nennt.
Und da auf Berlin als solche die Augen der Welt sieh richten,
erweiterten wir nach Möglichkeit den beschränkten Rahmen einer
Lokal-Ausstellung, um höheren Zwecken zu dienen. Gern boten wir
Raum der deutschen Fischerei-Ausstellung, die — glanzvoll bei uns vor
geführt — in die weitesten Kreise den unendlichen Schätzen des Meeres
Eingang verschaffen und sie zur wahren Volksnahrung erheben soll.
— Mit Freuden begrüssten wir die deutsche Oolonial-Ausstellung, von
der wir Erweiterung und Vertiefung ihrer hohen patriotischen Aufgabe
erhoffen. Noch anderen Zweigen deutschen Gewerbelebens öffneten
wir unsere Pforten, sobald Berlin ihr Sitz war.
Wer ein hohes Ziel erstrebt, darf vor keinem Hinderniss zurück
schrecken, und gar viele galt es bei diesem unseren Werk zu über
winden. Doch es war ein freudiges Ringen und der Geist froher
Zuversicht durchwehte die Reihen der mannhaften Kämpfer. Fühlten
wir alle uns doch getragen von dem Hochgefühl: Ew. Majestät
will uns wohl. Haben schon zu allen Zeiten, in Kriegesnoth und
Friedensglück, die Hohenzollern ihre mächtige Hand schirmend über
unsere Stadt gebreitet, so haben Ew. Majestät der Ahnen Ueber
lieferungen bewahrt, und in dem jetzigen Augenblick fühlen wir ver
doppelt und dreifach die Verpflichtung ehrerbietigsten Dankes und
tiefster Ergebenheit, Ew. Majestät geruhten unserem Werk sein
gnädigstes Wohlwollen zu spenden, bewiesen uns oft und wiederholt
die gütigste Theilnahme, verschafften uns den Beistand der Verwal
tung und Behörden, dass der Weg zum Erfolg uns erleichtert wurde.
Ja mehr noch als dies. Unter die Zahl der Aussteller ist Ew.
Majestät getreten, und verschiedene unserer Gruppen zeugen von der
Allerhöchsten Huld.
Unverzagt und froher Hoffnung schaut unser Bli<;k der Zukunft
entgegen, und nicht erschreckt uns, was sie bringen wird. Denn
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