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Periodical volume Nr. 157, 21. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielfe Ausstellungs - Nachrichten. 
ii 
grosse Collection von galvanischen Elementen sieht man auch 
in der Ausstellung der Finna C. Erfurth. 
Für Mode-., Tages- und Gesellschaftsbedarf arbeitet die 
Firma Albert Friedländer & Co., in deren Ausstellung man 
vieles findet, was cüie Phantasie mancher Besucher und Be 
sucherinnen anregen dürfte. Hier sieht man elektrische 
Cravattennadeln und andere elektrische Schmucksachen, die 
durch einen Taschen-Accumulator erleuchtet werden und in 
fröhlicher Gesellschaft zweifellos grossen Effect erzielen dürf 
ten. Ferner sieht man hier die vielerlei Dinge, die seit dem 
Aufschwung der Kleinelektrotechnik sehr beliebt geworden 
sind. Dazu gehören die elektrischen Blumen, leuch 
tende Bracelets, Salonfeuerzeuge und Bauchservices, 
Uhrständer mit Momentbeleuchtung, kleine Laternen 
u. s. w. Während diese Gegenstände noch vor einigen 
Jahren kleine galvanische Elemente als . Stromquelle 
hatten, sind sie jetzt mit Accumulatoren versehen, 
die ihre Handlichkeit sehr erleichtern und ihnen ein ge 
fälliges Aussehen geben. Diesen Objecten scldiesst sich an 
die Ausstellung der Firma Töpffer & Schädel, die ausser sehr 
praktischen und hübschen Mikrotelephonen für häusliche 
Zwecke auch zwei kleine interessante Specialitäten hat. Die 
eine besteht in einer telephonischen Tischstation in Form 
eines Photographie-Bahmens mit Bild. Das Mikrotelephon 
resp. die Membrane, gegen die man spricht, ist in einen ele 
ganten Photographie-Bahmen gefasst und mit einer Photo 
graphie, die sich der Besitzer selbstverständlich selbst wählen 
kann, überzogen. Die kleine Station verbindet also in sich 
den bekannten Schreibtischschmuck und eine telephonische 
Sprechstation. Die andere Specialität ist eine Anzeige-Vor 
richtung für Kegelbahnen, in dir Weise eingerichtet, dass 
jeder Kegel, der auf seiner Basis einen elektrischen Contact 
bildet, im Niederfallen auf einem Tableau eine Nummer sicht 
bar werden lässt. Da sich das Tableau neben den Spielern 
befindet, so sind diese stets in der Lage, das Spiel genau zu 
kontroliren, ohne erst auf die Anzeige des Kegeljungen zu 
warten. Eine praktische und neue Idjee repräsentirt auch 
die von derselben Firma ausgestellte elektrische Einrichtung 
für Bohrpostämter. 
Während in allen den Objecten der Ausstellung, welche 
Akkumulatoren als Stromquelle haben, diese Accumulatoren 
im Innern der Apparate dem Auge entzogen werden, kann 
man sie in natura in der Ausstellung der Accumulatoren 
werke, System Heyl, sehen. Dort liegen sie, diese Bleiplat 
ten, die den elektrischen Strom, welcher durch sie hindurch 
geführt wird, in sich aufsammeln und ihn nach Belieben 
wiedergeben, bis sie gänzlich entladen sind und auf’s neue 
„geladen“ werden müssen. Ausser den Accumulatoren stellt 
die Firma auch elektrische Wagenlaternen, Kammdeckel-La- 
ternen, Beise- und Sichprheitsi-Lampen, selbstverständlich 
sämmtliche mit Accumulatoren versehen, aus. 
Einen sehr interessanten Apparat zeigt die Firma Ernst 
Pabst mit ihren Maschinen-Telegraphen für Dampfschiffe. 
Dieser Maschinen-Telegraph, der in derselben Ausführung 
auf der Commandobrücke und im Maschinenraum aufgestellt 
wird, zeigt eine Scheibe mit einzelnen Abtheilungen, welche 
die Bezeichnungen: „Halbe Fahrt“, „Langsam“, „Ganz 
langsam“, „Halt!“ „Achtung!“ „Ganze Fahrt“, „Alle Kraft“ 
u. s. w. trägt. Sobald! der Zeiger der Scheibe auf eines dieser 
Signale gestellt wird, leuchtet sowohl auf der Commando 
brücke, wie auch unten im Maschinenraum hinter dem Signal 
ein Licht auf, während gleichzeitig eine Glocke ertönt. Das 
Licht bleibt so lange sichtbar und das Glockensignal hörbar, 
bis der Apparat unten ein Zeichen giebt, dass das Commando 
verstanden wurde. Ein Kontrol-Apparat ermöglicht es auchj, 
festzustellen, ob das Commando richtig ausgeführt wird. Eine 
sehr praktische Neuheit bringt dieselbe Firma mit einem Sta 
tions-Anzeiger für Eisenbahnen. Dieser Stations-Anzeiger 
befindet sich in jedem Coupee und wird vom Zugführer ein 
geschaltet, sobald der Zug in die Station einfährt. Ist dies 
geschehen, so können die Beisenden in jedem Coupee auf 
einem Täfelchen lesen, auf welcher Station sie sich befinden. 
