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Periodical volume Nr. 154, 18. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

io Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
die in weissen Strohhüten so sehr beliebte sogenannte „Wag- 
nerform“. 
Das Material für Phantasie - Hüte bildet, vor Allem 
Chenilleflechterei auf Drahtgestell, oder man hat auch die 
Köpfe von bunten Filzstreifen nebst bunter Chenille und 
bunten Seidenbändchen durcheinandergeflochten, während, 
die Ränder nur aus Chenillegeflecht in abstechender Farbe 
bestehen. Für Matrosen- und Reisehüte bleibt Filz und auch 
Seidenvelpel sehr en vogue. 
In Matrosen-, Sport-, Reise- und Reit-Hüten sind bei 
Borchardt, Reiser, Ehlermann, Kirchhof u. anderen 
sehr geschmackvolle Sachen ausgestellt. Die Matrosenhüte, 
die in den verschiedensten Farben, sowohl in schlichtem Filz, 
als auch in prächtigem Seidenvelpel vorhanden sind, werden 
nur mit Bandgarnitur, höchstens kleinem Reiherstutz ver 
sehen, nach wie vor viel von Anhängerinnen eines soliden 
vornehmen Geschmackes getragen werden. 
Hier bewundert man vor allem auch einen sehr schönen 
weissen Cylind< rhut aus Seidenvelpel mit schlichter weisser 
Bandgarnirung und drei herrlichen kurzen weissen Strauss- 
federn, ferner einen schwarzen niedrigen Damencylinder mit 
Schleiergamitur und weissem Reiherstutz und einen dritten in 
grauem Seidenvelpel mit Schmuck von schwarzen Federn 
und weissem Reiher. 
Ehlermann stellt neben Rohproducten in Velpel und 
Filz und schlichten Matrosenhüten wahre Kunstwerke in un- 
garnirten und garnirten Damenhüten aus. Es wird hier 
wirklich eine schier unfassbare Vielseitigkeit des bunten 
Materials entwickelt. Da sind grosse Phantasiehüte, deren 
Kopf aus buntem Chenille-Geflecht bestellt, abstechend davon 
sind die gewellten Ränder dieser Hüte aus weisser oder 
schwarzer Chenille geflochten. Toques und Capottes sind 
da. deren Köpfe in den verschiedenen Farben des Regen 
bogens prangen, ein grüner, ein orangefarbener, ein brauner, 
ein blauer, ein violetter, ein bronzefarbener, deren Ränder 
alle schwarz gehalten sind. Daneben sieht man auch einen 
grünen Hut mit blauemRand, einen goldgelben mit braunem, 
einen kupferrothen mit grünem, und noch viel mehr solcher 
mehr oder minder gewagten Farbenzusammenstellungen. 
Auch bei der Firma Kirchhof, Dewitz und anderen sind 
in dieser Art die Hüte zu sehen, Besonders hübsch war eine 
ziemlich grosse, von weissem Chenille-Geflecht hergestellte 
Fafon mit schwarzem Rand. Auch Hüte, deren ziemlich 
holn r Kopftheil aus schmalen geschnittenen bunten Filz 
streifen besteht, dem sich dann ein breiter Rand aus Geflecht 
von Chenille und schmalen Atlasbändchen ansetzt, sind in 
grösster Auswahl vorhanden. 
Daneben finden wir auch öfter zu Filzkrempen den 
Kopf aus farbigem Sammet hergestellt, oft geschmückt mit 
schöner Application von Spitzen, oft auch mit Perlen-, 
1* littet- und Cantille-Stickerei. In diesen Hüten scheint 
ganz besonders die Wagnerform sich zu gefallen, für welche 
ja eben der oben grössere Kopf, der sich nach unten zu faltig, 
verengert, charakteristisch ist. Aber auch in verschiedenen 
anderen Facons finden wir Sammetköpfe mit abstechender 
oder gleichfarbiger Filzkrempe, letztere steht öfter rund um 
den Kopf ab, gleicht, einem in Plisseefalten gelegten Volant. 
Wenn für Reise-, Sport- und Matrosenhüte die einfache Band 
garnitur nach wie vor maassgebend ist, so zeigen die grossen 
Phantasiehüte wieder reicheren Ausputz. Hier sind vor 
allem recht breite grosse Schleifen beliebt, aber auch vielfach 
grosse, in breite Falten gelegte Rüschen von schwerem Seiden 
band, die oft einfarbig, oft aber auch mit Stoff mit abstechen 
der 1 arbe an den Rändern schmal eingesetzt sind und mit 
funkelnden Agraffen befestigt erscheinen. 
In der Ausstellung von Auguste Münzer waren, wie für 
die Sommer-Saison, so jetzt auch wieder sehr hübsche Modelle 
ausgestellt. Sehr eigenartig wirkt dort ein grosser Hut, 
dessen Kopf aus grünem Sammet besteht, während der Rand 
aus kunstvollem blauem Chenille-Geflecht hergestellt ist. Fe 
dern und grünblau schattirte Bundschleifen bilden die Garni- 
rung. Ebenso schön ist ein lila Sammethut mit reichem 
Schmuck von grossen Veilchen — und einer von schwarzem 
Sammet, der in wunderhübscher Einfachheit, geschmückt 
nur mit weissseidener grosser Schleife und prächtigen weissen 
Straussfedern seine grosse Kostbarkeit nicht verleugnen kann. 
