Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
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ictrainär liegt in dem Umstande, das; es eine glückliche Vcr-
cinigung von Land und Wasser bildet. Der Unternehmungsgeist,
der anläßlich der Ausstellung in einer ungeahnten Weise
hervortritt, hat diese Verbindung von Land und Wasser sich für seine
Zwecke zu eigen gemacht; er wird die Welt erstehen lassen, die das nasse
Element belebt und beherrscht. Marineschauspiele der verschiedensten
Art werden sich auf dem Wasser abspielen, unsere bescheidene
Spree bei Treptow wird ganz aus dem Eierhäuscheu gerathen,
wenn sie Monate hindurch in dem Größenwahn dahinfließen
kann, daß sie ein großes Meer sei, das von mächtigen Dampfern
durchschnitten und durch Kriegsschiffe und Seeschlachten beunruhigt
wird. Das kolossalste Schiff, das unseren heimischen Fluß be
leben wird, ist der Llohddampfer, der sogenannte Kaiserdampfer,
der in seinem Inneren und Aeußeren die getreue Wiedergabe
eines jener mächtigen NieZ..schiffe sei» wird, tvelche die Ver
bindung von Meer zu Meer, von Erdtheil zu Erdtheil bilden.
Sein Umfang wird dem jener gewaltigen Fahrzeuge gleichen, die
man als schwimmende Paläste zu bezeichnen pflegt, und seine
innere Einrichtung und Ausschmückung in glanzvoller Form die
Nichtigkeit dieser stolzen Bezeichnung beweisen.
Der für die Ausstellung bestimmte Llohddampfer, den Herr
Baumeister Bauer construirt, wird in allen Dimensionen und in
der ganzen Ausstattung der Typus eines jener neuen Nord
deutschen Llohddampfer sein, bei denen mit den neuesten tech
nischen Fortschritten sich der höchste Comfort vereint. Das
Schiff, das eine Größe von 9000 Tons hat, wird in dem nord
westlich gelegenen Theil der Ausstellung cct. 50 Meter tief in die
Spree hineingebaut. Das Schiffsgebäude ist vom Wasser aus
direct durch eine Fallreptreppe zu besteigen, die eigens zu dem
Zweck eingerichtet ist, damit der Kaiser bei einem Besuche der
Ausstellung diese, sowie auch das Schiff zu Wasser erreichen
kaun. Auf dem Schiffe selbst befinden sich im vorderen Theil der
Pavillon des Kaisirs, bestehend aus Speisesaal, Confereuzzimmer,
Nauchsalou, sotvie fernerhin die Zimmer und Salons der Kaiserin
und die Räume für den Hofstaat. In dem hinteren Theil
des Schiffes wird ein großes Schiffsmuseum untergebracht,
i'n dem die verschiedensten Modelle von Schiffen, Hafenanlagen,
Wasserbauten ?e. zur Ansicht vorgeführt werden. Zur Erklärung
der einzelnen Gegenstände werden stets zwei Seeofficiere am Platze
sein. Erwähnt sei, daß auch das Marine-Ministerium beut
Museum werthvolles Material zur Verfügung stellt, Das Schiff,
dessen ganzer Körper auf Pfählen ruht, kommt theils im Wasser,
theils in einem Dock liegend, das auf den Laude ausgeschachtet
wird, zur Aufstellung. Der Dampfer wird, 16—18m hoch, was der
Höhe eines vierstöckigen Wohnhauses entspricht. Die Utensilien und
baulichen Gegenstände werden von den Werften Schichan
in Elbing, Stettiner Vulcan und Blohm u. Voß in Hamburg
geliefert und finden später bei de» definitiven Neubauten der
Schiffe Anwendung. Die elektrischen Anlagen für Beleuchtung
werden von der Firma Siemens u. Halske hergestellt.