Man muss zugestehen, dass diese Einrichtung durchaus prak 
tisch ist und sich gewiss vortrefflich bewähren würde. 
Apparate für industrielle, wissenschaftliche und medi- 
cinische Zwecke sind in der Ausstellung ziemlich reichhaltig 
vertreten. Die Firma K. Weinert stellt ihren sehr prak 
tischen elektrischen Arbeiter-Kontrol-Apparat aus, der sich 
in grossen Fabriken sehr gut bewähren soll. Becht sinn 
reich sind auch die von derselben Firma ausgestellten auto 
matischen Scheinwerfer für Bühnenbeleuchtung. Schöne 
medicinische Apparate sieht man in der Ausstellung von Bu- 
dolph Krüger, u. a. die grossen stationairen Apparate, ferner 
transportable Apparate für constanten Strom und Inductions- 
Apparate in den verschiedenen Systemen. Wissenschaftliche 
Apparate, die freilich zum grössten Theil im Chemiegebäude 
aufgestellt sind, sind in der elektrischen Ausstellung in den. 
Collectionen der Firma Keiser & Schmidt und Friedrich Bus- 
senius zu sehen. In der Ausstellung von Keiser & Schmidt» 
welche Mess-Instrumente, physikalische Apparate u. s. w. 
zeigt, fällt auch jener gewaltige Funken-Induetor auf, 
der mit seiner Grösse wohl den Biesen unter den 
Inductoren darstellt. Ganz wie diese Firma stellt 
auch Friedrich Bussenius die bekannten Apparate für 
Eöntgen’sche Versuche aus,. Als Specialität hat auch die 
letztere Firma eine Schiessscheibe mit einer elektrischen An 
zeige-Vorrichtung, die mit ihren beweglichen Beifen, von 
denen jeder einzelne einen Contact besitzt, genau zeigt, ob 
der Schütze das Centrum getroffen oder wie weit vom Cen 
trum der Schuss die Scheibe getroffen hat. 
Die elektrische Haus -und Treppen-Beleuchtung, die für 
die späten Nachtstunden bestimmt und jetzt in besseren Häu 
sern vielfach in Verwendung ist, wird in verschiedenen Syste 
men von mehreren Firmen ausgestellt. Becht praktisch 
scheint die Einrichtung der Firma J. M. Eömpler zu sein, 
welche in einem Modell eine selbstthätige, nächtliche Trep 
pen-Beleuchtung ausstellt. Sie ist so angeordnet, dass das 
Licht aufflammt, sobald der Eintretende das Thor geöffnet 
hat. Dieses Licht erlischt, sobald der Thorweg durchschrit 
ten ist, worauf dann automatisch eine Lampe in der ersten, 
dann in der zweiten, in der dritten Etage aufglüht, in der 
Weise, dass sich die eine Lampe entzündet, während sich die 
andere ausschaltet, ohne dass es nothwendig ist, die Lampen 
in den einzelnen Etagen erst ein- und auszuschalten. Die 
Schaltung befindet sich vielmehr auf den Stufen, so dass ge 
rade so viel Etagen erleuchtet werdfen, wie viel der Heimkeh 
rende zu ersteigen hat. Ganz dasselbe geschieht, wenn man 
von der Höhe einer Etage hinabsteigen und zum Thor hinaus 
gehen will. Dann muss allerdings die erste Einschaltung von 
der Wohnung aus geschehen. 
Schliesslich sei noch die grosse Ausstellung der Firma 
Siemens & Halske erwähnt, die sich in einem eigenen, elegan 
ten Pavillon in der Nähe des Chemiegebäudes befindet. Sie um 
fasst so ziemlich das ganze Gebiet der Schwachstromtechnik ; 
Telegraphie, Telephonie, Signalwesen, wissenschaftliche und 
Messinstrumente, Minenzündapparate, Wassermesser und 
Eisenbahnsicherungswesen — eine der grossartigsten und in- 
structivsten Ausstellungen, welche unsere Gewerbe-Ausstel 
lung aufzuweisen hat. W. B. 
Der erste Deutsche Samaritertag zu Berlin. 
[Abdruck untersagt.] 
(Zweiter und letzter Tag.) 
Einer Einladung des Herrn Vorsitzenden Dr. Assmus 
folgend versammelte sich gestern Morgen 10 Uhr eine grössere 
Anzahl Mitglieder des Samariterbundes zu einer Besichtigung 
des vor dem Fischereigebäude ankernden Sanitätsschiffes, 
gelegentlich welcher gleichzeitig eine interessante Krauken- 
Träger - Uebung der Berliner freiwilligen Sanitäts-Colonue 
unter dem Commando des Colonnenführers Herrn Wolter 
stattfand, der auch in liebenswürdigster Weise die sachkun 
dige- Erklärung der Innenräume des Schiffes übernahm. Die 
ses ist von dem Centralcomite des Preussischen Vereins zur
	        
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