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Periodical volume Nr. 153, 17. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielte Ausstellung^ - Nachrichten. 
nicht täuschen. Dieser verschwindet sofort nach leichtem 
Schütteln der Flasche. Diese selbst sollen indessen nach 
einer Vorschrift nicht berührt werden. Hübsch und lehr 
reich ist das Modell der Kuranstalt Hellersdorf. Sehr se- 
henswerth erscheint auch die Ausstellung der bekannten 
Milchwirthschaft des Hoflieferanten Dr. Hartmann (Flaschen). 
Grosse Sterilisirungs-Apparate finden sich bei F. und M. 
Lautenschläger, z. 13. die Heissluft-Sterilisatoren mit Rege 
nerativ-Heizsystem und Asbest-Verkleidung, welche eine Er 
hitzung bis auf 200 Grad Celsius gestatten. Ein nicht gros 
ser Sterilisator nach Dr. Petri und Dr. Maassen, welcher in 
derseiben Form für das Civilkabinet Ihrer Majestät der Kai 
serin geliefert wurde, präsentirt sich in sehr solider Arbeit 
im Vordergründe. Ferner ist ein Dampf-Sterilisator nach 
Geh.-RathKoch und ein grösserer für bakteriologische Zwecke 
mit Condensationsvomchtung nach Geh.-Rath Löffler zur 
Wiedergewinnung des verdampften Wassers vorhanden. Ste 
rilisirungs-Apparate ganz ähnlicher Construction hat endlich 
auch Julius Schober (System Schober) ausgestellt. 
Die Sterilisirung ist heute ein unbestrittenes Erfordernis« 
der Hygiene und bietet die beste Gewähr, um gegen die ver 
derblichen Krankheitserreger einen Wall zu errichten. Der 
wahre und grosse medicinische Werth aber möge sich immer 
deutlicher erweisen, wie dies die schöne Devise der Milchkur 
anstalt am Victoriapark besagt: „Den Kindern zur Nahrung, 
den Kranken zur Heilung, den Gesunden zur Stärkung.“ 
Paul Eberhard. 
Der dritte Seefischereitag. 
[Abdruck untersagt]. 
Unsere Seefischerei hat Jahrhunderte lang so sehr im 
Hintergründe gestanden, dass selbst, erheblich kleinere Staa 
ten des nördlichen Europa, trotz nicht besserer Küstenent 
wickelung uns weit voran waren. Aber jetzt regt es sich auch 
alkrorten bei uns, und wenn Regierung und Behörden Inte 
resse für unsere Seefischerei bekunden, so dürfen wir hoffen, 
das Versäumte nachzuholen. Glücklicherweise interessirt 
sich unser Kaiser derartig für die Sache, dass er sogar das 
Protectorat über den Deutschen Seefischerei verein übernom 
men hat, der während der Tage vom 16.—18. d. Mts. auf dem 
Gelände der Ausstellung tagt und als der erste treibende Fac 
tor zur Hebung unserer Seefischerei und der Verbreitung der 
so ausserordentlich schmackhaften, nahrhaften und billigen 
Fischkost betrachtet werden muss. 
Nachdem die Theilnehmer des Fischereitages sich bereits 
am Dienstag Abend zu einer geselligen Begrüssung im Tü 
cher’scheu Restaurant in Berlin zusammengefunden hatten, 
fand am gestrigen Mittwoch im Hörsaal des Chemiegebäudes 
die erste geschäftliche Versammlung statt. Zu derselben 
hatten sich etwa 250 Theilnehmer, darunter gegen 200 Fischer 
von der ganzen deutschen Küste eingefunden. Fünfzig der 
selben waren mit Hilfe eines Reisestipendiums hierhergekom 
men, das der Kaiser im Betrage von 2000 Mark zu diesem 
Zweck gestiftet hatte. Regierung und Behörden waren durch 
den Landwirthschafts-Minister Excellenz v. Hammerstein, 
den Geh. Oberregierungsrath von Friedberg, den Unterstaats- 
secretair Rothe vom Reichsamt des Innern, Geh. Oberregie 
rungsrath Schweckendieck vom Arbeitsministerium, Geh. 
Oberregierungsrath Semper vom landwirthschaftlichen Mi 
nisterium und den Präsidenten des Reichseisenbahnamtes 
Schulz vertreten; ausserdem sahen wir den mecklenburgi 
schen Geh. Ministerialrath vonHammerstein und eine Anzahl 
(Vertreter der Marine in der Versammlung. 