Das Schiff erhält außer den Kaiserzimmern »och bis in die
kleinsten Details echt ausgestattete Kajüten I. und II. Klasse,
fernerhin Damensalon, Concertsalon, Capitaiiiswohuung, Rauch
zimmer, Lazarett), Apotheke, Badeeinrichtung. Schiffsküche k. Die
Eiurichtungsgegeustäiide kommen später, nach Schluß der Aus
stellung. auf den im Bau befindlichen Dampfern zur Verwendung
Der Hintere Theil des Schiffes wird verdeckt resp. findet feinen
Abschluß in einer Nachbildung des Holteuauer Schleusenthores, und
werden die sogenannten Schützen, welche auf dem Erdboden gedacht
sind, durch Touruiquets als Ein- resp. Ausgänge benutzt.
Schließlich wird in dem unteren Raum, in dem sonst die Kessel
zu liegen kommen, ein Taucher seine Vorstellungen geben und
in seinen Productionen die neuesten auf diesem Gebiete vor-
haudeuen Apparate vorführen. Das Kaiserschiff wird nicht nur
eine unterhaltende, sondern auch eine belehrende Mission erfüllen,
und dürfte voraussichtlich das Interesse des Fachmannes und des
Laien erregen; der Erstere wird die Fortschritte unserer deutschen
Schiffsbantechnik bewundern und der Biuneiibewohner eine Ahnung
erhalten von der großartigen und complicirten Einrichtung eines
Schiffes, von dem Leben und Treiben auf einem Passagier
dampfer, der Tausende hinüberführt in fernere Welttheile und ein
gewaltiges Stück des Weltverkehrs veranschaulicht. A. H-ck.
Auf dem Banplatz der Untergrundbahn.
Von A. Oskar K l a u ß m a n n.
20» äußersten Ostende des Ansstellungsterrains. gegenüber dem
Etablissement von Zenner befindet sich der Eingang zu dem Bauplatz
der Untergrundbahn. Der Zutritt zu dieser Baustelle ist für jeden Un
befugten auf das Strengste untersagt, die Arbeiten sind aber, trotzdem
sonst alle Maschinen und Vorbereitungen fertig sind, nur in be
scheidenem Umfange in Angriff genommen worden. Einzelne Berliner
Zeitungen wußten bereits zu melden, daß der Tunnel, der unter der
Spree hindurchführen soll, in der Ausführung begriffen sei und daß
sich der Bau schon mitten unter Spree befinde. Diese Nachricht ist
falsch. Mit dem Bau ist noch nicht begonnen worden und wird wohl
kaum vor Ende Februar angefangen werden können. Der
Fabrikant, welcher der Gesellschaft den sogenannten Arbeitsschild
zu liefern hat, d. h. den riesigen, kreisrunden Apparat von
fast vier Metern Durchmesser, der sich in das Erdreich einbohrt
und so den Tunnel erzeugt, war nicht im Stande, das schwierige
Arbeitsstück in der ihm gegebenen Frist herzustellen. Anstatt Anfang
November, wie ausgemacht war, wird er das Niesenstück erst Ende
Februar liefern, und erst dann kann mit den Arbeiten begonnen
werden. Es ist allerdings Alles so vorbereitet, daß ohne Zögern und
ohne Aufenthalt das Vortreiben des Tunnels vorgenommen werden
kann. Die Gesellschaft hofft daher, bis zum l. Mai, bis zum Eröff
nungstage der Ausstellung, mit dem Tunnel 150 Meter vorgerückt zu
sein und sich dann schon ungefähr 40 Meter weit unter-dem Spreebett
zu befinden. Diese Versuchsstrecke von 150 Metern wird dann von
dem Berliner Magistrat resp. dessen Vertretern eingehend geprüft
iverden; denn auf Veranlassung des Magistrats erfolgt die Her
stellung dieser Probestrecke. Wann die ganze Durchtunnelung der
Spree vollendet sein, ob während der Ausstellung selbst die Untergrund
bahn noch in Betrieb genommen werden wird, ist vorläufig noch nicht
festzustellen.
