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Periodical volume Nr. 41, 28. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

10 Officielle Ausstellungs- Nachrichten. 
dem der Reichskanzler. Im Reichs-Anzeigt r wird mit bin 
dender Kraft kundgegeben, welche Firmen zugelassen wer 
den. Die meisten Culturstaaten, Oesterreich-Ungarn, Gross 
britannien, Belgien, Bulgarien, Russland, Schweden und Nor 
wegen, die Schweiz, die Vereinigten Staaten etc. sind diesem. 
Vertrag beigetreten. Aber auch in den noch fehlenden 
Staaten China und Japan, Türkei und Egypten und einigen 
Staaten Süd- und Mittel-Amerikas gilt wenigstens das Con- 
sular-Schutzgestez, so dass beinahe das internationale Be 
dürfnis gr deckt erscheint. 
Das dritte und wichtigste Erforderniss ist: Das ange 
meldete Zeichen muss den Vorschriften dis deutschen Ge 
setzes entsprechen, also nicht ausschliesslich in Zeichen oder 
Worten oder Angabe des Productionsortes besteh’« n, keine 
in- oder ausländischen Staatswappen enthalten, an sich kein 
Aergerniss t liegen. Wenn derartige Waarenzeichen auch 
im Ausland zugelassen sein sollten, brauchen sie in Deutsch 
land nicht bestätigt zu werden. Ebenso ist es mit denjt nigen 
Zeichen, welche in Deutschland schon von früher her als 
Freizeichen gelten. 
Nachdjem der Vortragende noch einiger Specialverträge 
mit Oesterreich-Ungarn und Frankreich.Erwähnung, gethan, 
besprach er die Möglichkeit einer im Interesse des Welthan 
dels so wünschenswertsten, für alle Staaten gleichen Marken 
schutzgesetzgebung. Da weder die Waarenzeichen an sich 
noch der Rechtsschutz derselben Voraussetzungen haben, 
welche in der Eigenart oder dem Bedürfniss einer bestimm 
ten Nation begründet wären, so stellt einem derartigen Zu 
kunftsideal nichts im Wege. Auch können die bisherigen, 
darauf bezüglichen Maassnahmen des Deutschen Reiches abi 
glückliche, jedenfalls aber vorsichtige bezeichnet werden. 
Dr. L. A. 
Hohe fürstliche Gäste weilten gestern im strengsten 
Incognito in der Ausstellung. Der Grossherzog und die Gross 
herzogin von Mecklenburg-Schwerin und der Grossfürst Paul von 
Russland. Die hohen Herrschaften, die von mehreren Damen und 
Herren ihres Hofstaates begleitet waren, begaben sich u. a. auch 
nach dem Vergnügungspark, woselbst sie der Vorstellung im »Cirkus 
Hagcnbcck« von Anfang bis zum Ende mit gespanntester Auf 
merksamkeit beiwohnten. 
V 
Der Festzug der Alt-Berliner und der Bewohner von 
Kairo, der sich gestern Nachmittag zum ersten Mal durch 
die Anlagen der Ausstellung bewegte, stand im Zeichen 
leidlich guter Witterung, Es war ein eigenartiges und far 
benprächtiges Bild, das sich vor den Augen vieler Tausen 
der von Besuchern entfaltete. Die Alt-Berliner Rathsherren, 
Bürger und Bürgerinnen eröffneten den von Gendarmen es- 
cortirten Zug, in welchem auch die Kapellen von Alt-Berlin 
und Kairo mitgingen. Mancher von den braunen Wüsten- 
Sölmen ging am Arme einer schmucken Berlinerin und 
schwatzte mit ihr, als ob Beide sich schon lange kannten und 
ihre Sprache verständen. Die Beduinen sassen stolz auf 
ihren prächtigen Pferden, und die Weiber aus dem Fellachen- 
Dorf, welche hoch auf den Kamelen thronten, liessen ihr 
.weithin vernehmbares Geschrei ertönen. Den Schluss des 
Zuges bildeten die Eseltreiber, die selbst ihre Thiere bestie 
gen hatten und munter durch die Menge trabten. Vor dem 
Hauptgebäude aber schossen die Araber ihre Flinten ab, dass 
die Luft erdröhnte. Sehr vermisst wurden die schwarzen 
Landsleute aus der Kolonial-Ausstellung, die noch in letzter 
Stunde von der Theilnahme an dem Festzuge ferngehalten 
ffurden. Am Neuen See entlang ging der Zug, nachdem 
er das Hauptgebäude passirt hatte, nach der Alpemviese, 
von wo der Rückmarsch bis zum Vergnügungspark erfolgte. 