Daneben fehlen auch solche Hüte nicht, die, auffallenderem 
Geschmack Rechnung tragend, in den gewagtesten Farben 
zusammenstellungen prangen, meist aber dennoch von glück 
licher Wirkung sind. So ist dort ein grosser runder Hut 
von grünem Filz, geschmückt mit dunkellila Veilchen, sowie 
lila und grünschillernden Schleifen. 
In d< r Ausstellung der Firma Pappenheim ist ein grün 
licher Filzhut sehr hübsch mit reicher und kunstvoll ausge 
führter Application weisser Points, der ohne Garnirung aus 
gestellt ist, wie auch ein zweiter von schwarzem Sammet mit 
bunter Perlenstickerei. Die Capottes und Toques, die gar- 
nirt und ungamirt in reichster und buntester Auswahl zu 
sehen sind, erinnernd an die neuerdings auch wieder so sehr 
beliebten Kleiderschärpen, haben oft ganz breite Bindebänder 
für diesen Winter erhalten, die manchmal noch an den Rän 
dern mit schmalen, kraus angesetzten Volants umsäumt sind. 
Manche Dame wird diese Bindebänder, die seit einigen Jah 
ren verschwunden schienen, freudig begrüssen, denn diese 
Bänder, in eine grosse hübsche Schleife unter dem Kinn ge 
bunden, kleiden selbst ganz jugendliche Gesichter oft sehrgut. 
Die Firma Guttmann hat unter anderem eine sehr hüb 
sche Capotte ausgestellt von hellgrünem Sammet mit grünen 
Blumen und grünen Seidenschleifen genau in der zarten. 
Nuance des Hutes mit dunkelgrünen Federn, während die auf 
fallend breiten Bindebänder wieder aus dem helleren Stoffe 
gefertigt sind, eine lange schöne Schleife bildend. 
Eine zweite Capotte aus grünem Sammet war ganz mit 
schwarzer Flitterstickerei bedeckt und mit vornehmem Ge 
schmack mit grossen schwarzen Seidenschleifen und schwar 
zen Straussfedern geschmückt, 
Ein mehr toqueartiger Hut bestand aus tiefrothem Che 
nille-Geflecht mit schwarzem Rand, die Garnirung bilden 
schwarze Straussfedern und reiche schwarze Florrosetten, 
schwarze, sehr breite Bindebänder mit ganz schmalen Vo 
lants von schwarzem Flor. Sehr hübsch ist auch eine Ca 
potte aus kupferrothem Sammet, im Schmucke schwarzer 
Schleifen und Federn und zwei sehr geschmackvolle runde 
Hüte. Von diesen ist einer ein grosser schwarzer Filzhut, 
nur mit grossen schweren schwarzen Seidenbandschi'ifen 
und kostbaren schwarzen Straussfedern gschmüekt, der an 
dere besteht aus braunem Seidenvelpel und ist besonders reich 
mit grünlichen Straussfedern und braunen Schleifen garnirt. 
An hellen, sonnigen Herbsttagen, wie sie uns hoffentlich! 
der September und October noch bringen werden, werden 
diese bunten zierlich« n Hüte reizend aussehen und sich gewiss 
der allgemeinsten Beliebtheit der Damenwelt erfreuen. Wenn 
dann aber die Stürme des Winters toben und die Tage dunkel 
und kalt sind, Pelzmantel und Kragen in ihre Rechte treten, 
dann werden auch vielfach Pelzhüte in Gunst, stehen. 
Vormals beschränkte sich die Kopfbedeckung aus Pelz 
auf Mützen und Baretts, welche, keck auf das hübsche Köpf 
chen gedrückt, besonders von der Jugend für die Eisbahn be 
liebt waren. Doch zeigen sich jetzt vielfach Hüte, die in 
allen möglichen hübschen Formen aus Pelz und Sammet, Fe 
dern, Band etc. hergestellt und harmonirend geschmückt sind. 
In den Ausstellungen unserer grossen Pelzfinnen sind 
solche. Hüte in geschmackvollsten Formen und kostbarster 
Ausführung zu sehen. N. von Brandenburg. 
Der dritte Seefischereitag. 
(Abdruck untersagt,] 
(Zweiter Sitz u ng s tag.) 
Die zweite Sitzung des dritten Seefischereitages des Deut 
schen Seefischerei-Vereins wurde gestern Morgen 10| Uhr 
im Hörsaal des Chemiegebäudes unter äusserst zahlreicher 
Betheiligung der Vereinsmitglieder und der geladenen 
Fischer durch den Präsidenten Dr Herwig eröffnet. Der*.
	        
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