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Periodical volume Nr. 158, 22. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
sind übersichtlich geordnet und werden einer besonderen Be 
sprechung gewürdigt werden. Natürlich herrschen die Kern 
früchte, die Aepfel und Birnen, vor. Was den Wein anbe 
trifft, so zeichnet sich die in Werder seit langem cultivirte 
rothe Traube „Black of Hamburg“ durch grosse Tracht aus. 
Der Ellerling stammt von einer vor 200 Jahren bei der er 
sten Anlage der Kolonie auf dem damals öden Kulm gepflanz 
ten Rebe her. Unter den Aepfeln zeichnen sich durch ihre G rösse 
und Güte der gefleckte Cardinal, die riesige Grossmutter (ein 
ft oder Musapfel), die bekannte Weidner Goldrenette und 
Werdersche Wachsrenette, der Eisapfel Cornell, und unter 
den Birnen Dopp Philipps, Papst Pius IX., Hardenpunts, 
William Duscher, der Findling von Hohenstraaten, Diels, 
Madame Teyre, Madame Andree, Ballet und andere 
meist der sogenannten Butterbirne angehörige Sorten vor 
nehmlich aus. Auf der Buntzel’sehen Seite begegnen wir 
auch einer schönen Collection von Zellernüssen. 
S 
Ausstellungs-Lotterie. Die Ziehung der Serie B der 
Ausstellungs-Lotterie, die vom 23. bis 26. d. M. stattfindet, wird 
nicht, wie es ursprünglich bestimmt war, im Hörsaal des Chemie 
gebäudes, sondern in der Stadt, und zwar im grossen Saal des 
Architektenhauses (Wilhelmstr.) abgehalten werden. Die Ein 
zahlung der Loose in die Ziehungsräder vor Notar und Zeugen 
sowie den Vertretern der Polizei und des Arbeits-Ausschusses be 
ginnt heute Morgen 10 Uhr. 
» 
Das Musikcorps der Eisenbahn-Brigade (Musik- 
director Lebede) wird auch heute (Dienstag) und morgen (Mittwoch) 
neben dem Philharmonischen Blas-Orchester am Neuen See 
concertiren. 
9 
Unser Pavillon erhielt gestern Nachmittag den Besuch 
Sr. Excellenz des Herrn Staatsministers Dr. von Delbrück. Er liess 
sich die dort aufgestellten Setzmaschinen auf das Eingehendste er 
klären, besichtigte die Stereotypie und die Rotations-Maschinen und 
sprach sich nach circa 30 Minuten langem Verweilen ausserordent 
lich lobend über die Einrichtungen aus. Herr Staatsminister 
von Delbrück bemerkte u. a.: »Wir sind natürlich auch Abonnenten 
des Lokal-Anzeiger«. 
9 
Einen altdeutschen Bierkrug, gefüllt mit Habel’schem 
Stoff, erhielt am Sonntag Herr Hahnke aus Charlottenburg in der 
»Schwemme« hinter dem Alpenpanorama; Herr Hahnke betrat die 
Schwemme in dem Momente, als das erste Glas Bier aus dem 
500sten hier verzapften Hektoliter ausgeschenkt werden sollte. 
9 
3 Weintrauben von ganz ungewöhnlicher Grösse und 
namentlich dadurch höchst bemerkenswerth, weil sie in 
grossen Blumentöpfen auf der Ausstellung zu vollständiger 
Reife gebracht wurden, hat der Görtnereibesitzer Mehl aus 
Weissensee in einem besonders dazu eingerichteten Treib 
haus für Kenner und Liebhaber deutschen Weines ausgestellt. 
Unter den voll und kräftig entwickelten Flüchten, die als 
eine Zierde der Berliner Gartenbaukunst betrachtet werden 
dürfen, sind es namentlich die Sorten „Blauer Trollinger“, 
„Chasselas Duc de Malakoff“, (ein bischen Französisch 
muss ja dabei sein) und „Rother Krach Gutedel“, die in be 
sonders grossen Früchten durch sechs bis sieben mächtige 
Trauben an einem Stock vertreten sind und sich durch ihr 
würziges Aroma und einen trefflichen Geschmack aus 
zeichnen. In Würdigung dieser hervorragenden gärtneri 
schen Leistung sind 22 Töpfe für die Verloosung angekauft. 
9 
Der Platz vor unserem Pavillon ist längst diei 
Rendez-vousstätte für „tont Berlin“ geworden. Seit einiger 
Zeit aber scheint der Pavillon auch als willkommener Lager 
platz für postlagernde Briefe aus dem In- und Ausland be 
trachtet zu werden, denn fast täglich treffen Postsendungen 
mit dem Vermerk ein: „Im Pavillon des „Berliner Lokal- 
Anzeiger“. Wir freuen uns zwar dieser weitverbreiteten 
Popularität herzlich, möchten aber doch für etwa nicht an 
kommende oder an eine falsche Adresse gelangende Briefe 
und Karten keine Verantwortung übernehmen. 