© 
Unsere heimischen Militairkapellen werden nach 
der Rückkehr von den Manövern wieder in der Ausstellung con- 
ecrtiren. Heute spielt neben dem Baumann’schen Orchester noch 
die Kapelle des 24. Infanterie-Regiments aus Neu-Ruppin, Kapell 
meister Heimchen, am Montag, 21. d. M., die des Eisenbahn- 
Regiments, Musikdirektor I.ebede, Dienstag und Mittwoch die I. 
Garde-Dragoner, Musikdirigent A. Rosin, und am Donnerstag die 
II. Garde-Ulanen, Musikdirigent E. Keese. 
© 
In der Sport - Festwoche der Ausstellung, 
also in dieser Woche, wird den Besuchern derselben ein inter 
essantes und abwechslungsreiches Programm geboten. Mit 
Ausnahme des heutigen Sonntages, .an dem das Eintrittsgeld 
wie gewöhnlich 50 Pfg. beträgt, wird in Folge der besonderen 
grossen Veranstaltungen an allen Tagen der Woche während 
des ganzen Tages ein Eintrittspreis von 1 Mark erhoben. Au 
allen Abenden findet die grosse elektrische Illumination des 
Haupt-Restaurant statt, während an einigen Abenden 
darüber hinaus, noch Erweiterungen der Festbeleuchtung 
stattfinden. Am Montag Abend ist auf dem Neuen See der 
grosse, vom Berliner Regatta-Verein arrangifte Blumen- 
Lampion-Corso und das Canoerennen; am Dienstag Abend 
zu Ehren der Sportfesttheilnehmer die prächtige eombinirte 
Festillumination unter Einbeziehung der Beleuchtung der 
Bogengänge um den See durch Tausende von Fettlämpchen, 
am Mittwoch Vormittag findet in der Haupt-Ausstellung 
das Endspiel des Lawn-Tennis-Tumiers und am Abend das 
Fecht-Turnier um die Meisterschaften von Deutschland im 
Theater Alt-Berlin statt. Der Donnerstag ist ein combinir- 
ter Ein-Marktag, an dem der Eintrittspreis für die Haupt- 
Ausstellung und die drei Sonderausstellungen Alt-Berlin, 
Kairo und Kolonial-Ausstellung zusammen eine Mark beträgt; 
an diesem Tage werden auf der Alpenwiese die athletischen 
Spiele ausgelochten und am, Abend finden in der Ausstellung 
sowie in den drei genannten Sonderausstellungen glänzende 
Illuminationen statt, in der Hauptausstellung die grosse 
Illumination wie am Dienstag, in Alt-Berlin die prächtige 
Blumen-Illuniinntion, in Kairo die so wirksame orientalische 
Illumination und in der Kolonial-Ausstellung festliche Be 
leuchtung des gesummten Terrains. Am Freitag Abend ist 
der Blumen-Lampion-Radfahrer-Corso vor dem Hauptge 
bäude und den davorliegenden Theilen des Ausstellungs- 
Parkes; am Sonnabend Concours hippique vor dem Cafe 
Bauer und am Abend besonders festliche Beleuchtung zu 
Ehren der Tagung des Frauen-Congresses. Am nächsten 
Sonntag, 27. September, endlich .ist wiederum ein eom- 
binirter Marktag für die Haupt-Ausstellung, Alt-Berlin, 
Kairo und Kolonial-Ausstellung. 
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Das Fest der Angestellten. Am 24. September 
soll in Keller's Festsälen, Koppenstrasse 29, ein Ballfest für 
die Vertreter und Angestellten der Berliner Gewerbe-Ausstel 
lung stattfinden, an denen sich auch viele Chefs betheiligen 
werden. Die Ausstattung, hei welcher keine Kosten gescheut 
sind, verspricht eine sehr glänzende zu werden. Dieses Fest 
bildet in allen Gruppen der Gewerbe-Ausstellung das Tages 
gespräch und die Eintrittskarten finden reissenden Absatz. 
Verschiedene Aussteller haben sich ausserdem entschlossen, 
nach Schluss der Ausstellung im eigenen Pavillon ihren An 
gestellten eine Festlichkeit zu veranstalten und ihnen dadurch 
eins Freude zu bereiten, die den Leuten nach theilweise recht 
anstrengender Thätigkeit wohl zu gönnen ist. 
© 
Eines der volkstümlichsten Restaurations 
Lokale der Berliner Gewerbe-Ausstellung ist „die, 
Schwemme“ hinter dem Alpenpanorama, dort verkehrt mit 
Vorliebe der kleine Mann mit seiner Familie, er verzehrt h,'<-> 
sein mitgebrachtes Frühstück, Mittag oder Abendbrot! und. 
trinkt dazu einen Schoppen Habel’sches Bier zu 10 RriU - 
Pfennigen oder kauft Butterbrod mit Käs’ oder Radi uno,
	        
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