Der Präsident des Deutschen Seefischereivereins Herr 
'Dr. Herwig eröffnete dieselbe um 10j Uhr, indem er seine 
Befriedigung über den schönen Sitzungsraum aussprach, des 
sen stimmungsvollster Hintergrund die eigene, von dem 
Verein geschaffene Fischerei-Ausstellung sei. Vor Allem aber 
müsse des Kaiserlichen Protectors gedacht, werden, dessen 
Gunst es ermöglicht habe, ein halbes Hundert Fischer von 
der ganzen Küste zu dem Fischereitag einzuladen und einen 
Kaiserpreis für die Lösung gewisser technischer Fragen zu 
geben. Hier sei der richtige Ort und die richtige Stunde dem 
Kaiserlichen Gönner den Dank des Vereins darzubringen. Herr 
Dr. Herwig schlägt zu diesem Zweck ein Begrüssungstele- 
gramin vor, das einstimmig angenommen wird, und bringt ein 
Hoch auf den Kaiser aus, in das die Versammlung begeistert 
einstimmt. Das Telegramm hat folgenden Wortlaut: 
„Ew. Kais. Königs Majestät bittet der dritte Seefisehereitag 
des Deutschen Seefischerei-Vereins, der heute mit mehreren hundert 
Theilnehmern, darunter etwa 200 Seefischern der ganzen deutschen 
Küste seine Verhandlungen begonnen hat, den allerunterthänigsten 
Dank für die huldreiche Förderung seiner Unternehmung aus 
sprechen zu dürfen. Der Deutsche Seefischerei-Verein wird in den 
Bestrebungen nicht erlahmen, unter Ew. Kaiserl. Königs Majestät 
hohen Protection der nationalen Sache der deutschen Seefischerei 
weiter zu dienen. Herwig, Präsident.“ 
Ferner spricht Herr Dr. Herwig den anwesenden Vertre 
tern der Regierung und der Marine, sowie den Ehrengästen 
seinen Dank aus, die, wie er mit Freuden constatirt, auch aus 
dem Ausland, aus Dänemark, Schottland, Schweden, den 
Niederlanden, Belgien und Frankreich erschienen sind und 
ganz besondere Ehrung für die zahlreichen Dienste in An 
spruch nehmen dürfen, die sie der deutschen Seefischerei 
schon geleistet haben. Er begrüsst auch die anwesenden 
Fischer auf das Herzlichste und betont die Momente, die deren. 
Erscheinen so wünschenswerth machten, vor allem aber den 
Umstand, dass gewisse Arbeiten des diesmaligen Programms 
nur gemeinschaftlich mit den Fischern gedeihen könnten. 
Ganz besonders hebt Herr Dr. Herwig hervor, dass nur durch 
die energische Beihilfe der Fischer die Ausstellung des Ver 
eins zu solcher Vollendung gediehen sei. Aber noch Anderen 
müsse heute warmer Dank dargebracht werden: dem Arbeits- 
Ausschuss der Ausstellung für sein herzliches Entgegen 
kommen, Herrn Architekt Hoffacker, der das originelle, 
künstlerisch-schöne Gebäude geschaffen habe und nicht min 
der den Herren Adlon & Dressei, die es so trefflich verstanden 
hätten, auf die Vereins-Idee der Fischkosthalle einzugehen 
und dieselbe mit liebevollem Verständniss so zu gestalten 
dass sie dem Ideal, das dem Verein vorschwebte, in der Haupt 
sache voll und ganz entspräche. Der Redner eröffnet den 
dritten Fischerei tag mit dem Wunsch, dass die Verhandlun 
gen ersprießliche sein und der grossen nationalen Sache die 
nen möchten. 
Nach einer Reihe geschäftlicher Mittheilungen seitens 
des Präsidenten verliest Herr Professor Dr. Heuking, der 
Generalsecretair des Vereins, den Geschäftsbericht für die 
Jahre 1894 und 1895. In die Details desselben einzugehen, 
ist hier selbstverständlich nicht der Platz, und wollen wir nur 
constatiren, dass aus demselben die unermüdliche Thätigkeit 
des Vereins für die Hebung und Förderung der deutschen’ 
Seefischerei glänzend documentirt wird, eine Thätigkeit, dic- 
sich auch durch zahlreiche pecuniaire Zuwendungen aus der 
Vereinskasse an einzelne Fischer.und ganze Vereinigungen 
ersprießlich erweist. Ueberall ist der Deutsche Seefischerei 
verein da helfend eingesprungen, wo es sich um die Ausfüh 
rungen von erfolgversprechenden Neuerungen, die Anschaf 
fung neuer Netze, Boote etc. handelte. Der Verein, der eben 
auch eine Denkschrift über die wichtige Häringsschutzzoll 
frage herstellen lässt, hat correspondiren de Mitglieder inAme- 
rika, Belgien, Dänemark, Frankreich, Grossbritannien, Hol 
land, Italien, Oesterreich, Norwegen und Schweden und un 
terhält einen Schriftenaustausch mit mehr als 30 Gesellschaf 
ten des In- und Auslandes, so dass die Vereinsbibliothek, die 
allen Mitgliedern zur Verfügung steht, auf mehr als 1000 
Bände angewachsen ist. 
Nach Verlesung des Geschäftsberichts ergreift Herr Un- 
terstaatssecretair Roth das Wort, an Stelle des verhinderten 
Ministers des Innern die Versammlung im Namen der Reichs 
verwaltung zu begrüssen. Er betont die hohe nationale Be 
deutung des Vereins, der sich so oft schon der Reichsverwal 
tung in Fragen der Fischerei als werthvoller Beirath erwiesen 
habe. Dafür stehe ihm diese auch als Schirmerin zur Seite 
Der Verein habe sich durch sein zwölfjähriges nationales
	        
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