Wie oft besucht der Berliner „seine“ Aus 
stellung? Diese Frage lässt sieh natürlich nicht mit einer' 
geraden oder ungeraden Zahl beantworten, aber sie giebt) 
immerhin zu interessanten Betrachtungen Veranlassung. Ab-; 
zusehen ist hierbei natürlich von den Inhabern der Dauer 
karten, von denen Viele zu den täglichen Besuchern der Aus 
stellung- gehören, zumal wenn ihre Wohnung in der Nähe des 
Treptower Parkes liegt. Wir haben es vielmehr mit denjeni 
gen Berlinern zu thun, die aus gewerblichem Interesse oder 
zur Unterhaltung einzelne Tage für den Ausstellungsbesuch 
festgesetzt haben. Nach einer Umfrage, die wir bei hundert, 
den verschiedensten Ständen und Berufsarten angehörenden 
Personen theils schriftlich theils mündlich abhielten, kann 
man annehmen, dass die meisten acht- bis zehnmal als zah 
lende Besucher in der Ausstellung waren. Nur sechs brachten 
es auf eine Zahl von zwölf, zwei auf eine solche von fünfzehn 
Besuchen. Mit einem einzigen Besuch begnügte sich Keiner. 
Von den Sonder-Ausstellungen wurden am meisten Alt- 
Berlin und die Kolonial-Ausstellung aufgeführt, für Kairo 
genügte den genannten hundert Berlinern ein ein- und zwei 
maliger Besuch. Sechs von ihnen haben die Wunderstadt 
der Pharaonen überhaupt noch nicht besucht, wollen aber das 
Versäumte in diesen Tagen noch nachholen. Natürlich kann 
von diesem kleinen Bruchtheil aus kein Schluss auf den Ge- 
sammtbesuch der Berliner in der Ausstellung gezogen wer 
den, aber einige Anhaltspunkte für die Beantwortung der 
obigen Frage wird man in diesen Mittheilungen doch finden, 
und man wird daraus die Gewissheit entnehmen, dass die 
Berliner im allgemeinen der Ausstellung ein recht lebhaftes 
Interesse entgegenbrachten und das Letztere auch auf sämmt 
liche Familien-Mitglieder, bis auf die sechs- und sieben 
jährigen Kinder ausdehnten. Aehnliche Resultate würden 
auch die Vororte um Berlin ergeben, und auch dort ist es vor 
nehmlich die schulpflichtige Jugend, die der Ausstellung ein 
lebhaftes Interesse entgegengebracht hat. In verschiedenen 
Schulen der dichtbevölkerten Vororte richteten in voriger 
Woche die Klassenlehrer an die versammelten Schüler die 
Frage, wer von ihnen die Berliner Gewerbe-Ausstellung noch 
nicht besucht hätte. Nicht einer meldete sich zum Wort, 
andere aber erklärten später, dass sie schon drei- und viermal 
in der Ausstellung gewesen wären. 
9 
Röntgenstrahlen auf der Ausstellung. Dass die 
neueste und interessanteste „Sensation“ unseres elektrischen. 
Zeitalters, die Röntgenstrahlen, auf der Ausstellung vertreten 
sind, ist eigentlich selbstverständlich. Grosse Vorträge über 
die Entdeckung Röntgen’s sind im Hörsaale des Chemiege 
bäudes an mehreren Vortrags-Abenden gehalten worden. Die 
sen grossen Demonstrationen schlossen sich kleinere an, die 
von einem Physiker geschäftsmässig an den Nachmittagen 
der Sonntage gegen ein kleines Eintrittsgeld im Hörsaale ge 
halten wurden. Als Ausstellungsobjeot sind die Apparate 
und Instrumente zur Erzeugung von Röntgenstrahlen viel 
fach vorhanden. In der elektrischen Ausstellung sehen wir 
sie bei den meisten Firmen und in der Ausstellung wissen 
schaftlicher Instrumente sind sie in den Collectionen von; 
W. A. Hirschmann, A. G< issler Wwe., Ferdinand Ernecko 
u. 8. w. vertreten. Die umfangreichste und interessantestes 
Vorrichtung aber, die auf den Wunsch der Besucher auch de- 
monstrirt wird, bringt im Chemiegebäude die Firma Max 
Kaehler & Martini. Es ist ein grosser Demonstrations-Ap 
parat für Kathodenstrahlen, in seiner Einrichtung für Lehr 
zwecke und Laboratorien bestimmt. In einer grösseren Serie 
von Hittorf-Röhren entwickelt, sich; diese grossartige Ent 
deckung in allen Phasen, vom Moment der ersten Beobach 
tung durch Röntgen bis auf die neuesten von Professor Dr. 
Goldstein erforschten Resultate. Da sehen wir zunächst die 
einfache, altbekannte Hittorf- oder Crookes-Rühre, wie sie 
Röntgen bei seinen ersten Versuchen benutzte . In den übri 
gen Röhren treten uns die Repräsentanten der Erfahrungen 
und Forschungen entgegen, die seit jener Zeit gemacht wur 
den. Da ist die Deformationsröhre, die die Resultate von; 
Lenard und Goldstein zeigt. Die Deformationsröhre besitzt.
	        
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