Auf dem Bauplatz betreten wir zuerst das Maschinenhaus,
in dem durch zwei gewaltige Locomobileu Dampf und
Kraft erzeugt wird. Diese beiden Locomobileu dienen dazu,
um die Luftcompressionspumpen zu treiben, welche einen Ueberdruck von
1—1V- Atmosphären erzeugen. Sie dienen außerdem dazu, um die Pumpe»
zu treiben, welche Wasser bis zu einem Ueberdruck von 500, ja von
600 Atmosphären zusammenpressen. Sie erzeugen die Kraft für die
Dynamomaschinen, die dem Tunnel elektrisches Licht liefern, und iverden
endlich noch zur Herausforderung des Bodens dienen, ebenso wie sie
kleinere Pumpen für die Zusammendrückung des Spülwassers auf zwei
bis dret Atmosphären Ueberdruck in Betrieb erhalten. In einem beson
deren Raum befindet sich eine Accunnilatoren-Batterie aufgestellt, welche
dazu dient, mindestens für acht Stunden Licht in den Tunnel zu
schaffen, wenn die Dynamomaschinen einmal versagen oder wegen
Reinignng und Reparatur aitgehalten werden sollten.
In der Nähe des Maschinengebäudes befindet sich die Baugrube.
Dieselbe ist ungefähr fünf Meter tief und sechs Meter breit, und in
ihr ist bereits fertig die ans Eisen hergestellte, kreisrunde Kammer
montirt, die dicht an den Arbeitsschild angeschlossen wird und in welcher
sich die Luftschleusen und die Vorrichtungen zum Hinausschaffen des
Erdbodens befinden. Man sieht jetzt schon, daß die Baugrube eine
Neigung von 1 : 20 hat, und in diesem Gefälle wird der Tunnel bis
zum Eintritt unter das Spreebett geführt. Von da ab bis hinüber
zur Stralauer Seite unter der Spree hat der Tunnel nur ein Gefälle
von 1 : 600. Dann steigt er auf der Stralauer Seite wieder in dem
Verhältniß von 1: 20 zum Straßenniveau empor.
Auf dem Bauplatz ist ein Stück des Tunnels, wie er sich nach der
Vollendung darstellen wird, zur Ansicht und Demonstration aufgebaut.
Die Herstellung des Tunnels wird in der Weise vorgenommen, daß
der Arbcitsschild durch 16 Pressen, die mit Hilfe des auf 500 Atmo
sphären Ueberdruck zusammengepreßten Wassers getrieben werden, in
das Erdreich hineingedrückt wird. Jede dieser Pressen hat eine Kraft,
die einem Druck von 50 Tons entspricht. Vor dem Arbeitsschild be
finde» sich Löcher, durch welche Spülwasser eingeführt wird, welches das
Erdreich vor dem Arbeitsschild hiitwegspült. Sobald der Arbeitsschill)
ungefähr um 70 Centimeter vorgerückt ist, wird im Tunnel ein Ring einge
setzt. Dieser Ring ist aus je neun Platten zttsammengeschraubt, und zwar
hat jede dieser Platten vier Flantschen. Eine solche Platte sieht also
einer Mulde ähnlich, deren Boden von dem Stück einer Kreislinie be
grenzt wird, während die vier Flantschen die Ränder dieser Mulde
darstellen. Die Platten, aus denen die Ringe zusammengesetzt werden,
sind an§ Flußeisen hergestellt, und Krupp in Essen hat mit ihnen ein
Meisterstück moderner Eisentechnik geliefert. Damit die Platten nicht
dem Rosten ausgesetzt sind, erhalten sie inwendig und auswendig einen
Uebcrzug von Cement. Die Platten haben eine Breite von 05 eu>, und
das Schlußstück zwischen der achten und neunten Platte bildet ein
Stück Gußeisen. Aus Gründen der Schallabschwächung und der Be
triebssicherheit wird die ganze muldenförmige Vertiefung des Ringes
mit Cement ausgefüllt, und zwar in der Weife, daß ein Herabstürzen
von Cementstückcn aus der Firste (Decke) des Tunnels verhindert wird.
In die Zwischenräume zwischen dem neu angesetzten Ring und dem
denselben umgebenden Erdreich wird Cement hineingespritzt, sodaß der
Ring außen und innen vollständig in Cement eingebettet ist. Dann wird der
Arbeitsschild wieder durch denHub der Pressen vorwärts getrieben, und es
wird ein neuer Ring von 65 Centimetern Breite angesetzt. So entsteht
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